
Tim Armstrong ist knallharter Ökonom – und man muss es ihm nachsehen: er hat einen ebenso knallharten Job. Den Shift von einer ehemaligen CD-Schleuder namens AOL zum globalen Medienunternehmen hinzubiegen, wäre eine Meisterleistung. Doch noch hat er es nicht geschafft und viele Beobachter zweifeln daran, dass seine starrköpfig eingeschlagene Richtung irgendwo anders landet, als in einer Schublade mit der Aufschrift “Epic Fail – bye, now move on!”
Die Ware, mit welcher der AOL-Chef handelt, ist Content, genauer gesagt: Discount-Content. Auf Basic Thinking nannte ich die Urheber der Texte einmal eine “robotisierte Armee von Content-Affen“, denn genau das sind sie auch. Erfahrene Redakteure, die im Zuge der Printkrise auf der Strecke blieben, abgehalfterte Werbetexter und autodidaktisch veranlagte Journalismus-Tagelöhner werden hundertfach und direkt von der Straße rekrutiert, hinter eine Maschine geklemmt und zur Produktion aufgefordert. Ein semantischer Crawler rast durch Twitter, Facebook und Co. und nimmt dabei in Echtzeit die Stimmung auf. Die gesammelten Daten werden dann durch einen Algorithmus aufbereitet und gleich darauf an die Schreiber als Themenvorgabe weitergeleitet: die Relevanz der Geschichten diktiert das Netz. So kann es eben auch schon einmal vorkommen, dass Justin Bieber mehr Aufmerksamkeit geschenkt bekommt, als die Revolution in Ägypten.
Es ist ein reichlich schmutziges Geschäft, die Redakteure werden nicht nach Aufwand, sondern nach erreichten Klickzahlen bezahlt. Wer aufgibt, wird schnell durch die nachrückende Generation arbeitsloser Journalisten ersetzt. So funktionierte seit einigen Monaten das werbefinanzierte Modell von AOL. Weiterlesen
Die Erwartungen waren hoch – rückblickend betrachtet waren sie zugegebener Weise viel zu hoch. Schuld an der Verhältnislosigkeit war Rupert Murdoch, als er vor rund sechs Monaten ankündigte, das internationale Pressewesen revolutionieren zu wollen: “Neue Zeiten verlangen nach einem neuen Journalismus”, hieß es dann auch an diesem Mittwoch. News Corp hat die bislang einzige Zeitung von Band rollen lassen, die exklusiv auf dem iPad verkauft wird. “The Daily” (iTunes) ist ein täglich erscheinendes 100-Seiten-Monster, das hauptsächlich von der “Magie der Technik” zehren soll – ein Statement, das es mir im ersten Moment kalt den Rücken runter laufen ließ.
Doch räumen wir zunächst einige Fragen aus dem Weg. Apple war vom ersten Tag der Ideenfindung am Projekt beteiligt. Murdoch ließ es sich nicht nehmen, Steve Jobs mit Komplimenten zu überschütten. Er wirkte beinahe, als bekäme da ein ausmanövrierter Top-Manager von einem Jahrzehnte älteren Branchenimperator den Preis für sein Lebenswerk überreicht (die Neuerfindung der Computer- und Medienwelt), kurzum: es rief Grusel hervor. Apple sitzt also im Boot, allerdings nur zur Anfangsphase, da das iPad heute noch über die nötige Reichweite am Markt verfügt. In ein, zwei Jahren, wenn die anderen Tablet-Hersteller nachgezogen haben, wird sich dies ändern, verkündete Murdoch, ohne den zerknirschten Apple-Mann Eddie Cue auch nur eines Blickes zu würdigen. Technisch dürfte die Öffnung für andere Plattform kein größeres Problem darstellen, da der meiste HTML5-Content von “The Daily” aus dem Browser abgerufen werden kann (die App selbst ist nur rund 45 MB schwer).
