Chronologie einer Empörung: Twitter, der freiheitsraubende Zensurmeister (10 Phasen)

27. Januar 2012  |  Journalismus, Social Media  |  2 Comments  |  Share


 

Phase 1: Der Empörungsreflex
“FU, Twitter!” – Die erste Reaktion auf die Ankündigung ist komplette Entrüstung, die eine Tweet- und Hashtag-Flut vor sich herschwemmt. Verlinkt wird immer wieder dieselbe Handvoll Artikel. Der Himmel verdüstert sich, am Horizont grollt der Shitstorm.

Phase 2: Der Grabreflex
Im Fahrwasser der blinden Wut finden sich immer einige kluge Köpfe, die der Sache auf den Grund gehen – allerdings mit vordefinierter These im Kopf: “Warum zensiert Twitter?” wird dabei ersetzt durch “Deshalb ist Twitter böse!” Antwort: Der Dienst buckelt vor den Saudis. Es geht um Kohle und Twitter kriegt den Hals nicht voll genug.

Phase 3: Der Medienreflex
Medien berichten über den Shitstorm. Zunächst geht es nur um möglichst blumige Deskriptoren der Fetzerei unter Nerds. Dann auch um die Sache an sich. Damit wird der Protest nobilitiert und erhält seine Legitimation. Diese Botschaft nehmen die Aufständischen mit. Weiterlesen

Wulff ist abgewählt

16. Januar 2012  |  Journalismus  |  1 Comment  |  Share

Hat es der geneigte Leser mitbekommen? Nein. Tja, so kann es kommen – und doch ist unser Staatsoberhaupt tatsächlich abgewählt worden, gestürzt, in Ungnade gefallen. Selbst, wenn Reuters noch vor wenigen Stunden titelte, dass in der “Wulff-Affäre” die “Ermittlungen weiter offen seien” – in den Medien ist der Korruptionsverdacht im Schloss Bellevue mittlerweile Geschichte. Bei Bild.de ist er komplett von der Bildfläche verschwunden, der Tagesschau ist er egal, Spiegel Online begnügt sich mit einem letzten Satire-Abklatschen.

Zwei Themen haben stattdessen die Titelseiten erobert: Standard & Poor’s Entscheidung, Frankreich, Österreich und anderen EU-Staaten die Dekoration vom Revers zu reißen, um anschließend den gesamten Euro-Rettungsfond abzuwatschen. Und das Schiffsunglück an der Toskanischen Küste. Die Causa Wulff ist gegessen, gibt es doch nun ganz neue Spielfelder der Betätigung, in deren Rahmen man sich etwa fragen kann, was Rating-Agenturen heutzutage überhaupt leisten und ob wir uns das gefallen lassen müssen. Oder das Rätselraten um den unfähigsten Kapitän der Welt, der leichtfertig das Leben hunderter Touristen riskiert hat. Nebenbei gefragt: Hat der Boom-Sektor der Kreuzfahrten die ganze Zeit auf Kosten der Sicherheit gewirtschaftet? Weiterlesen

“Bild” macht es vor: Zeitungskrise? Werde selbst dein bester Werbekunde!

16. Dezember 2011  |  Journalismus  |  3 Comments  |  Share

Seit heute gibt es das Bild-Mini-Handy. Ein schrottiges 10-Euro-Teil, das wohl das RX-80 Pico von Simvalley sein könnte: “Kleiner als eine Kreditkarte und reduziert auf die zwei Hauptfunktionen Telefonie und SMS, ist das BILD Mini-Handy das optimale Gerät für alle, die sich ein einfaches Gerät ohne eine Vielzahl von Zusatzfunktionen wünschen oder ein praktisches Zweithandy suchen”, verrät die Pressemitteilung. “Bild” wird das Handy bei “10.000 ausgewählten BILD-Händlern” zum Verkauf anbieten, zudem vertickt es Axel-Springer im Bild-Shop (wo es zur Stunde allerdings bereits vergriffen ist).

