iPads in Klassenzimmern: “Time to turn the Page”

19. Januar 2012  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  1 Comment  |  Share

There is no reason to assume today that kids need to use the same tools they used in 1950. To do so is to prepare them for a world that’s already passed. – Phil Schiller

Hoffentlich habe ich niemanden vergessen, doch es dürften drei Parteien sein, die nach der heutigen Apple-Ankündigung einen geknickten Eindruck machen: Zum einen Print-on-Demand-Anbieter, zum anderen Unternehmen, die sich auf die Gestaltung von E-Books spezialisiert haben. Und dann all diejenigen der Buchbranche, die dem Innovationsdruck bislang tapfer die Stirn geboten haben.

Holz ist ein wissenschaftlicher Baustoff aus einer verklärten Vergangenheit – um nichts Geringeres als diese Botschaft ging es heute, als Phil Schiller die drei Education-Produkte iBooks2, iBooks Author und die iTunes U-App vorstellte. Steve Jobs war der Bildungssektor nach eigenem Bekunden immer eine Herzensangelegenheit (wer die Biographie gelesen hat, erinnert sich an die bewegenden Worte der letzten Tage) und auch Apple hatte das dritte Standbein – neben “Consumer” und “Professionals” – nie richtig aus den Augen verloren. Nicht zuletzt beginnt Kundenbindung heutzutage immer früher: einmal Apple, immer Apple. Weiterlesen

SOPA und die Selbstzensur: Kein Wunder, dass die US-Medien schweigen

7. Januar 2012  |  Netznews  |  9 Comments  |  Share

Die US-Foren sind voll davon, ebenso die Netzwerke – der Ton wird von Tag zu Tag rauer. Aber nur im Internet. Ende Oktober 2011 wurde der Gesetzentwurf zum Stop Online Piracy Act (SOPA) eingereicht, derzeit debattiert darüber noch der Justizausschuss im Repräsentantenhaus (PDF des Antrags). Die bislang besprochenen Maßnahmen sollen Rechteinhaber dazu befähigen, Websites, auf denen urheberrechtlich geschützten Material ohne Erlaubnis gefunden werden, direkt lahmzulegen. Eine richterliche Erlaubnis soll dazu nicht erforderlich sein. In der Praxis kann das so aussehen: Wird ein unrechtmäßig kopiertes Video bei YouTube entdeckt, können Service-Provider (auch außerhalb der USA) angehalten werden, den Zugang zur Plattform zu sperren. Der exegetische Spielraum der Gesetzvorlage ist monströs – heißt: jeder kann fast nach Belieben frei interpretieren und assoziieren. Die juristischen Folgen für Verweigerer sind hingegen ziemlich eindeutig. Es geht um schwere Straftatbestände.

Obwohl SOPA in den Staaten noch nicht Gesetz ist, üben die Amerikaner bereits seit Wochen Druck auf Europa aus – die westlichen Industrieländer sollen alle an einem Strang ziehen. Weiterlesen

Mitmachweb olé: Was machen wir heute platt?

18. Dezember 2011  |  Netznews, Social Media  |  2 Comments  |  Share

Hoy, da toben ja einige Diskussionen! Christian Wulff und das Weihnachtsdrama bestimmen die Schlagzeilen – hat er beschissen, hat er nicht? Man weiß es nicht. Eigentlich ist es auch egal, denn Wulff praktiziert sein Amt seit dem ersten Tag mit vornehmer Zurückhaltung, die entweder auf politisches Kalkül, Arbeitsmüdigkeit oder zu viel Ablenkung zurückzuführen ist. Seit seiner Wahl zum Bundespräsidenten hat er jedenfalls nicht viel gemacht, außer die Blumen in Schloss Bellevue zu gießen. Und heute muss man ja schon froh sein, wenn die Politiker nicht sonstigen Blödsinn anstellen.

Über den Inhalt der Aufregung will ich mich hier nicht auslassen, ein Blick in die Wulff-Kritiksparte bei Wikipedia erübrigt eigentlich jedes weitere Wort. Spannend ist aber wieder einmal die Richtung, aus der der Gegenwind kommt: aus dem Internet. “Ist Christian Wulff noch im Amt?” ist bereits scharf gestellt, die Timelines blubbern sich heiß, die Journalisten graben im Netz nach Quellen zum Skandal und in ein paar Stunden gibt es erste Rücktrittspetitionen und Anti-Wulff-Pages bei Facebook. “Wulff nähert sich der Lage, in der Guttenberg war”, stellt bereits die Welt fest. Solche Titel turnen an und es wäre nicht allzu verwunderlich, wenn Anonymous bald die Drohkeule gegen Wulff, Merkel oder – irgendwen – schwingt.

