Journalismus

Keynote im Live-Stream: Apple präsentiert den PI-Killer für Blogger

Posted in Journalismus, Netznews on September 1st, 2010 by André – Be the first to comment

Die Pressekonferenz am 7. Juni war für Apple-Verhältnisse eine einzige Katastrophe. Jobs hatte Schweißperlen auf der Stirn, als plötzlich Hunderte WLAN-Signale die Funkverbindung für das Herzstück der Präsentation störten. Journalisten und Blogger hatten kurzerhand ihre UMTS-Verbindungen in Hotspots umgewandelt und damit die Kanäle verstopft: für das iPhone 4 gab es vorerst nur eine Offline-Demo. Ein solcher Fauxpas ist nach Konzernpolitik eigentlich unverzeihlich und auch Grund für Apples vergangene Entscheidungen, Keynotes niemals live zu streamen. Das soll sich heute erstmals ändern.

Apple hat angekündigt, ab 19 Uhr unserer Zeit auf http://www.apple.com einen visuellen Live-Einblick in die anstehende Präsentation im Yerba Buena Center zu geben. Auf dem Programm stehen Ankündigungen aus dem Cupertino-Musikbusiness, in dem seit der Übernahme von Streaming-Dienst Lala mit einem Rollout gerechnet wird. Der Haken: Das Live-Video wird nur auf Apple-Geräten empfangbar sein.

Apple schlägt damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstes werden offensichtlich die Hausprodukte weiter gepusht. Noch enttäuschter dürften aber die Blogger und Magazine über den Entschluss sein. Da Apple bislang die Öffentlichkeit aus derartigen Veranstaltungen ausgeklammert hatte, boomte an solchen Abenden die Institution Live-Ticker. Für Seiten wie TechCrunch, Mashable, Engadget war die journalistische Begleitung von Keynotes jedes Mal wie ein Weihnachtsfest, bei dem die Page Impressions in die Höhe kletterten und Verlinkungen im Sekundentakt zunahmen. Damit wird erst einmal Schluss sein. read more »

Loveparade & naive Twitter-Nutzer: Wirrer Prügelkommentar zeigt Machtlosigkeit der etablierten Medien

Posted in Journalismus, Netznews on August 30th, 2010 by André – 3 Comments

Am Montagmorgen hat Lovapent-Chef Rainer Schaller eine neue Seite ins Netz gestellt, die in Originalbildern und -mitschnitten zeigen soll, was am 24. Juli bei der Loveparade tatsächlich passiert ist. Zweifelsohne ist der dort zu sehende “Dokumentarfilm” politisch gefärbt: Wie zu vermuten war, ist auch dieses angeblich objektive Zeugnis ein neuer Delinquenzantrag für die Polizei, die nach Meinung des Veranstalters auf allen Gebieten versagt hat. So leiht sich der Film unter anderem Autoritätsargumente bei der Feuerwehr, die an jenem Tage einige Maßnahmen aus “einsatztaktischer Sicht” als “sehr problematisch” bezeichnete und daher “dagegen” gewesen sei (PDF). Am 2. September wird Schaller bei Senioren-Talker Kerner im Privatfernsehen auftreten und vehement diese These bekräftigen.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist zweifelsohne klug gewählt, da am kommenden Donnerstag das Verteidigungsbollwerk von Innenministerium und Polizei im NRW-Landtag aufgefahren wird. Bereits jetzt hat – ebenfalls wenig überraschend – NRWs Wachtmeister Nummer eins, Dieter Wehe, aufs Heftigste protestiert: “Seine (Schallers) Aussagen werden nicht besser, nur weil er sie wiederholt. Der Veranstalter hat die Polizei um Hilfe gebeten, weil sein Sicherheitskonzept zusammen gebrochen war. Er hatte zugesagt, die Eingangsschleusen zu schließen. Das ist nicht geschehen.” read more »

