Apples neues Social Music-Network: Was pingt mir das?

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„It’s like Facebook and Twitter meet iTunes“, hatte Steve Jobs auf der Keynote gesagt. Auf dem Tagesplan stand die Präsentation neuer Musikutensilien für Käufer und Nutzer und Apple dürfte mit dem Line-Up (neue iPods, die Miet-Box AppleTV) die Community nicht enttäuscht haben. Das spannendste Projekt jedoch, das sich Cupertino wohl in den vergangenen Monaten ausgedacht hat, lautet nun also „Ping„.

Ping ist ein soziales Netzwerk, das fest in iTunes 10 verankert ist und in erster Linie der Entdeckung neuer Musik dienen soll. Damit hat sich Apple tatsächlich an den etablierten Marktplätzen Facebook und Twitter vorbeigeschlichen, um jedoch umso imposanter dem schwächelnden Netzwerk MySpace den Fehdehandschuh ins Gesicht zu knallen. Der News Corp.-Ableger kämpft seit Jahren gegen schwindende Nutzerzahlen an, derzeit misst der weltweite Mitgliederstamm rund 110 Millionen; eine Loyalität, die sich MySpace in sieben (!) Jahren erkämpfen musste. Ping steigt mit insgesamt 160 Millionen potentiellen Nutzern in den Ring – jeder von ihnen benutzt heute iTunes, jeder von ihnen hat auch seine Kreditkartendaten hinterlegt. Der für den Herbst angekündigte Relaunch von MySpace ist ein schwacher und viel zu spät angekündigter Entschluss: News Corp. dürfte von dem plötzlichen Ping-Launch völlig aufgeschreckt worden sein.

Apples Ping basiert auf dem „Folge und werde verfolgt“-Prinzip, gleichzeitig bietet das übersichtliche Profil eine transparente Vernetzung. Damit unterscheidet es sich von Twitter, bei dem der Echtzeitgedanke immer im Vordergrund steht und Tweets binnen zehn Minuten im Nirwana des Netzes verschwinden. Folgen kann man „Leuten“ und „Künstlern“, deren Status-Updates dann regelmäßig auf dem Mitgliedsprofil erscheinen. Jobs hat bei der Präsentation besonderen Wert auf die Datenschutzeinstellungen gelegt, um nicht den Zuckerberg-Fehler zu machen, der regelmäßig Demonstrationen von Bürgerrechtlern und Senatoren vor seinem Wohnzimmerfenster geboten bekommt. Wenn der Ping-Nutzer möchte, dass ihm nur bestimmte oder gar keine User folgen, ist diese Entscheidung nur einen Klick entfernt.

Für eine grundsätzliche Einordnung des jeweiligen Musikgeschmacks, wird das neue Mitglied schon bei der Anmeldung gebeten, favorisierte Genres (maximal drei) und Lieblingsbands oder -songs (maximal zehn) anzugeben. Letztere Auswahl wird entweder manuell getroffen oder speist sich aus den Daten, die iTunes über jeden Anwender mit der Zeit automatisch gesammelt hat. Für die Personalisierung der Profilseite lassen sich der Name, Geschlecht, Wohnort, Kurzbiografie und ein Avatar-Bild angeben. Das war es auch schon.

Kommen wir nun also von den Ping-Möglichkeiten zu den Ping-Unmöglichkeiten. Denn so mutig das Projekt ist (wer startet heute angesichts von Facebook und Co. noch ein eigenes Netzwerk?), so viele Schwachstellen weist es auch bei seinem Start auf. Sicher, der Social Media-Gedanke ist das Grundprinzip von Ping – jedoch nur in seinem eigenen iTunes-Universum: Widgets? Apps? Die Einbindung von Info-Streams aus anderen Netzwerken? Verfügbarkeit aus dem Browser? Bei all diesen Fragen ist zunächst Kopfschütteln angesagt. Ping ist ein hermetisch abgeriegelter virtueller Client-Raum, der nur für die aktive iTunes-Gemeinde zugänglich ist. Wer es als Externer ausprobieren möchte, kommt an einen Account im Music-Store nicht vorbei. Damit fehlt Ping der essentielle Erfolgsgarant, die Offenheit, die Vernetzung nach außen zulässt und das Wachstum antreibt. Niemand wird Ping-Mitglied, weil er die Community schätzt. Jemand wird Ping-Mitglied, weil er die Aufwertung seines Musik-Players im Blick hat.

Eine Prognose für Apples weitere Schritte abzugeben, ist beinahe unmöglich. Das Unternehmen hat sich immer schwer damit getan, die Zügel locker zu lassen. Apps von Drittanbietern müssten an einer ebenso harten Kontrollinstanz vorbei, wie es heute die Programme für iPhone und iPad müssen. Auch fremder, ungefilterter Content von Konkurrenzportalen dürfte Apple ein Dorn im Auge sein. Der Gedanke dahinter: Wir wollen die Qualität des Netzwerks selbst bestimmen. Letztlich steht es auch in den Sternen, ob sich Apple vom Client-Ansatz lösen wird. Zwar wurden ausgewählte iTunes-Inhalte vor wenigen Monaten in den Browser überführt, gekauft wird allerdings immer noch im installierten Programm iTunes. Immerhin: Zum Start hat es Ping auch auf die iOS-Gerätschaften geschafft, über die Nutzer nun einen mobilen Zugriff auf das Netzwerk haben. Wir werden sehen, wie Apple mit den Forderungen der anspruchsvollen Nutzer-Gemeinde künftig verfahren wird…

[flattr /]

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