Apples zweites Geschenk an diesem Tag bestand aus einem neuen Abomodell für die Kunden. War es bislang nur möglich, Apps einmal käuflich zu erwerben und gegebenenfalls per In-App-Shopping weitere Inhalte hinzuzuladen, so gibt es nun die Möglichkeit der Laufzeitverträge. Im Fall von “The Daily” betragen die Kosten 0,99 US-Dollar pro Woche oder 39,99 Dollar pro Jahr – eigentlich ein Schnäppchen. News Corp hat insgesamt 30 Millionen Dollar in die Entwicklung des iPad-Blattes gepumpt, die laufenden Kosten für die betreuende 100-Mann-Redaktion werden auf wöchentlich rund 500.000 Dollar geschätzt. Murdochs Augen funkelten, als er diese Zahlen verkündete und so schob er gackernd hinterher: “Kein Papier, keine millionenschweren Druckerpressen mehr! Wir geben die Einsparungen an den Leser weiter.” Murdoch vermittelt den Eindruck, als würden allein die günstigen Produktionskosten das Experiment einer Tablet-Zeitung rechtfertigen – der Druck des anhaltenden Leser- und Werberschwunds spielte offenbar keine Rolle. Weiterlesen

Vergessen wir “Exklusiv”-Meldungen, von nun an gibt es nur noch das “Exposing” von “Leaks”! Julian Assange hat in der jüngsten Vergangenheit nicht nur US-Militärs und den Botschaftern gehörig vor das Schienbein getreten, er hat vor allen Dingen und an erster Stelle den internationalen Journalismus verändert. Dabei lag angesichts knapper Verlagskassen die Einbeziehung der Leser doch all die Zeit so nahe! Nun boomt es also, das kollektive Denunziantentum, der Bürgerjournalismus und der Hyperlokalismus. Das aufwändige und kostspielige Investigativgewühle wird von willigen (da oft enttäuschten) Lesern erledigt, die neue Aufgabe des Redakteurs ist nun die Proklamation des “Hop oder Top!”-Prädikats – die Verifizierung der Quellen folgt dann in einem der späteren Schritte. Doch dazu später mehr.
Die Einschläge kommen also immer näher, immer mehr professionelle Journalisten oder Blogger üben sich am Bombenbasteln, die dann auf einem öffentlichen Schlachtfeld abgeworfen oder gezündet werden. Ein Funkenregen wird gewünscht, ein bombastisches Feuerwerk am Medienhimmel, das die Wirtschaft, die Politik oder den Typen von nebenan mit einem Donnerschlag bis ins Mark erschüttern soll!
Soweit die Vorstellung. Tatsächlich gibt es kaum eine andere journalistische Fertigkeit, die (vor allem in Deutschland) so stümperhaft angegangen wird, wie das ordentliche Zünden einer Bombe. Ich kann mit aller Bescheidenheit sagen, dass ich selbst die eine oder andere Höllenmaschine am Schreibtisch zusammengezimmert habe und damit ebenso den einen oder anderen “Puff!” erzeugen konnte. Deshalb setzte ich es mir zum Ziel, ein wenig Schwung in die Leaking-Bewegung zu bringen. Deshalb hier nun der ultimative Leitfaden für all die Assanges und Möchtegern-Assanges dieser Welt. Wer dieser Bombenbauanleitung folgt, kann nur alles richtig machen. Weiterlesen
“RSS ist tot!” – diese These ist nicht neu, sondern geistert bereits seit Mitte 2009 durch das Internet. Seinerzeit hatte Steve Gillmor von TechCrunch feierlich erklärt, dass es an der Zeit sei, “RSS in Ruhe zu lassen” und gänzlich auf Twitter umzusatteln: “RSS bringt es einfach nicht mehr”, so sein Fazit. Die Proklamation brachte eine globale Diskussion um den Wert von RSS und Social Media als Gegenspieler in Gang; das Publikum spaltete sich schnell in zwei Lager, die sich auf das Heftigste angriffen. Dabei ist eine eigene Meinung zum Thema eigentlich eher nebensächlich. Das Internet entwickelt sich in eine ganz eigene Richtung, ob wir wollen – oder nicht. Da hilft es auch nicht, wenn gerade wieder einmal eine weitere Hysteriewelle der Pro-RSS-Bewegung an allen Ufern aufschlägt.
