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Social Media 2012: Wie die USA den Europäern mit Anlauf in den Arsch treten

By 12. Juli 2012 62 Comments

„Europa ist ganz gut in Mobile. Alles andere können wir besser.“
– Scott Galloway (NYU Business School, Founder of L2 ThinkTank)

Die Headline ist natürlich ebenso bildlich wie übertrieben. In Wahrheit gibt es keinen wütenden Anlauf, sondern einen seichten, angedeuteten Sprint, bei dem niemand wirklich aus der Puste kommt. Doch am Ende steht die Tatsache, dass die gute, alte Welt nun einmal das ist, was sie ist: eine alte Welt.

Auf der diesjährigen SMICS Conference (hier das Fotoalbum) haben die Amerikaner gezeigt, was wir bislang erst in der Glaskugel bestaunen durften – nämlich die Realität. Die Digitalisierung der Gesellschaft ist in den meisten US-Köpfen soweit vollzogen und abgeschlossen, was nun folgt, sind Visionen von Möglichkeiten, Träumereien oder Spinnereien, von denen einige wahr werden oder eben nicht. Zumindest steigt der Aktivitätsindex in den Staaten mit jedem Tag, der vergeht. Derweil sind die Europäer – und speziell die Deutschen – nicht untätig, sondern treten ebenso aktiv auf der Stelle, schauen verschämt über den großen Teich, um Inspirationen einzusammeln, sich zu empören oder gleich ganze Strategien zu kopieren. SMICS hat gezeigt, dass die digitale Denke in Deutschland ein trauriger Abklatsch des American Dreams ist, ein heruntergekochtes Derivat, viel zu kraftlos, viel zu spät. Die USA betrachten dieses Schauspiel wiederum mit aufrichtigem Desinteresse. Was steht schon zu befürchten, wenn der Wettbewerb an Narkolepsie leidet? Aber werden wir konkreter…

Das amerikanische Sujet „Social Media“ ist ein recht junges, was in erster Linie die Zielgruppe kennzeichnet. Die Netzwerker haben keine Silver Surfer im Blick, sondern zum einen die Digital Natives im Westen und zum anderen die Kids und jungen Karrieristen im Osten, die im gigantischen Asia-Boom ihre ersten Smartphone-Verträge unterschreiben und seit Jahren darauf warten, endlich beim Spiel dabei zu sein. Die Ausgangslage der Strategien ist jedes Mal dieselbe: Social Media ist kein weiterer Werbekanal, kein Absatztrichter, kein komplementärer PR-Arm und kein Marketingfragment, sondern schlichtweg Normalität. Menschen vollziehen sich sozial, ob analog oder digital – das steht gleichberechtigt nebeneinander, die Qualität ist dieselbe. Man spricht nicht von verhängnisvoller „Sucht“, sondern von sozialen Modi, die eben ständigen Wandlungen unterliegen. Damit verfolgen die Amerikaner einen ganzheitlichen Ansatz. Der einzige Unterschied zu vorherigen Zeiten besteht darin, dass die öffentliche Transparenz des Sozialen um den Faktor X zugenommen hat. In Netzwerken wird jeder Empfänger gleichzeitig zum Sender. Das ist kein Drama, doch man muss als Unternehmen damit umgehen lernen, denn die Kontrolle der Marke entfernt sich immer weiter aus dem eigenen Wirkungskreis.

Komisch, aber wahr: die USA erleben diese Zeit in ungeduldiger Aufbruchsstimmung. Reihenweise werden Brand Manager und Marketeers auf die Straße gesetzt, im Gegenzug wandern Social Medians auf ihre Posten. Sie schwimmen mit im Fluss, sind jung und von Kindesbeinen an mit Medienkompetenz gesegnet. Sie haben nie einen Brief mit Papier und Stift geschrieben, ihre Beziehungen beendeten sie früher per SMS, heute per Direct Message. In den Staaten floriert ein gesundes Ökosystem rund um Facebook, Twitter, Google+, Pinterest und Co. Unternehmen bauen Units auf oder greifen auf eine der unzähligen Agenturen in den großen Städten zurück. Und allen ist unterdessen klar, dass Social, Mobile und Local keine Trends, sondern Entwicklungen sind, die sicher an späterer Stelle durch andere Formen abgelöst werden.

Seit der Begriff „Social Media“ im Jahr 2005 zum ersten Mal auftauchte, haben die Amerikaner bereits viele Phasen überwunden. Die Frage „Ist das nur ein Hype?“, wurde schnell mit „Ja, und? Selbst wenn. Es ist Realität!“ beantwortet. Hierzulande knabbern noch immer mehr als die Hälfte aller Unternehmen an dieser Unsicherheit. Dazu kommen weitere Ängste: Machen wir uns nicht angreifbar, wenn wir mitmischen? Was ist mit dem Datenschutz? Gibt es den ROI mit Nachkommastellen? Reicht nicht auch ein einfaches Gewinnspiel auf Facebook? Sollen wir jetzt unsere Mitarbeiter zu so einem Workshop schicken oder nicht?

Knapp eine Milliarde Mitglieder hat Facebook in den vergangenen paar Jahren angezogen, alleine 24 Millionen Deutsche (mehr als jeder zweite Internetnutzer). Dass sich heute das Wachstum verlangsamt, heißt nicht, dass das Nutzerinteresse schwindet, sondern, dass weltweit Zeiten der Sättigung einsetzen. Deutschland hinkt fünf Jahre hinter den Staaten hinterher, bei der Gesetzgebung (die tapfer am Begriff der „Telemedien“ festhält) sind es gefühlte zehn Jahre. Nur einige wenige Unternehmen haben seitdem für einige Augenblicke über den Tellerrand gesehen: Müsste es für Nutzer nicht so etwas wie Relevanz geben? Man sollte den Fans ja eigentlich etwas zurückgeben, oder? Eine Strategie wäre nicht schlecht, was meinen Sie? Relevance, Value und Strategy – völlige Selbstverständlichkeiten im amerikanischen Business – werden auch nach Jahren in Deutschland noch als Geheimtipps unter Profis lanciert.

Der ganzheitliche US-Ansatz zeigt, wie weit abgeschlagen wir zurückgefallen sind, wie enorm die Unfähigkeit ist, in großen Zusammenhängen zu denken. Die amerikanischen Tech-Leader haben derweil drei übergreifende, gigantische Säulen des Digitalen-Sozialen entdeckt und elaboriert. Dabei handelt es sich um Chancen, nicht um Herausforderungen: Change, Data und Trust – so lautet die derzeitige Formel für Erfolg im Social Web. Bis diese in der alten Welt ankommt, wird noch lange Zeit vergehen.