Warten auf Gutenberg 2.0

Posted in Journalismus on Juli 13th, 2010 by André – Be the first to comment

Jean Paul sagte einmal “Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir nicht vertrieben werden können.” Und der Spruch hängt seit Jahren als Poster an den Bürowänden der deutschen Zeitungsbosse. Mir erschließt sich nicht, woher diese Hartnäckigkeit kommt, dieses Winden, dieses bornierte Festhalten an Gewesenem, aber eines ist sicher: Wenn die deutsche Printbranche sich auf ihrer heutigen BDZV-Jahrespressekonferenz auf einen rettenden Kurs eingeschworen hat, so wird sie die eingeschlagene Richtung geradewegs in die Scheiße reiten.

Es ist nicht kurz vor zwölf. Es ist bereits später Nachmittag für Deutschlands Printmetier und dennoch reiben sich die Verleger noch immer verträumt den Schlaf aus den Augen: “Bitte, noch einmal umdrehen. Nur noch ein wenig.” Wer gehofft hatte, dass der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger am heutigen Tag einen Masterplan zur Reform der einer Jahrhundertbranche vorlegen würde, wurde bitter enttäuscht. Es bleibt beim alten Spiel: Bestandsaufnahme und Schuldzuweisung.

Offenbar haben sich die Verlage nun erleichtert darauf verständigt, dass eines Tages das Electronic Publishing den Vogel abschießen wird. In den Verlagen werde intensiv an Inhalten, Design und Vermarktungsmodellen gearbeitet, sagte Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. Die gesamte Branche bewege sich in einer “wichtigen Experimentierphase”. Es bestehe Konsens, dass die “neuen Tablets große Chancen” böten, das klassische Geschäftsmodell der Zeitung, nämlich Vertriebserlöse plus Werbeerlöse, in die “digitale Welt” zu übertragen. – In diesem ehrgeizigen Unterfangen stecken für das Jahr 2010 noch eine Menge Konjunktive. Gibt es konkrete Pläne? Gibt es Kooperationen? Ideen zur Umsetzung? Gibt es Best Case-Szenarien? Wenn Gedrucktes künftig auf dem Display gelesen wird, wie werden diese Inhalte aufbereitet? Wie lauten die Namen der Vertriebspartner? Werden auch alle an einem Strang ziehen? Wolff drückte sich um konkrete Ansagen und schickte lieber seinen IT-Kollegen Fuhrmann (Abteilung “Kommunikation + Multimedia”) auf das Podium, um die Euphorie mit Hinweisen auf die problematische Hardware-Vielfalt und das Preisdiktat der Hersteller vorsorglich zu dämpfen. Das war es. Das Buch wurde geschlossen und eine neue Runde im Wettwarten auf die rettende Reinkarnation Gutenbergs eingeläutet. Eines Tages wird er kommen, eine glänzende 2.0 vor sich hertragend, und eine ganze Branche aus der Misere herausholen. Aber nicht heute. read more »

Fräulein Hegemanns Gespür für den Content-Raub

Posted in Journalismus, Netzkunst on Februar 8th, 2010 by André – Be the first to comment

Ich habe die Existenz sogenannter Coming of Age-Geschichten noch nie verstanden. Die Kaufmotivation der Leser speist sich bei Erwachsenen wohl daraus, dass sie sich nicht trauen, die Kinderzimmertür von außen zu öffnen, aus Angst jemanden zu begegnen, den sie nicht kennen. Jugendliche greifen zum Skandal-Buch, weil sie Angst davor haben, die Tür von innen zu öffnen und sich lieber Geschichten ausmalen, wie die Welt da draußen, die sie vom Fernseher und den Magazinen her kennen, wohl aussieht. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Benjamin Lebert zeigte Ende der Neunziger, dass sich derlei Lektüre hervorragend verkaufen lässt. Und als nun Frau Roche ihre smegmatriefende Nonsense-Story “Feuchtgebiete” veröffentlichte und von der anderen Seite Heinz Strunk mit seinem “Fleckenteufel” auf den Zug aufsprang, war schnell klar, dass die Marschrichtung für die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts fest stand.

