Das Schweigen der Deutschen Telekom

2. Mai 2013  |  Social Media, Unternehmen  |  8 Comments

telekom-schweigen

Schade. Echt schade. Da war man mal wer, jemand, zu dem die anderen aufsahen, der um Rat gebeten wurde und selbst in der Community ein gewisses Ansehen angesichts der augenscheinlichen Innovationsfreude genoss – und jetzt ist alles im Arsch. Ich will mich an dieser Stelle gar nicht mehr mit dem Gegenstand “Telekom vs. Netzneutralität” auseinandersetzen. Das haben andere getan und tun es noch, denn es ist wichtig, die Protestflamme am Lodern zu halten. Viel lieber möchte ich mich der Kommunikation des Konzerns widmen, der seit der Bekanntgabe der Drosselpläne am 22. April 2013 in der schwarzen Versenkung verschwunden ist. Die Deutsche Telekom schweigt. Weiterlesen

Was 10.000 Tweets verraten

17. August 2012  |  avatter, Social Media  |  7 Comments

Wow, die Zeichen vergingen wie im Fluge und hier sind wir! Ich habe soeben meinen 10.000. Tweet versendet und dachte es sei an der Zeit, einfach mal eine kleines Fazit zu ziehen – Privacy-Strip zur Ergötzung der Massen inklusive.

Warum? Zum einen aus Spaß, zum anderen aus proaktiver Nostalgiedenke (ist ja schön, wenn man die Zahlen in ein paar Jahren wieder vor Augen hat) und außerdem aus Neugier, wie viel zum Teil irrelevante Transparenz sich mittels Twitter-Analysetools heute herstellen lässt. Die verwendeten web- und clientbasierten Tools stehen jeweils in Klammern hinter den Daten. Wie lange sie noch nutzbar sein werden? Das weiß nur Twitter.

Gesamtanzahl der Tweets:
10.000

Follower:
2.378

Following:
219

Follower Fake-Accounts:
2 % (Statuspeople)

Following Demographie:
Ca. 6-7 Frauen, 95 Männer, 120 Institutionen (freundliche Kixka-Zählung)

Twitter Follower-Friend Ratio:
10,86 (Taschenrechner oder TFFRatio) Weiterlesen

Alles, was Sie über die neue Facebook-Miniaturkampagne der Deutschen Bahn wissen müssen

8. August 2012  |  Social Media, Unternehmen  |  7 Comments

Es klang vielversprechend, als die Einladung der Deutschen Bahn AG kam. Angeboten wurde ein Treffen in illustrer Hamburger Runde, bei dem der Status Quo der bisherigen Social Media-Aktivitäten der Deutschen Bahn (mehr darüber) und des Deutsche Bahn Konzerns besprochen werden sollte. Außerdem wurde eine Überraschung angekündigt: eine neue Kampagne mit dem Namen “Die Welt der DB”, bei der es um die “Entdigitalisierung” der Unternehmens-Fanpage und das “echte Leben” gehen sollte.

Der Hintergrund ist schnell erklärt: Die Deutsche Bahn hat als Unternehmen ein Problem. Für viele Kunden und potentielle Arbeitnehmer ist der Konzern ein intransparenter Klotz. Wenn die Bahn in den Medien erscheint, dann eben mit den Themen “Preiserhöhung”, “Verspätung” und “Klimaanlagen” – dass der Laden seinen eigenen Strom für den Betrieb des Tagesgeschäfts produziert und die eine oder andere weitere Innovation vom Stapel lässt, kippt da häufig in den Hintergrund. Und es interessiert auch wirklich keinen Otto-Normal-Bahnreisenden. Wie kann man also die Bahn für Interessierte öffnen?

Die Lösung des Konzerns hat viele Anwesende am Tisch irritiert: eine Bahn-Miniaturwelt! Ab dem 15. August werden Nutzer einen Monat lang angehalten, Ideen für eine winzige DB-Landschaft einzureichen, die im Berliner Loxx (ein Miniaturland) realisiert werden soll. Unter dem Motto “Unterhaltung, Kommunikation, Kreativität” sollen alle Interessierte Vorschläge abgeben, wie Bauprojekte, Szenen oder DB-Details in Klitzeklein abgebildet werden können. Das Unternehmen filmt die Arbeiten, strahlt Making-Of-Videos aus und postet regelmäßig Bilder über den Fortschritt. Weiterlesen

