Über das lauter werdende Mimimi der Wirtschaft 1.0

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2014 ist scheint das Jahr des endgültigen Erwachens für viele alte Branchen zu werden. Es regt sich etwas, wenn auch erst einmal nur Widerstand. Traditionelle Geschäftsmodelle werden überrannt, die Hotelies motzen, die Taxifahrer demonstrieren – vom stationären Einzelhandel ganz zu schweigen. Da hatte man mühselig und jahrelang das Internet und seine Entwicklungen ignoriert und dann kommt es doch um die Ecke und beißt einem in den Hintern!

Bibliotheken, Videotheken im Besonderen und die Medien im Allgemeinen bekamen es als erste zu spüren. Schon vor Jahren hatte das Netz begonnen, mit lautem Schmatzen ihre Marktanteile zu verspeisen und dennoch hatte es verdammt lange gedauert, bis es ein Umdenken gab. Aus dem Feind Internet wurde ein Freund Internet; vielleicht nicht gerade der beste Kumpel, aber immerhin kann man es heute einige Zeit im selben Raum aushalten. Medienanbieter haben angesichts der Ausweglosigkeit die Funktionsweisen des Netzes adaptiert und sind derzeit dabei, das Beste daraus zu machen. Gut so.

Der Real-Life-Roundhouse-Kick ins Gesicht

Doof nur, dass das Netz noch lange nicht satt ist. Unternehmen der einstigen Offline-Welt bekommen gerade den Real-Life-Roundhouse-Kick ins Gesicht – direkt aus dem Internet, live und in Farbe und vor allem immer mobiler. Die Hotelverbände stöhnen unter dem Konkurrenzdruck aus dem Netz, da immer mehr Nutzer ihre Zimmer online bei Vergleichsportalen bestellen. Die Folge? Hotels sind nicht nur gezwungen, fette Provisionen zu zahlen, sondern müssen gleichzeitig auch den Preiskampf überstehen. Achja, und dann wollen die Kunden auch noch gescheite Unterkünfte!

Diese Krise des Hotelgewerbes ist ebenso beispielhaft wie hausgemacht und in erster Linie dem Wahn der totalen Markenkontrolle geschuldet. Als die ersten Nutzer durchblicken ließen, dass zum Beispiel Bewertungen für Unterkünfte doch eine tolle Sache seien, machten die Hoteliers umgehend dicht. Auf den Websites durften Nutzer Preise checken und Zimmer buchen – und wenn sie Glück hatten, sich noch Bilder der Anlagen anschauen, die irgendein Praktikant vor Jahren schoss; damals, als gerade die Fassade neu getüncht worden war. Feedback geben oder gar öffentliche Reviews? Um Gottes Willen! Entweder trauten sie nicht der Ehrlichkeit der Nutzer oder aber der Tauglichkeit der eigenen Produkte, jedenfalls verloren die Hotels dieses Match an Trip Advisor, HolidayCheck und Co.: Unternehmen, die es vor wenigen Jahren noch überhaupt nicht gab, doch den Kundenwunsch nach Transparenz nicht nur respektierten, sondern förderten. Und das Geschäft floriert. Wer ist so doof und bucht heutzutage direkt auf einer Hotelseite, wo jeglicher Vergleich fehlt? Viele Unternehmen der Branche erlauben bis heute keine Rezensionen, stattdessen werden wir Zeuge trotziger Reaktionen: Mosern, Meckern und der (geglückte) Ruf nach Mehrwertsteuersenkungen als Subventionsmittel, um die nächsten Jahre irgendwie durchzukommen.

Revierverteidigung statt Kundenorientierung

Bei den Taxis ist es ganz ähnlich. Was hat sich die Branche gedacht? Dass auch im Jahr 2020 Menschen auf die Straßen gehen und „Droschke“ rufen, wenn wieder mal ein Taxifahrer abwinkend vorbeirauscht? Dass es in Zeiten des Internet der Dinge noch immer auf Quittungsbelegbögen mit Durchschlagpapier ankommt? Dass Nutzer ständige Besetztzeichen beim Taxiruf akzeptieren? Offenbar schon, denn sonst gäbe es derzeit nicht die Straßenschlachten der Revierverteidigung gegen Marktgaloppierer wie MyTaxi und Uber.

Natürlich ändert sich die Welt und damit auch Bedürfnis und die Anspruch der Kunden, die – aus Mangel an Alternativen – eben eigene Lösungen schaffen und manchmal sogar so erfolgreich, dass sich damit Geld machen lässt. Ich fahre ziemlich viel Taxi und danke Gott jeden Tag, dass aus Startup-Ideen Realität geworden ist. „MyTaxi ist schlecht, viel zu teuer, aber was will man machen?“ – „Zum Beispiel Ihren Boss fragen, warum er nicht schon vor Jahren auf die Idee gekommen ist, immerhin ist er aus der Branche.“

Keine Gnade – nur Innovationen

Die Entwicklungen beschleunigen sich immer weiter und derzeit ist kaum abzusehen, welche Wirtschaftszweige vom digitalen Einfluss überhaupt unberührt bleiben. Aber eines ist sicher: Das Internet schiebt schon heute Traditionsbranchen wie totes Geröll vor sich her, ziemlich respekt- und gnadenlos – aber so ist es nun einmal. Kein Unternehmen kann es sich leisten, sich auf einen etablierten Erfolg auszuruhen, alles gehört immer wieder auf den Prüfstand. Um der Digitalisierung standzuhalten, müssen sie selbst wieder zum Startup werden und ihre Dienste und Produkte neu erfinden: „Passt das noch oder kann das weg? Scheiß auf den Analysten, was würde der Kunde dazu sagen? Können wir noch einen Schritt weitergehen?“

Es klingt hart, weil es in erster Linie die einfachen Hotelangestellten oder Taxifahrer trifft, die ja nun wirklich nichts dafür können. Aber jede Branche, die es nicht schafft, sich immer wieder selbst zu innovieren, muss mit den verdienten Folgen leben. Bis heute wurden rund 1.500 Dinosaurierarten entdeckt. Einige haben sich weiterentwickelt und sind heute noch sehr lebendig. Der Rest ist ausgestorben.

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