Tatsache ist, dass RSS im vergangenen Jahr weiter an Bedeutung verloren hat. Die US-Suchmaschine Ask.com hatte sich dazu entschlossen, den hauseigenen (und recht populären) RSS-Reader Bloglines für alle Nutzer einzustampfen. Als Begründung wurde angeführt, dass RSS unter der wachsenden Dominanz von Twitter, Facebook und Co. langsam zerdrückt würde. Der Dienst tauge nur noch als Informations-Backbone, als Infrastruktur im Hintergrund, über die nun immer häufiger Social Media-Kanäle bedient würden. Die Endanwender selbst würden verstärkt nach Echtzeitinformationen rufen – ob RSS als Vehikel bis zum Tweet oder zum Status-Update benutzt wurde, sei den meisten dabei völlig egal.
An diesem Argument ist etwas dran. RSS scheint ein Relikt des On-Demand-Gedankens. Mit seinem Entstehen im Jahr 2000 wurde eine neue Form der Informationsdistribution geboren: Nachrichten wurden nicht länger zeitintensiv gesucht – sie wurden gepusht. Nutzer bekamen die einstmals manuell recherchierten Informationen nun direkt in ihre Reader geliefert, entweder nach Thema oder Medium sortiert; man bekam das vorgesetzt, wonach man verlangte. Ein Klick auf die Überschrift öffnete den kompletten Artikel. Weiterlesen
Der heutige Tag brachte vor allem eins zum Vorschein: den Willen zur Macht. Das klingt verwegen pathetisch, doch es trifft den Kern der Sache ziemlich gut. Es wurde ein Blog zerstört, der Urheber der Handlung war ein Unternehmen, das nun einen seiner seltenen Triumpfe feiert – dieser wird wohl der größte in der Geschichte des Hauses sein. Und hoffentlich der letzte.
Was hier passiert ist, ist nicht der folgenreiche Fauxpas eines Blogger-Deppen, der zu blöd war, seine Rechnungen zu bezahlen. Die betreffende Person war sicherlich in Kenntniss über ihre Rückstände, allein der Drang fehlte, diese zu begleichen, da es – wenn auch einen rechtlichen – jedoch keinen einzigen moralischen Anlass gab, hier nachzugeben. Das klagende Unternehmen hat in unzähligen Kommentaren das bekommen, was es verdient: Geprellte, Gelumpte, Reingelegte – alle meldeten sich zu Wort. Die deutsche Blogosphäre bot ihnen das Forum dafür, wer sonst hätte auch zugehört? Außer vielleicht die Verbraucherzentralen, die für schmucke 1,86 Euro/Minute aus dem deutschen Festnetz (Mobilfunkpreise abweichend) ebenso routiniert wie stoisch ihre Beschwerden verwalten.
Ich selbst habe an anderer Stelle mit diesem Unternehmen mehr als einmal einprägsame Erfahrungen gemacht. Der Kontakt wird über einen Kanzleibrief von der Stange hergestellt. Die Textbausteine besagen, dass man diffamierendes Material auf dem Blog gefunden habe und je weiter sich der Leser zur funkensprühenden Drohung vorarbeitet, desto länger werden die Wörter und justiziabeler das Vokabular. Einige Blogger knicken pauschal ein, andere halten eingehende Rücksprache mit ihren Anwälten, ehe die Kommentare von den Seiten genommen werden. Wieder andere halten kurz den befeuchteten Finger in die Community-Luft, wittern vielleicht einen profitablen Linkbait, bis auch bei ihnen der Mut schwindet und die Kommentare getilgt werden. Weiterlesen

Was haben wir alle gelacht; damals, als Karl-Theodor von und zu Guttenberg plötzlich einen weiteren Vornamen untergeschoben bekam. Die Aufregung war groß, Guttenberg rückte gerade als neuer Bundeswirtschaftsminister an die Front und im Eifer des Gefechts fielen reihenweise Redaktionen auf den Wikipedia-Scherz herein. Recherchieren? Ich habe doch Google! Und so erschien Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg auf den Titelseiten – der “Wilhelm” war das Kuckucksei!
