
Sony hat ja wirklich diese Woche den Vogel abgeschossen: Da eröffnet das Label einen offiziellen Kanal bei YouTube – und geht dann dazu über, die eigenen Clips zu sperren: Sorry, dieses Video ist in deinem Land leider nicht verfügbar. Als ich das gesehen habe, hatte ich die Fremdschäm-Grenze bereits weit hinter mir gelassen, ich glaube, ich nahm gerade Landeanflug auf das Hysterie-Reich. Ich meine… wie bescheuert muss man eigentlich sein?
Dass der Streit zwischen der GEMA und YouTube nicht nur irrwitzig überflüssig (deutsche Nutzer, die ein bestimmtes Video sehen wollen, gehen eben auf Dailymotion oder MyVideo), sondern schlichtweg geschäftsschädigend für Dritte ist, beweist Sonys neuester Streich. Als Microsoft kürzlich die ersten Werbeclips für Windows Phone 7 vom Stapel ließ, wurden auch wir deutschen Journalisten auf den offiziellen YouTube-Account hingewiesen (über die Hintergründe der Spots habe ich bereits an anderer Stelle etwas geschrieben). Weiterlesen

“This too shall pass” von OK Go war ein Glanzstück des viralen Marketings. Bereits einem Tag nach der Netzpremiere hatte das Video zum Song rund 900.000 Zuschauer, sechs Millionen Views waren es innerhalb der ersten sechs Tage, 125 Millionen sind es bis heute – immerhin hatte bis dato wohl niemand eine so gute Rube-Goldberg-Maschine im Live-Betrieb gesehen.
Im Januar hatte Bandleader Damian Kulash Mashable ein Interview gegeben, in dem er erläutert, wie gut gemachte Musik-Clips dabei helfen, Songs zu verkaufen und die Band-Karriere anzukurbeln. Hintergründe zum Bruch mit EMI und dem Gründen des eigenen Lables gibt es zudem bei LA Weekly. Der Erfolg der Gruppe hat kürzlich auch die Wirtschaft auf den Plan gerufen. So hat OK Go vor wenigen Tagen einen Vertrag bei Samsung unterschrieben, um ein wenig Werbung für die neue Kamera NX100 zu machen. Weiterlesen

“It’s like Facebook and Twitter meet iTunes”, hatte Steve Jobs auf der Keynote gesagt. Auf dem Tagesplan stand die Präsentation neuer Musikutensilien für Käufer und Nutzer und Apple dürfte mit dem Line-Up (neue iPods, die Miet-Box AppleTV) die Community nicht enttäuscht haben. Das spannendste Projekt jedoch, das sich Cupertino wohl in den vergangenen Monaten ausgedacht hat, lautet nun also “Ping“.
Ping ist ein soziales Netzwerk, das fest in iTunes 10 verankert ist und in erster Linie der Entdeckung neuer Musik dienen soll. Damit hat sich Apple tatsächlich an den etablierten Marktplätzen Facebook und Twitter vorbeigeschlichen, um jedoch umso imposanter dem schwächelnden Netzwerk MySpace den Fehdehandschuh ins Gesicht zu knallen. Der News Corp.-Ableger kämpft seit Jahren gegen schwindende Nutzerzahlen an, derzeit misst der weltweite Mitgliederstamm rund 110 Millionen; eine Loyalität, die sich MySpace in sieben (!) Jahren erkämpfen musste. Ping steigt mit insgesamt 160 Millionen potentiellen Nutzern in den Ring – jeder von ihnen benutzt heute iTunes, jeder von ihnen hat auch seine Kreditkartendaten hinterlegt. Der für den Herbst angekündigte Relaunch von MySpace ist ein schwacher und viel zu spät angekündigter Entschluss: News Corp. dürfte von dem plötzlichen Ping-Launch völlig aufgeschreckt worden sein. Weiterlesen
Mittlerweile dürften alle mitbekommen haben, dass sich Viacom und YouTube gerade wieder vor Gericht gegenüber stehen. Das Medienimperium (MTV, CBS, DreamWorks, Paramount und andere) fordert von der Google-Tochter nicht weniger als eine Milliarde US-Dollar Schadensersatz. Warum? Weil Viacom auch im Jahr 2010 noch auf die Feststellung beharrt, dass der YouTube-Videokatalog bis zu achtzig Prozent aus geklautem Content besteht.