Es ist nichts Neues, dass “Bild” Produkte an den Mann bringt; die “Volksaktionen” sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Vermarktungsstrategie. Im vergangenen Jahr lief die 100. Kampagne: Müller Milchreis wurde seinerzeit konsequenterweise in “Volksmilchreis” umbenannt und dann als bundesrepublikanischer Standard in Sachen süßer Klebenahrung breit beworben. Das Motto? “Abverkauf ist buchbar!” (Info-PDF).

Im Herbst 2007 wurde Bild Mobil in Kooperation mit Vodafone aus dem Boden gestampft, ein Erfolg, will man meinen. Innerhalb der ersten zwei Wochen gingen 100.000 SIMs über den Ladentisch. Und jetzt folgt das Handy, ein reiner Werbeträger, der neue Abnehmer für den Billig-Tarif gewinnen soll. Weiterlesen

Erklärvideomaschine Qwiki steigt ins News-Geschäft ein

20. August 2011  |  Journalismus, Tech  |  2 Comments  |  Share

Vor ungefähr einem Monat hatte die visuelle Erklärmaschine Qwiki damit begonnen, Job-Ausschreibungen für “News-Ninjas” im Netz zu streuen. Gesucht wurden und werden Freelancer mit Textsicherheit und einem Gespür für Story-Telling. Das Job-Angebot überraschte, bisher hatte sich Qwiki darauf beschränkt, statische Informationen von Wikipedia – flankiert mit Elementen von Google Maps und der Google Bildersuche – zu aggregieren und in Clip-Form aufzubereiten.

Was mich jedoch wirklich überrascht, ist die Geschwindigkeit, mit der Qwiki die neue News-Funktion nun in die Plattform integriert hat. Seit Ende der Woche liefert Qwiki tagesaktuelle Berichterstattung. Die Clips sind nur wenige Minuten lang und werden tatsächlich redaktionell zusammengestellt. Die visuellen Eindrücke speisen sich aus den bisherigen Kanälen, hinzugekommen sind allerdings auch stummgeschaltete Clips von Content-Lieferanten wie BBC oder Euronews. Die Berichterstattung umfasst die Ressorts International, US, Business, Technology und Entertainment. Weiterlesen

Netzgeblubber deluxe: “Facebook zensiert Google+-Invites. Vielleicht. Kann sein. Egal.”

17. August 2011  |  Journalismus, Social Media  |  5 Comments  |  Share

Die Recherchemechanik eines Tech-Journalisten ist recht simpel – einfacher, als bei den Kollegen aus anderen Ressorts: Man verlässt nicht das Haus, jagt keinen Tornados hinterher oder wartet unzählige Stunden in irgendwelchen Hotellobbys. Nein, in der IT-Berichterstattung versendet man stattdessen einfach eine E-Mail, postet eine IM-Nachricht oder greift zum Hörer. So einfach ist das.

Nichts von dem ist im heutigen Fall der grausamen Facebook-Zensur geschehen, in der Mark Zuckerberg persönlich einen Zauberbann gegen Google+ aussprach und damit alle Invite-Links zu Googles neuem Netzwerk in den Orkus der Verdammnis schickte. Zumindest hat hierzulande niemand auch nur den müden Versuch unternommen, einmal für die Nutzer für ein wenig Klarheit zu sorgen. Warum auch? Die Story verkauft sich gut; ehrlich gesagt waren bislang alle Feld-Berichte, die von den Kriegsschauplätzen zwischen den beiden Netzwerken stammten, Traffic- und vor allem Engagement-Garanten.