Miese Apps sozialer Netzwerke

6. August 2012  |  Social Media  |  3 Comments

Narf! Facebook-App? Gelöscht. Twitter-App? Gelöscht. Die mobile Nutzung vieler moderner Dienste gleicht heute der Installation von Windows 98: “Bitte Diskette 7 von 34 einlegen und Enter drücken.” Die Facebook-App für iOS ist labiler als ein Hypochonder in einer vollen U-Bahn zur winterlichen Grippezeit. Die Anwendung stürzt ab, lädt nicht, hängt und auch in Version 4.1.1 ist noch immer die Sharing-Funktion deaktiviert. Twitter? Seit der Übernahme von Tweetie ging es bergab; von Auflage zu Auflage verschwanden immer mehr Tweets, es rappelt in der Synchronisierungskiste – so schnell kann man den Homebutton gar nicht drücken. Google Plus? Bislang Klassenbester, was aber keinesfalls die Versetzung garantiert: Die G+-App ist seit dem Facelift ein Pinterest-Klon, bei dessen Newsstream die Bilder und nicht die Diskussion im Mittelpunkt stehen. Ein Wunder, dass beim King des Design-Streamlinings ein solches, unübersichtliches Paket geschnürt wurde. Weiterlesen

Nutzer in Isolationshaft: Über die Silodenke von Medien und Unternehmen

29. Juli 2012  |  Journalismus, Netznews, Social Media  |  1 Comment




“Lasst, die ihr andere eintreten lasst, alle Hoffnung fahren!”
– frei nach Dante Alighieri


 

Breaking News: Ein Foto von Christian Wulff, Karl-Theodor zu Guttenberg und Ronald Schill beim Pokerspielen ist auf Facebook zu bestaunen!

Auch reingefallen? Deutsche Online-Medien sind Meister darin, die eigenen Leser an der Nase herumzuführen. Das Taggen der internen Rubriken stellt nach jahrelanger Verweigerung der Quellennennung (-und verlinkung) bereits eine Progression dar. Fast die Hälfte aller Zeitungen und Magazine im Netz steht heute auf dieser Stufe und schämt sich nicht. Es gibt drei Gründe für die Selbstreferenzialität:

1.) Simples Unwissen (wie ich leidvoll in Gesprächen erfuhr)
2.) Clevere SEO-Maßnahme (interne Verlinkungen sind immer gut)
3.) Panische Angst vor dem Trafficverlust (“Meins, meins, alles meins!”)

Der dritte Punkt scheint mir derzeit am interessantesten – die Furcht, den Nutzer aus den eigenen Fängen zu verlieren. Gerade bei Textcontent mutet diese Einstellung ziemlich schwachsinnig an: Als Leser weiß ich es doch zu verstehen und schätzen, wenn ein Medium auf Quellen (extern) verlinkt, mich inmitten eines Berichts oder Analyse direkt zu den Orten des Geschehens verweist. Ich weiß, dass ich nicht bevormundet werde und genau das ist ein Grund für mich, um immer wieder zurückzukehren. Weiterlesen

Facebooks Tabu-Zonen zwischen Penissen und Amokläufern: Was wir willkürlich nennen, nennen sie amerikanisch

27. Juli 2012  |  Social Media  |  1 Comment

Man stelle sich vor: ein Penis! Ein Penis! Das “ZeitMagazin” hatte vergangene Tage den zaghaften Versuch unternommen, die männliche Nacktheit (es ging nicht einmal um die männliche Sexualität) gesellschaftlich zu entmystifizieren. Die Brust der Frau ist im Werbe- und Medienalltag allgegenwärtig, letzten Endes gibt es offenbar nichts, was sich nicht mithilfe lasziver Damenposen vermarkten lässt – es reicht ein Blick auf die jüngsten Rügen des Deutschen Werberats. Peniscontent spielt da eher eine untergeordnete Rolle. Doch um derlei Gender-Überlegungen soll es hierbei auch gar nicht gehen…

Um den Worten Taten folgen zu lassen, hatte das “ZeitMagazin” beschlossen, einfach mal einen Schwanz auf die zweite Titelseite zu drucken. Wie es weiter ging, verrät die Pressemitteilung:

Wie jede Woche üblich veröffentlichte die Redaktion am Mittwochnachmittag beide Titelseiten vorab hintereinander auf der ZEITmagazin-Facebookseite. Der Eintrag mit der zweiten Titelseite war am Abend gelöscht. Auf Anfrage des ZEITmagazins lässt Facebook auf seine Community Standards verweisen.