Google sieht der ganzen Geschichte aufgeregt-gelassen entgegen und schleuderte den Viacom-Anwälten einige interessante Gegenbeweise entgegen: Etwa, dass Viacom in der Vergangenheit mehrmals versucht hätte, YouTube aufzukaufen und als dies nicht gelang, die Plattform immer wieder für Guerilla-Marketingaktionen profitabel nutzte. So schlimm kann diese Räuberhöhle also doch bitte schön gar nicht sein, so das Fazit von Google. Zudem sei es naturgemäß problematisch, geschützte Inhalte manuell zu filtern, wenn Viacom seine Seeding-Agenturen beauftragt, nachts ihre Virals auf die Plattform zu schießen.
Fernab des Gerichtssaals nahm der Konflikt nun eine andere interessante Wendung. Viacom unterhält nämlich selbst ein Videoportal – spike.com – der Online-Ableger des gleichnamigen US-Senders für junge Machos (“An audience described demographically as ‘young adult males’.”). Schaut euch bitte nun dazu den folgenden Clip der VlogBrothers an: Weiterlesen

Rupert Murdoch mag Ahnung vom Nachrichtengeschäft haben – Social Media bleibt für ihn aber wohl immer ein Buch mit sieben Siegeln. Seit rund zwei Jahren dümpelt sein Netzwerk MySpace vor sich hin, Mitglieder und Künstler ziehen in Scharen von der Plattform ab – Facebook ist das neue Ding. Für das quersubventioniertes Liebhaberprojekt gönnte sich die Mutter News Corp erst im Spätsommer 2009 das Gedankenspiel, aus MySpace künftig ein Entertainment-Portal zu machen: Musik-Labels und Filmstudios sollen dann die Gelegenheit, sich auf breiterer Basis aufzustellen, wobei die Mitglieder früher oder später zu interagierenden Zuschauen degradiert werden.
Kurze Zeit nach dieser Ankündigung kaufte MySpace den Musik-Dienst iLike für 20 Millionen US-Dollar. Anfang Dezember schlug Murdoch dann bei Imeem zu – ebenfalls ein Streaming-Angebot für soziale Musikerfahrung. MySpace zahlte eine Million Dollar dafür, der eigentliche Wert wird auf rund acht Millionen geschätzt, doch die noch ausstehenden finanziellen Verpflichtungen des Unternehmens waren eine teure Mitgift. Wie bei iLike facktelte News Corp nicht lange mit der Integration der neuen Tochter, wobei unter anderem die Hälfte der Belegschaft auf der Strecke blieb. Dass bei der Übernahme zudem die Dritt-Entwickler ihre Schnittstelle und die Imeem-Mitglieder ihre gesamten Playlisten verloren, störte MySpace nur wenig. Weiterlesen
Jonathan Coulton schrieb den Song im Winter 2004. Zuvor hatte ihn ein Freund gebeten, ein Lied zu komponieren und texten, das ein “futuristisches Flair” hat. Anstatt Weihnachtskarten verschickte der junge Mann in diesem Jahr Audio-CDs an Verwandte und Freunde. Später wanderte “Chiron Beta Prime” in die “A Thing a Week“-Sammlung. Coulton hatte seinen Job geschmissen (er war Programmierer), um als Geek-Rocker ohne Label und nur mit Hilfe des Internets Karriere zu machen. Er stellte sich selbst die Aufgabe, ein Jahr lang jede Woche je einen Song zu schreiben und ihn dann als Podcast zu veröffentlichen.
Vor wenigen Monaten brachte Coulton sein erstes offizielles Album heraus: “Best. Concert. Ever.” Dabei handelt es sich um den Live-Mitschnitt eines Konzerts, das er in der Great American Music Hall gegeben hatte. Ein Auftritt dort bedeutet die Feuertaufe für jeden US-Künstler. Das CD/DVD-Bundle fand reißenden Absatz, nicht zuletzt, weil Coulton seinen eigenen Song “Still Alive” als Karaoke-Version beim Konsolenspiel Rock Band zum Besten gab. An der Plastik-Gitarre begleitete das intelligente Netz-Starlet Veronica Belmont (hier auch ein gastronomisches Portrait).