Change

Es reicht nicht aus, eine Fanpage aus dem Boden zu stampfen, ein „2.0“ hinter den Produktnamen zu setzen oder Yammer als Intranet-Kommunikation einzusetzen, um sich dann als innovativ feiern zu lassen. Ein asoziales Unternehmen bleibt ein asoziales Unternehmen. Social Media erfordert einen integrierten Ansatz, dem Mitarbeiter, Prozesse und die Hausregeln folgen. Die Social Media-Bühne muss sich backstage spiegeln, es muss unterbrechungsfreie Weiterleitungen geben, andernfalls erscheint dem Nutzer jede Netzwerkbemühung als groteske Scharade.

Auf der SMICS Conference brachte Brian Solis das Beispiel von Best Buy, einer sonst recht progressiven Elektronikmarktkette – die aber von einem auf den anderen Moment ihre aufgesetzte Digitalfassade verlieren kann. Best Buy verspricht den Kunden, die Produktpreise entsprechend anzupassen, wenn sie die jeweilige Ware bei einem anderen Händler günstiger bekommen können. Preisvergleiche vor Ort aber werden heute mit dem Smartphone per Code-Scan erledigt. Geht der Kunde mit dem Handy zum BestBuy-Verkäufer, so schüttelt dieser den Kopf: Es zählen natürlich nur Wettbewerbsangebote, die per Print-Prospekt belegt werden können. Damit geht der Kunde frustriert nach Hause und bestellt bei Amazon. Zeitgleich bietet Best Buy wiederum eine iPhone-App an, um durch einen weiteren vermeintlichen Marketingkanal zu punkten. Dieses Beispiel zeigt, wie tiefgreifend Prozesse verändert werden müssen, um den Ansprüchen der digitalen Generation gerecht zu werden. Vodafone musste dies vor einigen Jahren selbst schmerzhaft erfahren.

Geschäftsmodelle müssen aus der Perspektive der Nutzer komplett neu überdacht werden, ebenso Marketing, Distribution, Inkasso und natürlich die allgemeine Produkttauglichkeit. Social Media kann ohne Change Management nicht mehr gedacht werden.

Data

Wer der Meinung war, dass er über Social Networks und Data bereits alles gehört hätte, irrt. Big Data ist ein Synonym der ökonomischen Rasterfahndung und in den Staaten geht nichts mehr ohne sie. Als Event-Ausrichter war MicroStrategy natürlich bestens positioniert; schon im vergangenen Jahr hatte der Spezialist für Business Intelligence (der „you name it!“ als Kunde hat) einen Großangriff auf die Privatsphäre aller Nutzer angekündigt. Fast ein Jahr später lässt das Unternehmen per Pressemitteilung verlauten:

MicroStrategy Wisdom Professional provides businesses with unique intelligence on the demographics, interests and social graph of more than 12 million anonymous, opted-in Facebook users. Businesses using MicroStrategy Wisdom Professional can uncover details about their fans as well as those of their competitors. (…) MicroStrategy Wisdom Professional allows users to analyze a wide array of consumer data, including demographics, brand interests, media interests, activity interests, social connections, location check-ins, and life events.

Das Rezept, um an die Daten der Nutzer zu kommen: Mehrwert-Apps, so genannte „Friendly Apps“, die etwa Smartphone-Besitzern konkreten Nutzen anbieten und im Gegenzug Zugriff auf die persönlichen Daten bekommen. Die Strategie ging und geht auf. Für die Amerikaner ist Privacy ein gesellschaftlicher Atavismus, die Debatte in Deutschland ist für viele nicht nachvollziehbar. „Die Alten interessiert das vielleicht noch. Aber keinen unter 25 Jahren. Datenschutz ist völlig überbewertet“, so Professor Scott Galloway. Und so werden die Informationen fleißig mitprotokolliert und gesammelt. Die neue MicroStrategy-App „Usher“ (ein Facebook-Eventmanager) verlangt vom Nutzer die obligatorische Freigabe folgender Daten: Mail-Adresse, Geburtstag, abonnierte Gruppen, Heimatstadt, Interessen, „Gefällt mir“-Angaben, Ort, Beziehungsstatus sowie Zugriff auf Veranstaltungen, Fotos und Videos. Gleichzeitig werden dieselben Informationen der Freunde eingezogen. Die Daten werden selbstverständlich mit weiteren Quellen abgeglichen, so dass MicroStrategy am Ende des Tages den Kunden GPS-genau mitteilen kann, wann der Buzz kocht, wo die meisten Fans sitzen und wie sich weltweit die Markenstimmung entwickelt. Auf diese Weise lassen sich gezielte Kampagnen mit nahezu null Streuverlust planen und durchführen.

Data ist nicht per se böse und Galloway hat Recht, wenn er sagt, dass die Privacy-Debatte schon bald beendet sein wird – unabhängig davon, wie wir dazu stehen. Persönliche Informationen sind die Währung des Social Webs und erlauben exklusive, maßgeschneiderte Angebote, dazu hatte ich schon vor einiger Zeit etwas geschrieben. Doch für den Nutzer ist nicht nur wichtig, was er im Austausch für seine Identität bekommt, sondern auch, wem er diese anvertraut. Das bringt uns zum nächsten Punkt…

Trust

Als ich Martha Rogers, die Grand Dame des Customer Relationship Managements, zum ersten Mal live auf der SMICS Conference sah, dachte ich nur: „Wow!“ An und für sich habe ich nicht viel für reine Profitmaximierer übrig, doch was Rogers verkündete, war ein wahrhaftiges Plädoyer für einen sozialen und transparenten Kapitalismus. Grundpfeiler der These ist „Trust“ – oder wie der Titel ihres gemeinsam mit Don Peppers geschrieben neuen Buches lautet: „Extreme Trust“ (Lesebefehl). Das Konzept dahinter ist so simpel, dass man sich wundert, warum man es überhaupt erklären muss. Im Grunde könnte man es so zusammenfassen: Verarsche deine Kunden nicht!