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Social Media 2012: Wie die USA den Europäern mit Anlauf in den Arsch treten

12. Juli 2012  |  Social Media, Unternehmen  |  41 Comments

“Europa ist ganz gut in Mobile. Alles andere können wir besser.”
- Scott Galloway (NYU Business School, Founder of L2 ThinkTank)

Die Headline ist natürlich ebenso bildlich wie übertrieben. In Wahrheit gibt es keinen wütenden Anlauf, sondern einen seichten, angedeuteten Sprint, bei dem niemand wirklich aus der Puste kommt. Doch am Ende steht die Tatsache, dass die gute, alte Welt nun einmal das ist, was sie ist: eine alte Welt.

Auf der diesjährigen SMICS Conference (hier das Fotoalbum) haben die Amerikaner gezeigt, was wir bislang erst in der Glaskugel bestaunen durften – nämlich die Realität. Die Digitalisierung der Gesellschaft ist in den meisten US-Köpfen soweit vollzogen und abgeschlossen, was nun folgt, sind Visionen von Möglichkeiten, Träumereien oder Spinnereien, von denen einige wahr werden oder eben nicht. Zumindest steigt der Aktivitätsindex in den Staaten mit jedem Tag, der vergeht. Derweil sind die Europäer – und speziell die Deutschen – nicht untätig, sondern treten ebenso aktiv auf der Stelle, schauen verschämt über den großen Teich, um Inspirationen einzusammeln, sich zu empören oder gleich ganze Strategien zu kopieren. SMICS hat gezeigt, dass die digitale Denke in Deutschland ein trauriger Abklatsch des American Dreams ist, ein heruntergekochtes Derivat, viel zu kraftlos, viel zu spät. Die USA betrachten dieses Schauspiel wiederum mit aufrichtigem Desinteresse. Was steht schon zu befürchten, wenn der Wettbewerb an Narkolepsie leidet? Aber werden wir konkreter… Weiterlesen

Cheat-Sheet für Blogger-Headlines – heute mit: Soziale Netzwerke

6. März 2012  |  Fun, Social Media  |  2 Comments

“Was können Headlines bewirken?” – “Nun, das hängt davon ab, was sie aussagen.” – “Ja, dann…” – Todes-, Wiederauferstehungs- und Stagnationsmeldungen grassieren wieder einmal in den RSS-Readern und vor allem die Blogger mischen kräftig mit. Es gibt Dutzende, die den Tod von Facebook vor Jahren voraussagten, für einige klopft der Sensenmann in diesem Moment an Twitters Tür. Und ehrlich gesagt – es nervt.

Um der allgemeinen Prophetie auf die Sprünge zu helfen, anbei ein Spickzettel für künftige Blogger-Headlines. Weiterlesen

Facebook-Commerce: Deshalb floppt der Netzwerk-Shop noch

20. Februar 2012  |  Social Media, Unternehmen  |  1 Comment

Bloomberg lanciert derzeit ein hübsches Stück, das einen Abgesang auf den Facebook-Commerce beinhaltet. Wer die Zeilen liest, fühlt sich schnell an den qualvollen Tod so vieler Stores erinnert, die einstmals in Second Life eröffnet wurden: Gamestop, JC Penney, Nordstrom und Gap haben ihre Läden auf Facebook geschlossen, der Abverkauf im Netzwerk sei ein Flop. Die daraus gewonnene Lehre für (beispielsweise) Gamestop: “For us, it’s been a way we communicate with customers on deals, not a place to sell.”

Das Fazit ist schade – aber nachvollziehbar – und heizt auch die nie endende Debatte über den Social ROI wieder an. Wenn eine Unternehmensseite fünf Millionen Fans hat, wie kann es sein, dass mit dem Page-Shop nur im Promillebereich Umsätze generiert werden können? Die ausbleibende Antwort auf diese Frage wird durch die Hoffnung ersetzt, dass eben an anderer Stelle die Käufe getätigt werden. Ist Social Commerce damit eine Idee für die Tonne? Nein. Bislang wurde er aber noch nie konsequent angegangen. Im November 2011 veröffentlichte die Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) eine aufschlussreiche Studie (siehe unten) zu dem Thema. Demnach haben lediglich sechs Prozent der Mitglieder jemals ein gelungenes, direktes Verkaufsangebot bei Facebook gesehen. Rund die Hälfte erwartet keinen Shop auf Facebook und hat auch noch nie daran gedacht, dass das Netzwerk überhaupt dafür geeignet wäre. Weiterlesen