Ein solcher Vorfall ist amüsant bis belustigend, immerhin ist kein wirklicher Schaden entstanden; ein paar Ziegelsteine sind aus den Elfenbeintürmen der deutschen Leitmedien herausgefallen, nichts, was nicht mit ein paar lupenreinen Exklusiv-Stories wieder auszubügeln wäre. Doch wie folgenschwer derlei Copy&Paste-Journalismus wirklich sein kann, hat nun im Zuge der Wikileaks.org-Schließung ein kleiner DNS-Hoster aus Toronto erleben müssen. Weiterlesen
Das wird keiner dieser “Angeklagt!”-Posts; doch es juckt schon in den Fingern, ihn in diese Richtung zu drücken. Kollege Marek Hoffman brachte mich auf die Idee, einmal nachzuschauen, wer im Internet eigentlich abnimmt, wenn man anruft. Er hatte vor einiger Zeit auf Spiegel Online einen dicken Rechtschreibfehler in einem Artikel gefunden. Das kann schon einmal passieren, wenn man unter Zeitdruck einen Text backt, dessen Ingredienzien aus dpa, AFP, AP, einigen klugen Einwürfen und Füllwörtern bestehen.
Um sich ritterlich zwischen die zu erwartenden Leseranklagen und dem Urheber des Artikels zu werfen, machte er Spiegel Online in knappen Worten auf den Fauxpas aufmerksam. Dazu nutzte er Twitter, denn es war der offizielle Magazin-Account @spiegelonline, über den er die Nachricht aufgeschnappt hatte. Was dann geschah? Kurze Zeit später war der Fehler korrigiert, auf eine kollegiale Dankesnote wartet Marek hingegen bis heute vergeblich (er wird es verwunden haben). Doch es zeigt eines ganz deutlich: Offenbar mieten sich einige Damen und Herren der Medienzunft bereitwillig im Netz ein, um die Vorteile mitzunehmen – die nervige Kundenpflege aber bleibt aus. Warum auch? Hat man früher auch nie gemacht: Mit der monodirektionalen Kiste lässt es sich seit der Erfindung der Zeitung (im Jahr 1650 in Leipzig) ja ganz gut leben. Weiterlesen
Es ist soweit, der Stern zieht mit einer eigenen App für das iPad nach – und ich möchte einfach mal behaupten, dass sie ziemlich fetzig geworden ist. Ab sofort steht die Anwendung in iTunes oder bei pubbles (.emag) zum Download bereit.
Bevor ich zu Inhalt und Aufbereitung komme, wollte ich eigentlich das poppige Demo-Video zeigen, das Stern auf die Produktseite gestellt hat – leider ist es ein non-embeddable Flash-Clip. Also, was macht man? Richtig, man rippt es auf übernatürliche Weise (aber natürlich selbstlos für das Produkt werbend) und stellt es neu wieder ins Netz. Das nur als kleinen Seitenstoß, liebe Sternler – wie soll denn überhaupt jemand von der App Notiz nehmen, wenn ihr die dazugehörigen Clips und Bilder in einen Käfig sperrt (“Hinweis für Redaktionen: Bildmaterial steht auf Anfrage zur Verfügung.”)? Wenn ihr Rat bei der Suche nach einer guten PR-Agentur braucht, meldet euch mal bei mir. So, und jetzt das Video… Weiterlesen

Wir haben in den vergangenen Tagen viel über die Kanäle der News-Verbreitung im Netz gesprochen. Die soziale Kompetente spielt in diesem Rahmen eine große Rolle; wir teilen, was uns gefällt – und das muss nun einmal nicht immer wichtig sein. Die ausschlaggebenden Faktoren, die bei einem hohen Ranking von Artikeln und Blog-Posts oft eine Rolle spielen, lauten “LOL”, “ROFL”, “WTF” und “OMG”. Über die Qualität des Contents sagt das erst einmal überhaupt nichts aus.