Meckern, motzen, mosern – das klappt im Web mit phantastischer Wirkung. Guttenplag hat gezeigt, dass ein Mob, der einen kühlen Kopf behält, durchaus in der Lage ist, mit chirurgischer Präzision die gerechtfertigte Demontage von Politikern voranzutreiben. Das ist gut und gesund, das ist die Transparenz, die wir Bürger und Wähler uns immer gewünscht haben. Mehr davon! Denn gegen einen gesellschaftlichen Selbstreinigungsreflex ist überhaupt nichts einzuwenden. Zumindest nicht pauschal. Aber dennoch… da gibt es ein Problem. Weiterlesen

Auf der Suche nach dem deutschen Silicon Valley (oder auch nicht)

1. Dezember 2011  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  7 Comments  |  Share

Ich will keine innovative deutsche Stadt, ich will ein innovationsfreudiges Land. Und ich bin ein ziemlich gebranntes Kind, was Berlin angeht. Als eine Zeitung mich kürzlich bat, ein Tremolo auf den Norden zu halten, kramte ich in meiner Erinnerungskiste:

Berlin, das ich aufgrund einer Fernbeziehung häufig besuchen musste, tat das Übrige, als ich eines abends vor dem schäbigen Hauptgebäude des Schönefelder Flughafens stand und ein Taxi suchte: „Entschuldigen Sie, sind Sie frei?“ fragte ich höflich einen der Fahrer, die abseits der Wagen gemeinsam rauchten und lachten. „Ne, ick bin verheiratet. Kann dich jetzte abba trotzdem mitnehm’n.“

Das ist Berlin. Distinguierte Ignoranz (Hamburg) ist qualitativ etwas anderes als rohe Rotzigkeit (Berlin); doch emotionale Befindlichkeiten sollen hier keine Rolle spielen. Aber unter uns: Ich mag das Selbstbild der Berliner nicht sonderlich, wobei es ja kaum noch Berliner gibt, sondern vielmehr Zugereiste, Hängengebliebene und jede Menge Studenten, daher handelt es sich eher um einen Lokalpatriotismus im Vorbeigehen. Es scheint, dass heutzutage jeder als Berliner gilt, der “im Prenzlauer Berg” und nicht “auf dem Prenzlauer Berg” sagen kann, während er sich über die S-Bahn aufregt und den schlechten Handy-Empfang beklagt. Schon in diesem Moment wächst offenbar schlagartig das Hauptstädtische in einem heran und rechtfertigt die beiden Optionen “die da” und “wir”. Denn andere Alternativen spielen in der Branche keine Rolle mehr.

Ich komme auf das Thema, weil mich mit steigender Frequenz Pressemitteilung erreichen, in denen ehemals verzweifelte PRler die krampfhafte Berlin-Synonymsuche (gern genommen wurden bislang: “Hauptstadt”, “Weltstadt”, “Hauptregierungssitz” oder das völlig verdrehte “Spree-Athen” – in diesen Tagen kein Kompliment) abkürzen und daraus ein “Silicon Valley Europas” machen. Das Deutschlandradio hat noch mehr Begriffe im Programm und zitiert: “Die neue Internet-Hauptstadt”, “Neue Heimat der Internet-Generation” und “Europe’s hottest startup capital”. Weiterlesen

Liebe Piraten…

17. Oktober 2011  |  Allgemeines, Netznews  |  No Comments  |  Share

Noch einmal meinen Glückwunsch zur erfolgreichen Berlin-Wahl; und eine zweite Gratulation schiebe ich Anbetracht der jüngsten ZDF-Umfrageergebnisse gleich hinterher. Aber das war es erst einmal. Gerade mal ein Länderparlament wurde gestürmt, da beginnen auch schon erste Zersetzungserscheinungen: Was ist da los bei euch?

Eine Reaktion zum Staatstrojaner erfolgte erst heute, knapp zehn Tage nach der Bekanntmachung des Fundes durch den CCC. Es gab wichtigere Dinge zu erledigen, richtig: Die Pressemitteilung zum Welternährungstag beispielsweise, eine entzückte Nabelschau Anbetracht neuer Mitglieder und ein seminaristischer Umtrunk in der Jugendherberge von Kassel – da war und ist viel Bewegung in der Partei.