Soziale Netzwerke: Nur, weil es nichts kostet, ist es nicht umsonst

16. Februar 2012  |  Social Media  |  3 Comments

Ich glaube, wir können alle darin übereinstimmen, dass wir in einer kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung leben. Von Kindesbeinen an lernen wir dialektische Sprüche à la: “Hasse nix, bisse nix” und “Hasse nix, kriegste nix.” Wir sind an den Warentausch gegen Geld gewöhnt, wir kennen die Produkte und Preise, wägen ab, sparen, verschieben Anschaffungen, leihen und leasen. Wer Waren bezieht, ohne dafür zu bezahlen, ist in unseren Augen ein Bettler oder ein Dieb. Wer beim Schwarzfahren erwischt wird, zahlt ein Bußgeld. Wer Fundunterschlagung betreibt, kann juristische Probleme bekommen. Offenbar ist die Orientierung dieses System – wie immer man es finden mag – allgegenwärtig, da die Spielregeln bekannt sind und man sich auch meistens daran hält. Was mich aber immer wieder verwundert, ist die Tatsache, dass die Mehrheit der Menschen glaubt, dass dieses System im Internet keine Geltung findet. Aber von Anfang an…

Jüngst machte wieder die Meldung über eine neue Studie die Runde: Soziale Netzwerke seien ebenso suchtverursachend wie substanzbasierte Drogen à la Tabak und Alkohol – wenn nicht noch dramatisch ansteckender. Der Artikel lief gut und machte sich auch gut, weil die Onliner sich aufregen konnten und die Offliner sich bestätigt sahen. Ich will die Meldung gar nicht kommentieren, aber auf einen O-Ton hinweisen, den Studienleiter Wilhelm Hofmann dem “Guardian” übermittelte:

With cigarettes and alcohol there are more costs – long-term as well as monetary – and the opportunity may not always be the right one.

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Heveling-Nachlese: Wo sind die eigentlichen Brandstifter im “Kampf der Zivilisationen”?

1. Februar 2012  |  Social Media  |  Kommentare deaktiviert

Ansgar Heveling, der analoge Troll und Anti-Web-Demagoge, den man nur im Internet kennt, sitzt auf seiner Polemik. Und dort bleibt er sitzen. Wo soll er auch hin? Heveling prophezeit den High Noon inmitten einer zerrissenen Gesellschaft: Auf der einen Seite, der konservative Biedermann, der mit Pickelhaube auf dem Kopf im rustikalen Wohnzimmer bei Pils und Maggi-Suppe sitzt und Fernsehen schaut. Auf der anderen Seite der pubertierende Stimmbruch-Nerd, der mit Pickeln im Gesicht auf dem Boden seiner Single-Wohnung lümmelt, Chips und Cola in sich hineinschüttet und Katzenbilder auf Facebook teilt. Die letztgenannte Fraktion bezeichnet er auch als eine “verlorene Generation”, die diesen Zustand selbst zu verantworten hat. Den Kriegszustand zwischen beiden Parteien benennt er in US-Word-Dropping-Methode wiederum als “Clash of Civilizations” – ohne Probleme ist diese Vokabel der Politikwissenschaft auch als “Kampf der Zivilisationen” zu übersetzen.

Ich will nicht über Heveling sprechen, dem heimlichen Dschungelcamp-König der CDU, oder über seinen Ton und seine skurrilen Absichten. Sondern über sein Anliegen: den “Clash of Civilizations” – das klingt wüst, das klingt roh, das klingt unausweichlich. Zum Glück sind die Fronten ja geklärt: Die Spaltung geht mitten durch die Gesellschaft und eines Tages werden sich die zwei Gruppen mit Fackeln und Mistgabeln in den Straßen bekriegen. So zumindest lautet die Voraussagung des Ansgar-Orakels.

Genau das ist aber schon verkehrt. Dies wird kein Zweiparteienkrieg, sondern – mindestens – ein Vierparteienkrieg. Und jede Fraktion spielt dabei ihre ganz besondere Rolle und verlagert dementsprechend die Position der Scharmützel auf dem Schlachtfeld digitaler Medien. Weiterlesen

Chronologie einer Empörung: Twitter, der freiheitsraubende Zensurmeister (10 Phasen)

27. Januar 2012  |  Journalismus, Social Media  |  2 Comments


 

Phase 1: Der Empörungsreflex
“FU, Twitter!” – Die erste Reaktion auf die Ankündigung ist komplette Entrüstung, die eine Tweet- und Hashtag-Flut vor sich herschwemmt. Verlinkt wird immer wieder dieselbe Handvoll Artikel. Der Himmel verdüstert sich, am Horizont grollt der Shitstorm.

