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Bewegtbild boomt in Deutschland: Ist es der Herbst oder die GEMA?

By 9. November 2010 No Comments

Die neuen IVW-Zahlen sind draußen und eines sticht doch direkt ins Auge: Holla! Was passiert denn bei den Clip-Portalen? Die größten Gewinner des gesamten Oktober-Rankings waren Videoplattformen wie ClipFish (+42 Prozent, 7,2 Millionen Visits gesamt), MyVideo (+28 Prozent, 53 Millionen Visists) und ProSieben (+11,2 Prozent, 151 Millionen Visits). Es scheint sich um einen richtigen Boom im Bewegtbild zu handeln und offenbar ist niemand so richtig in der Lage, eine Erklärung dafür zu finden. Horizont schreibt: „Die Tage werden kürzer, die Bewegtbildnutzung steigt.“ Fertig. Doch ist das wirklich ein jahreszeitlicher Reflex?

Ich habe mir einmal die Klickzahlen vom vergangenen Jahr angesehen, weil ich wissen wollte, ob die Popularität von Netzvideos tatsächlich einem gewissen Turnus unterliegt. Beispiel MyVideo: Die Visits stiegen im Oktober 2009 um 6,88 Prozent, gleichzeitig gingen aber die Page Impressions um satte 17,7 Prozent in den Keller (das schlechteste MyVideo-PI-Ergebnis in der gesamten IVW-Ausweisung bis heute). ClipFish wiederum konnte im Vergleichsmonat des vergangene Jahres deutliche Zuwächse verzeichnen (+37 Prozent Visits, +38 Prozent PIs). Bei Pro-Sieben.de war es wieder heterogen: Die Visits konnten um drei Prozent zulegen, die PIs sanken aber um sieben Prozent. Und jetzt?

These 1: Breitband-Verfügbarkeit

Ja, es kann natürlich sein, dass es gar nichts mit den Angeboten an sich zu tun hat, sondern mit ihrer steigenden Verfügbarkeit. In England gab es kürzlich wieder eine kleine Umfrage in der deutlich wurde, dass schnelles Internet vor allem Traffic-intensiven Plattformen zugute kommt. Das würde aber auch bedeuten, dass die ISPs ihre Vermarktungskampagnen eher in die zweite Hälfte des Jahres verschieben, das Weihnachtsgeschäft schon im Blick.

These 2: Mobile Nutzung

Immer mehr Videoportale gönnen sich Apps oder stellen ihr Angebot auf HTML5 um, so dass der Abruf von unterwegs kein größeres Problem mehr darstellt. Ähnlich wie beim Breitband haben wir im mobilen Sektor die Entwicklung, dass es eine bessere Netzabdeckung bei sinkenden Kosten für die Kunden gibt. N-TV feierte in diesem Oktober beispielsweise einen PI-Rekord bei den mobilen Videoangeboten.

These 3: Die GEMA

Tja, harter Tobak, aber dennoch nachvollziehbar. Für jedes deutsche Videoportal gibt es eigentlich nur einen Konkurrenten: YouTube. Die Google-Plattform hat sich hierzulande jedoch mit den Verwertungsgesellschaften angelegt – allen vorweg mit der GEMA. Immer häufiger passiert es, dass Videos gesperrt werden („Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar.“) oder aber komplett aus dem Katalog fliegen. Das frustriert die Nutzer und von dem fiesen GEMA-Hinweis bis zur Google Videosuche sind es nur zwei Klicks. Videos, die auf YouTube geblockt sind, werden anstandslos beim Wettbewerb abgespielt.

Beispiel:

Das könnte mittelfristig schon den Traffic umleiten. Zumal die GEMA in den vergangenen Monaten ihre Vorgehensweise auf YouTube offenbar verstärkt hat.

Noch irgendwelche Ideen?

About André Vatter

Leidenschaftlicher Social Median und Blogger aus Hamburg. Mehr erfahren.

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