Etwa auch die NPD-Affäre, die Dank halbherziger Distanzierungen große Kreise zog. Erst mussten Personalfragen wegen zu transparentem “Geheimnisverrat” geklärt werden (“Stunkmatrose über Bord!”), so dass wenige Stunden später das erste Rentnerblog seine Einschätzungen über die Piraten unter der Überschrift “Nazis an die Front” kundtun konnte. Daraus: “Die Piratenpartei entwickelt sich immer stärker zum Sammelbecken heimatloser Rechtsradikaler. Die derzeitige Diskussion um zwei Parteimitglieder, die früher bei der NPD waren, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.” (Screenshot der Meldung) Voilà. Weiterlesen

Google+: Google launcht Baukasten-Netzwerk – und kassiert Häme

28. Juni 2011  |  Netznews  |  No Comments  |  Share

Ich habe nur noch wenige Stunden, ehe ich den Zug steigen muss, um in Berlin einen Vortrag zu halten – und damit nur knapp bemessene Zeit. Allerdings war ich es auch, der vor einigen Wochen Googles Ambitionen in Sachen Social Web kritisierte und der Suchmaschine vorwarf, sich wie ein technokratischer Soziopath zu gebärden. Also schulde ich es Google, die jüngsten Bemühungen entsprechend zu honorieren und kurz einen Blick auf das Google+ Project zu werfen, das soeben vorgestellt wurde.

Also, wer bislang hoffte, dass Google den sperrigen Nobilitierungsbegriff “+1″ (im Sinne von “Gefällt mir”) fallen lassen würde, dürfte ein wenig enttäuscht sein. Ab heute ist alles “+” bei Google. Das “+ Project” ist ein soziales Netzwerk nach Baukastenprinzip, dem das Unternehmen nach und nach neue Funktionen beifügen möchte. Schick sieht es auf jeden Fall schon einmal aus. Hier die Module im Überblick:

Circles

Schon seit Monaten geistert die angebliche Google-Idee von “Circles” durch das Netz: Jetzt ist sie Realität geworden. Der Dienst erlaubt es, Freundeskreise (oder Feindeskreise), mit denen man verbunden ist, in einzelne soziale Inseln aufzuteilen und zu bedienen: die Uni-Kumpels kommen in diesen Circle, die Kollegen von der Arbeit in einen anderen. Als ich davon erfuhr, schoss mir sofort die Frage in den Kopf, wie viele solcher sozialen Kontaktgruppen der Durchschnittsnutzer überhaupt hat. Sind es drei? Oder fünfzehn? Auf jeden Fall eine spannende Frage. Weiterlesen

Apple iCloud: Wie die Wolke den Nutzern in die Taschen greift

6. Juni 2011  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  11 Comments  |  Share

Herrlich, Apple. Du hast es geschafft, auf einen Schlag wirklich jedes Unternehmen, das auch nur im Entferntesten etwas mit mobile Computing zu tun hat, eine Nackenklatsche zu verpassen. High Five!

Apple hat soeben seine diesjährige Worldwide Developers Conference (WWDC) hinter sich gebracht. Und obwohl das iPhone 5 weiter auf sich warten lassen muss, hatte die Veranstaltung doch genug Zündstoff, um – wieder einmal – die Branche in Aufruhr zu versetzen. Größtes Kapitel der Keynote (Mitschnitt) war die Einführung der iCloud, Apples Antwort auf offenbar schwindende Ressourcen im lokalen Speicher mobiler Endgeräte. Was wir bereits jetzt festhalten können: 8 GB, 16, GB, 32 GB und 64 GB – eine größere Speichergeneration wird es im iOS-Universum auf absehbare Zeit nicht geben. Der Platz sei ausreichend, so Steve Jobs.

Ausnahmslos alles soll in die Cloud verlegt werden: Fotos, Musik, Videos, Apps, iWork-Dokumente, Bücher, Kalendereinträge – alle Formen digitaler Inhalte, die man sich vorstellen kann, werden kurz nach ihrer Erstellung vaporisiert und in die Wolke geschossen; nicht selten soll dies automatisch passieren (etwa bei gerade geknipsten Fotos). Der neue Push-Dienst, der die SMS ablösen soll und mit dem sich Bilder und Videos verschicken lassen, greift auf WLAN und UMTS zurück. Die Firmware wird Over The Air aktualisiert. Apple ruft damit auch die “Post-PC-Ära” aus, die Einrichtung “Synchronisation” ist ein Relikt der Vergangenheit: “Diese Geräte standing in Sync zu halten, macht uns wahnsinnig”, so Jobs. Und wie Recht er damit hat. Weiterlesen

Der EHEC-Arschtritt – oder: “Die Sicherheit Deutschlands wird auch auf Facebook verteidigt!”