Die feixende Ignoranz der Medien in dieser Sache hatte mich heute schon einmal kurz aufgebracht, da der Tross der Deppen sich aber weiter durch die Landschaft der Etablierten bohrt, muss ich eben die Scheinwerfer etwas breiter aufstellen. Weiterlesen

Twitter for Newsrooms: Neues Lockangebot für journalistische Echtzeit-Verweigerer

27. Juni 2011  |  Journalismus, Social Media  |  No Comments  |  Share

Aha, nun positioniert sich Twitter also auch offiziell als Infoquelle für Journalisten. Wie das Unternehmen am Abend bekannt gab, wurde speziell für die berichtende Zunft ein kleines Infoportal ins Netz gestellt: Twitter for Newsrooms. Design und inhaltliche Aufmachung machen zunächst einen ambitionierten Eindruck – wer allerdings schon länger auf Twitter unterwegs ist, sollte die Hoffnung nicht zu hoch stecken, hier eine Goldgrube an Tipps vorzufinden: Die Newsroom-Seite soll in erster Linie Anfängern der Branche den Einstieg in das Echtzeitnetz erleichtern.

Das Portal gliedert sich in die Rubriken “Report”, “Engage”, “Publish” und “Extra” und könnte so in etwa den Arbeitszyklus des internationalen Journalismus abbilden. Unter “Report” finden wir seichte Lektüre zum Thema Recherche. Man erfährt, was die Twitter-Suche ist, wie sich diese erweitern lässt und dass es einige (auch mobile) Clients gibt, die einem die Recherchearbeit erleichtern können. Eine kleine O-Ton-Sammlung von begeisterten Journalisten auf Twitter rundet das Ganze ab (“Twitter ist sehr nützlich, um mit Menschen in Kontakt zu treten”, Jake Tapper von ABC News). Weiterlesen

TV-Schelte: Ein kleiner Argumentationsleitfaden für Richard Gutjahr

21. Juni 2011  |  Journalismus, Social Media  |  5 Comments  |  Share

Man weiß ja bis heute nicht genau, wo Richard Gutjahr nun seine Nische gefunden hat: ist er Moderator, Revolutionsreporter, notorischer Facebook-Kritiker oder der größte Apple-Fanboy, den Deutschland jemals hervorgebracht hat? Doch eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Gutjahr macht durch seine Öffentlichkeit mittlerweile mehr Netzpolitik, als es beispielsweise die Berliner Chaostruppe der “Digitalen Gesellschaft” zu tun vermag, die aus dem Zirkel der Selbstreflektion bis heute nicht herausgefunden hat.

Ich möchte mit dieser kleinen Einleitung nur meinen Respekt kenntlich machen, den ich für diesen Mann hege – und im konkreten Fall auch meine Hochachtung für seinen Mut, den er bewies, als er am gestrigen Tag den TV-Bossen eine lange Nase drehte. Dies geschah auf dem NRW-Medienforum, wo WDR-Intendantin Monika Piel, RTL-Dompteurin Anke Schäferkordt und Jürgen Doetz vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) eigentlich eine problemlose Messe für die Krone der Medien – dem TV – feiern wollten. Erst in zweiter Linie sollte es darum gehen, sich gegenseitig Schimpfworte wie “Private Miesmacher!” und “GEZ-Freischeinfahrer!” an den Kopf zu werfen. Gutjahr brachte jedoch eine neue Note in die Diskussion. Weiterlesen

EHEC: dpa löst Pressestelle des Gesundheitsministeriums offiziell ab

24. Mai 2011  |  Journalismus  |  3 Comments  |  Share

Was für ein Start in die Woche! Island explodiert und spuckt das alles verschlingende Aschemonster in unseren Luftraum, Herr Kaiser kokst mit Salz, die Sexbestie Strauss-Kahn besticht das Zimmermädchen und all dies geschieht, während das EHEC-Bakterium in Form von Radieschen (oder waren es Spargel, Erdbeeren?) bundesrepublikanischen Boden erobert.

Und gerade zum letzten Punkt möchte ich etwas sagen. Was, bitte schön, ist los mit Deutschland? Ich habe die vergangenen Stunden die Berichterstattung zu EHEC immer mal wieder beobachtet und mir läuft es kalt den Rücken herunter. Minütlich gab es neue Horror-Meldungen – wie zu erwarten war, vor allem von der Lokalpresse. Wer einen EHEC-Fall im Ort hatte, berichtete darüber. Wer ihn nicht hatte, berichtete, dass es noch keinen gab. Zur Stunde sind noch alle dabei: der Boulevard, die Magazine, die überregionale Tagespresse und mit größtem Genuss auch die Pharmablätter.

