Archive for Februar, 2011

Mikrokosmos Twitter: Warum Kampagnen für ein Nischenpublikum?

28. Februar 2011  |  Social Media, Tech, Unternehmen  |  6 Comments


4,5 Milliarden US-Dollar – nicht schlecht. Die neue Bewertung von Twitter, die indirekt durch den Einstieg von JPMorgan Chase vorgenommen wurde, war schon eine kleine Überraschung. Vielleicht rückt es aber auch die Dimensionen zurecht, immerhin nimmt Facebook für sich in Anspruch, insgesamt 60 Milliarden Dollar schwer zu sein.

Doch was heißt das überhaupt: etwas “wert” zu sein? Welchen Maßstab legt man an, um Zahlen wie diese bei einem sozialen Netzwerk zu ermitteln? Antwort: es geht um die potenzielle Reichweite. Facebook verfügt heute weltweit über rund 600 Millionen Mitglieder, Twitter kommt auf 200 Millionen registrierte Konten – wie viele von ihnen aktiv betrieben werden, lässt das Unternehmen jedoch offen. Beeindruckende Zahlen, doch setzen wir beide einmal am Beispiel USA ins Verhältnis: Laut eMarketer erreicht Facebook heute fast 60 Prozent aller Amerikaner, die über einen Internetanschluss verfügen. Und Twitter? Hier sind es gerade einmal 11 Prozent. Das ist eigentlich eine verschwindend geringe Masse an Nutzern, für die eigens Social Media-Kampagnen gebastelt werden. Weiterlesen

Das Link-Karussell dreht sich schneller: Facebook lässt den Share-Button fallen

27. Februar 2011  |  Social Media  |  37 Comments

Es ist eine auf den ersten Blick winzig-kleine Feature-Korrektur, Mashable frühstückt sie schnell ab und schießt den Post als Doublicate Content rüber zur “USA Today“. Ich glaube, die Ausmaße sind noch nicht ganz abzusehen.

Facebook hat beschlossen, den “Share-Button” abzuschaffen, der im Herbst 2009 flott implementiert wurde, nachdem netzweit plötzlich überall “Tweet this!”-Schaltflächen auftauchten. Parallel zu Google entwickelte sich daraufhin ein sozialer Linkindex: schneller als die Suchmaschine und vor allem relevanter, da Nutzer fernab des SEO-Spams bedeutsame Seiten von ihren Fans oder Followern vertrauensvoll angeraten bekommen. Keine Maschine kann den Wert menschlicher Empfehlungen ersetzen – zumindest bis heute nicht.

Doch der Share-Button war schwerfällig, wer ihn drückte, bekam ein Popup präsentiert, durfte ein gecrawltes Bild der aktuellen Seite auswählen und den Link-Tipp mit einer persönlichen Notiz versehen. Dann folgte ein Klick auf den Button (“Im Profil posten”) und erst dann erschien der Eintrag auf der Pinnwand. Facebook hat dieses Verfahren nun restlos beschleunigt: “Gefällt mir” drücken – das war es. Dieser Klick produziert nun nicht länger lediglich eine Fußnote unter “Neueste Aktivität”, sondern formuliert ein komplettes Status-Update. Weiterlesen

PR-Recycling: Churnalism.com entlarvt faule Journalisten

24. Februar 2011  |  Journalismus, Social Media  |  1 Comment

Das liebe ich am Internet und speziell an Social Media: Wir bekommen Tag für Tag neue Instrumente an die Hand, um endlich Transparenz in das Althergebrachte zu bringen; und so merken wir immer öfter, dass die Dinge anders liegen, als sie zu sein scheinen. In diesem Fall wird es eng für die britischen Journalisten.

Die englische Stiftung Media Standards Trust hat ein neues Tool ins Netz gestellt, das es jedem Nutzer erlaubt, den Redaktionen in Großbritannien auf die Finger zu schauen: Wer betreibt unbekümmertes News-Recycling aus dem, was die PR-Schleuder den Journalisten jeden Tag vorsetzt? Der Name der Plattform lautet Churnalism.com, was soviel bedeutet, wie “Pressemitteilungen ungeprüft 1:1 kopieren und dann als eigene Meldung verkaufen” (siehe Wikipedia).

