Na, Gottseidank. Als ich die Nachricht las, habe ich mich erst einmal erleichtert hingesetzt – was wäre das für ein Theater geworden: “Trotziges Rauschen im Blätterwald!” – “Deutsche Verleger setzen sich für Waldrodungen ein!” – “Nächster Halt: Vergangenheit!” Und was sollen erst die Nachbarn denken? Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) würgt die millionenschwere “Print wirkt”-Kampagne ab. Und das ist auch gut so. Noch einmal: Gottseidank.
Auf der Seite zur bisherigen Kampagne haben die Verleger allerlei Nonsens-Argumente (PDF) zusammengetragen, weshalb das gedruckte Wort hipper denn je sei: “Wer schreibt, der bleibt”, steht da. Oder: “Print bringt Klicks”. Print wirke nachhaltig, fördere das Vertrauen, locke die Generation Facebook und sei eine “Kapitalanlage mit Rendite”. Soviel Selbstverleugnung muss man erst einmal zusammentragen, ohne selbst in ablenkendes Gelächter ausbrechen zu müssen.
Nein, Print wirkt nicht. Es wirkt jedenfalls nicht mehr. Print ist ein Medium, das in einer globalisierten Welt völlig veraltet ist, wenn es publiziert wird, zudem fördert es die elitenorientierte One-Way-Kommunikation. Papier ist es ein teurer Rohstoff, der zunächst zur Umweltzerstörung und später zur Umweltverschmutzung beiträgt. Es lässt sich nicht einmal gescheit archivieren, es stinkt, staubt, vergilbt und zerfällt. Lässt man Papier in seiner Funktion als brennbares Material mal außen vor, besitzt es null Nachhaltigkeit. Doch der wichtigste Grund dagegen wäre wohl: Es interessiert niemanden mehr. Tageszeitungen und Fachzeitschriften verlieren seit Jahren verlässlich an Auflagen – ebenso an Journalisten, die Opfer konservativen Missmanagements und fehlender Geschäftstüchtigkeit geworden sind. Der demographische Wandel ist der einzige Grund, weshalb bedrucktes Papier heute noch Anhänger findet, doch selbst eine stark alternde Gesellschaft wie Deutschland wird es nicht verhindern können, dass irgendwann die letzte Seite geblättert wurde. Weiterlesen
Da haben sie also den Beschluss zum Beschluss beschlossen. “Sie”, das sind zum einen der ultrakonservative schwarze Block der Jammerlappen und zum anderen die liberale Chaostruppe, von der man einen solch wirtschaftsfeindlichen Vorschlag zunächst nicht erwartet hätte. Doch die politische Kurzsichtigkeit des Leistungsschutzrechts reicht eben nur bis zum 15. September 2013 – dem Termin der nächsten Bundestagswahl – und wer Hoteliers mit Lobbygeschenken beglückt, kneift auch mal ein Auge zu, wenn es darum geht, die deutsche Presselandschaft wohlwollend zu stimmen.
Während deutsche Journalisten das Vorhaben mit immer demselben Passus wie beiläufig beschreiben (man spricht von dem “umstrittenen Gesetz”, das “auf den Weg” gebracht wurde), reiben sich ausländische Beobachter wieder einmal die Augen über den teutonischen Alleingang. Deutschland, das ist der innovationsfeindliche EU-Riese, irgendwo zwischen den Alpen und einem Meer, dessen Namen man nicht kennt. Deutschland ist das Land, für das Google speziell Milchglasscheiben (Google StreetView) herstellen musste. Für das Google Analytics extra angepasst wurde. Das Land, das tatsächlich das Betreiben einer Fanpage unter Strafe stellt. Das Land, in dem die Nutzer bis heute bei YouTube nur “Das tut uns leid…” zu sehen bekommen. Die Deutschen bauen tolle Autos – aber, Mann: die verfluchen bis heute noch den Tag, an dem der erste Rechner an das Netz angeschlossen wurde. Weiterlesen
“Lasst, die ihr andere eintreten lasst, alle Hoffnung fahren!”
– frei nach Dante Alighieri
Breaking News: Ein Foto von Christian Wulff, Karl-Theodor zu Guttenberg und Ronald Schill beim Pokerspielen ist auf Facebook zu bestaunen!