Doch es gibt Abhilfe: NewsTrust ist schon einige Zeit im Internet vertreten, doch erst jetzt scheint die Lawine so richtig loszugehen (das hat unter anderem damit zu tun, dass die Seite erst kürzlich eine dicke Finanzspritze verabreicht bekommen hat). Bei NewsTrust handelt es sich um ein Social News Network, eine Bewertungsplattform, bei der private Nutzer und professionelle Journalisten ein ganz eigenes Ranking der Nachrichtenlage anstellen: News werden nach journalistischer Qualität bewertet – nicht nach Popularität. Die Fragen, die dabei im Vordergund stehen, sind unter anderem Fairness, Plausibilität, Kontext und vorhandene Thesenbeweise. Weiterlesen
Wer als Leser oder Journalist zwecks Mediensondierung auf dem Laufenden bleiben will, kommt an RSS nicht vorbei. Das Gesetz wurde etwa vor fünf, sechs Jahren geschrieben, als Nachrichten plötzlich “gepusht” und nicht mehr “gesucht” wurden. Der Vorteil lag auf der Hand: Meine persönliche Leselandschaft liegt in ordentlicher und übersichtlicher Chronologie vor mir. Schnell gewannen RSS-Dienste an Bedeutung, zunächst Client-basierte Lösungen (zum Beispiel im Browser), die allerdings schon nach kurzer Zeit durch Netz-basierte Angebote abgelöst wurden, da auf diese Weise die abonnierten RSS-Stream überall verfügbar waren. Der Google Reader und Bloglines, eine Tochter der Suchmaschine Ask.com, waren und sind bis heute die populärsten Anbieter dafür. Doch irgendetwas hat sich verändert…
Wie Ask.com am Freitagabend mitteilte, wird Bloglines zum ersten Oktober komplett eingestampft. Es gab im vergangenen Jahr bereits zaghafte Versuche, die RSS-Plattform abzustoßen, doch die wenig ambitionierte Käufersuche verlief ins Leere. Nun laufen Nutzer Sturm, weil die einzig gescheite Alternative zu Google plötzlich aufgelöst werden soll. Doch der Schritt ist verständlich. Weiterlesen
News-Distribution war noch nie ein Problem. Das Social Web hat Wege und Mittel gefunden, um aktuelle Nachrichten auf eine ganz eigene Art zu verbreiten: “Das gefällt mir!” impliziert immer die Frage: “Dir auch?” Auf diese Weise durchläuft statischer Content ziemlich dynamisch Evolutionsstufen des Interesses, um mit viel Glück am Ende durch hohe Klickzahlen geadelt zu werden. Für die Nutzer sind Apps wie FlipBoard ein Segen, denn sie entreißen Empfehlungen ihrer Dialogbox-Umgebung und präsentieren sie übersichtlich, leicht recherchierbar und vor allem schmackhaft. Noch einmal: News-Distribution war noch nie ein Problem.
Deshalb weiß ich nicht genau, in welche Richtung die “New York Times” mit ihrer neuen Kooperation steuern möchte. Die Zeitung ist eine Partnerschaft mit BetaWorks eingegangen, ein Start-Up, das unter anderem hinter TweetDeck und dem URL-Verkürzer Bit.ly steht. Im Vordergrund steht ein gemeinsames Projekt mit dem Codenamen News.me (siehe Logo). Dabei soll es sich um einen sozialen Nachrichtendienst handeln, der zunächst und noch in diesem Jahr auf dem iPad seine Premiere feiern soll. Später könnte auch an eine Desktop-Implementierung folgen. Weiterlesen

Im Folgenden finden Sie die Präsentations-Slides für den Tages-Workshop “Journalismus 2.0″, stattgefunden am Kölner Mibeg-Institut Medien am 7. September 2010. Der Kurs vermittelt angehenden Online-Journalisten, wie Social Media sich auf die aktuelle Berichterstattung auswirkt – und auf welche Weise professionelle Schreiber von neuen Kanälen wie Twitter und Facebook profitieren können. Wie funktioniert Journalismus 2.0, was unterscheidet den Blogger vom Journalisten? Wo findet man Themen und Inspirationen für Artikel und Posts? Wie funktionieren Blogs? Wie verdienen Publisher im Internet ihr Geld? Wie lassen sich Aufträge generieren und wo geht die ganze Reise überhaupt hin? Die behandelten Themen im Überblick:
| #1 Die Lage der Holzmedien #2 Das Internet & Social Media #3 Journalismus 2.0 #4 Blumenkübel-Gate #5 Quellenfindung |
#6 Folge und werde Fan #7 Bildrecherche #8 Online Publizieren #9 Monetarisierung #10 Den Kopf über Wasser halten |

Die Pressekonferenz am 7. Juni war für Apple-Verhältnisse eine einzige Katastrophe. Jobs hatte Schweißperlen auf der Stirn, als plötzlich Hunderte WLAN-Signale die Funkverbindung für das Herzstück der Präsentation störten. Journalisten und Blogger hatten kurzerhand ihre UMTS-Verbindungen in Hotspots umgewandelt und damit die Kanäle verstopft: für das iPhone 4 gab es vorerst nur eine Offline-Demo. Ein solcher Fauxpas ist nach Konzernpolitik eigentlich unverzeihlich und auch Grund für Apples vergangene Entscheidungen, Keynotes niemals live zu streamen. Das soll sich heute erstmals ändern.