Um eine Abfrage zu starten, reicht es aus, einen PR-Schnipsel oder die komplette Pressemitteilung in ein Fenster zu kopieren und den Check-Button zu drücken. Churnalism.com gleicht die Eingabe dann mit allen Artikeln (rund drei Millionen) ab, die in britischen Online-Magazinen, bei BBC News oder Sky News erschienen sind. Das Archiv reicht bis ins Jahr 2007 zurück. Alle Texte, die zu 20 Prozent oder mehr deckungsgleich mit der PR-Meldung sind, werden dann übersichtlich auf einer Ergebnisseite aufbereitet, die sich schnell per Share-Funktion im Netz verbreiten lässt. Zudem wird jeder Abgleich, der von einem Nutzer veranlasst wurde, gespeichert und ist für andere online zugänglich. Weiterlesen

So sieht das neue Blog der Deutschen Telekom aus / Interview

24. Februar 2011  |  Social Media, Tech, Unternehmen  |  7 Comments

“Was, schon wieder?” – “Ja, schon wieder.” Ich habe mich auch zunächst gewundert, als ich erfuhr, dass die Deutsche Telekom ein weiteres Blog aus dem Hut zaubern will. Das Unternehmen ist heute mit mehreren Fachblogs am Start – bereits ein reichlich bunter Content-Strauß, der ein wenig die orientierungsstiftende Mitte vermissen lässt. Doch genau aus diesem Grund hat man sich nun dazu entschlossen, ein zentrales Corporate-Blog auf die Beine zu stellen, das alle Social Media-Aktivitäten des Konzerns bündeln soll. Die derzeitige Adresse lautet: http://blogs.telekom.com

Der Startschuss für Blog.Telekom soll am Montag pünktlich zur CeBit gegeben werden, ich habe allerdings schon einmal Gelegenheit bekommen, einen ausführlichen Blick auf die Seite zu werfen und wollte ein paar Eindrücke mitteilen.

Das Design

Zunächst fällt das stripped-down, dreispaltige Layout ins Auge, das ein völliges Kontrastprogramm zum bekannten Blog Die-neue-Telekom.com bildet. Der Vorgänger war ein Übergangsprojekt, das den Konzern-Umbau begleiten sollte, und gleichzeitig ein Flash-Monster, dessen Designanspruch hin und wieder auf Kosten der Usability und Lesbarkeit ging (mehr darüber hatte ich auf Basic Thinking geschrieben). Die-neue-Telekom.com soll im Übrigen zunächst abgelöst und dann aufgelöst werden, wobei der Content dann auf die Telekom.com-Seite wandert, sobald auch dort der Relaunch vollzogen ist. Weiterlesen

Vom Buh-Mann zum Verlagsretter: Der seltsame Fall der Google-Anbetung

17. Februar 2011  |  Journalismus, Netznews, Tech  |  1 Comment

Wir beginnen mit den Worten des großen John F. Kennedy: “Vergib deinen Feinden, aber vergiss niemals ihre Namen.” Wäre dies die Absicht der deutschen Verlagsszene gewesen, müsste man heute eine branchenweite Demenzerkrankung diagnostizieren – oder habe ich etwas verpasst? Hierzulande wie in Übersee gehörte es stets zum guten Ton, Google zu hassen. Im Zuge der Hamburger Erklärung wurde dieses Feindbild einstmals schriftlich fixiert, später Kartellrechtsklagen vorbereitet. “Wir werden schleichend enteignet!“, polterte da ein Hubert Burda und bei jedem Treffen der Verlagsbosse kam es noch vor ein paar Tagen erst dann zum Schulterschluss, wenn in Sprechchören das Leistungsschutz-Lied angestimmt und die Google-Flagge verbrannt wurde.

Was wurde denn jetzt aus dem miesen Geschäft mit dem Diebstahl und der frechen Vermarktung fremder Inhalte? Was wurde aus der kompromisslosen Forderung nach einer Umsatzbeteiligung? Ach, so – es war gar nicht so schlimm.