4. Juni 2011  |  Netznews, Social Media, Wissenschaft  |  8 Comments  |  Share

Es ist der Offenbarungseid eines führenden Industriestaats. Einer Nation, die stolz auf die Entwicklungen im Land ist, Innovationen mit großem Pomp feiert, mit Megabudgets die eigene Fortschrittlichkeit in Wirtschaft und Politik vermarktet. Es ist sogar weit mehr als ein Offenbarungseid, es ist eine Schande, was Deutschland sich da leistet. Ich möchte die EHEC-Krise nur bedingt in den Mittelpunkt rücken, doch dieser Fall erweist sich immer mehr als ein so symptomatisches, so dramatisches Beispiel, dass man gar nicht umhin kann.

EHEC ist ein Synonym für das absolute Informationschaos geworden. Es gibt bis heute keine verlässlichen Details über die Herkunft und Ausbreitung der Seuche, es gibt nicht einmal Informationen über den aktuellen Stand der Ermittlungen. Dafür werden die Deutschen gerade Zeugen von Absatzeinbußen in Millionenhöhe, bilateraler Verbitterung und jeder Menge Paranoia – darüber liest man immerhin eine ganze Menge.

Im vorliegenden Fall ist es noch zu früh für Schuldzuweisungen, was den Urheber der Keimseuche angeht. Jedoch gibt es eine Partei (besser gesagt zwei!), die schon jetzt als straffällig zu bezeichnen ist: unsere Bundesregierung. Sie alleine hat den kollektiven Verfolgungswahn zu verantworten, das dezentrale Magaphongeschrei von Wissenschaftlern, Behörden, Bauern und Bürgern. Das ganze Durcheinander geht auf die Kappe von CDU und FDP, die entweder nicht verstehen – oder verstehen wollen – wie Krisenkommunikation heute auch nur in Ansätzen auszusehen hat. Weiterlesen

“Locationgate”: Wie sich Apple aus der Affäre heuchelt

27. April 2011  |  Netznews, Tech  |  5 Comments  |  Share

Apple hat reinen Tisch gemacht. Zumindest gab sich Cupertino am Mittwoch den Anschein, für Klarheit in der Sache zu sorgen, die mittlerweile unter der landläufigen Bezeichnung “Locationgate” lanciert wird. Es habe sich um einen dummen Software-Fehler gehandelt – nein, eigentlich und genau genommen stecke der Fehler nicht im System, sondern vielmehr in den Köpfen der Kunden, die offenbar bis heute nicht kapiert hätten, wie ein iPhone funktioniert. Sie seien einfach “verwirrt”. Immerhin gesteht der Konzern beiläufig (dafür aber voller Güte) einen Fehler ein: Man habe sich nicht genug Mühe bei der “Education” – der Aufklärung – der Nutzer gegeben.

Was für eine groteske Scharade! Apple ist mit heruntergelassenen Hosen erwischt worden und erklärt uns nun, dass man sich lediglich am Knie kratzen wollte? Wie immer die Erklärungen durch die Cupertino-PR formuliert wurden: Erstens bleibt es dabei, dass Apple die groben Aufenthaltsorte der iPhone-Nutzer protokolliert. Zweitens bleibt es dabei, dass diese sensiblen Daten unverschlüsselt im Speicher des Handys geparkt wurden. Und Drittens ist weiterhin unklar, was genau mit diesen Daten passiert und in welcher Form sie anderen Parteien zur Verfügung gestellt werden. Weiterlesen

“The Stream”: Al Jazeera launcht erstes Social Media Vollprogramm für News

18. April 2011  |  Journalismus, Netznews, Social Media  |  No Comments  |  Share

Al Jazeera English kann es sich leisten. Dank des beispiellosen Web-Boosts der vergangenen Wochen konnte der Sender aus Katar eine enorme internationale Online-Community hinter sich vereinen – wozu nicht zuletzt auch das schlechte Standing bei den Kabelnetzbetreibern beigetragen hat: Das Engagement ist hoch, die politische Unzufriedenheit auch und was liegt da näher, als den Bürgerjournalismus auf eine neue Stufe zu heben.