Auch reingefallen? Deutsche Online-Medien sind Meister darin, die eigenen Leser an der Nase herumzuführen. Das Taggen der internen Rubriken stellt nach jahrelanger Verweigerung der Quellennennung (-und verlinkung) bereits eine Progression dar. Fast die Hälfte aller Zeitungen und Magazine im Netz steht heute auf dieser Stufe und schämt sich nicht. Es gibt drei Gründe für die Selbstreferenzialität:
1.) Simples Unwissen (wie ich leidvoll in Gesprächen erfuhr)
2.) Clevere SEO-Maßnahme (interne Verlinkungen sind immer gut)
3.) Panische Angst vor dem Trafficverlust (“Meins, meins, alles meins!”)
Der dritte Punkt scheint mir derzeit am interessantesten – die Furcht, den Nutzer aus den eigenen Fängen zu verlieren. Gerade bei Textcontent mutet diese Einstellung ziemlich schwachsinnig an: Als Leser weiß ich es doch zu verstehen und schätzen, wenn ein Medium auf Quellen (extern) verlinkt, mich inmitten eines Berichts oder Analyse direkt zu den Orten des Geschehens verweist. Ich weiß, dass ich nicht bevormundet werde und genau das ist ein Grund für mich, um immer wieder zurückzukehren. Weiterlesen

Phase 1: Der Empörungsreflex
“FU, Twitter!” – Die erste Reaktion auf die Ankündigung ist komplette Entrüstung, die eine Tweet- und Hashtag-Flut vor sich herschwemmt. Verlinkt wird immer wieder dieselbe Handvoll Artikel. Der Himmel verdüstert sich, am Horizont grollt der Shitstorm.
Phase 2: Der Grabreflex
Im Fahrwasser der blinden Wut finden sich immer einige kluge Köpfe, die der Sache auf den Grund gehen – allerdings mit vordefinierter These im Kopf: “Warum zensiert Twitter?” wird dabei ersetzt durch “Deshalb ist Twitter böse!” Antwort: Der Dienst buckelt vor den Saudis. Es geht um Kohle und Twitter kriegt den Hals nicht voll genug.
Phase 3: Der Medienreflex
Medien berichten über den Shitstorm. Zunächst geht es nur um möglichst blumige Deskriptoren der Fetzerei unter Nerds. Dann auch um die Sache an sich. Damit wird der Protest nobilitiert und erhält seine Legitimation. Diese Botschaft nehmen die Aufständischen mit. Weiterlesen

Hat es der geneigte Leser mitbekommen? Nein. Tja, so kann es kommen – und doch ist unser Staatsoberhaupt tatsächlich abgewählt worden, gestürzt, in Ungnade gefallen. Selbst, wenn Reuters noch vor wenigen Stunden titelte, dass in der “Wulff-Affäre” die “Ermittlungen weiter offen seien” – in den Medien ist der Korruptionsverdacht im Schloss Bellevue mittlerweile Geschichte. Bei Bild.de ist er komplett von der Bildfläche verschwunden, der Tagesschau ist er egal, Spiegel Online begnügt sich mit einem letzten Satire-Abklatschen.
Zwei Themen haben stattdessen die Titelseiten erobert: Standard & Poor’s Entscheidung, Frankreich, Österreich und anderen EU-Staaten die Dekoration vom Revers zu reißen, um anschließend den gesamten Euro-Rettungsfond abzuwatschen. Und das Schiffsunglück an der Toskanischen Küste. Die Causa Wulff ist gegessen, gibt es doch nun ganz neue Spielfelder der Betätigung, in deren Rahmen man sich etwa fragen kann, was Rating-Agenturen heutzutage überhaupt leisten und ob wir uns das gefallen lassen müssen. Oder das Rätselraten um den unfähigsten Kapitän der Welt, der leichtfertig das Leben hunderter Touristen riskiert hat. Nebenbei gefragt: Hat der Boom-Sektor der Kreuzfahrten die ganze Zeit auf Kosten der Sicherheit gewirtschaftet? Weiterlesen

Seit heute gibt es das Bild-Mini-Handy. Ein schrottiges 10-Euro-Teil, das wohl das RX-80 Pico von Simvalley sein könnte: “Kleiner als eine Kreditkarte und reduziert auf die zwei Hauptfunktionen Telefonie und SMS, ist das BILD Mini-Handy das optimale Gerät für alle, die sich ein einfaches Gerät ohne eine Vielzahl von Zusatzfunktionen wünschen oder ein praktisches Zweithandy suchen”, verrät die Pressemitteilung. “Bild” wird das Handy bei “10.000 ausgewählten BILD-Händlern” zum Verkauf anbieten, zudem vertickt es Axel-Springer im Bild-Shop (wo es zur Stunde allerdings bereits vergriffen ist).