Die Informationen sind rar gesät, tatsächlich weiß nur das Robert Koch Institut (RKI) Bescheid und das hat seine Jungs gerade im Feld, genauer gesagt in Hamburger Kantinen, Schulkombüsen und bei Gülle-Bauern im Umland. Alles andere ist Spekulation, doch jeder, der einen “Dr.” vor dem Namen stehen hat, wird zum Interview zitiert, damit wir alle wissen, was wir nicht wissen: Schwarz auf Weiß oder live in Farbe. Weiterlesen

Seminar: Recherche 2.0 – So funktioniert der Faktencheck im (Social) Web

7. Mai 2011  |  Journalismus  |  3 Comments  |  Share

Zunächst noch einmal ein ganz dickes Lob an alle Teilnehmer: ein tolles Publikum, das mit viel Engagement die Rechner anwarf, ebenso interessante wie kniffelige Fragen stellte, mit viel Herzblut Wikipedia-Autoren aufspürte und dubiosen Fake-Profilen hinterherjagte. Danke schön! ;)

Die nachfolgende Präsentation stammt aus dem Seminar “Recherche 2.0: So funktioniert der Faktencheck im (Social) Web”, das ich am 6. Mai 2011 für den Deutschen Fachjournalistenverband (Deutsches Journalistenkolleg) und die Akademie Digitale Wirtschaft Hamburg (TeleLearn-Akademie) gegeben habe. Aus der Beschreibung:

Um langfristig im journalistischen und kommunikativen Wettbewerb zu bestehen, müssen Journalisten, PR-Fachleute und Kommunikationsschaffende in der Lage sein, Informationen im Web schnell ermitteln, bewerten und validieren zu können. Das Seminar vermittelt hierfür das notwendige Know-how. Es wird erläutert, warum Google und Wikipedia nicht das Maß aller Dinge sind, welche Tools eine professionelle und effiziente Recherche sowie ein Monitoring im Web 2.0 vereinfachen.

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“The Stream”: Al Jazeera launcht erstes Social Media Vollprogramm für News

18. April 2011  |  Journalismus, Netznews, Social Media  |  No Comments  |  Share

Al Jazeera English kann es sich leisten. Dank des beispiellosen Web-Boosts der vergangenen Wochen konnte der Sender aus Katar eine enorme internationale Online-Community hinter sich vereinen – wozu nicht zuletzt auch das schlechte Standing bei den Kabelnetzbetreibern beigetragen hat: Das Engagement ist hoch, die politische Unzufriedenheit auch und was liegt da näher, als den Bürgerjournalismus auf eine neue Stufe zu heben.

Am Montagabend wird von Al Jazeera “The Stream” gelauncht, “die aggressivste Integration von Social Media in den Live-Betrieb eines Senders”, wie es bei Fast Company zu lesen steht. Tatsächlich handelt es sich bei The Stream nicht um eine Sendungsverlängerung ins Netz: das Netz selbst macht die Sendung. Das neue Format wird 24 Stunden am Tag live gestreamt, wobei (nicht zuletzt aus Qualitätsgründen) 30 Minuten für die Präsenz eines Moderators eingeplant sind. Zum Start wird Al Jazeera jedoch um einige Wiederholungen im Programm nicht herum kommen. Weiterlesen

Ein Anliegen: Wichtige Metatexte zur Journalistenschelte

18. April 2011  |  Journalismus  |  No Comments  |  Share

Es ist unvermeidlich, dass irgendwann irgendwo irgendetwas schief läuft. Und solche Schieflagen machen auch vor der Medienwelt nicht Halt. Dennoch gibt es hier einen ganz besonderen Unterschied, denn die News-Branche ist trotz der Durchindustrialisierung kein anonymes Geschäft. Ich möchte das im Folgenden kurz näher erklären.