Woran merken deutsche Konsumenten, dass die Bahncard oder der Handy-Vertrag abgelaufen ist? Richtig: An dem Glückwunschschreiben der Bahn oder des Mobilfunkanbieters, dass man sich wiederum für x Jahre verpflichtet hat und man froh ist, uns als Kunden behalten zu haben. Rogers tritt daher vehement für ein Augenhöhe-Verhältnis zwischen Unternehmen und Kunden ein: „Entschuldigen Sie, Sie haben diesen Artikel bei uns bereits vor drei Monaten gekauft. Sind Sie sicher, dass Sie den Kauf erneut wirklich tätigen wollen?“ oder eine SMS: „Ihre Ausleihfrist für das Buch XY läuft in drei Tagen ab. Dies war ein freundlicher Hinweis Ihrer Bibliothek.“ – Dieses proaktive Vorgehen der Wirtschaft ist es, das Vertrauen schafft und die Kundenbindung stärkt. Speziell die deutsche Wirtschaft verdient gerne daran, Kunden in das offene Messer laufen zu lassen, mit der Folge, dass die Fluktuation an der Konsumentenbasis regelmäßig durch die Decke geht. Ein deutscher Telekommunikationsanbieter zahlt heute 150-200 Euro an Marketingkosten pro Neukunde. Ein wenig Ehrlichkeit und sauber verdientes Vertrauen gibt nicht nur den Nutzern ein besseres Gefühl, sondern befeuert auch das Empfehlungsmarketing massiv. „Trust“ ist zudem die Grundlage für die oben genannte Data Analysis. Abgezockte Kunden rücken nur ungern Daten heraus – warum sollte man auch, wenn man das Gefühlt hat, dass das Unternehmen alles im Blick hat, nur nicht das Wohl des Nutzers?

Soviel zum Ausflug in die Realität. In das, was Wirklichkeit ist und was passiert. Zumindest in den Staaten. Im Folgenden nun Nachrichten aus Deutschland:

Datenschutz Schleswig-Holstein verbietet Fanpages
Deutsche Verleger: Tagesschau hat nichts im Netz verloren!
Social Media: Wieder ein Trend aus den Staaten?
Chaos Computer Club: Jeder Drittklässler hätte einen besseren Bundestrojaner gebaut
StudiVZ: Der Untergang eines Klons
GEMA vs. YouTube: Deutsche Nutzer schauen in die Röhre
Pinterest: Das neue Second Life?
Social Media Guidelines: Wie Sie den Internetgebrauch Ihrer Mitarbeiter reglementieren
Karrierekiller Twitter und Facebook
Datenskandal: Foursquare speichert Telefonnummern
Facebook: Schlimmer als Alkohol und Zigaretten
Polizei beendet gewaltsam Facebook-Party
Was Sie beachten sollten, wenn Sie auf dem Datenhighway surfen

About André Vatter

Leidenschaftlicher Social Median und Blogger aus Hamburg. Mehr erfahren.

62 Comments

  • Nicole Simon sagt:

    Man darf dabei aber auch nicht unerwähnt lassen, daß die Amerikaner ein ganz anderes Verständnis von Social Media und Multiplikatoren haben.

    Wenn Mommy blogger A aufschreit, schreibt morgen der Techblogger davon. Diese Szenen sind in Europa nicht vernetzt, alles kleine Sandkästen nebeneinander.

    Der Einfluß in Deutschland beschäftigt sich mit Klein Social Media Dorf und der Rückkoppelungsschleife durch Shitstorms.

    „Social Media“ und alles was damit zusammenhängt in USA erklärt sich, wenn man sich überlegt _warum_ das alles entstanden ist. Bei meinem ersten Trip in die USA habe ich TV, Radio und Zeitungen genossen. Danach war mir klar, warum die nach was neuem anderen gegiert habe. Facebook ist für die das Ding was bei den Studenten angefangen hat usw usw.

    Die komplette Entwicklung ist eine andere und auch die Art und Weise wie Technik mit Alltag verbunden ist.

    Einfaches Beispiel: In Deutschland ist Microsoft / Google / Facebook hauptsächlich eine Dependance als Sales Office. In Amerika sind die Mitarbeter diejenigen, die die Welt verändern.

    Deutschland ist eine Sprachinsel und solange man noch immer erfolgreich damit werden kann, daß man drei Tage später techmeme übersetzt, müssen sich die Deutschen nicht wundern, daß sie so hinterher sind. Deswegen gehe ich so konsequent auf Englisch und fordere das auch ein – mein Leben findet nicht in Deutsch statt.
    Sondern international.

    Herzlichen Dank btw für diesen schönen Artikel – ich habe schon länger aufgehört so viel in Deutsch zu machen, ich bin das leid. ;)

  • Steve sagt:

    Ein sehr schöner Artikel, danke dafür.

    Vieles, was hierzulande als Skandal gehandelt wird kann ich oftmals auch nicht nachvollziehen. Vieles davon sehe ich auch als klaren Verhinderer einer Fortentwicklung des Themas in Deutschland…

    Aber: die Transparanez und Offenheit die Du – vollkommen zurecht – ansprichst muss dann auch von den Anbietern kommen.

    Als Nutzer muss ich leicht meine Einstellungen bei Facebook & Co. ändern können und ebenso leicht verstehen, was welche Änderung bedeutet und bewirkt. Da wird man bei FB schon etwas besser, aber ist mAn noch weit von „leicht verständlich“ entfernt.

    Auch foursquare in Deinen „Skandal-Beispielen“ aus D ist hierfür ein gutes Beispiel: warum kommuniziert man nicht offen, welche Daten man erfasst und was damit passiert? Dann gibt es auch keine „bösen“ Überraschungen.

    Die Amerikaner sind hier sicherlich etwas lockerer im Umgang und auch hierzulande wird dies in ein paar Jahren weniger Leute interessieren (was nicht bedeutet, das ich dies in jedem Fall gut finde), da die Jugend mit einem anderen Verständnis aufgewachsen ist. Dennoch sollte mAn die Transparenz und Offenheit, welche man von „klassischen“ Unternehmen fordert und erwartet auch von den Beitreibern der Networks und Dienste gelebt werden. Ohne kann es meiner Meinung nach keinen Trust geben!

  • Knut sagt:

    WOW! Ich habe diesen Artikel genossen. Wie wahr und gleichzeitig erschreckend.

  • Julia sagt:

    DANKE für diese brillante Betrachtung und Reflektion!

    Egal ob da drüben, auf der anderen Seite des großen Teiches, ein ganz anderes Verständnis herrscht, egal ob „unsere“ Realität nun mal immer noch nach den Kommastellen des ROIs fragt, egal ob wir im Deutschen reden statt verändern um auch mal den Ton anzugeben. Mit deiner Wortgewandtheit hast du bewiesen, dass es toll ist, auf unserer Sprachinsel zu leben, wie Knut schon sagt: ein Genuss, dein Artikel.

    Und ja, auch aufwühlend….und motivierend, endlich aus dem Schatten des Reden und Hinterfragen zu treten hinein ins Tun, Verändern und vor allem: Integrieren der Technik in den Alltag.