Es ist nichts Neues, dass “Bild” Produkte an den Mann bringt; die “Volksaktionen” sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Vermarktungsstrategie. Im vergangenen Jahr lief die 100. Kampagne: Müller Milchreis wurde seinerzeit konsequenterweise in “Volksmilchreis” umbenannt und dann als bundesrepublikanischer Standard in Sachen süßer Klebenahrung breit beworben. Das Motto? “Abverkauf ist buchbar!” (Info-PDF).
Im Herbst 2007 wurde Bild Mobil in Kooperation mit Vodafone aus dem Boden gestampft, ein Erfolg, will man meinen. Innerhalb der ersten zwei Wochen gingen 100.000 SIMs über den Ladentisch. Und jetzt folgt das Handy, ein reiner Werbeträger, der neue Abnehmer für den Billig-Tarif gewinnen soll. Weiterlesen

Vor ungefähr einem Monat hatte die visuelle Erklärmaschine Qwiki damit begonnen, Job-Ausschreibungen für “News-Ninjas” im Netz zu streuen. Gesucht wurden und werden Freelancer mit Textsicherheit und einem Gespür für Story-Telling. Das Job-Angebot überraschte, bisher hatte sich Qwiki darauf beschränkt, statische Informationen von Wikipedia – flankiert mit Elementen von Google Maps und der Google Bildersuche – zu aggregieren und in Clip-Form aufzubereiten.
Was mich jedoch wirklich überrascht, ist die Geschwindigkeit, mit der Qwiki die neue News-Funktion nun in die Plattform integriert hat. Seit Ende der Woche liefert Qwiki tagesaktuelle Berichterstattung. Die Clips sind nur wenige Minuten lang und werden tatsächlich redaktionell zusammengestellt. Die visuellen Eindrücke speisen sich aus den bisherigen Kanälen, hinzugekommen sind allerdings auch stummgeschaltete Clips von Content-Lieferanten wie BBC oder Euronews. Die Berichterstattung umfasst die Ressorts International, US, Business, Technology und Entertainment. Weiterlesen
Die Recherchemechanik eines Tech-Journalisten ist recht simpel – einfacher, als bei den Kollegen aus anderen Ressorts: Man verlässt nicht das Haus, jagt keinen Tornados hinterher oder wartet unzählige Stunden in irgendwelchen Hotellobbys. Nein, in der IT-Berichterstattung versendet man stattdessen einfach eine E-Mail, postet eine IM-Nachricht oder greift zum Hörer. So einfach ist das.
Nichts von dem ist im heutigen Fall der grausamen Facebook-Zensur geschehen, in der Mark Zuckerberg persönlich einen Zauberbann gegen Google+ aussprach und damit alle Invite-Links zu Googles neuem Netzwerk in den Orkus der Verdammnis schickte. Zumindest hat hierzulande niemand auch nur den müden Versuch unternommen, einmal für die Nutzer für ein wenig Klarheit zu sorgen. Warum auch? Die Story verkauft sich gut; ehrlich gesagt waren bislang alle Feld-Berichte, die von den Kriegsschauplätzen zwischen den beiden Netzwerken stammten, Traffic- und vor allem Engagement-Garanten.
Die feixende Ignoranz der Medien in dieser Sache hatte mich heute schon einmal kurz aufgebracht, da der Tross der Deppen sich aber weiter durch die Landschaft der Etablierten bohrt, muss ich eben die Scheinwerfer etwas breiter aufstellen. Weiterlesen
Aha, nun positioniert sich Twitter also auch offiziell als Infoquelle für Journalisten. Wie das Unternehmen am Abend bekannt gab, wurde speziell für die berichtende Zunft ein kleines Infoportal ins Netz gestellt: Twitter for Newsrooms. Design und inhaltliche Aufmachung machen zunächst einen ambitionierten Eindruck – wer allerdings schon länger auf Twitter unterwegs ist, sollte die Hoffnung nicht zu hoch stecken, hier eine Goldgrube an Tipps vorzufinden: Die Newsroom-Seite soll in erster Linie Anfängern der Branche den Einstieg in das Echtzeitnetz erleichtern.
