Firefox 4: Mozilla ist wieder im Rennen

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Ich hatte bereits im Vorfeld einige Vorabinfos bekommen, dann aber leider keine Zeit mehr gehabt, darüber zu schreiben (hey, ein neues Blog – was will man machen?). Das soll jetzt daher fix nachgeholt werden. Mozilla hat heute den lang erwarteten Firefox 4 offiziell gelauncht (gestern war er bereits über das FTP-Hintertürchen verfügbar) und – das vorweg – er sieht blendend aus. Im Vergleich zum Vorgänger 3.6 wurde eine ganze Palette an Features überarbeitet, andere sind neu hinzugekommen.

Das war allerdings auch bitter nötig. Der ehemalige Underdog-Browser hatte in der Anfangsphase der dritten Version noch eine gute Figur gemacht – allerdings mehr in PR-Dingen als in technischer Hinsicht: er war zu schwerfällig, zu aufgeblasen, zu instabil. Und so musste der Firefox – trotz der Liberalisierung des Browser-Markes durch Microsoft – seit der Mitte des vergangenen Jahres wieder eine Talfahrt bei den Marktanteilen hinnehmen. Der Trend hält sich bis heute: zugunsten von Chrome und Safari und (ja!) des Internet Explorers.


 

Der Browser im Detail

Mozilla hat alles aus dem Blickfeld geräumt, was möglich war. Die Tab-Leiste ist nun über dem eigentlichen Content-Fenster, selbst das Menü wurde in einem eigenen Tab versteckt (zumindest bei Windows und Linux). Wer mag, kann seine Tabs auch in Gruppen („Panorama-Funktion“) zusammenfassen – eine Art Apple Spaces im Browser. Mitgedacht hat Mozilla auch bei den „Web-Apps“ – gesondert abgelegte Tabs, über die häufig genutzte Cloud-Dienste (Webmailer etc.) ständig verfügbar gehalten werden.

Ein ebenso pfiffiges wie auch unheimliches Feature ist Synch, über das die Surf-Chronik, die Lesezeichen, geöffnete Tabs, Passwörter und gespeicherte Formulardaten auf verschiedenen Computern und mobilen Endgeräten synchronisiert werden können. Ich habe es ausprobiert – es funktioniert tadellos.

Als ich mich heute kurz nach dem Launch in den heiligen Hallen meines Arbeitgebers umhörte, war das erste, was ich zu hören bekam, dass der Firefox 4 unglaublich schnell sein soll. Ich kann einen spürbaren Geschwindigkeitszuwachs derzeit nicht bestätigen, ich weiß allerdings auch nicht, mit welcher Firefox-Version die Kollegen vorher unterwegs waren. Laut neuen Spezifikationen müsste der Speed-Boost aber stimmen: Die neue JavaScript-Engine Gecko 2.0 macht Firefox 4 je nach Testmethode bis zu sechsmal schneller. Wer sich für detaillierte Geschwindigkeitsergebnisse interessiert, kann die Infos auf einer Sonderseite nachlesen. Ich habe noch zur Überprüfung der allgemeinen Web-Kompatibilität einen Acid3-Test laufen lassen, der mit 97 von 100 Punkten abgeschlossen wurde. Auch das ist ordentlich.

Bleibt ein weiterer Punkt, der den neuen Firefox im Gegensatz zur Konkurrenz in besonderer Hinsicht reichlich cool macht: der verbesserte Datenschutz. Die Neuauflage kommt mit einem „Do Not Track“-Feature, das Tracking-Cookies von Werbetreibenden ausschaltet. Das geschieht zumindest in der Theorie, denn bislang wird nur per Eintrag im HTTP-Header der betreffenden Website mitgeteilt, dass man keine Lust auf die Schnüffelei habe. Ob der Werber darauf reagiert, bleibt bislang nur ihm überlassen – oder dem Gesetzgeber, sofern er hier endlich obligatorische Opt-Out-Optionen schafft. Aber immerhin: Eine Solche Funktion jemals im Chrome (Werbemonster Google-Suche) oder im Internet Explorer (Bing) vorzufinden, ist mehr als unwahrscheinlich. Mozillas Geschäftsmodell ist eben nicht das Behavioral Targeting.

Alles in allem also ein sehr guter Wurf! Ob Firefox es schafft, der Rekord der Version 3 bei den Download-Zahlen zu knacken, ist derzeit noch offen. Mozilla hat aber dazu eine reichlich abgefahrene Echtzeit-Seite ins Netz gestellt, auf der die aktuelle Anzahl der Downloads eingesehen werden kann.

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