Google Places für iPhone: Qype kann sich das Zittern noch sparen

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Android wurde bereits im vergangenen Herbst abgedeckt, nun ist also das iPhone dran. Google hat am Mittwochabend „Google Places“ im App Store veröffentlicht, in den deutschen App-Charts schoss die Anwendung binnen weniger Stunden auf Platz fünf. Und, ja: Die App ist englischsprachig – und, ja: sie hält nichts vom metrischen System und navigiert uns folglich in „Meilen“ zum nächsten Ort. Aber darum soll es nicht gehen…

Google Places kommt in Kombination mit „Hotpot“, einem integrierten Empfehlungssystem, das dem Nutzer Vorschläge auf Grundlage seiner bisher abgegebenen Bewertungen macht. Anders ausgedrückt: Wer oft nach „Pizza“ googelt, wird auch mit hoch gerankten Pizzerien an anderer Stelle bedient. Gleichzeitig enthält Hotpot eine Schnittstelle, die es erlaubt, auf die Empfehlungen befreundeter Google-Nutzer zurückzugreifen. Als Datengrundlage verwendet Google Places die bisher gesammelten Orte der Desktop-Variante: über 50 Millionen Locations sind hier bis heute aufgelaufen.

Warum das alles? Google drängt – wie fast alle anderen – in den Location-Markt. Foursquare und Gowalla haben es bisher nicht über das Prädikat „Nette Spielerei – aber mit viel Potential“ hinausgeschafft, Facebook poltert mit großen Schritten hinterher – spätestens mit der Freischaltung von Facebook Deals in Deutschland ist der Hype auch hierzulande nicht mehr aufzuhalten: Nutzer und Unternehmen versprechen sich gleichermaßen lukrative Optionen. Google war bislang in dieser Hinsicht lose im Desktop-Internet gefangen, die angestrebte Groupon-Übernahme hätte die Entwicklung beschleunigt. Doch das globale Coupon-Portal kommt auch so ganz gut über die Runden: Google hatte den gescheiterten Übernahmeversuch im Nachhinein mit einem desinteressierten „Pöh!“ kommentiert. Immerhin habe man die meisten der Features, die sich bei Groupon finden lassen, ja bereits in die eigenen Dienste integriert, so Googles neue Location-Beauftragte und (schon immer gewesene) Powerfrau Marissa Mayer kürzlich in einem Video-Interview. Also macht man auf eigene Faust weiter.

Doch Google Places ist in Version 1.0.1 – das darf nicht verschwiegen werden – alles andere als ein großer Wurf. Die App wirkt spröde, beinahe statisch: Neun Buttons zieren den Start-Screen, auf dem Google für die Nutzer eine Vorauswahl an diversen Location-Arten getroffen hat (etwa Restaurants, Bars, Bankautomaten, Tankstellen oder… ja: Pizzerien). Unabhängig von den vordefinierten Kategorien können Nutzer per einfacher Suche weitere hinzufügen. Das Ranking jeder Kategorie richtet sich nach der Entfernung, wer also den besten Sushi-Laden der Stadt sucht, muss systematisch alle Gassen des Ortes ablaufen. Zudem sind Bewertungen von Google-Nutzern bislang kaum bis gar nicht zu finden: Um mit einer vordergründig vollständigen Location-Kritik punkten zu können, zapft die App wie in der Browser-Version einfach die Qype-Datenbank an: „Reviews from around the web“, heißt es dann selbstlos. Auch die Location-Bilder leiht sich Google größtenteils von Qype aus.

Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Das große, fette G hat bereits Version 2.0 fest im Blick:

However, expect more features and improvements to roll out soon, including localization in many new languages. We’re hard at work to make Places with Hotpot more and more delicious.

Das wird auch der Moment sein, in dem es hierzulande für Qype gefährlich werden kann. Der Hamburger Anbieter hat sich rückblickend betrachtet nach dem Deutschland-Start im Jahr 2006 sehr schnell und auch unerwartet gut etabliert (zwei Jahre später schrieb man bereits schwarze Zahlen). Die mobile App hat die Popularität weiter befeuert. Ironie dabei: Qype setzt wiederum auf Google Maps für die Navigation.

Doch nun wird es darum gehen, wer die Unternehmen, die Gastronomen, die Supermarktketten und Friseure am besten überzeugen kann. Sicher ist, dass auch bei den Location Based Services früher oder später die Konsolidierung einsetzen wird, so dass am Ende nur noch wenige stehen werden. Zweifelsohne werden Google und Facebook dazu zählen. Und vielleicht noch jemand.

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