Apple hat angekündigt, ab 19 Uhr unserer Zeit auf http://www.apple.com einen visuellen Live-Einblick in die anstehende Präsentation im Yerba Buena Center zu geben. Auf dem Programm stehen Ankündigungen aus dem Cupertino-Musikbusiness, in dem seit der Übernahme von Streaming-Dienst Lala mit einem Rollout gerechnet wird. Der Haken: Das Live-Video wird nur auf Apple-Geräten empfangbar sein.
Apple schlägt damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstes werden offensichtlich die Hausprodukte weiter gepusht. Noch enttäuschter dürften aber die Blogger und Magazine über den Entschluss sein. Da Apple bislang die Öffentlichkeit aus derartigen Veranstaltungen ausgeklammert hatte, boomte an solchen Abenden die Institution Live-Ticker. Für Seiten wie TechCrunch, Mashable, Engadget war die journalistische Begleitung von Keynotes jedes Mal wie ein Weihnachtsfest, bei dem die Page Impressions in die Höhe kletterten und Verlinkungen im Sekundentakt zunahmen. Damit wird erst einmal Schluss sein. Weiterlesen

Am Montagmorgen hat Lovapent-Chef Rainer Schaller eine neue Seite ins Netz gestellt, die in Originalbildern und -mitschnitten zeigen soll, was am 24. Juli bei der Loveparade tatsächlich passiert ist. Zweifelsohne ist der dort zu sehende “Dokumentarfilm” politisch gefärbt: Wie zu vermuten war, ist auch dieses angeblich objektive Zeugnis ein neuer Delinquenzantrag für die Polizei, die nach Meinung des Veranstalters auf allen Gebieten versagt hat. So leiht sich der Film unter anderem Autoritätsargumente bei der Feuerwehr, die an jenem Tage einige Maßnahmen aus “einsatztaktischer Sicht” als “sehr problematisch” bezeichnete und daher “dagegen” gewesen sei (PDF). Am 2. September wird Schaller bei Senioren-Talker Kerner im Privatfernsehen auftreten und vehement diese These bekräftigen.
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist zweifelsohne klug gewählt, da am kommenden Donnerstag das Verteidigungsbollwerk von Innenministerium und Polizei im NRW-Landtag aufgefahren wird. Bereits jetzt hat – ebenfalls wenig überraschend – NRWs Wachtmeister Nummer eins, Dieter Wehe, aufs Heftigste protestiert: “Seine (Schallers) Aussagen werden nicht besser, nur weil er sie wiederholt. Der Veranstalter hat die Polizei um Hilfe gebeten, weil sein Sicherheitskonzept zusammen gebrochen war. Er hatte zugesagt, die Eingangsschleusen zu schließen. Das ist nicht geschehen.” Weiterlesen

Jean Paul sagte einmal “Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir nicht vertrieben werden können.” Und der Spruch hängt seit Jahren als Poster an den Bürowänden der deutschen Zeitungsbosse. Mir erschließt sich nicht, woher diese Hartnäckigkeit kommt, dieses Winden, dieses bornierte Festhalten an Gewesenem, aber eines ist sicher: Wenn die deutsche Printbranche sich auf ihrer heutigen BDZV-Jahrespressekonferenz auf einen rettenden Kurs eingeschworen hat, so wird sie die eingeschlagene Richtung geradewegs in die Scheiße reiten.
Es ist nicht kurz vor zwölf. Es ist bereits später Nachmittag für Deutschlands Printmetier und dennoch reiben sich die Verleger noch immer verträumt den Schlaf aus den Augen: “Bitte, noch einmal umdrehen. Nur noch ein wenig.” Wer gehofft hatte, dass der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger am heutigen Tag einen Masterplan zur Reform der einer Jahrhundertbranche vorlegen würde, wurde bitter enttäuscht. Es bleibt beim alten Spiel: Bestandsaufnahme und Schuldzuweisung.
