Neuer Mail-Dienst „Project Phoenix“: AOL tritt Facebook vor das Schienbein

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Das nennt man Timing. Nur wenige Stunden, bevor Facebook den wohl größten globalen Mail-Dienst aus dem Hut zaubern will, schießt AOL dazwischen. Der noch immer kriselnde Content-Anbieter hat am Sonntagabend eilig eine Pressemitteilung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass man die Revolution im Mail-Geschäft für sich selbst beansprucht.

Warum elektronische Post für AOL so eine große Rolle spielt? Nun, nach eigenen Angaben sind die Mailboxen der Nutzer für rund 45 Prozent (!) aller Page Views im AOL-Netzwerk verantwortlich. Vergleicht man dies mit der Arbeit, die hinter der gigantischen Content-Mühle steckt, wird schnell klar, wo sich auf lange Sicht mehr Geld sparen lässt. AOL hat dem Mail-Relaunch den Namen „Project Phoenix“ gegeben – mit dem bestehenden Postsystem soll es allerdings wenig zu tun haben: „Phoenix wurde von Anfang an neu entwickelt und aufgebaut und zwar als eine innovative und intuitive Lösung für Mail, so wie sie heute zum Kommunikationsverhalten der Nutzer passt“, heißt es da. Etwas großspuriger klingt es aus dem Mund von Brad Garlinghouse, der für die App-Gruppe im Konzern verantwortlich ist:

AOL war das Unternehmen, das jedem den Online-Zugang ermöglicht hat. Nun machen wir es einfacher und unterhaltsamer, dort auch zu bleiben.

Nun, was ist „Phoenix“ eigentlich? Auf der in der Pressemitteilung genannten Landing-Page gibt es keine weiteren Hinweise. Bislang wissen wir, dass es eine „Quick Bar“ geben soll, welche die Inbox mit Twitter, Facebook, Instant Messaging und SMS verknüpfen soll. Die Inhalte der empfangenen Nachrichten werden automatisch sondiert, so dass Links zu Karten, Bildern und Dateien direkt in der Mail aufbereitet zu sehen sein werden. Als weiteres „Feature“ will uns AOL eine Sammelfunktion verkaufen, die Mails von weiteren Accounts des Nutzers in die Inbox zieht (ich glaube, Web.de und GMX haben das seit den Neunzigern im Angebot). Eine Ein-Klick-Suche für alle Mail-Ordner soll das Angebot abrunden. Eine Standard-Mailbox (POP3 oder IMAP) bietet gerade einmal 25 MB Speicherplatz – es soll jedoch auch kostenpflichtige Upgrade-Möglichkeiten geben.

„Project Phoenix“ läuft derzeit in Private Beta, wer also mal hineinschnuppern möchte, sollte sich um ein Invite bemühen. Der offizielle Start für alle wird nach den Plänen „Anfang des kommenden Jahres“ stattfinden. Da fragt man sich wirklich, warum AOL mit einer solchen Nachricht gerade jetzt am unpopulären Sonntag aufschlägt. Zuviel Angst vor Facebook?

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