Das Portal gliedert sich in die Rubriken “Report”, “Engage”, “Publish” und “Extra” und könnte so in etwa den Arbeitszyklus des internationalen Journalismus abbilden. Unter “Report” finden wir seichte Lektüre zum Thema Recherche. Man erfährt, was die Twitter-Suche ist, wie sich diese erweitern lässt und dass es einige (auch mobile) Clients gibt, die einem die Recherchearbeit erleichtern können. Eine kleine O-Ton-Sammlung von begeisterten Journalisten auf Twitter rundet das Ganze ab (“Twitter ist sehr nützlich, um mit Menschen in Kontakt zu treten”, Jake Tapper von ABC News). Weiterlesen
Man weiß ja bis heute nicht genau, wo Richard Gutjahr nun seine Nische gefunden hat: ist er Moderator, Revolutionsreporter, notorischer Facebook-Kritiker oder der größte Apple-Fanboy, den Deutschland jemals hervorgebracht hat? Doch eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Gutjahr macht durch seine Öffentlichkeit mittlerweile mehr Netzpolitik, als es beispielsweise die Berliner Chaostruppe der “Digitalen Gesellschaft” zu tun vermag, die aus dem Zirkel der Selbstreflektion bis heute nicht herausgefunden hat.
Ich möchte mit dieser kleinen Einleitung nur meinen Respekt kenntlich machen, den ich für diesen Mann hege – und im konkreten Fall auch meine Hochachtung für seinen Mut, den er bewies, als er am gestrigen Tag den TV-Bossen eine lange Nase drehte. Dies geschah auf dem NRW-Medienforum, wo WDR-Intendantin Monika Piel, RTL-Dompteurin Anke Schäferkordt und Jürgen Doetz vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) eigentlich eine problemlose Messe für die Krone der Medien – dem TV – feiern wollten. Erst in zweiter Linie sollte es darum gehen, sich gegenseitig Schimpfworte wie “Private Miesmacher!” und “GEZ-Freischeinfahrer!” an den Kopf zu werfen. Gutjahr brachte jedoch eine neue Note in die Diskussion. Weiterlesen

Was für ein Start in die Woche! Island explodiert und spuckt das alles verschlingende Aschemonster in unseren Luftraum, Herr Kaiser kokst mit Salz, die Sexbestie Strauss-Kahn besticht das Zimmermädchen und all dies geschieht, während das EHEC-Bakterium in Form von Radieschen (oder waren es Spargel, Erdbeeren?) bundesrepublikanischen Boden erobert.
Und gerade zum letzten Punkt möchte ich etwas sagen. Was, bitte schön, ist los mit Deutschland? Ich habe die vergangenen Stunden die Berichterstattung zu EHEC immer mal wieder beobachtet und mir läuft es kalt den Rücken herunter. Minütlich gab es neue Horror-Meldungen – wie zu erwarten war, vor allem von der Lokalpresse. Wer einen EHEC-Fall im Ort hatte, berichtete darüber. Wer ihn nicht hatte, berichtete, dass es noch keinen gab. Zur Stunde sind noch alle dabei: der Boulevard, die Magazine, die überregionale Tagespresse und mit größtem Genuss auch die Pharmablätter.
Die Informationen sind rar gesät, tatsächlich weiß nur das Robert Koch Institut (RKI) Bescheid und das hat seine Jungs gerade im Feld, genauer gesagt in Hamburger Kantinen, Schulkombüsen und bei Gülle-Bauern im Umland. Alles andere ist Spekulation, doch jeder, der einen “Dr.” vor dem Namen stehen hat, wird zum Interview zitiert, damit wir alle wissen, was wir nicht wissen: Schwarz auf Weiß oder live in Farbe. Weiterlesen

Zunächst noch einmal ein ganz dickes Lob an alle Teilnehmer: ein tolles Publikum, das mit viel Engagement die Rechner anwarf, ebenso interessante wie kniffelige Fragen stellte, mit viel Herzblut Wikipedia-Autoren aufspürte und dubiosen Fake-Profilen hinterherjagte. Danke schön! ;)
Die nachfolgende Präsentation stammt aus dem Seminar “Recherche 2.0: So funktioniert der Faktencheck im (Social) Web”, das ich am 6. Mai 2011 für den Deutschen Fachjournalistenverband (Deutsches Journalistenkolleg) und die Akademie Digitale Wirtschaft Hamburg (TeleLearn-Akademie) gegeben habe. Aus der Beschreibung:
Um langfristig im journalistischen und kommunikativen Wettbewerb zu bestehen, müssen Journalisten, PR-Fachleute und Kommunikationsschaffende in der Lage sein, Informationen im Web schnell ermitteln, bewerten und validieren zu können. Das Seminar vermittelt hierfür das notwendige Know-how. Es wird erläutert, warum Google und Wikipedia nicht das Maß aller Dinge sind, welche Tools eine professionelle und effiziente Recherche sowie ein Monitoring im Web 2.0 vereinfachen.