Das System funktioniert ziemlich einfach und ist uns allen aus dem Alltag (oder der historischen Kriegsführung) bestens bekannt: der Feind meines Feindes ist mein Freund. Apple hat erstmals richtig die Muskeln spielen lassen und mit seiner Marktmacht geprotzt. Satte 30 Prozent sollen die Verleger bei Abo-Modellen auf dem iPad abdrücken, zusätzlich werden nur die nötigsten Informationen über die Leser an die Auftraggeber weitergeleitet. Ein Unding! maulen da BDZV und VDZ – eine Unverschämtheit. In einem hilflosen, offenen Brief an Apple machen sie ihrer Empörung Platz und gehen sogar so weit, einen Katalog mit “Forderungen” nach Cupertino zu schicken. Eine Etage höher, bei der European Newspaper Publishers’ Association (ENPA), schlägt man in dieselbe Kerbe. Steve Jobs dürfte reagiert haben, als habe man ihn mit einem Stück Nähseide geschlagen. Weiterlesen

Livestand: Yahoo! stellt eigenen Zeitungsstand für Tablets vor

10. Februar 2011  |  Journalismus, Netznews  |  Kommentare deaktiviert

Da ist er: Yahoo! hat gerade den Launch eines neuen News-Kiosks verkündet. Der “Livestand” genannte Content-Shop soll künftig Tablets mit Inhalten versorgen. Die Ex-Suchmachine sieht ihre Aufgabe dabei in der Vermittlung zwischen Publishern und Werbetreibenden. Der Zeitplan wurde mit heißer Nadel gestrickt: Noch “in der ersten Jahreshälfte” wird mit dem Roll-Out begonnen, da zeitgleich eine deutsche Pressemitteilung verschickt wurde, ist davon auszugehen, dass wir auch hierzulande davon etwas zu sehen bekommen. Vom Start weg werden Android-Tablets und iPads unterstützt, später sollen dann “Mobiltelefone und Browser” folgen.

Livestand wird den Nutzern personalisierbare Angebote beretstellen, die je nach Geschmack, Standort oder sogar Tageszeit variieren sollen. Das alles wird in einem schmucken Multitouch-Paket aufbereitet. Verleger werden nach den Plänen ohne große Hürden Zugang zum System bekommen – über die Konditionen schweigt sich Yahoo! jedoch zur Stunde noch aus: “For more information please contact your Yahoo! partner manager or email us.” Weiterlesen

EconDesk: Kostenloser Online-Rechercheservice für Wirtschaftsfragen

10. Februar 2011  |  Allgemeines, How-To, Wissenschaft  |  Kommentare deaktiviert

Ich bin jetzt seit einigen Wochen bei der ZBW und in meiner Zeit dort haben wir bereits einige Dinge anpacken und umsetzen können (viel Interna, aber auch den Relaunch der Facebook-Seite und die Einrichtung der Location Based Services) – weitere Schritte folgen schon bald. Die ZBW bietet eine Reihe von Diensten, ein bestimmter jedoch hat es mir von Anfang an angetan: EconDesk. Dahinter steckt ein völlig kostenloser Rechercheservice für jeden, der schnell Fakten aus der Wirtschaftswelt benötigt. Im Chat, per Mail, am Telefon oder eben persönlich wird das Team mit der Suche beauftragt. Die Antwort kommt meistens postwendend zurück, in aufwändigen Fällen (“Wie viele Flügeltürkühlschränke wurden im Jahr 1987 im Münsterland verkauft?”) dauert es maximal zwei Werktage.

Ich habe Nicole Krüger, die EconDesk verwaltet, ein wenig über die Hintergründe ihrer Arbeit befragt. Und schon geht es los…
Weiterlesen

Klicktrieb: Wie AOL systematisch den Journalismus und die Blogs entwertet

9. Februar 2011  |  Journalismus, Social Media, Tech  |  1 Comment

Tim Armstrong ist knallharter Ökonom – und man muss es ihm nachsehen: er hat einen ebenso knallharten Job. Den Shift von einer ehemaligen CD-Schleuder namens AOL zum globalen Medienunternehmen hinzubiegen, wäre eine Meisterleistung. Doch noch hat er es nicht geschafft und viele Beobachter zweifeln daran, dass seine starrköpfig eingeschlagene Richtung irgendwo anders landet, als in einer Schublade mit der Aufschrift “Epic Fail – bye, now move on!”