Am Montagabend wird von Al Jazeera “The Stream” gelauncht, “die aggressivste Integration von Social Media in den Live-Betrieb eines Senders”, wie es bei Fast Company zu lesen steht. Tatsächlich handelt es sich bei The Stream nicht um eine Sendungsverlängerung ins Netz: das Netz selbst macht die Sendung. Das neue Format wird 24 Stunden am Tag live gestreamt, wobei (nicht zuletzt aus Qualitätsgründen) 30 Minuten für die Präsenz eines Moderators eingeplant sind. Zum Start wird Al Jazeera jedoch um einige Wiederholungen im Programm nicht herum kommen. Weiterlesen

Firefox 4: Mozilla ist wieder im Rennen

22. März 2011  |  Netznews  |  4 Comments  |  Share

Ich hatte bereits im Vorfeld einige Vorabinfos bekommen, dann aber leider keine Zeit mehr gehabt, darüber zu schreiben (hey, ein neues Blog – was will man machen?). Das soll jetzt daher fix nachgeholt werden. Mozilla hat heute den lang erwarteten Firefox 4 offiziell gelauncht (gestern war er bereits über das FTP-Hintertürchen verfügbar) und – das vorweg – er sieht blendend aus. Im Vergleich zum Vorgänger 3.6 wurde eine ganze Palette an Features überarbeitet, andere sind neu hinzugekommen.

Das war allerdings auch bitter nötig. Der ehemalige Underdog-Browser hatte in der Anfangsphase der dritten Version noch eine gute Figur gemacht – allerdings mehr in PR-Dingen als in technischer Hinsicht: er war zu schwerfällig, zu aufgeblasen, zu instabil. Und so musste der Firefox – trotz der Liberalisierung des Browser-Markes durch Microsoft – seit der Mitte des vergangenen Jahres wieder eine Talfahrt bei den Marktanteilen hinnehmen. Der Trend hält sich bis heute: zugunsten von Chrome und Safari und (ja!) des Internet Explorers. Weiterlesen

Die “New York Times”-Paywall gilt nicht für Twitter- und Facebook-Nutzer

17. März 2011  |  Journalismus, Netznews, Social Media  |  2 Comments  |  Share
Die

Not all visits to NYTimes.com will count toward the 20-article limit. In an effort to avoid deterring as many as possible of the Web site’s more than 30 million monthly readers, The Times will allow access to people who arrive at its Web site through search engines like Google and social networking sites like Facebook and Twitter. There will, however, be a five-article limit a day for people who visit the site from Google.

(Quelle: New York Times)

Das war’s dann wohl, Google. Die “New York Times” hat heute ihr neues Paid Content-Modell erklärt. Ab sofort dürfen Nutzer standardmäßig nur noch zwanzig Artikel im Monat kostenfrei aufrufen – danach werden Gebühren fällig. Derzeit kostet der Sprung über die Paywall rund 15 US-Dollar im Monat.

Das Interessante daran ist, wie die “Times” dabei mit ihren Lesern umgeht, die nicht direkt auf der News-Seite klicken, sondern von außerhalb herangelotst werden: etwa über Google oder Facebook. Was gab es in der Vergangenheit nicht für lautstarke Streitereien mit der Suchmaschine. Google solle bitteschön Kohle an die Verlage abdrücken, immerhin werde mit den News-Snippets in den Suchergebnislisten ja ordentlich Geld verdient – dies war der bisheriger Konsens der Publisher und auch das schöne deutsche Modell des Leistungsschutzrechts knüpft daran an. Bis heute ist es zu keiner Lösung in dem Konflikt gekommen, Google weigert sich noch immer vehement, Abgaben an die Verlage zu leisten. Und nun ist es vielleicht auch gar nicht mehr nötig, das Problem hat sich von alleine erledigt: Google hat den ersten Platz unter den Traffic-Lieferanten für News-Angebote heute per AGB offiziell abgegeben. Weiterlesen

Pakt der Verlierer: VZ gruschelt MySpace

16. März 2011  |  Netznews, Social Media  |  3 Comments  |  Share

Das war ja mal eine Nachricht! Die VZ-Netzwerke gaben am Mittwoch bekannt, dass man ab April gemeinsam mit iq digital media marketing die Komplettvermarktung von MySpace Deutschland übernehmen wird. Naja, nicht die Komplettvermarktung, sondern vielmehr eine Teilvermarktung, da alte Werbeverträge mit Google noch bindend sind.