Al Jazeera English kann es sich leisten. Dank des beispiellosen Web-Boosts der vergangenen Wochen konnte der Sender aus Katar eine enorme internationale Online-Community hinter sich vereinen – wozu nicht zuletzt auch das schlechte Standing bei den Kabelnetzbetreibern beigetragen hat: Das Engagement ist hoch, die politische Unzufriedenheit auch und was liegt da näher, als den Bürgerjournalismus auf eine neue Stufe zu heben.
Am Montagabend wird von Al Jazeera “The Stream” gelauncht, “die aggressivste Integration von Social Media in den Live-Betrieb eines Senders”, wie es bei Fast Company zu lesen steht. Tatsächlich handelt es sich bei The Stream nicht um eine Sendungsverlängerung ins Netz: das Netz selbst macht die Sendung. Das neue Format wird 24 Stunden am Tag live gestreamt, wobei (nicht zuletzt aus Qualitätsgründen) 30 Minuten für die Präsenz eines Moderators eingeplant sind. Zum Start wird Al Jazeera jedoch um einige Wiederholungen im Programm nicht herum kommen. Weiterlesen
Es ist unvermeidlich, dass irgendwann irgendwo irgendetwas schief läuft. Und solche Schieflagen machen auch vor der Medienwelt nicht Halt. Dennoch gibt es hier einen ganz besonderen Unterschied, denn die News-Branche ist trotz der Durchindustrialisierung kein anonymes Geschäft. Ich möchte das im Folgenden kurz näher erklären.
Redakteure oder angestellte Blogger verdienen durch das Schreiben ihren Lohn, der – seien wir ehrlich – nicht immer einen feudalen Charakter aufweist. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Branchen verdient der Journalist noch etwas, nämlich Renommee, zumindest dann, wenn er gut ist und eine Stimme vorweisen kann, die auch gehört wird.
Tatsächlich ist es so, dass der Ruf ein ziemlich wichtiges Pfand im Geschäft ist, oft noch wichtiger, als formale Qualifikationen oder der bisherige Erfahrungshintergrund. Wenn wieder einmal eine Zeitung dicht gemacht hat und sich der rausgeworfene Redakteur im HR-Büro des ehemaligen Wettbewerbes vorstellt, fragt dieser nicht: “Wo ist Ihr Lebenslauf?”, sondern: “Wo sind die Probetexte und wo sind die Nachweise, dass sie oft und prominent zitiert wurden?”
Anders als der Mensch am Fließband oder der Creative Director einer Werbeagentur, tritt der Journalist fast immer gemeinsam mit seinem Produkt auf die Bühne. Unter jedem seiner Texte prangt sein Signet, das allen Lesern sagt: “Das habe ich gemacht, dafür bin ich verantwortlich.” Bei angestellten Bloggern ist das Produzent/Produkt-Verhältnis noch inniger verwoben, denn sie sind das Blog. Sie gestalten die Inhalte, pflegen den Kontakt zu den Lesen, bringen ihre persönlichste Meinung auf den Bildschirm. Weiterlesen
Also, wenn das kein Aprilscherz ist, bezweifle ich, dass wir in den kommenden Tagen davon etwas in der Tagespresse werden lesen können – etwa aus Scham. Die Tageszeitung (“taz”) will bei den deutschen Zeitungen einen Schleichwerbeskandal aufgedeckt haben, der – sollte es denn so stimmen – unser “Bloggergate” als lächerliches laues Lüftchen dastehen lässt.