Die Ware, mit welcher der AOL-Chef handelt, ist Content, genauer gesagt: Discount-Content. Auf Basic Thinking nannte ich die Urheber der Texte einmal eine “robotisierte Armee von Content-Affen“, denn genau das sind sie auch. Erfahrene Redakteure, die im Zuge der Printkrise auf der Strecke blieben, abgehalfterte Werbetexter und autodidaktisch veranlagte Journalismus-Tagelöhner werden hundertfach und direkt von der Straße rekrutiert, hinter eine Maschine geklemmt und zur Produktion aufgefordert. Ein semantischer Crawler rast durch Twitter, Facebook und Co. und nimmt dabei in Echtzeit die Stimmung auf. Die gesammelten Daten werden dann durch einen Algorithmus aufbereitet und gleich darauf an die Schreiber als Themenvorgabe weitergeleitet: die Relevanz der Geschichten diktiert das Netz. So kann es eben auch schon einmal vorkommen, dass Justin Bieber mehr Aufmerksamkeit geschenkt bekommt, als die Revolution in Ägypten.

Es ist ein reichlich schmutziges Geschäft, die Redakteure werden nicht nach Aufwand, sondern nach erreichten Klickzahlen bezahlt. Wer aufgibt, wird schnell durch die nachrückende Generation arbeitsloser Journalisten ersetzt. So funktionierte seit einigen Monaten das werbefinanzierte Modell von AOL. Weiterlesen

Livestream-Vortrag: “Future Internet – Chancen & Risiken der Medienbranche”

4. Februar 2011  |  Social Media, Tech, Wissenschaft  |  2 Comments

Seit einiger Zeit befinden sich die Medienbranche im Allgemeinen und Bibliotheken im Speziellen in einem tiefgreifenden Wandel, der durch die veränderten Publikations- und Verbreitungsmodelle (z.B. Citizen Journalism) im Internet ausgelöst wurde. Dieser Wandel wird häufig im Kontext des Web 2.0 diskutiert. Dabei besteht die Gefahr zu übersehen, dass sich bereits die nächste Revolution anbahnt – die vollständige Erneuerung des Internets, häufig unter dem Begriff “Future Internet” zusammengefasst.

Die Antrittsvorlesung des ZBW-Direktors und Medieninformatikers Prof. Dr. Klaus Tochtermann (Twitter) mit dem Titel “Future Internet – Chancen und Risiken für die Medienbranche” stellt zunächst die laufende Diskussion zur Neugestaltung des Internets vor. Dabei wird zwischen den vier Dimensionen Internet der Inhalte, Internet der Menschen, Internet der Dinge und Internet der Dienste unterschieden. Im Zusammenhang der Beschreibung dieser Dimensionen wird an zahlreichen Beispielen aufgezeigt, welche Chancen, aber auch welche Risiken sich in jeder dieser Dimensionen für die Medienbranche bzw. Bibliotheken ergeben. Da es sich um eine Antrittsvorlesung handelt, wird auf wissenschaftlich-technische Detailausführungen weitestgehend verzichtet. Vielmehr ist der Vortrag so ausgestaltet, dass sich Personen, die an den Entwicklungen des Internets interessiert oder gar davon betroffen sind, ein Bild über das Zukunftsthema “Future Internet” machen können. Weiterlesen

“The Daily” soll den Journalismus retten? Meh!

2. Februar 2011  |  Journalismus, Netznews, Social Media  |  1 Comment

Die Erwartungen waren hoch – rückblickend betrachtet waren sie zugegebener Weise viel zu hoch. Schuld an der Verhältnislosigkeit war Rupert Murdoch, als er vor rund sechs Monaten ankündigte, das internationale Pressewesen revolutionieren zu wollen: “Neue Zeiten verlangen nach einem neuen Journalismus”, hieß es dann auch an diesem Mittwoch. News Corp hat die bislang einzige Zeitung von Band rollen lassen, die exklusiv auf dem iPad verkauft wird. “The Daily” (iTunes) ist ein täglich erscheinendes 100-Seiten-Monster, das hauptsächlich von der “Magie der Technik” zehren soll – ein Statement, das es mir im ersten Moment kalt den Rücken runter laufen ließ.