Höchste Zeit also, um die nächste Stufe zu zünden, muss sich da der Ullstein Verlag gedacht haben. Toppen wir den Skandal, indem nun auch eine Minderjährige hin und wieder das Wort “Ficken” in den Mund nehmen darf: und Helene Hegemann war geboren.

Die junge Bochumerin avancierte mit ihrem Debut-Roman “Axolotl Roadkill” schon vor Marktbeginn zum Shooting-Star der deutschen Literaturszene (was kein Problem ist, da diese unter erprobten US-Importen und der Mutlosigkeit hiesiger Verlage erstickt). Kritiker verglichen sie mit eben jener Charlotte Roche, die “Zeit” kramte Lautréamonts “Gesänge des Maldoror” als Maßstab hevor oder Feridun Zaimoglus “German Amok”. Es sei “etwas nervtötend”, was den “Fickundkotz-Jargon” und das Gelaber der “heterosexuellen Matrix” angehe, wurde eingeworfen, doch letztendlich gefielen sich die Kritiker darin, mit roten Ohren hinter den Buchseiten zu kichern, auf der von offenbar entfesselter Lust von Mädchen zu lesen war, die gut ihre Töchter hätten sein können. read more »

Die Sache mit den E-Books / Interview

Posted in Journalismus, Netznews, avatter on Oktober 25th, 2009 by André – 1 Comment

nook

Dem deutschen Büchermarkt geht es prächtig. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurde ein Umsatzwachstum von 2,2 Prozent erzielt, allein im Sommermonat Juni konnten die Verlage hier ein Plus von 6,8 Prozent (!) verzeichnen. Ein stattliches Ergebnis mitten im Jammertal der Wirtschaftskrise, das in dieser Größenordnung nur wenigen Branchen vergönnt ist. Auf der Frankfurter Buchmesse 2009 knallten jedenfalls die Champagnerkorken, wohingegen das IT-Volk auf der CeBIT damit bemüht war, im Rahmes eines gigantischen Motivationsseminars die Mitglieder verzweifelt auf bessere Zeiten einzuschwören.

Das zeigt: Papier ist nicht out, der Geruch von Druckerschwärze, schöne Lesezeichen, Taschenbücher zum Mitnehmen – all das hat die Jahrtausendwende völlig unbeschadet überstanden. Der Kreis der Offline-Leser wächst stetig weiter, eine Entwicklung, die wohl so niemand vermutet hätte. Darin ist auch das Selbstbewusstsein der Bücherverlage begründet. Ein Umsatteln auf E-Books? Kann man machen – muss man aber nicht, lautet das Motto von Belletristik und Sachbuch. In einer selbst initiierten Studie von Oktober tastete sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eher neugierig als getrieben an das Thema Electronic Publishing heran: “Wir wollten wissen, wie nachhaltig die aktuelle E-Book-Welle ist”, heißt es da. Das Fazit fiel mit der Aussage “E-Books: Umsatzzwerge mit Wachstumspotenzial” eher nüchtern aus.

Wenn von E-Books oder ihren Readern die Rede ist, wird häufig zunächst an “Harry Potter” und den Kindle gedacht, auch beim Publikum hält sich da die Begeisterung in Grenzen. Verständlicherweise. Mehr als ein Buch gleichzeitig kann niemand lesen, warum also ein elektronisches Gadget mit tausend Titeln einstecken, wenn ich doch Literatur gestochen scharf, batterieunabhängig und mit unvergleichlicher Haptik völlig komplikationslos genießen kann. Um es kurz zu machen: Ob E-Books in naher Zukunft auch im klassischen Buchverlagswesen ein Erfolg werden, ist eine eher zweitrangige Frage. Eine dringende Abhängigkeit besteht jedenfalls nicht. read more »

“Das Netz als Feind”: Ein offener Leserbrief

Posted in Journalismus, Netznews on Mai 25th, 2009 by André – Be the first to comment

