Google+: Die Speisekarte der Wünsche (oder: was noch fehlt)

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Google+ geht noch immer ab wie Schmitz‘ Katze und ich gönne es den Jungs auch. Noch gibt es keinen Sieger im Rennen, aber ich empfehle jedem interessierten, sich diese Seite einmal zu bookmarken und immer mal wieder einen Blick drauf zu werfen. Die Konkurrenz wirkt mittlerweile jedenfalls nervös. Wir werden sehen…

Ich habe mich jetzt ein paar Stunden auf der Plattform herumgetrieben, dieses und jenes ausprobiert und einigen Nutzern zugehört. Ja, man könnte soweit zufrieden sein, doch hin und wieder durchbrechen schon einmal Ungeduldsmomente das Einsplussen: „Ach, wäre doch…“, „Gäbe es doch…“, „Wieso kann ich nicht…“ – diese Sorte Einwurf. Wir wissen, dass die Google-Entwickler gerade mit viel Kaffee neben sich Tweaks an der Plattform vornehmen und die Strategen im Hintergrund neue Pläne entwerfen. Dennoch wollte ich es mir nicht nehmen lassen, den Entwicklungen schon mal ein wenig vorauszugreifen und ein paar Denkanstöße zu geben. Im Folgenden eine Liste von Dingen, die ich vermisse oder bei denen es soliden Platz für Verbesserungen gibt. MAZ ab:

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  1. Vanity-URLs für Profile

    „Was? Es ist so laut hier, ich kann nichts verstehen!“ – „Wie deine Google+-Plus-Adresse ist!“ – „Was? Ach, so: 111114497115633474296. Willst du sie dir aufschreiben?“ Ein solcher Club-Dialog wäre nicht allzu ungewöhnlich. Google bietet seinen Nutzern bis dato keine leicht merkbaren Vanity-URLs an, die Profile auch in der Offline-Welt transportabel machen würden. Die Adresse des alten Google-Profils (ohne Sozialkompetenz) konnte durch eigene Eingaben personalisiert werden. Jetzt werden einige vielleicht sagen: „Dann sucht man eben nach dem Namen auf Google+!“ Das könnte aber zum Problem werden, wenn der Nutzer Michael Schmidt heißt.

  2. Aktualitätssortierung

    Nicht „Profil“, nicht „Circles“ ist der häufigste Button, den ich drücke, sondern „Diesen Beitrag ignorieren“. Derzeit rankt Google alle Status-Updates der Freunde nach Relevanz, was nichts anderes bedeutet, dass diejenigen Einträge mit den meisten Kommentaren immer wieder oben erscheinen (wer Matt Cutts folgt, dürfte sich an seiner Katze mittlerweile sattgesehen haben). Nach eigenen Angaben sitzen die Google-Entwickler aber bereits an diesem Problem.

  3. Seiten oder anpassbare Profile

    Ziemlich zeitnah hatte ich der ZBW ein Profil bei Google+ eingerichtet, einer Einrichtung, deren „Geburtstag“ ich auf 1919 datieren musste. Daneben gab es Felder wie „Beruf“, „Ausbildung“, „Beziehung“. Kurzum: Der neue Dienst ist allein auf die Bedürfnisse von individuellen Nutzern ausgerichtet. Organisationen oder Unternehmen müssen sich als Person verkaufen, wenn sie dabei sein wollen. Facebook hat für genau diesen Fall Fan-Pages eingerichtet. Google könnte zumindest die Biografie-Felder justierbarer machen. Nicht zuletzt dürfte man auch ein Interesse daran haben, Unternehmen im Netzwerk willkommen zu heißen. Dazu später mehr.

  4. Eine API

    Das Thema Schnittstelle ist so gut wie gegessen, wie man hört, ist Google bereits an der Sache dran. Ohne Apps geht heute gar nichts mehr: selbst der neueste Ansatz in Sachen Social Network kommt daran nicht vorbei. Google arbeitet an eigenen Lösungen (Games und Questions), doch eine gesunde Entwickler-Community könnte die Sache beschleunigen.

  5. Raus aus dem Silo

    Dieser Vorschlag knüpft am vorherigen an. Als Apple das „Musik-Netzwerk“ Ping vorstellte, prusteten wir alle vor Lachen, weil es tatsächlich der Plan war, die Community im iTunes-Client einzusperren. Google verhält sich derzeit ganz ähnlich: Twitter, Facebook und Co. haben keinen Zugang zur Plattform. Das macht es neuen Nutzern schwer, sich zum Umzug zu entschließen, da sie nicht nur ihre Freunde, sondern auch ihren Content mühsam hinüberschaffen müssen. Darüber hinaus sperrt sich Google auch gegen eigene Dienste: „Bitte laden Sie ein Video hoch.“: Warum? Ich habe all meine Videos doch schon bei YouTube.

  6. Längere Headlines bei Status-Updates

    Es scheint so, als sei Google+ derzeit hauptsächlich für manuelle Status-Updates ausgelegt. Links werden zwar akzeptiert und zum Beispiel die Bilder geteilter Websites dargestellt, die Headline werden dabei aber abgeschnitten. Die Titel von Seiten dürfen maximal 65 Zeichen lang sein, alles weitere wird durch „…“ ersetzt. Gerade in Zeiten von SEO, wo Seitenbetreiber wirklich alles in ihre Titel übernehmen, ist das problematisch.

