„Locationgate“: Wie sich Apple aus der Affäre heuchelt

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Apple hat reinen Tisch gemacht. Zumindest gab sich Cupertino am Mittwoch den Anschein, für Klarheit in der Sache zu sorgen, die mittlerweile unter der landläufigen Bezeichnung „Locationgate“ lanciert wird. Es habe sich um einen dummen Software-Fehler gehandelt – nein, eigentlich und genau genommen stecke der Fehler nicht im System, sondern vielmehr in den Köpfen der Kunden, die offenbar bis heute nicht kapiert hätten, wie ein iPhone funktioniert. Sie seien einfach „verwirrt“. Immerhin gesteht der Konzern beiläufig (dafür aber voller Güte) einen Fehler ein: Man habe sich nicht genug Mühe bei der „Education“ – der Aufklärung – der Nutzer gegeben.

Was für eine groteske Scharade! Apple ist mit heruntergelassenen Hosen erwischt worden und erklärt uns nun, dass man sich lediglich am Knie kratzen wollte? Wie immer die Erklärungen durch die Cupertino-PR formuliert wurden: Erstens bleibt es dabei, dass Apple die groben Aufenthaltsorte der iPhone-Nutzer protokolliert. Zweitens bleibt es dabei, dass diese sensiblen Daten unverschlüsselt im Speicher des Handys geparkt wurden. Und Drittens ist weiterhin unklar, was genau mit diesen Daten passiert und in welcher Form sie anderen Parteien zur Verfügung gestellt werden.

Weder im Handbuch, noch auf der Apple-Website oder im iPhone selbst sind Informationen darüber zu finden, dass das Gerät, das Millionen von Nutzern jeden Tag am Körper tragen und es nachts auf den Betttisch legen, wie eine Black-Box akribisch Positionsdaten aufzeichnet und verschickt. Kleine Frage am Rande: Gehen die unbemerkt versendeten Datenpakete eigentlich von unseren Traffic-Budgets bei den Telcos ab? Wie groß sind sie?

Das Betriebssystem iOS ist mittlerweile bei Version 4.3.2 angekommen. Es ist schlicht Heuchelei, den Kunden weißmachen zu wollen, dass Apple seit vier OS-Generationen einen bislang selbst von den eigenen Entwicklern unentdeckten „Bug“ mit sich herumschleppe. Whoopsie! Das heutige Schauspiel einer aufrichtigen Richtigstellung wäre spätestens dann in sich zusammen gefallen, wenn Apple damit beginnt, per iAd ortsbasierte Werbung auszuliefern. Ich bezweifle, dass die Nutzer hierfür ein Opt-In-Angebot bekommen hätten. Alles für den geringen Streuverlust und den bequemen Einstieg in den gigantischen Werbemarkt des lokalen Handels.

Dass sowohl Android als auch Windows Phone getarnte Spionage-Funktionen frei Haus liefern, macht die Sache nicht besser. Der völlige Verzicht auf Transparenz, dafür die freche Bevormundung der Kunden in Sachen Datenschutz und Privatsphäre stellt eine neue Dimension der Debatte dar, die so wohl niemand vermutet hätte. Den Nutzern bleibt keine Wahl. Tatsächlich blieb ihnen bislang nicht einmal die Möglichkeit zum Prostest, da der Mitschnitt der Bewegungsprofile wohlweißlich im Verborgenen geschah und weiterhin geschieht.

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