  • […] Social Media 2012: Wie die USA den Europäern mit Anlauf in den Arsch treten | avatter Europa ist ganz gut in Mobile. Alles andere können wir besser. – Scott Galloway (NYU Business School, Founder of L2 ThinkTank) Die Headline ist […]

  • Flo sagt:

    Gelungener Artikel!

    “Europa ist ganz gut in Mobile. Alles andere können wir besser.”

    Finde diese Aussage irgendwie unglücklich. Ein Ländervergleich beim Thema Social Media ist meines Erachtens nicht sinnvoll, da die kulturellen Unterschiede doch sehr weit auseinander gehen.

  • !000 Dank für diesen Artikel! Er spricht mir aus der Seele! Du beschreibst das, was ich täglich in meiner Arbeit sehe. Dabei geht es letztlich nicht darum ob nun „die“ Amerikaner „den“ Deutschen voraus sind. Es geht nicht um die anderen sondern darum, dass man einfach nicht akzeptieren will, dass das Web eine völlig neue Kultur ist. Und die meisten Institutionen und Unternehmen sind mit dieser Kultur nicht kompatibel.

    Wir können im Web (und bei den Games) täglich sehen, wie Menschen kommunizieren, denken, arbeiten, lernen, leben, lachen wollen. Es ist ein kostenloser Anschauungsunterricht. In „The Cluetrain Manifesto“ wurde es schon lange beschrieben – sogar weit vor dem sog. Web 2.0

    Ich habe letzten Oktober auf meinem Blog einen Beitrag zu den sog. Digital Natives verfasst, der hier glaube ich sehr gut passt: http://crocksberlin.wordpress.com/2011/10/11/warum-ich-froh-dass-ich-kein-digital-native-bin/

    Beste Grüße aus Berlin

    Christoph Deeg

  • Ein wirklich großartiger Artikel an dem ich nur bemängeln kann dass ich ihn nicht selbst geschrieben habe! ;)

  • pëll sagt:

    Häufig sind diese Texte aus deutscher Feder zu diesem Thema in einem seltsamen Pessimismus getränkt. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen. Möchtest Du eine Situation, die der amerikanischen gleicht? Inwieweit kann man überhaupt solche Vergleiche ziehen?

    Du verwendest den Begriff „Realität“ etwa ganz häufig. Ich glaube, eine einzige Realität – und viele kluge Köpfe schrieben darüber auch bereits viele kluge Seiten – gibt es nicht. Gerade im Internet sind vielfache Realitäten üblich. Die Wirklichkeit ist das Komplott der eigenen Interpretationen. Ich bin im Internet nicht Deutscher, Amerikaner oder Brasilianer.

    Allerdings ist „Social Media“ ja vor allem ein Schlagwort aus der Unternehmerwelt. Da möchte ich Dir recht geben, die deutschen Unternehmen wissen Social Media nicht einzusetzen wie es die Amerikaner tun. Allerdings fällt es mir schwer, zu erkennen, dass es dort eine längere Tradition gehabt hätte. Ist es nicht schlicht die Not, die dazu führt? Best Buy mit ihrem verhängnisvollen Versuch sind dafür ein gutes Beispiel – sie stehen in starker Konkurrenz mit Amazon, die Kunden vergleichen noch im Laden die Artikel und wissen aus Erfahrung, dass sie zwei Tage später die Ware vor ihrer Haustür hätten und entscheiden sich deshalb gegen den Kauf vor Ort. Die meiste Innovation entsteht in solchen Situationen, man kann diese Herausforderung Chance nennen. Aber das sind zwei Begriffe, die sich hier abseits ihrer unterschiedlichen Motivation Synonym sind. Und deutlich wird noch eines: es sind die großen Namen, die den Ton angeben. Amazon und Best Buy.
    Sobald deutsche Unternehmen in verzwickte Situationen wie diese geraten, werden sich die Zustände hier auch ändern. Das mag gut angesichts der Möglichkeiten für Kunden sein, aber diese Strategien – denn genau das sind sie ja, ausgearbeitete Pläne – existieren noch nicht lange genug, um wirkliche Schlussfolgerungen zuzulassen.
    (Übrigens sei an dieser Stelle erwähnt, dass diese Stellen, die zur Zeit besetzt werden, unterschiedliche Resonanz hervorrufen. Auch in der Tech-Welt ziehen Berufsbezeichnungen mit „Social Media“ im Namen Spötter auf sich. Ob das gerecht ist, ist eine andere Frage.)

    Mit der Erwähnung von Amazon sind wir auch beim Kern dieser Privatsphäre-Debatte. Ich gebe Dir recht damit, dass Daten eine Währung im Internet sind. Allerdings steht ihr Kurs nicht so hoch wie echtes Geld und deshalb wird versucht, dieses mit ihnen zu erwirtschaften. Wenn sich aber alles auf einige wenige Namen konzentriert – Amazon, Google, Facebook, Apple – bedeutet das, dass diese Währung nicht zentral verwaltet wird, sondern schlicht nach den Launen dieser Unternehmen. Romneys Leitsatz „Corporations are people“ ist für mich daher umso beunruhigender, weil „people“ auch „bad“ sein können. Hier ist der Widerspruch von Social Media: während ich mich als Unternehmen auf Facebook nicht dumm anstellen sollte, kann Facebook sich – und tut es auch – anstellen wie es will. Mit fast einer Milliarde aktiver Nutzer kann man auch davon ausgehen, dass es keinen plötzlichen Nutzerverlust geben wird.

    Natürlich begreife ich, dass vieler dieser Entwicklungen nun einfach geschehen, aber ich halte den Diskurs darüber nicht für verkehrt. Nein, im Gegenteil, ist es nicht so, dass die Geschichte der Menschheit immer das Nachdenken fördern sollte? Ich denke, es ist sehr wichtig aktuelle Verläufe zu beobachten und skeptisch zu sein. Aber mich stört, dass Du die Sorge um Privatsphäre als schlicht deutsches/europäisches Phänomen bezeichnest. Dies ist keineswegs der Fall. TOR – das größte Projekt zur Anonymisierung – wurde ursprünglich vom US Naval Research Laboratory gesponsert und ist damit – so weit man gehen möchte – ein „amerikanisches“ Projekt. Der bekannteste Sprecher des Projekts, Jacob Appelbaum ist ebenfalls Amerikaner. Viele andere Organisationen, die dem Thema der Anonymisierung nahe stehen, wurzeln auch in den USA. Die Electronic Frontier Foundation etwa. Des Weiteren war die amerikanische Opposition auch bei SOPA erkennbar; Privatsphäre war ein großer Bestandteil dieses Gesetzes. Auch sieht man bei der Occupy-Bewegung eine Menge Guy Fawkes-Masken, dem Markenzeichen von Anonymous, eine Gruppe, die Privatsphäre sozusagen als oberstes Recht betrachtet. Enstanden ist sie in einem amerikanischen Imageboard und die ersten Proteste – 2008 gegen Scientology – fanden auf amerikanischem Boden statt. Von diesen Beispielen abgesehen, gibt es genügend englische Texte über die Privatsphäre. Nur ist dieses Thema natürlich nicht so attraktiv wie bestimmte andere. Ein neues Produkt von Apple wird in den Medien auch anders behandelt als ein neuer Dell-Computer. (Das ist auch kein Urteil von mir, sondern schlicht eine Beobachtung.)