“Wir glauben fest daran, dass wir zusammen mit iq digital die Kraft haben, einen Jugendvermarkter erfolgreich zu entwickeln”, sagt da Sven Bagemihl, Vice President Sales VZ-Netzwerke. Ziel sei es, die erste Adresse für alle Unternehmen zu werden, die junge Menschen in Deutschland zum Markenaufbau in der digitalen Welt erreichen wollen. “Kein anderer Vermarkter bietet online oder offline eine derart hohe Reichweite, Aktivität und Expertise in diesem Alterssegment. Damit bieten wir den Mediaentscheidern eine nationale Alternative zu den US-amerikanischen Playern auf dem stetig härter umkämpften deutschen Onlinemarkt der Zukunft.” Der große Applaus der Beobachter blieb aus, lediglich ein Fan von SchülerVZ meldete sich im Blog zu Wort: Weiterlesen

Kinder, Kinder: Was die VZ-Netzwerke jetzt noch tun können – außer aufzugeben

9. März 2011  |  Netznews, Social Media  |  4 Comments  |  Share

Der Mittwoch war ein schwarzer Tag für die VZ-Netzwerke – obwohl man es wohl auch schon selbst geahnt hatte. Das neue IVW-Ranking wurde veröffentlicht und wieder einmal zeigte sich ein Einbruch bei den Benutzerzahlen; nicht ins Bodenlose, aber immerhin doch schon wieder um knapp 18 Prozent – und das in nur einem Monat. Im Jahresrückblick wirkt die Entwicklung gleich noch dramatischer: Waren es im Mai 2010 noch über 466 Millionen gezählte Visits, so ist VZ nun bei 274,5 Millionen angekommen. Das ist mehr als bitter.

Die Gründe des Absturzes sind offenkundig: Nicht nur VZ verliert jeden Tag wertvolle Mitglieder, auch andere deutsche Netzwerke folgen dem Abwärtstrend, sei es Wer-kennt-wen (minus 14 Prozent) oder Gutefrage.net (minus 15 Prozent). Der Name des Profiteurs ist wohlbekannt, Facebook saugt rasant das Engagement der Deutschen in sich auf, fast jeder zweite Bundesbürger ist bereits Mitglied: die Wachstumskurve scheint unaufhaltsam.

Was macht man also, mit einer einstmals pulsierenden VZ-Community, die nun aufs Abstellgleis geschoben wird? Gute Frage. Die VZ-Netzwerke sind heute eine redundante Klamotte, ein Facebook in Rot, wobei die Klonerei ursprünglich volle Absicht war: man wusste es halt selbst nicht besser. VZ stand immer im Windschatten der Amerikaner, die vor ein, zwei Jahren aber noch wenig gefährlich schienen. Immerhin war es ein US-Produkt und niemand konnte wissen, wie oder ob überhaupt ein solcher Dienst in Europa Abnehmer findet. Als StudiVZ noch voll im Saft stand, konnte Holtzbrinck leidenschaftlich von der arroganten Netzkeule Gebrauch machen. Wer erinnert sich nicht an die Serienabmahnungen, die deutschen Kleinseitenbetreibern geschickt wurde, weil sie das verbotene Kürzel “VZ” im Domainnamen nutzten? Vom regelrechten “VZ-Krieg” war seinerzeit die Rede. Weiterlesen

Vom Buh-Mann zum Verlagsretter: Der seltsame Fall der Google-Anbetung

17. Februar 2011  |  Journalismus, Netznews, Tech  |  1 Comment  |  Share

Wir beginnen mit den Worten des großen John F. Kennedy: “Vergib deinen Feinden, aber vergiss niemals ihre Namen.” Wäre dies die Absicht der deutschen Verlagsszene gewesen, müsste man heute eine branchenweite Demenzerkrankung diagnostizieren – oder habe ich etwas verpasst? Hierzulande wie in Übersee gehörte es stets zum guten Ton, Google zu hassen. Im Zuge der Hamburger Erklärung wurde dieses Feindbild einstmals schriftlich fixiert, später Kartellrechtsklagen vorbereitet. “Wir werden schleichend enteignet!“, polterte da ein Hubert Burda und bei jedem Treffen der Verlagsbosse kam es noch vor ein paar Tagen erst dann zum Schulterschluss, wenn in Sprechchören das Leistungsschutz-Lied angestimmt und die Google-Flagge verbrannt wurde.

Was wurde denn jetzt aus dem miesen Geschäft mit dem Diebstahl und der frechen Vermarktung fremder Inhalte? Was wurde aus der kompromisslosen Forderung nach einer Umsatzbeteiligung? Ach, so – es war gar nicht so schlimm.

