YouTube Live: Erste Tests ernüchtern das Publikum

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Wenige Stunden, nachdem Google offiziell den neuen Live-Streaming-Dienst für YouTube angekündigt hatte, begannen auch schon die Tests. Doch der erste Eindruck holte viele Zuschauer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Erwartungen waren – trotz YouTubes Bitte um Nachsicht – wohl doch zu hoch. Wer jedenfalls Live-TV im Sinne eines Zattoo-Angebots erwartet hatte, wurde enttäuscht. Dabei ging es nicht einmal um die Inhalte des Streams, Howcast zeigte beispielsweise, wie Erklärvideos angefertigt werden. Nein, in erster Linie stand die technische Seite im Mittelpunkt der Kritik.

YouTube hat mit dem Live-Stream auch eine neue Kommentarfunktion freigeschaltet, in der registrierte Zuschauer sich öffentlich über das laufende Programm austauschen können. Ich habe einmal ein paar Zitate herausgesucht:

  • „Ich hasse den Codec, den YouTube nutzt.“
  • „Nahaufnahmen sind sinnlos bei der niedrigen Auflösung.“
  • „Die Video-Qualität suckz.“
  • „Kann irgendjemand den Jungs mal was über Interlacing erzählen?“
  • „Wird das von einem iPhone 4 aufgenommen?“
  • „Nein, es gibt keine Verzögerung. Startet mal euer 56K-Modem neu.“
  • „Es stockt bei mir sekundenlang, generell sehr langsam.“
  • „YouTube sollte es Nutzern ermöglichen, die Qualität des Livestreams zu bestimmen und den Live-Modus zu verlassen, um vorherige Teile anzuschauen.“
  • „Das ist wie der erste Telefonanruf von Alexander Bell!“
  • „Howcast, erzählt YouTube, dass sie die Netzwerk- und Kompressionsprobleme in Griff bekommen sollen. Es ruiniert eure tolle Show.“

Natürlich sollte nicht verschwiegen werden, dass die Mehrzahl der Kommentare sich jedoch um die Brüste und das Gesäß der HowCast-Moderatorin drehten und YouTube in Ruhe ließen – das ist Internet eben. Nicht umsonst wurden unter den Nutzern die Rufe nach einer Moderation laut („Howcast, ihr solltet Googe ansprechen, ob es Wege gibt, die Kommentare zu filtern.“). Ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zum interaktiven Live-Sender?

Doch zurück zum Stream: Die Rocketboom-Sendung fiel schon nach wenigen Minuten zusammen. Bei Howcast war die Performance ein wenig besser, jedoch zeigten sich auch hier signifikante Probleme: Der Stream brach ab, bufferte lange und stockte regelmäßig, was vor allem bei schnellen Kameraschwenks passierte. Die Qualität des Bildes wurde durch ordentliches Zeilenflimmern beeinträchtigt (De-Interlacing wäre hier tatsächlich eine gute Idee). Der Ton war in Ordnung, auch wenn er hin und wieder asynchron aus der Spur lief – was gut am Nachladen der Datenpakete gelegen haben könnte.

Man darf YouTube nicht hart rannehmen – es war ein Test und Google hatte nie den Anspruch, dass es beim ersten Mal direkt reibungslos klappt. Doch die frühen Ergebnisse zeigen auf, wie groß offenbar die Schwierigkeiten für YouTube sind, Echtzeit-Videoinhalte ins Netz zu streamen. Bis ein „YouTube Live“ für Millionen Plattform-Nutzer sein Release feiert, dürften noch einige Monate ins Land gehen.

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