Worum es geht: Sebastian Heiser hat sich für die “taz” als Mitarbeiter einer Werbeagentur ausgegeben und bei verschiedenen Printmedien angeklopft, um in Erfahrung zu bringen, ob man denn für den Kunden redaktionell etwas drehen könne. Anders ausgedrückt: Er fragte nach direkten Möglichkeiten, PR-Botschaften im berichtenden Teil der Blätter unterzubringen. Das Erstaunliche ist, dass sich die Empörung bei einigen Zeitungen in Grenzen hielt – im Gegenteil: Einige Verlagsvertreter zauberten für diesen Wunsch fertige PR-Angebote aus der Schublade, als seien derlei Anfragen an der Tagesordnung. Im Folgenden die Zitate der Mitarbeiter, so, wie sie die “taz” notiert hat:
“Westdeutsche Allgemeine Zeitung”
“Ein vierseitiges Banken-Spezial ohne Anzeigen in der Gesamtausgabe kann ich Ihnen zum Gesamtpreis von 117.500 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer anbieten.” Weiterlesen

Zugegeben, der Job eines Medienjournalisten ist vergleichsweise einfach. Viele haben einstmals das klassische Handwerk gelernt, bis dann der Punkt kam, an dem die Neugier und auch der Spaß an der Selbstreflexion zunahm. Ob Niggemeier, das Bild-Blog oder Meedia – alle schauen mit kritischem und zum Teil spöttischem Blick auf die Arbeit der Kollegen, bieten nonchalant Korrekturen an oder unterwerfen die Branche irgendwelchen Rankings, die uns Aufschluss über Qualitäten geben sollen. Ist das eine Arbeit, auf die man verzichten kann?
Die Antwort ergibt sich, wenn wir über den Journalismus als die gefeierte “vierte Macht im Staate” und damit über eine Erkenntnis aus dem 18. Jahrhundert nachdenken. Die staatlichen Einrichtungen unterliegen Checks and Balances – doch wer kontrolliert eigentlich die Presse? Hin und wieder gibt es gibt es reflexartige Selbstreinigungsprozesse, doch die kontinuierliche Arbeit wird tatsächlich überwiegend von den Medienjournalisten geleistet.
Der internationale und vor allem auch der deutsche Journalismus befindet sich wohl in der größten Krise seiner Geschichte: der Medienwandel kam urplötzlich über uns, es fehlt an Vertriebsmodellen, Werbeeinahmen brechen weg, es gibt “Content-Klau” und Urheberrechtsdiskussionen, eine Machtverschiebung hin zu den Agenturen und damit eine Menge Leute im Pressewesen, die tagtäglich um ihre Jobs bangen müssen. Dass die Nerven blank liegen, zeigen nicht erst die jüngsten Auseinandersetzungen innerhalb der Branche. Weiterlesen
In Japan herrscht das Chaos, das Land wurde vom schwersten Erdbeben seit 110 Jahren getroffen, die Nadel auf der Richterskala pendelte zwischen 7,3 und 8,3. In der Nacht explodierte ein Reaktorgebäude des Atomkraftwerks Fukushima. Chaotisch ist allerdings auch die Informationslage, da im Zuge der drohenden Nuklearkatastrophe mittlerweile politische Einflüsse die Newsdistribution steuern. Die Folge: Ausländische Hilfskräfte sitzen an Flughäfen fest, niemand weiß, wann und wo ein Eingriff nötig wird. Im Folgenden aus Gründen der Transparenz eine schnelle Liste berichtender Medien, die ein Auge auf das Geschehen in Japan haben. Diese Liste ist nicht komplett, ich bitte euch, in den Kommentaren oder per Twitter weitere Links zu empfehlen. Ich werde den Post regemäßig aktualisieren. Vielen Dank.
Aus aktuellem Anlass
TrendMicro warnte bereits per Pressemitteilung, dass eine Reihe von gefakten SEO-Seiten im Rahmen der Berichterstattung aufgetaucht seien. Also während der Google-Recherche bei der Auswahl der Suchbegriffe besser vorsichtig sein. Weiterlesen

Es wird nicht offen ausgesprochen (außer vielleicht von George W. Bush), doch insgeheim vertritt der Westen die Ansicht, dass man selbst durch die Aufklärung das Mittelalter überwunden habe – wohingegen der Nahe und Mittlere Osten noch darin gefangen sei. An der Theorie ist was dran, das muss selbst der liberalste Weltbürger eingestehen. Die Religion steht noch in vielen arabischen Staaten der Freiheit der Menschen entgegen. Doch die Zeit der Querdenker, der intellektuellen Individualisten, die einstmals die Kraft hatten, ein System zu stürzen, ist vorbei. Heute bestimmt der globale Menschenschwarm die grobe Richtung, die wir Zukunft nennen und so ist es unmöglich geworden, einzelne Stimmen in diesem Gewirr auszumachen. Außer vielleicht die der Medien.