Redakteure oder angestellte Blogger verdienen durch das Schreiben ihren Lohn, der – seien wir ehrlich – nicht immer einen feudalen Charakter aufweist. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Branchen verdient der Journalist noch etwas, nämlich Renommee, zumindest dann, wenn er gut ist und eine Stimme vorweisen kann, die auch gehört wird.

Tatsächlich ist es so, dass der Ruf ein ziemlich wichtiges Pfand im Geschäft ist, oft noch wichtiger, als formale Qualifikationen oder der bisherige Erfahrungshintergrund. Wenn wieder einmal eine Zeitung dicht gemacht hat und sich der rausgeworfene Redakteur im HR-Büro des ehemaligen Wettbewerbes vorstellt, fragt dieser nicht: “Wo ist Ihr Lebenslauf?”, sondern: “Wo sind die Probetexte und wo sind die Nachweise, dass sie oft und prominent zitiert wurden?”

Anders als der Mensch am Fließband oder der Creative Director einer Werbeagentur, tritt der Journalist fast immer gemeinsam mit seinem Produkt auf die Bühne. Unter jedem seiner Texte prangt sein Signet, das allen Lesern sagt: “Das habe ich gemacht, dafür bin ich verantwortlich.” Bei angestellten Bloggern ist das Produzent/Produkt-Verhältnis noch inniger verwoben, denn sie sind das Blog. Sie gestalten die Inhalte, pflegen den Kontakt zu den Lesen, bringen ihre persönlichste Meinung auf den Bildschirm. Weiterlesen

Schleichwerbung: Gekaufte Texte bei deutschen Zeitungen an der Tagesordnung? (Update)

1. April 2011  |  Journalismus  |  4 Comments  |  Share

Also, wenn das kein Aprilscherz ist, bezweifle ich, dass wir in den kommenden Tagen davon etwas in der Tagespresse werden lesen können – etwa aus Scham. Die Tageszeitung (“taz”) will bei den deutschen Zeitungen einen Schleichwerbeskandal aufgedeckt haben, der – sollte es denn so stimmen – unser “Bloggergate” als lächerliches laues Lüftchen dastehen lässt.

Worum es geht: Sebastian Heiser hat sich für die “taz” als Mitarbeiter einer Werbeagentur ausgegeben und bei verschiedenen Printmedien angeklopft, um in Erfahrung zu bringen, ob man denn für den Kunden redaktionell etwas drehen könne. Anders ausgedrückt: Er fragte nach direkten Möglichkeiten, PR-Botschaften im berichtenden Teil der Blätter unterzubringen. Das Erstaunliche ist, dass sich die Empörung bei einigen Zeitungen in Grenzen hielt – im Gegenteil: Einige Verlagsvertreter zauberten für diesen Wunsch fertige PR-Angebote aus der Schublade, als seien derlei Anfragen an der Tagesordnung. Im Folgenden die Zitate der Mitarbeiter, so, wie sie die “taz” notiert hat:

“Westdeutsche Allgemeine Zeitung”

“Ein vierseitiges Banken-Spezial ohne Anzeigen in der Gesamtausgabe kann ich Ihnen zum Gesamtpreis von 117.500 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer anbieten.” Weiterlesen

Die “New York Times”-Paywall gilt nicht für Twitter- und Facebook-Nutzer

17. März 2011  |  Journalismus, Netznews, Social Media  |  2 Comments  |  Share
Die

Not all visits to NYTimes.com will count toward the 20-article limit. In an effort to avoid deterring as many as possible of the Web site’s more than 30 million monthly readers, The Times will allow access to people who arrive at its Web site through search engines like Google and social networking sites like Facebook and Twitter. There will, however, be a five-article limit a day for people who visit the site from Google.

(Quelle: New York Times)

Das war’s dann wohl, Google. Die “New York Times” hat heute ihr neues Paid Content-Modell erklärt. Ab sofort dürfen Nutzer standardmäßig nur noch zwanzig Artikel im Monat kostenfrei aufrufen – danach werden Gebühren fällig. Derzeit kostet der Sprung über die Paywall rund 15 US-Dollar im Monat.