    Wie wichtig Privatsphäre ist, kann ich nicht einschätzen. Ich denke allerdings auch, dass wir die Essenz, die Wichtigkeit von Daten noch gar nicht erfasst haben. Daten, Information ist das einzige Gut, das Menschen in ihrer Kommunikation austauschen und ich denke, die Besonderheit ist uns nicht wirklich bewusst. Sollte es jemals einen Daten-GAU geben, der diesen Namen wirklich verdient hätte (etwas, das die Größenordnung dieses Sony-Leaks weit überschreitet), könnte sich unser Umgang damit auch ändern. Katastrophen führen manchmal zu großem Umdenken.

    Ich denke, Deutschland wird früher oder später dort sein, wo große Teile des englischsprachigen Internets heute ist. Ob das gut ist, weiß ich nicht. Genau so weiß ich auch nicht, wo dieses englischsprachige Internet dann sein wird. Ich glaube, dass Deutschland ein Problem mit Innovation hat. Deutschland interessiert sich nicht für Individualisten. Deine Beobachtungen würde ich hier nämlich nicht auf das Internet beschränken. Es hat seit Jahrzehnten keine großen Sprünge in der deutschen Kunst gegeben. Wo sind die deutschen Schriftsteller? Wo sind die Romane? Wo sind die Filme? Wo sind die Serien? Oder wie Malte Welding schön zusammen fasste: „Wer erzählt unsere Geschichte?“ (http://www.berliner-zeitung.de/magazin/essay-zum-deutschen-fernsehen-stirbt-das-land-vor-langeweile-,10809156,11953168.html) In Deutschland, so beschleicht es mich, gibt es nur eine Richtung. So kann man aber keine neuen weisen.

  • Karsten sagt:

    Wow… Danke André dafür! Ein wirklicher Genuss und der erste Artikel seit langem, den ich ohne Absetzen durchgelesen hab :)

    Das größte Paradoxon bei „uns“ ist, dass die deutschen Unternehmen noch nichteinmal vernünftig hinterherlaufen können. Du sagst vollkommen richtig, dass die USA uns locker 5 Jahre voraus sind. Da will es mir doch einfach nicht in den Schädel, wie dann irgendwer noch an der Entwicklung zweifeln kann. Wieso man nicht wenigstens vernünftig abguckt?! Best Practice Fallstudien gibt es doch nun wirklich genug, für große wie für kleine Unternehmen. Social Media ist ja auch nichts, was man im Geheimen betreiben kann, also würde das kopieren und „modellieren“ quasi null € kosten.
    Nein, noch nicht einmal das wird gemacht. Da spielt man lieber Vogel Strauß…

    Ich befürchte ein Grund dafür ist die von dir beschriebene Panikmache. Wenn es doch nur die Traditionsmedien wären, aber dummerweise springen ja immer genug „Experten“ auf die Schlagzeilen auf, nur um mal kurz den dicken Zeh ins Rampenlicht zu halten. Und mit großem Medienecho wird auch die dünnste Schwachsinnsnachricht zum Schreckgespenst.

    Ebenso verwirrend finde ich, dass in Deutschland auf den „Fachkonferenzen“ nur „Fachidioten“ sind. Es kocht in der eigenen Urusppe quasi. Blickt man in die Welt, so finden sich zig Summits, Conferences und Events wo Joe Shmoe hingeht, weil er Tipps zum Marketing seines Dreimannunternehmens bekommt. Nur hier bleibt die Branche anscheinend unter sich. Hinterher müsste man ja dann wirklich noch was machen, statt nur zu reden.

  • Catrin Mayer sagt:

    Wirklich ein guter Artikel. Muss hier besonders zustimmen:
    „Dieses proaktive Vorgehen der Wirtschaft ist es, das Vertrauen schafft und die Kundenbindung stärkt.“

  • Ich erlebe es ganz krass, wenn ich Senioren und Förderer für unser gemeinnütziges Projekt suche. Memoro – Die Bank der Erinnerungen e.V. http://www.memoro.org/de/ ist ein Zeitzeugenarchiv der Oral History, gegründet in Italien, nun in 14 Ländern online.

    Gerade Entscheidungsträger und Politiker über 60, welches noch an den Hebeln der Macht sitzen, z.B. in der Stadt München und den verschiedenen Referaten ist das Web extrem suspekt, viele waren noch nie auf Facebook, Google+, etc., aber das Mailen klappt schon mal.

    Teilweise liegt es auch an FB, die keinen „Extreme Trust“ praktizieren, wenn alle drei Monate der Datenschutz geändert wird.

    Genial fand ich die Aussage von Andy Goldstein, LMU, der als Amerikaner in 80er Jahren nach München kam. Das erste NET existiert vor dem Internet: kennen wir net, wollen wir net, geht net, funktioniert net etc. Der deutsche Pessimismus in Reinkultur.

    IMHO: Diese typisch deutsche Einstellung, plus die ganzen Besitzstandswahrer: GEMA, Telemediengesetz, Staatsfernsehen, GEZ bis zu Politikern, die Einwohnermeldedaten versilbern möchten, weil die LOBBIES sie umgarnen, erzeugt ein Klima, welches nicht gerade der Entwicklung förderlich ist.

    Üben wir uns in Geduld, sitzen wir es aus, denn nichts ist konstanter als der Wandel im Leben :-). Bloß bis dahin wird es ausser SAP nicht mehr viele deutsche Player im IT Bereich geben, von Social Media ganz zu schweigen.

  • Juliane sagt:

    Ich finde: Die Europäer machen es genau richtig. Die Lebensqualität in Europa (in den meisten Ländern) (für die meisten Leute) ist einfach höher als in den USA, auch der Bildungsgrad und manches mehr. Für euch Unternehmer schwer vorstellbar, aber: Viele Amerikaner bewundern und beneiden die Europäer.