Offenbar haben sich die Verlage nun erleichtert darauf verständigt, dass eines Tages das Electronic Publishing den Vogel abschießen wird. In den Verlagen werde intensiv an Inhalten, Design und Vermarktungsmodellen gearbeitet, sagte Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. Die gesamte Branche bewege sich in einer “wichtigen Experimentierphase”. Es bestehe Konsens, dass die “neuen Tablets große Chancen” böten, das klassische Geschäftsmodell der Zeitung, nämlich Vertriebserlöse plus Werbeerlöse, in die “digitale Welt” zu übertragen. – In diesem ehrgeizigen Unterfangen stecken für das Jahr 2010 noch eine Menge Konjunktive. Gibt es konkrete Pläne? Gibt es Kooperationen? Ideen zur Umsetzung? Gibt es Best Case-Szenarien? Wenn Gedrucktes künftig auf dem Display gelesen wird, wie werden diese Inhalte aufbereitet? Wie lauten die Namen der Vertriebspartner? Werden auch alle an einem Strang ziehen? Wolff drückte sich um konkrete Ansagen und schickte lieber seinen IT-Kollegen Fuhrmann (Abteilung “Kommunikation + Multimedia”) auf das Podium, um die Euphorie mit Hinweisen auf die problematische Hardware-Vielfalt und das Preisdiktat der Hersteller vorsorglich zu dämpfen. Das war es. Das Buch wurde geschlossen und eine neue Runde im Wettwarten auf die rettende Reinkarnation Gutenbergs eingeläutet. Eines Tages wird er kommen, eine glänzende 2.0 vor sich hertragend, und eine ganze Branche aus der Misere herausholen. Aber nicht heute. Weiterlesen
Ich habe die Existenz sogenannter Coming of Age-Geschichten noch nie verstanden. Die Kaufmotivation der Leser speist sich bei Erwachsenen wohl daraus, dass sie sich nicht trauen, die Kinderzimmertür von außen zu öffnen, aus Angst jemanden zu begegnen, den sie nicht kennen. Jugendliche greifen zum Skandal-Buch, weil sie Angst davor haben, die Tür von innen zu öffnen und sich lieber Geschichten ausmalen, wie die Welt da draußen, die sie vom Fernseher und den Magazinen her kennen, wohl aussieht. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Benjamin Lebert zeigte Ende der Neunziger, dass sich derlei Lektüre hervorragend verkaufen lässt. Und als nun Frau Roche ihre smegmatriefende Nonsense-Story “Feuchtgebiete” veröffentlichte und von der anderen Seite Heinz Strunk mit seinem “Fleckenteufel” auf den Zug aufsprang, war schnell klar, dass die Marschrichtung für die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts fest stand.
Höchste Zeit also, um die nächste Stufe zu zünden, muss sich da der Ullstein Verlag gedacht haben. Toppen wir den Skandal, indem nun auch eine Minderjährige hin und wieder das Wort “Ficken” in den Mund nehmen darf: und Helene Hegemann war geboren.
Die junge Bochumerin avancierte mit ihrem Debut-Roman “Axolotl Roadkill” schon vor Marktbeginn zum Shooting-Star der deutschen Literaturszene (was kein Problem ist, da diese unter erprobten US-Importen und der Mutlosigkeit hiesiger Verlage erstickt). Kritiker verglichen sie mit eben jener Charlotte Roche, die “Zeit” kramte Lautréamonts “Gesänge des Maldoror” als Maßstab hevor oder Feridun Zaimoglus “German Amok”. Es sei “etwas nervtötend”, was den “Fickundkotz-Jargon” und das Gelaber der “heterosexuellen Matrix” angehe, wurde eingeworfen, doch letztendlich gefielen sich die Kritiker darin, mit roten Ohren hinter den Buchseiten zu kichern, auf der von offenbar entfesselter Lust von Mädchen zu lesen war, die gut ihre Töchter hätten sein können. Weiterlesen
