Das Interessante daran ist, wie die “Times” dabei mit ihren Lesern umgeht, die nicht direkt auf der News-Seite klicken, sondern von außerhalb herangelotst werden: etwa über Google oder Facebook. Was gab es in der Vergangenheit nicht für lautstarke Streitereien mit der Suchmaschine. Google solle bitteschön Kohle an die Verlage abdrücken, immerhin werde mit den News-Snippets in den Suchergebnislisten ja ordentlich Geld verdient – dies war der bisheriger Konsens der Publisher und auch das schöne deutsche Modell des Leistungsschutzrechts knüpft daran an. Bis heute ist es zu keiner Lösung in dem Konflikt gekommen, Google weigert sich noch immer vehement, Abgaben an die Verlage zu leisten. Und nun ist es vielleicht auch gar nicht mehr nötig, das Problem hat sich von alleine erledigt: Google hat den ersten Platz unter den Traffic-Lieferanten für News-Angebote heute per AGB offiziell abgegeben. Weiterlesen

Der Medienjournalist als akkreditierter Nestbeschmutzer?

16. März 2011  |  Journalismus  |  2 Comments  |  Share

Zugegeben, der Job eines Medienjournalisten ist vergleichsweise einfach. Viele haben einstmals das klassische Handwerk gelernt, bis dann der Punkt kam, an dem die Neugier und auch der Spaß an der Selbstreflexion zunahm. Ob Niggemeier, das Bild-Blog oder Meedia – alle schauen mit kritischem und zum Teil spöttischem Blick auf die Arbeit der Kollegen, bieten nonchalant Korrekturen an oder unterwerfen die Branche irgendwelchen Rankings, die uns Aufschluss über Qualitäten geben sollen. Ist das eine Arbeit, auf die man verzichten kann?

Die Antwort ergibt sich, wenn wir über den Journalismus als die gefeierte “vierte Macht im Staate” und damit über eine Erkenntnis aus dem 18. Jahrhundert nachdenken. Die staatlichen Einrichtungen unterliegen Checks and Balances – doch wer kontrolliert eigentlich die Presse? Hin und wieder gibt es gibt es reflexartige Selbstreinigungsprozesse, doch die kontinuierliche Arbeit wird tatsächlich überwiegend von den Medienjournalisten geleistet.

Der internationale und vor allem auch der deutsche Journalismus befindet sich wohl in der größten Krise seiner Geschichte: der Medienwandel kam urplötzlich über uns, es fehlt an Vertriebsmodellen, Werbeeinahmen brechen weg, es gibt “Content-Klau” und Urheberrechtsdiskussionen, eine Machtverschiebung hin zu den Agenturen und damit eine Menge Leute im Pressewesen, die tagtäglich um ihre Jobs bangen müssen. Dass die Nerven blank liegen, zeigen nicht erst die jüngsten Auseinandersetzungen innerhalb der Branche. Weiterlesen

Katastrophe in Japan: Die aktuelle Online-Berichterstattung (Updates)

12. März 2011  |  Journalismus  |  3 Comments  |  Share

In Japan herrscht das Chaos, das Land wurde vom schwersten Erdbeben seit 110 Jahren getroffen, die Nadel auf der Richterskala pendelte zwischen 7,3 und 8,3. In der Nacht explodierte ein Reaktorgebäude des Atomkraftwerks Fukushima. Chaotisch ist allerdings auch die Informationslage, da im Zuge der drohenden Nuklearkatastrophe mittlerweile politische Einflüsse die Newsdistribution steuern. Die Folge: Ausländische Hilfskräfte sitzen an Flughäfen fest, niemand weiß, wann und wo ein Eingriff nötig wird. Im Folgenden aus Gründen der Transparenz eine schnelle Liste berichtender Medien, die ein Auge auf das Geschehen in Japan haben. Diese Liste ist nicht komplett, ich bitte euch, in den Kommentaren oder per Twitter weitere Links zu empfehlen. Ich werde den Post regemäßig aktualisieren. Vielen Dank.