  • Oliver Tausend sagt:

    Dieser Artikel spricht mir vollkommen aus der Seele. Datenschutz ist ein Relikt aus der Vergangenheit, aus Zeiten der Volkszählungen 1983/1987. Es gibt keinen Datenschutz. Wie Nicole Simon arbeite ich fast ausschliesslich auf Englisch, weil ich den Sprach-Snobismus der meisten Deutschen nicht mehr ausstehen kann.

    Danke für den Klartext !

    Cheers

    Oliver

  • Svenja sagt:

    Eigentlich ist es doch ganz simpel: Veräpple nicht die Leute, die dich füttern.

    Vielen Dank für diesen schönen Artikel!

  • Gast sagt:

    Gähn. Das immergleiche Gejammer über die tumben Teutonen, von Leuten, die ihre Omas verhökern würden für dancing pigs.

  • In Deiner Nachrichten-Sammlung fehlt noch „Schufa überwacht Facebook für Kreditprofil“ :-)

  • @Es wird Morgen. Die Schufa schart schon mit den Füssen, warte mal ab :-)

    Siehe http://stadt-bremerhaven.de/facebook-die-bank-eures-vertrauens/#more-29773 „Derzeit findet nämlich ein Test mit der australischen Commonwealth Bank statt, welchen Facebook selbst aber derzeit nicht kommentieren möchte. Aktuell ist es eine geschlossene Beta, aber später wird man hier wohl die Möglichkeit ausloten, sowohl Rechnungen via Facebook zu begleichen als auch Facebook-Freunden Geld überweisen zu können.“

  • […] Der Journalist André Vatter hatte auf seinem Blog einen sehr lesenswerten Beitrag geschrieben, wie sich deutsche Unternehmen und Gründer von der Entwicklung abhängen lassen (Social Media 2012: wie die USA den Europaern mit Anlauf in den Arsch treten) Seit der Begriff […]

  • Friederike Scholz sagt:

    Vielen Dank für den klasse Artikel, André – gut auf den Punkt gebracht. Einzig gestört hat mich, dass mein Kopf während des Lesens quais ohne Unterlass eigenständig mit-genickt hat.

  • Der Dude sagt:

    @Oliver Tausend
    „Wie Nicole Simon arbeite ich fast ausschliesslich auf Englisch, weil ich den Sprach-Snobismus der meisten Deutschen nicht mehr ausstehen kann.“

    Das dürft ihr gerne tun, eure Entscheidung und in eurem Business vielleicht auch angebracht. Das aber mit einem pauschalisierenden „Sprach-Snobismus der deutschen“ zu begründen wirkt äußerst blassiert. Eure „Lebensrealität“ ist weit entfernt von dem, was für die meisten Bürger dieses Landes die „Realität“ ist.
    Mag sein, dass dir das egal ist, ich finde das unangenehm.

    der dude

  • Der Dude sagt:

    Den Artikel finde ich übrigens recht gelungen, auch wenn ich inhaltlich an der ein oder anderen Stelle nicht zustimmen konnte, der kulturelle Aspekt wird aus meiner Sicht etwas zu stark vernachlässigt.

  • […] Eigentlich völlig wurscht, wenn nicht die These von André Vatter im Raum stehen würde: Wie die USA den Europäern mit Anlauf in den Arsch treten. […]

  • Danke Andre für deine prägnante Analyse der SMiCS! Ich habe es ähnlich wahrgenommen.

    Ich sehe auch, dass Deutschland hinten dran hängt und vieles verschläft. Ich sehe aber auch, dass nicht alle USA-Entwicklungen in Deutschland machbar sind. Wenn wir allein an die Datenschutz-Diskussion denken, die hierzulande einen hohen Stellenwert und viel Aufmerksamkeit in den Medien geniesst, dann ist klar, dass dies auch eine Bremse für viele Entwicklungen sein kann.

    Auf jeden Fall war das SMiCS Event eine gute Gelegenheit zum internationalen Austausch. Und der Blick über den Tellerrand bereichert immer die eigene Perspektive. Hier ist mein Blogbeitrag über die SMiCs 2012: http://socialmedia24.eu/smics-2012/

  • Simon Rabente sagt:

    Großartig, mehr muss dazu einfach nicht gesagt werden!

  • […] US-Marketingexperte Scott Galloway auf der SMICS Conference. avatter.de […]

  • Semih Akalin sagt:

    sehr schöner artikel. solange ein blogger eine strafe zahlen muss weil ein user bei den kommentaren ein avatar verwendet welches unter urheberrecht steht, wird sich in deutschland nichts ändern.

  • Förster sagt:

    haha i loled:
    „Plädoyer für einen sozialen und transparenten Kapitalismus“

    Am Ende gehts doch nur ums Kohle machen, erzähl keine Stories von irgendwelchen guten Unternehmen. Jeder will Profit, keiner stellt sich hin und baut ne tolle App und verschenkt sie für lau. Ob persönliche Daten als neue fiktive Internetwährung funktionieren, darum gehts doch. Und ob man darauf eine sinnvolle nachhaltige Technologiewirtschaft aufbauen kann. Ich glaube Nein, da ist viel zu viel Raum für instranparente Spekulationen und Wertberechnungen, die fernab von realistischer Wertschöpfung dahinvegitieren.

    Ich genieße es in einer Gesellschaft zu Leben, die Trends hinterfrägt. Deutschland ist immernoch visionärer Vorreiter in Domänen wie Umweltschutz, fairer Umstrukturierung der Finanzmärkte (Transaktionssteuer) und sozialer Marktwirtschaft. Bei so einem Geheuchel kann ich nur traurig lachen bis die nächste Immobilien, Tech oder Social Media?? BLASE kracht.

    Der Autor hat sehr deutliche amerikanische Denkweisen dargestellt, ich danke für den Input.

  • Astrid sagt:

    Danke für diesen Beitrag und das Statement, die ich nur an manchen Stellen teile.

    @Pëll: Deine Überlegungen und die kritische Sicht auf diesen Blogbeitrag gefallen mir extrem gut und geben mir Hoffnung, dass der Diskurs noch möglich ist.

  • Andreas Klug sagt:

    Danke für den Beitrag. Ich halte tatsächlich nicht alles für erstrebenswert, was über den großen Teich aus den USA zu uns Europäern herüber schwappt. Aber es ist offensichtlich, dass die Amerikaner zumindest die Vision einer digitalen Echtzeit-Serviceökonomie verfolgen: Kunden-Chat und Facebook-Service gehören fast schon zum Mainstream. Und in Deutschland? Servicewüste. Ein paar hoffnungsfrohe Ausnahmen für hilfreiche Smartphone Apps. Kundenservice ist halt noch nicht im App-Zeitalter angekommen. Wir haben das noch diese Woche thematisiert: http://www.ityx.de/blog/kundenservice-noch-nicht-im-appzeitalter-angekommen

  • Ingo Becker sagt:

    Der recht breit angelegte Beitrag ist sicher gut gemeint, doch er verfehlt den Zustand. Amerika ist wegen gewisser Innovationsfreude ebenso wenig Heilsbringer wie Deutschland sich angesichts neuer technischer Wege reorganisieren muss, um mit weiterhin so genannten Marketingabteilungen im Mittelstand nicht gleich rückständig zu wirken, nur weil noch keine Corporate-Blogger das Sagen haben.