Den folgenden Leserbrief habe ich Adam Soboczynski zukommen lassen. Sein Artikel in der “Zeit” beschäftigte sich mit dem Verschwinden des Intellektualismus im Zeitalter des Web 2.0. Titel: “Das Netz als Feind

Sehr geehrter Herr Soboczynski,

ich schreibe Ihnen als Redakteur eines großen Blogs in Deutschland (Anmerkung für die Leser hier: nicht dieses!). Dies ist eine Reaktion auf Ihren heutigen Beitrag in der “Zeit” und da wir beide – wie ich sehe – fast derselben Generation angehören, würde ich Ihnen gerne ganz offen sagen: Sie haben völlig Recht.

Ich schätze, dass ebensolche Debatten bereits bei der Etablierung des Radios und später beim Siegeszug des Fernsehens geführt wurden. Damals entschied sich der Intellektualismus für das freiwillige Exil des Printmediums. Doch diese allerletzte Rückzugsmöglichkeit ist nun unwiderruflich in Gefahr: Nachrichten werden zu Content, genauso wie Buchseiten zu Displays verarbeitet werden. Eine unumkehrbare Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist.

Die Frage ist: Wohin also nun? Die gemütlichen Tage sind vorbei und die Menge der Leser, die frei von terminlichen Verpflichtungen die Muße haben, am Morgen eine Zeitung aufzuschlagen, wird in den kommenden Jahren diametral zu den Nutzerzahlen des Internet abnehmen. Ich frage noch einmal: Wohin also nun? Ich halte es für den falschen Weg, die Kapitulation auszurufen, zu resignieren und unter den effektvollen Buh-Rufen der digitalisieren Nation das Feld zu räumen. read more »

Warum Micropayment (derzeit) nicht zur Rettung der Verlage taugt

Posted in Journalismus, Netznews on Mai 21st, 2009 by André – 2 Comments

Kolbrück: “Warum geben die Zeitungen und Verlage ihren Leser nicht direkt einen Kindle, das ist doch endlich dann billiger.”
Lobo: “Eine gute Frage, die ich gerne an die Verlage weiterleiten wollen würde…”

Beim Durchschauen der Videocasts der Hamburger next09 bin ich über ein interessantes Interview mit Sascha Lobo gestolpert, Fragesteller ist Horizontler Kolbrück. Neben Twittern geht es darin um die Frage, ob Micropayment zur Rettung des deutschen Verlagswesens taugen könnte (ab 6:18 min). Lobo bejaht dies mit vorsichtigem Optimismus, verweist aber gleichzeitig auch auf die Notwendigkeit zum Experimentieren: eine besondere Rolle käme dabei sicherlich der Hardware zu. Als Beispiele werden der iPod (Online-Verkauf von Musik) und das iPhone (der App Store) genannt. Vorbild könnte aber auch der Amazon Kindle sein, der seinen Besitzern die Möglichkeit bietet, E-Books und Feeds zu kaufen beziehungsweise kostenpflichtig zu abonnieren.



Hier möchte ich gerne einen Schnitt machen – und vielleicht ein paar Antworten liefern. Bleiben wir zunächst bei Apple und dem iPhone. Erst kürzlich konnte Cupertino stolz verkünden, dass die erste Milliarde bei den App-Downloads geknackt wurde – offensichtlich ein erfolgreiches Produkt. 35.000 Miniprogramme sind derzeit für das iPhone und den iPod touch verfügbar. Laut einer Statistik von O’Reilly liegt der durchschnittliche Preis einer Bezahl-App großzügig errechnet bei etwa 2,65 Dollar. Die Analysten von Lightspeed haben daraufhin ihre Mathehausaufgaben gemacht und folgende Rechnung aufgestellt. read more »

Obama über die Bedeutung des Journalismus im 21. Jahrhundert

Posted in Allgemeines, Journalismus on Mai 10th, 2009 by André – Be the first to comment

White House Correspondents’ Dinner, 9. Mai 2009