  7. Buzz abstellen

    Ich war überrascht, Buzz wiederzufinden. Der Twitter-Klon wurde dank RSS/Twitter-2-Buzz monatelang mitgeschleift und steht nun als schäbiger kleiner Bruder direkt neben Google+. Unerfahrene Nutzer haben nun die Aufgabe, Circle-Freunde von Followern zu unterscheiden. Warum sind beide nicht vereinbar? Das ist keinem zu erklären. Um die doppelte Pflegearbeit zu ersparen, sollte Google ein Einsehen haben, und Buzz endlich zu Grabe tragen. Als Profilfüllsel taugt es nicht.

  8. Intelligente Filter für vorgeschlagene neue Mitglieder

    Unter „Finden und einladen“ gibt es eine Übersicht über all diejenigen Mitglieder, die man kennen könnte, die aber in noch keinem Circle gelandet sind; denkt man zumindest. Unter „Personen, die Google+ noch nicht verwenden“ finde ich zur Stunde Sascha Lobo, ehemalige Kollegen und mich selbst – die eigentlich alle schon an Bord sind. Eine E-Mail-Adresse ist nicht die klügste Identifikationsmethode. Um Verwirrungen (und Doppelaccounts) zu vermeiden, könnte an dieser Schraube noch einmal gedreht werden.

  9. Sparks ein wenig Vernunft beibringen

    Die Idee, Content direkt im Netzwerk verfügbar zu machen, ist so einfach wie genial. Die Nutzer bleiben länger auf der Plattform. Das Problem ist, dass Sparks in seinem jetzigen Zustand nicht gerade die relevantesten – und damit auch die seriöstesten – Ergebnisse liefert. Welche Quellen werden bei dem Aggregator miteinbezogen? Wie wird gewichtet? Können auch US-Medien hier erscheinen? Was ist mit Relevanz- und Aktualitätssortierung? Auf diese Fragen können noch Antworten gefunden werden.

  10. Eine Lösung für das Monitoring

    Derzeit ist die Lage noch ein wenig unübersichtlich. Werden Unternehmen ihre Kunden auf Google+ überhaupt erkennen? Um die Privatsphären nicht zu stören oder den Werbern gar globale Schnüffelinstrumente in die Hand geben zu müssen, hat Facebook die Fan-Pages als Kompromiss eingeführt. Wer sich als Nutzer hier freiwillig anmeldet, landet auch im Monitoring-System der Unternehmen. Google+ hat nichts dergleichen, so dass Markenbeobachter nur mutmaßen können, wie ihre Zielgruppe sich verhält. Es wäre schön zu erfahren, ob und welche Strategien hier angedacht sind.

  11. App für iOS (und andere mobile Betriebssysteme)

    Ich weiß nicht, ob Apple dazwischengefunkt hat und es daher zu einer Verzögerung kam: aber es fehlt an einer iOS-App für Google+. Ich bin froh, dass es hier bereits eine Zusage zur Besserung gibt. Die Web-App ist, ebenso wie die damalige Buzz-Variante, nicht wirklich komfortabel – und erst recht nicht hübsch.

  12. Suche nach Inhalten

    Google+ bietet bereits einen Suchschlitz – doch dieser ist nur für die Personenrecherche gedacht. Da die Übersicht (siehe Aktualitätssortierung) derzeit problematisch ist, ist eine Suchmöglichkeit nach Keywords umso wichtiger.

  13. Hangouts lokalisieren und rubrizieren

    Hangouts ist der Videochat der Plattform und ein wohl würdiger Skype-Ersatz. Hier haben wir die Möglichkeit, Freunde und Bekannte zu treffen und uns auszutauschen. Wäre es aber nicht noch besser, auf diese Weise auch einmal mit Fremden ins Gespräch zu kommen? Wer neu in eine Stadt zieht, könnte durch lokalisierte Hangouts (etwa nach Postleitzahl gerankt) schneller Anschluss finden. Dasselbe gilt für Hangouts, die nach Themen sortiert präsentiert werden. (Danke an Andy)

  14. Barrierefreiheit

    Ein weiterer sehr guter Einwurf kommt von Heiko. In einem eigenen Blog-Post berichtet er, welche Probleme Google+ den Blinden bereitet. Wenn ich seine Beschreibung lese, wundere ich mich, dass er sich überhaupt bis in das Netzwerk vorkämpfen konnte: „Dieses Zeichen-Wirrwarr liest mir aber mein Computer vor, wenn ich auf der Seite des sozialen Netzwerks bin. Dazu kommt ein für mich unstrukturiertes Durcheinander von Schaltflächen, Menüs, Untermenüs, Rahmen, Tabellen und Links. Anklickbare Links und einige Schaltflächen verfügen nicht über eine textliche Beschreibung, so dass ich nicht weiß, welchen Zweck sie erfüllen.“ Also, Google: Bitte schnell nachbessern. Und, Heiko: Danke für den Hinweis!

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