    Wir sind hierzulande, und das in zweifellos in beachtlicher Geschwindigkeit, einfach in anderer Einschätzung und Verhältnismäßigkeit des Fortschritts unterwegs. Im Grunde zeugt es von wesentlich mehr Sensibilität, Facettenreichtum und Entwicklungsfähigkeit bis hin zu einer – womöglich echten – Energiewende (sic!), dass bei uns vergleichsweise Slow Motion charakteristisch ist. Ist das wirklich so ein Nachteil? Für die heimische Wirtschaft – und die unterfüttern Konsumenten schließlich auch – sicher nicht. Zudem drückt der Exportstatus als Nummer Drei ebenfalls deutlich aus, das wir absolut Schritt halten können.

    Nur, weil denen, die vor zwei drei Jahren noch als Galionsfiguren in Sachen Social Media angesehen – und sicher nicht immer zu recht gefeiert – wurden, hier und da gestalterisch und inhaltlich schon Luft ausgeht, sind rasch heranzitierte Role Models aus amerikanischen Gefilden noch lange nicht nachhaltig erfolgreicher, bewundernswerter oder, wie auch immer, besser. Denn der unbedingte Wille und Wunsch nach Erfolg und Ruhm hat bekannte Schattenseiten. An der Spitze drängeln sich nicht eben viele, die sozialen Systeme für die weniger Informierten und Betuchten sind häufig keine. Zahlreiche US-Adaptionen zeigen in Deutschland – und Europa, im Ganzen wie in manchen Regionen – eine gleiche oder noch fatalere Wirkung.

    Bei selbstverständlich gewünschten Datenfreigaben geht in erster Linie um Macht, granular heruntergebrochen um Beherrschung, Einwirkung, Marktanteile, Konsumentensteuerung, Handlungsbeeinflussung. Dieser Assoziationskette möchte sich eben nicht jeder mündige Bürger einreihen. Der Verzicht darauf oder die Diskussion darüber bedeutet daher, dass jene, die sich so verhalten, nicht gleich Bremser, Verweigerer oder gar Fehlgeleitete sind.

    Mit Sicherheit kehren sich manche Neighborhood-Bewohner in Philadelphia oder Farmer in Wyoming ebenso wenig um irgendwelche Avatare oder Urheberrechtsaspekte wie die vermeintlich hinterwäldlerischen deutschen Massen oder gar Daten- und Moralpostel – auf Ebene von Europa schon gar nicht, da das Konstrukt mit fanatischer Sicherheit, droht, neben anderen Themen auch an solchen sich scheidenden Geistern womöglich zu zerfallen. Damit sind die Amis in summa sicher nicht viel besser aufgestellt. Immerhin bauen die sprunghaften Entwicklungen auf vierhundert Jahre Vorsprung unter gleicher Verfassung und Flagge, was auch nicht kontinuierlich gemeinsam gelebt wurde.

    Es stellt sich vielleicht erheblich weniger die Frage, ob wir alle zu den Treibern auf der anderen Seite des Atlantiks bewundernd aufblicken sollten oder nicht. Die zusammenrückenden Tendenzen, welche die Globalisierung begleiten, sorgen ohnehin für viel wesentlichere Dynamiken. Daher werden es sicher – und bisweilen schon heute – nicht immer und ausschließlich Amerikaner sein, die den Motor des Fortschritts mit Treibstoff versorgen, digital und anderswo.

    Ein Lichtblick wider der Furcht: Angesicht von Coke, McDonald’s und UPS, welche nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sind:
    – Habt keine Angst – gerade das holen wir schon auf!

  • Steve sagt:

    @Förster:

    Niemand bestreitet, dass Unternehmen Profit machen wollen. Gewinne zu erwirtschaften ist der Grundzweck eines Unternehmens.

    EIn Unternehmen kann jedoch auf Teufel komm raus und egoistisch wirtschaften oder aber auch transparent und offen für Dialog und Kritik. Die Frage ist also nicht ob Gewinne erwirtschaftet werden, sondern auf welchem Weg und in welcher Beziehung mit dem Kunde diese entstehen.

  • Gastleser sagt:

    @Förster und Ingo Becker:

    Vielen Dank für die kritischen Beiträge.
    Erfrischend, dass nicht jeder in Lobeshymnen über ach so heilsbringende US-amerikanische „Weltverbesserungen“ ausbricht.

  • Schöner Rant! Freitags darf die Welt auch mal einfach sein.
    Was ganz anderes: Wieso glauben gerade Amerikaner, dass Social Media am Arbeitsplatz negativ auf die Produktivität wirkt? Da sind wir Europäer endlich mal viel positiver eingestellt! ^^ http://www.kellyocg.com/uploadedFiles/Content/Knowledge/Kelly_Global_Workforce_Index_Content/When%20Worlds%20Collide%20-%20The%20Rise%20of%20Social%20Media%20for%20Professional%20and%20Personal%20Use.pdf (n=170.000)

  • […] zu diesem Artikel: http://www.avatter.de/wordpress/2012/07/social-media-2012-wie-die-usa-den-europaern-mit-anlauf-in-de… […]

  • […] dem Versuch in Sachen Social Media den Amerikanern nachzueifern, treten wie Europäer momentan auf der Stelle, das wurde uns heute […]

  • Ganz vieles ganz richtig, André, vielen Dank!

    Fakt ist aber auch: Ohne Tweeple-Liebling Thilo Weichert vor Ort, haben wir Digitalos uns in Amsterdam davontragen lassen wie eine Schulklasse im Coffeeshop. Habe das hervorragende Event mal aus Perspektive der Corporate Communications beleuchtet: http://www.echtzeitschrift.net/?p=1268

  • Derek Finke sagt:

    Respekt für diesen Beitrag – guter Inhalt, tolle Schreibe, auch wenn ich nicht alles so unterschreiben würde.
    Fakt ist, dass in den USA sowohl auf Anbieter- als auch auf Abnehmerseite eine andere Kultur im Umgang mit Innovationen herrscht. Da geht es deutlich hemdsärmeliger zu, es wird erstmal gemacht und dann geschaut, ob das OK ist oder nicht. Hier wird stattdessen lange über das Für und Wider diskutiert, bevor überhaupt etwas losgeht. Bis dahin haben die da drüben schon die ersten Millionen im Sack und sind auf dem nächsten Level angekommen. Ich bin davon überzeugt, dass das Internet in diversen Branchen sein Potential noch gar nicht ausschöpft. Da kommen die goldenen Zeiten erst noch. Und zwar auch hier in Deutschland.