Das System funktioniert ziemlich einfach und ist uns allen aus dem Alltag (oder der historischen Kriegsführung) bestens bekannt: der Feind meines Feindes ist mein Freund. Apple hat erstmals richtig die Muskeln spielen lassen und mit seiner Marktmacht geprotzt. Satte 30 Prozent sollen die Verleger bei Abo-Modellen auf dem iPad abdrücken, zusätzlich werden nur die nötigsten Informationen über die Leser an die Auftraggeber weitergeleitet. Ein Unding! maulen da BDZV und VDZ – eine Unverschämtheit. In einem hilflosen, offenen Brief an Apple machen sie ihrer Empörung Platz und gehen sogar so weit, einen Katalog mit “Forderungen” nach Cupertino zu schicken. Eine Etage höher, bei der European Newspaper Publishers’ Association (ENPA), schlägt man in dieselbe Kerbe. Steve Jobs dürfte reagiert haben, als habe man ihn mit einem Stück Nähseide geschlagen. Weiterlesen

Livestand: Yahoo! stellt eigenen Zeitungsstand für Tablets vor

10. Februar 2011  |  Journalismus, Netznews  |  No Comments  |  Share

Da ist er: Yahoo! hat gerade den Launch eines neuen News-Kiosks verkündet. Der “Livestand” genannte Content-Shop soll künftig Tablets mit Inhalten versorgen. Die Ex-Suchmachine sieht ihre Aufgabe dabei in der Vermittlung zwischen Publishern und Werbetreibenden. Der Zeitplan wurde mit heißer Nadel gestrickt: Noch “in der ersten Jahreshälfte” wird mit dem Roll-Out begonnen, da zeitgleich eine deutsche Pressemitteilung verschickt wurde, ist davon auszugehen, dass wir auch hierzulande davon etwas zu sehen bekommen. Vom Start weg werden Android-Tablets und iPads unterstützt, später sollen dann “Mobiltelefone und Browser” folgen.

Livestand wird den Nutzern personalisierbare Angebote beretstellen, die je nach Geschmack, Standort oder sogar Tageszeit variieren sollen. Das alles wird in einem schmucken Multitouch-Paket aufbereitet. Verleger werden nach den Plänen ohne große Hürden Zugang zum System bekommen – über die Konditionen schweigt sich Yahoo! jedoch zur Stunde noch aus: “For more information please contact your Yahoo! partner manager or email us.” Weiterlesen

“The Daily” soll den Journalismus retten? Meh!

2. Februar 2011  |  Journalismus, Netznews, Social Media  |  1 Comment  |  Share

Die Erwartungen waren hoch – rückblickend betrachtet waren sie zugegebener Weise viel zu hoch. Schuld an der Verhältnislosigkeit war Rupert Murdoch, als er vor rund sechs Monaten ankündigte, das internationale Pressewesen revolutionieren zu wollen: “Neue Zeiten verlangen nach einem neuen Journalismus”, hieß es dann auch an diesem Mittwoch. News Corp hat die bislang einzige Zeitung von Band rollen lassen, die exklusiv auf dem iPad verkauft wird. “The Daily” (iTunes) ist ein täglich erscheinendes 100-Seiten-Monster, das hauptsächlich von der “Magie der Technik” zehren soll – ein Statement, das es mir im ersten Moment kalt den Rücken runter laufen ließ.

Doch räumen wir zunächst einige Fragen aus dem Weg. Apple war vom ersten Tag der Ideenfindung am Projekt beteiligt. Murdoch ließ es sich nicht nehmen, Steve Jobs mit Komplimenten zu überschütten. Er wirkte beinahe, als bekäme da ein ausmanövrierter Top-Manager von einem Jahrzehnte älteren Branchenimperator den Preis für sein Lebenswerk überreicht (die Neuerfindung der Computer- und Medienwelt), kurzum: es rief Grusel hervor. Apple sitzt also im Boot, allerdings nur zur Anfangsphase, da das iPad heute noch über die nötige Reichweite am Markt verfügt. In ein, zwei Jahren, wenn die anderen Tablet-Hersteller nachgezogen haben, wird sich dies ändern, verkündete Murdoch, ohne den zerknirschten Apple-Mann Eddie Cue auch nur eines Blickes zu würdigen. Technisch dürfte die Öffnung für andere Plattform kein größeres Problem darstellen, da der meiste HTML5-Content von “The Daily” aus dem Browser abgerufen werden kann (die App selbst ist nur rund 45 MB schwer).

Apples zweites Geschenk an diesem Tag bestand aus einem neuen Abomodell für die Kunden. War es bislang nur möglich, Apps einmal käuflich zu erwerben und gegebenenfalls per In-App-Shopping weitere Inhalte hinzuzuladen, so gibt es nun die Möglichkeit der Laufzeitverträge. Im Fall von “The Daily” betragen die Kosten 0,99 US-Dollar pro Woche oder 39,99 Dollar pro Jahr – eigentlich ein Schnäppchen. News Corp hat insgesamt 30 Millionen Dollar in die Entwicklung des iPad-Blattes gepumpt, die laufenden Kosten für die betreuende 100-Mann-Redaktion werden auf wöchentlich rund 500.000 Dollar geschätzt. Murdochs Augen funkelten, als er diese Zahlen verkündete und so schob er gackernd hinterher: “Kein Papier, keine millionenschweren Druckerpressen mehr! Wir geben die Einsparungen an den Leser weiter.” Murdoch vermittelt den Eindruck, als würden allein die günstigen Produktionskosten das Experiment einer Tablet-Zeitung rechtfertigen – der Druck des anhaltenden Leser- und Werberschwunds spielte offenbar keine Rolle. Weiterlesen