Doch räumen wir zunächst einige Fragen aus dem Weg. Apple war vom ersten Tag der Ideenfindung am Projekt beteiligt. Murdoch ließ es sich nicht nehmen, Steve Jobs mit Komplimenten zu überschütten. Er wirkte beinahe, als bekäme da ein ausmanövrierter Top-Manager von einem Jahrzehnte älteren Branchenimperator den Preis für sein Lebenswerk überreicht (die Neuerfindung der Computer- und Medienwelt), kurzum: es rief Grusel hervor. Apple sitzt also im Boot, allerdings nur zur Anfangsphase, da das iPad heute noch über die nötige Reichweite am Markt verfügt. In ein, zwei Jahren, wenn die anderen Tablet-Hersteller nachgezogen haben, wird sich dies ändern, verkündete Murdoch, ohne den zerknirschten Apple-Mann Eddie Cue auch nur eines Blickes zu würdigen. Technisch dürfte die Öffnung für andere Plattform kein größeres Problem darstellen, da der meiste HTML5-Content von “The Daily” aus dem Browser abgerufen werden kann (die App selbst ist nur rund 45 MB schwer).

Apples zweites Geschenk an diesem Tag bestand aus einem neuen Abomodell für die Kunden. War es bislang nur möglich, Apps einmal käuflich zu erwerben und gegebenenfalls per In-App-Shopping weitere Inhalte hinzuzuladen, so gibt es nun die Möglichkeit der Laufzeitverträge. Im Fall von “The Daily” betragen die Kosten 0,99 US-Dollar pro Woche oder 39,99 Dollar pro Jahr – eigentlich ein Schnäppchen. News Corp hat insgesamt 30 Millionen Dollar in die Entwicklung des iPad-Blattes gepumpt, die laufenden Kosten für die betreuende 100-Mann-Redaktion werden auf wöchentlich rund 500.000 Dollar geschätzt. Murdochs Augen funkelten, als er diese Zahlen verkündete und so schob er gackernd hinterher: “Kein Papier, keine millionenschweren Druckerpressen mehr! Wir geben die Einsparungen an den Leser weiter.” Murdoch vermittelt den Eindruck, als würden allein die günstigen Produktionskosten das Experiment einer Tablet-Zeitung rechtfertigen – der Druck des anhaltenden Leser- und Werberschwunds spielte offenbar keine Rolle. Weiterlesen

An die schreibende Zunft: Wie man eine Bombe richtig zündet (Anleitung)

1. Februar 2011  |  Journalismus, Social Media  |  Kommentare deaktiviert



Vergessen wir “Exklusiv”-Meldungen, von nun an gibt es nur noch das “Exposing” von “Leaks”! Julian Assange hat in der jüngsten Vergangenheit nicht nur US-Militärs und den Botschaftern gehörig vor das Schienbein getreten, er hat vor allen Dingen und an erster Stelle den internationalen Journalismus verändert. Dabei lag angesichts knapper Verlagskassen die Einbeziehung der Leser doch all die Zeit so nahe! Nun boomt es also, das kollektive Denunziantentum, der Bürgerjournalismus und der Hyperlokalismus. Das aufwändige und kostspielige Investigativgewühle wird von willigen (da oft enttäuschten) Lesern erledigt, die neue Aufgabe des Redakteurs ist nun die Proklamation des “Hop oder Top!”-Prädikats – die Verifizierung der Quellen folgt dann in einem der späteren Schritte. Doch dazu später mehr.

Die Einschläge kommen also immer näher, immer mehr professionelle Journalisten oder Blogger üben sich am Bombenbasteln, die dann auf einem öffentlichen Schlachtfeld abgeworfen oder gezündet werden. Ein Funkenregen wird gewünscht, ein bombastisches Feuerwerk am Medienhimmel, das die Wirtschaft, die Politik oder den Typen von nebenan mit einem Donnerschlag bis ins Mark erschüttern soll!

Soweit die Vorstellung. Tatsächlich gibt es kaum eine andere journalistische Fertigkeit, die (vor allem in Deutschland) so stümperhaft angegangen wird, wie das ordentliche Zünden einer Bombe. Ich kann mit aller Bescheidenheit sagen, dass ich selbst die eine oder andere Höllenmaschine am Schreibtisch zusammengezimmert habe und damit ebenso den einen oder anderen “Puff!” erzeugen konnte. Deshalb setzte ich es mir zum Ziel, ein wenig Schwung in die Leaking-Bewegung zu bringen. Deshalb hier nun der ultimative Leitfaden für all die Assanges und Möchtegern-Assanges dieser Welt. Wer dieser Bombenbauanleitung folgt, kann nur alles richtig machen. Weiterlesen