Aus aktuellem Anlass

TrendMicro warnte bereits per Pressemitteilung, dass eine Reihe von gefakten SEO-Seiten im Rahmen der Berichterstattung aufgetaucht seien. Also während der Google-Recherche bei der Auswahl der Suchbegriffe besser vorsichtig sein. Weiterlesen

Al Jazeera und Co.: Stell dir vor, es ist Information War und es ist uns scheißegal

6. März 2011  |  Journalismus  |  5 Comments  |  Share

Es wird nicht offen ausgesprochen (außer vielleicht von George W. Bush), doch insgeheim vertritt der Westen die Ansicht, dass man selbst durch die Aufklärung das Mittelalter überwunden habe – wohingegen der Nahe und Mittlere Osten noch darin gefangen sei. An der Theorie ist was dran, das muss selbst der liberalste Weltbürger eingestehen. Die Religion steht noch in vielen arabischen Staaten der Freiheit der Menschen entgegen. Doch die Zeit der Querdenker, der intellektuellen Individualisten, die einstmals die Kraft hatten, ein System zu stürzen, ist vorbei. Heute bestimmt der globale Menschenschwarm die grobe Richtung, die wir Zukunft nennen und so ist es unmöglich geworden, einzelne Stimmen in diesem Gewirr auszumachen. Außer vielleicht die der Medien.

Die Aufgaben der Presse lauten: berichten und analysieren. Der Journalismus soll die Aufklärung zu einer ständigen Einrichtung machen, uns unabhängig informieren und uns Schlüsse aus den Entwicklungen für unsere Leben ziehen lassen. Dies zumindest war der Urgedanke, der schon lange unter einer Decke aus Werbung, PR und politischem Kalkül verschwunden ist. Man könnte meinen, dass wir gesättigt sind von der hart erkämpften Unabhängigkeit und uns die Suche nach ein wenig Entertainment – eben: Ablenkung – wichtiger geworden ist.

Was in Nordafrika geschah und noch geschieht, ist keine lokale Revolutionsserie, die ein paar TUI-Kunden zum Storno zwingt. Sie ist eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung, deren Ausläufer gebührend hart an unser westliches Ufer schlagen werden. Wie berichtet, geht dies vielen heimischen Medien galant am Arsch vorbei: Regimestürze gibt es ja offenbar alle paar Monate – “Germany’s next Topmodel” kommt nur einmal pro Jahr. Hier muss man klare Prioritäten setzen. Weiterlesen

PR-Recycling: Churnalism.com entlarvt faule Journalisten

24. Februar 2011  |  Journalismus, Social Media  |  1 Comment  |  Share

Das liebe ich am Internet und speziell an Social Media: Wir bekommen Tag für Tag neue Instrumente an die Hand, um endlich Transparenz in das Althergebrachte zu bringen; und so merken wir immer öfter, dass die Dinge anders liegen, als sie zu sein scheinen. In diesem Fall wird es eng für die britischen Journalisten.

Die englische Stiftung Media Standards Trust hat ein neues Tool ins Netz gestellt, das es jedem Nutzer erlaubt, den Redaktionen in Großbritannien auf die Finger zu schauen: Wer betreibt unbekümmertes News-Recycling aus dem, was die PR-Schleuder den Journalisten jeden Tag vorsetzt? Der Name der Plattform lautet Churnalism.com, was soviel bedeutet, wie “Pressemitteilungen ungeprüft 1:1 kopieren und dann als eigene Meldung verkaufen” (siehe Wikipedia).