    Ich habe viele Kontakte in die Staaten, vorrangig zu Menschen, die dem Mittelstand zuzuordnen sind. Bei aller Begeisterung für Neues und auch für Soziale Medien, kann ich bei denen erkennen, dass auch sie ihre Grenzen in Sachen Privatsphäre ziehen. Von daher gibt es „DIE“ Amerikaner genauso wenig, wie es „DIE“ Deutschen gibt.

    Ich bin selbst eifriger Nutzer sozialer Medien und habe mein eigenes Blog, würde aber nie auf die Idee kommen, Datenschutz und geistiges Eigentum als Relikte einer vergangenen Zeit zu bezeichnen. Beim Datenschutz kommt es zuerst darauf an, dass die Mündigkeit der Menschen berücksichtigt wird, sowohl von Seiten der Gesetzgeber und ihrer ausführenden Institutionen, als auch von Unternehmen. Beim geistigen Eigentum wüsste ich nicht, warum ich als Urheber von was auch immer auf meine Rechte verzichten sollte, nur weil ein paar denkfaule Nerds der Meinung sind, sich das kostenlos unter den Nagel zu reißen. Dafür muss es Regeln geben, die die Urheberinteressen berücksichtigen.

    Etwas befremdlich wirken auf mich die Statements derjenigen, die aus einer vorgeblichen Scham heraus die deutsche Sprache nicht mehr anwenden wollen. Das ist natürlich jedermanns Sache, darum geht es mir gar nicht. Aber die Begründungen dafür wirken auf mich doch eher an den Haaren herbeigezogen und hanebüchen.

  • lars sagt:

    Ich denke auch, dass die USA in gewissen Bereichen den Europäern oder Deutschen voraus sind, wobei das „voraus“ eher wertfrei gemeint ist.

    Ich habe zwei Fragen (ernst gemeint, muss man ja vielleichjt dazu schreiben):
    1. Warum soll dieses Voraus-sein denn grundsätzlich gut sein (ich setze voraus, dass Du es als etwas Gutes empfindest)? Warum sollte ein kritisches Hinterfragen nicht erlaubt sein oder sogar dringend geboten sein, zum Beispiel im Bereich Data.
    Und so viel falsch können „die Deutschen“ derzeit auch nicht machen, wenn man sieht, wie das Land derzeit wirtschaftlich da steht bei aller regionaler und globaler Krise, auch und gerade im Vergleich zu den USA.

    und 2.: Mir fehlen bei Deinem Beitrag etwas die konkreten Beispiele, inwiefern die USA den Europäern voraus sind. Bei Data kann ich es noch nachvollziehen, bei Change und Trust sehe ich sie nicht. Und den Vorsprung der Amerikaner anhand der Aussagen zweier Berater und Sprecher festzumachen, ist doch etwas gewagt.
    Gerade beim Thema Change gibt es doch einige deutsche Unternehmen, die, zumindest was die internen Strukturen und den internen Einsatz von Social Media/Social Software angehen, schon recht weit sind.
    Und zu Trust: Ich bin Kunde von recht vielen US-amerikanischen Unternehmen und das, was Du bei deutschen Unternehmen anprangerst, ist bei diesen US-Unternehmen nicht anders. Das, was Frau Rogers sagt, kann ich natürlich voll und ganz unterschreiben, aber es sind Visionen, sowohl dies- als auch jenseits des Atlantik. Und auch „gute“ Unternehmen sehe ich nicht flächendeckend, weder hier noch dort.

  • Alex sagt:

    Zu guter Artikel der es wirklich gut auf den Punkt bringt.

  • […] Social Media 2012: Wie die USA den Europäern mit Anlauf in den Arsch treten – DER Hit in den Artikelcharts diese Woche. Zu Recht! […]

  • Für uns, die wir die Vibes des Social Web spüren und Unternehmen als Chance weitergeben möchten, sind die Signale des US-Marktes natürlich immer dankbares Futter. Ich glaube aber, dass wir oft vor allem den rhetorischen Fähigkeiten der dortigen Szene-Glanzfiguren auf den Leim gehen. Keine Frage, die können reden und sich verkaufen, und das mit einer Selbstüberzeugung, die ansteckt. Das ändert nichts daran, dass die Grundbotschaft der Offenheit und Authentizität in der Kommunikation einen existentiellen Wert für „People-Business“ darstellt. Ich hoffe, dass die Entwicklung in diese Richtung gehen kann. Danke für Deinen Aufruf dazu!

  • Ein klasse Beitrag – sehr informativ und zum Nachdenken anregend!

    Ich sehe es da auch ein bisschen wie Nicole Simon. Direkt lassen sich die Verhältnisse in den USA und in Deutschland nicht vergleichen. Aber die Amerikaner geben uns immer wieder tolle Anregungen und Inspirationen, und für mich geben sie den Takt vor. Ich bewundere die Amerikaner sehr. Wir können viel von ihnen lernen. Auch ich finde es sehr wichtig, nicht nur bei der eigenen Sprache zu bleiben. Meine Lieblingssprache in den sozialen Netzwerken ist Englisch.

    Für mich ist Social Media international – und das ist auch gut so!

    …. und Google+ ist für mich der perfekte Ausdruck dieser Internationalität!

  • […] ist in den meisten US-Köpfen soweit vollzogen und abgeschlossen“,  bescheinigt sogar Journalist André Vatter nach dem Besuch der Amsterdamer SMICS Konferenz. Die „digitale Denke“ sei in Deutschland ein „trauriger Abklatsch des American Dreams, ein […]

  • […] Social Media 2012: Wie die USA den Europäern mit Anlauf in den Arsch treten (avatter,de, André Vatter) André Vatter schreibt über die noch immer klaffenden Unterschiede […]

  • Was ist nur so schwer daran, das offensichtlich Richtige zu tun?…

    Gleich mal die Antwort für ungeduldige: Ich hab keine Ahnung. Ich beobachte lediglich seit mindestens 15 Jahren, wie sich einerseits die beklopptesten, teuersten, kompliziertesten und am Ende bestenfalls völlig wirkungslosen, schlechtestenfal…

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