Im Folgenden nun “Merry Christmas from Chiron Beta Prime”. Es ist der gesungene Weihnachtsgruß der Familie Anderson, die von Außerirdischen auf einen Asteroiden entführt wurde und dort Steine kloppen muss. Einen völlig legalen Download-Link für die MP3-Datei gibt es ebenfalls. Coulton spielte sämtliche Instrumente selbst ein. Das Vimeo-Video stammt wiederum von einem völlig durchgeknallten Amerikaner, der sich keine Sorgen um seine Stromrechnung macht. Frohe Weihnachten euch allen! :) Weiterlesen

Vergangene Woche hat Google Music in den Vereinigten Staaten seinen Betrieb aufgenommen. Per Onebox-Suche soll es nun noch einfacher sein, an Informationen über bestimmte Songs oder gleich an die passende Audio-Datei zu gelangen. Google hat sich dazu verschiedene Partner an Bord geholt: iLike und Lala.com beispielweise, die direkt über die Such-Oberfläche nun MP3-Käufe oder Cloud-Renting ermöglichen. Darüber hinaus wurden die Angebote von kleineren Partnern wie Pandora und Rhapsody integriert, damit in die Musik-Entdeckung erst so richtig Schwung kommt. Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht nicht verraten. Weitere Infos habe ich bei Basic Thinking festgehalten, zusätzlich haben wir kürzlich mit Bayern2 Zündfunk über den neuen Dienst gesprochen. Das Interview gibt es hier:
Es gab einige, die fanden die Beerdingung des Michael Jackson “gelungen”, “würdig” – “unvergesslich” gar. Es war ein Ereignis megalomanischen Ausmaßes, der Tod seiner Pop-Majestät! Und später würde man seinen Kindern davon erzählen können: “Ja, Jean-Fynn. Ich war dabei.” Als ich die Live-Berichterstattung der US-Sender verfolgte, von denen jeder mindestens zwei NewsCopter erst über der Trauerhalle und dann über dem Staples-Center kreisen ließ, kamen mir andere Adjektive in den Sinn. Die eigentliche Abschiedszeremonie glich einem Stapellauf der musikalischen Best Buddies und hätte Jacksons Prunksarg nicht auf einer konvexen Brücke vor der Bühne gestanden, wäre der Anlass schnell in Vergessenheit geraten.
Ich schätze, es ist eine typisch amerikanische Routine, zur Beerdigung das Leben des Verstorbenen nicht durch Worte, sondern seine Taten Revue passieren zu lassen. Wenn den Ex-NRA Chef Chartlon Heston (“You can have my gun when you can pry it loose from my cold, dead hand!“) das Zeitliche segnet, wird es ein Defilee aus Waffennarren geben, die nach der Zeremonie die Gewehre anlegen und mehrere Salutschüsse in den texanischen Himmel abgeben. Bill Gates letzte Geleitworte könnten von einer computergenerierten Stimme stammen, die sich für ihre Erschaffung bedankt und dann das Lebenswerk des Redmonders mit begleitender PowerPoint-Präsentation referiert. Es ist auch vorstellbar, dass nach dem Ableben von Dick und Mac McDonald – einmal in den 70ern und einmal in den 90ern – die Mitglieder der Trauergemeinde um das jeweils frisch ausgehobene Grab standen, weinten oder sich still tröstend in den Armen lagen, um am Ende einen bunten Regen aus Einwegservietten, Plastikstrohhalmen und BigMac-Kartons auf den Sarg zu werfen, ehe ein als Clown kostümierter Minibaggerfahrer das Loch wieder mit Erde auffüllte.
Es soll nicht abwertend klingen, immerhin macht es durchaus Sinn, den Moment der Abschiednahme mit lebhaften Erinnerungen zu verbringen, anstatt – wie beispielsweise bei deutschen Beerdigungen üblich – das vom Pastor oder Pfarrer in einem Schnellhefter gespannte DIN-genormte Standard-Tremolo über sich ergehen zu lassen. Weiterlesen
Für die Noobs: ROFL, FTW, PWNAGE, FLAME WAR, XKCD, TROLL und NOOB.
CollegeHumor beschloss Anfang März ein Bild zu posten, das zu einer längeren Diskussion unter den Kommentatoren führte. Kurze Zeit später wurde der Streit auf anderen Plattformen fortgesetzt; genügend Content für die Redaktion also, um einen Videoclip daraus zu machen. Crowd-Sourcing der Trolls rulez!