Um eine Abfrage zu starten, reicht es aus, einen PR-Schnipsel oder die komplette Pressemitteilung in ein Fenster zu kopieren und den Check-Button zu drücken. Churnalism.com gleicht die Eingabe dann mit allen Artikeln (rund drei Millionen) ab, die in britischen Online-Magazinen, bei BBC News oder Sky News erschienen sind. Das Archiv reicht bis ins Jahr 2007 zurück. Alle Texte, die zu 20 Prozent oder mehr deckungsgleich mit der PR-Meldung sind, werden dann übersichtlich auf einer Ergebnisseite aufbereitet, die sich schnell per Share-Funktion im Netz verbreiten lässt. Zudem wird jeder Abgleich, der von einem Nutzer veranlasst wurde, gespeichert und ist für andere online zugänglich. Weiterlesen

Vom Buh-Mann zum Verlagsretter: Der seltsame Fall der Google-Anbetung

17. Februar 2011  |  Journalismus, Netznews, Tech  |  1 Comment  |  Share

Wir beginnen mit den Worten des großen John F. Kennedy: “Vergib deinen Feinden, aber vergiss niemals ihre Namen.” Wäre dies die Absicht der deutschen Verlagsszene gewesen, müsste man heute eine branchenweite Demenzerkrankung diagnostizieren – oder habe ich etwas verpasst? Hierzulande wie in Übersee gehörte es stets zum guten Ton, Google zu hassen. Im Zuge der Hamburger Erklärung wurde dieses Feindbild einstmals schriftlich fixiert, später Kartellrechtsklagen vorbereitet. “Wir werden schleichend enteignet!“, polterte da ein Hubert Burda und bei jedem Treffen der Verlagsbosse kam es noch vor ein paar Tagen erst dann zum Schulterschluss, wenn in Sprechchören das Leistungsschutz-Lied angestimmt und die Google-Flagge verbrannt wurde.

Was wurde denn jetzt aus dem miesen Geschäft mit dem Diebstahl und der frechen Vermarktung fremder Inhalte? Was wurde aus der kompromisslosen Forderung nach einer Umsatzbeteiligung? Ach, so – es war gar nicht so schlimm.

Das System funktioniert ziemlich einfach und ist uns allen aus dem Alltag (oder der historischen Kriegsführung) bestens bekannt: der Feind meines Feindes ist mein Freund. Apple hat erstmals richtig die Muskeln spielen lassen und mit seiner Marktmacht geprotzt. Satte 30 Prozent sollen die Verleger bei Abo-Modellen auf dem iPad abdrücken, zusätzlich werden nur die nötigsten Informationen über die Leser an die Auftraggeber weitergeleitet. Ein Unding! maulen da BDZV und VDZ – eine Unverschämtheit. In einem hilflosen, offenen Brief an Apple machen sie ihrer Empörung Platz und gehen sogar so weit, einen Katalog mit “Forderungen” nach Cupertino zu schicken. Eine Etage höher, bei der European Newspaper Publishers’ Association (ENPA), schlägt man in dieselbe Kerbe. Steve Jobs dürfte reagiert haben, als habe man ihn mit einem Stück Nähseide geschlagen. Weiterlesen

Livestand: Yahoo! stellt eigenen Zeitungsstand für Tablets vor

10. Februar 2011  |  Journalismus, Netznews  |  No Comments  |  Share

Da ist er: Yahoo! hat gerade den Launch eines neuen News-Kiosks verkündet. Der “Livestand” genannte Content-Shop soll künftig Tablets mit Inhalten versorgen. Die Ex-Suchmachine sieht ihre Aufgabe dabei in der Vermittlung zwischen Publishern und Werbetreibenden. Der Zeitplan wurde mit heißer Nadel gestrickt: Noch “in der ersten Jahreshälfte” wird mit dem Roll-Out begonnen, da zeitgleich eine deutsche Pressemitteilung verschickt wurde, ist davon auszugehen, dass wir auch hierzulande davon etwas zu sehen bekommen. Vom Start weg werden Android-Tablets und iPads unterstützt, später sollen dann “Mobiltelefone und Browser” folgen.

Livestand wird den Nutzern personalisierbare Angebote beretstellen, die je nach Geschmack, Standort oder sogar Tageszeit variieren sollen. Das alles wird in einem schmucken Multitouch-Paket aufbereitet. Verleger werden nach den Plänen ohne große Hürden Zugang zum System bekommen – über die Konditionen schweigt sich Yahoo! jedoch zur Stunde noch aus: “For more information please contact your Yahoo! partner manager or email us.” Weiterlesen