Paid Content: 18 Prozent der Internetnutzer zahlen für Artikel im Netz

21. Januar 2011  |  Journalismus, Netznews, Tech  |  No Comments  |  Share

Kostenpflichtiger Einzelabruf, Abomodell, Werbefinanzierung oder Free-Content – bis heute haben die Verleger noch keine abschließende Antwort auf die Frage gefunden, wie sich Texte im Internet am besten vermarkten lassen. Eine Studie des Pew Research Center bringt ein wenig Licht ins Dunkel. Hintergrund ist die Frage: Wofür sind Internetnutzer heute überhaupt bereit, online Geld auszugeben?

Dazu wurden im Zeitraum zwischen dem 28. Oktober und dem 1. November 2010 rund 755 US-amerikanische Internetnutzer befragt. Das Ergebnis: Fast zwei Drittel (65 Prozent) aller Teilnehmer gaben an, schon einmal für virtuelle Güter im Netz etwas bezahlt zu haben. Zu den populärsten Produkten zählen Musik (33 Prozent), Software (33 Prozent) und Mobile Apps (21 Prozent) – am unteren Ende der Skala finden sich Podcasts (7 Prozent), Spiele-Cheats (5 Prozent) und Erwachseneninhalte (2 Prozent) wieder. 18 Prozent der Befragten gaben an, in der Vergangenheit Geld für Zeitungs- und Zeitschriftenartikel ausgegeben zu haben. Gerade einmal jeder Zehnte zeigte sich bereit, für E-Books zu zahlen. Weiterlesen

Informationsdistribution heute: Der Abschied vom On-Demand-Netz

21. Januar 2011  |  Journalismus, Netznews, Social Media  |  6 Comments  |  Share

“RSS ist tot!” – diese These ist nicht neu, sondern geistert bereits seit Mitte 2009 durch das Internet. Seinerzeit hatte Steve Gillmor von TechCrunch feierlich erklärt, dass es an der Zeit sei, “RSS in Ruhe zu lassen” und gänzlich auf Twitter umzusatteln: “RSS bringt es einfach nicht mehr”, so sein Fazit. Die Proklamation brachte eine globale Diskussion um den Wert von RSS und Social Media als Gegenspieler in Gang; das Publikum spaltete sich schnell in zwei Lager, die sich auf das Heftigste angriffen. Dabei ist eine eigene Meinung zum Thema eigentlich eher nebensächlich. Das Internet entwickelt sich in eine ganz eigene Richtung, ob wir wollen – oder nicht. Da hilft es auch nicht, wenn gerade wieder einmal eine weitere Hysteriewelle der Pro-RSS-Bewegung an allen Ufern aufschlägt.

Tatsache ist, dass RSS im vergangenen Jahr weiter an Bedeutung verloren hat. Die US-Suchmaschine Ask.com hatte sich dazu entschlossen, den hauseigenen (und recht populären) RSS-Reader Bloglines für alle Nutzer einzustampfen. Als Begründung wurde angeführt, dass RSS unter der wachsenden Dominanz von Twitter, Facebook und Co. langsam zerdrückt würde. Der Dienst tauge nur noch als Informations-Backbone, als Infrastruktur im Hintergrund, über die nun immer häufiger Social Media-Kanäle bedient würden. Die Endanwender selbst würden verstärkt nach Echtzeitinformationen rufen – ob RSS als Vehikel bis zum Tweet oder zum Status-Update benutzt wurde, sei den meisten dabei völlig egal.

An diesem Argument ist etwas dran. RSS scheint ein Relikt des On-Demand-Gedankens. Mit seinem Entstehen im Jahr 2000 wurde eine neue Form der Informationsdistribution geboren: Nachrichten wurden nicht länger zeitintensiv gesucht – sie wurden gepusht. Nutzer bekamen die einstmals manuell recherchierten Informationen nun direkt in ihre Reader geliefert, entweder nach Thema oder Medium sortiert; man bekam das vorgesetzt, wonach man verlangte. Ein Klick auf die Überschrift öffnete den kompletten Artikel. Weiterlesen