Phase 2: Der Grabreflex
Im Fahrwasser der blinden Wut finden sich immer einige kluge Köpfe, die der Sache auf den Grund gehen – allerdings mit vordefinierter These im Kopf: “Warum zensiert Twitter?” wird dabei ersetzt durch “Deshalb ist Twitter böse!” Antwort: Der Dienst buckelt vor den Saudis. Es geht um Kohle und Twitter kriegt den Hals nicht voll genug.

Phase 3: Der Medienreflex
Medien berichten über den Shitstorm. Zunächst geht es nur um möglichst blumige Deskriptoren der Fetzerei unter Nerds. Dann auch um die Sache an sich. Damit wird der Protest nobilitiert und erhält seine Legitimation. Diese Botschaft nehmen die Aufständischen mit. Weiterlesen

Mitmachweb olé: Was machen wir heute platt?

18. Dezember 2011  |  Netznews, Social Media  |  2 Comments

Hoy, da toben ja einige Diskussionen! Christian Wulff und das Weihnachtsdrama bestimmen die Schlagzeilen – hat er beschissen, hat er nicht? Man weiß es nicht. Eigentlich ist es auch egal, denn Wulff praktiziert sein Amt seit dem ersten Tag mit vornehmer Zurückhaltung, die entweder auf politisches Kalkül, Arbeitsmüdigkeit oder zu viel Ablenkung zurückzuführen ist. Seit seiner Wahl zum Bundespräsidenten hat er jedenfalls nicht viel gemacht, außer die Blumen in Schloss Bellevue zu gießen. Und heute muss man ja schon froh sein, wenn die Politiker nicht sonstigen Blödsinn anstellen.

Über den Inhalt der Aufregung will ich mich hier nicht auslassen, ein Blick in die Wulff-Kritiksparte bei Wikipedia erübrigt eigentlich jedes weitere Wort. Spannend ist aber wieder einmal die Richtung, aus der der Gegenwind kommt: aus dem Internet. “Ist Christian Wulff noch im Amt?” ist bereits scharf gestellt, die Timelines blubbern sich heiß, die Journalisten graben im Netz nach Quellen zum Skandal und in ein paar Stunden gibt es erste Rücktrittspetitionen und Anti-Wulff-Pages bei Facebook. “Wulff nähert sich der Lage, in der Guttenberg war”, stellt bereits die Welt fest. Solche Titel turnen an und es wäre nicht allzu verwunderlich, wenn Anonymous bald die Drohkeule gegen Wulff, Merkel oder – irgendwen – schwingt.

Meckern, motzen, mosern – das klappt im Web mit phantastischer Wirkung. Guttenplag hat gezeigt, dass ein Mob, der einen kühlen Kopf behält, durchaus in der Lage ist, mit chirurgischer Präzision die gerechtfertigte Demontage von Politikern voranzutreiben. Das ist gut und gesund, das ist die Transparenz, die wir Bürger und Wähler uns immer gewünscht haben. Mehr davon! Denn gegen einen gesellschaftlichen Selbstreinigungsreflex ist überhaupt nichts einzuwenden. Zumindest nicht pauschal. Aber dennoch… da gibt es ein Problem. Weiterlesen

Auf ein (wirklich) Neues: Die Deutsche Bahn auf Facebook

7. Dezember 2011  |  Social Media, Unternehmen  |  1 Comment

Nachdem die Deutsche Bahn im Juni ihren Account bei Twitter eröffnete, wird nun die nächste, konsequente Stufe gezündet: Facebook (Hintergründe). Als die Meldung vergangene Woche schon die Runde machte, schüttelten sich einige vor Misstrauen. Deutsche Bahn? Facebook? Da war doch was. Ja, da war etwas, genau genommen war es im Oktober 2010, als sich das Unternehmen – eingehüllt in harscher Kritik wegen rollender Klimakatastrophen und Stuttgart21 – beim Netzwerk anmeldete, um das “Chefticket” unter die Leute zu bringen. Ogilvy hatte seinerzeit den Lead für den Konzern übernommen und prächtig gezeigt, wie man es nicht macht. Auf Kommunikation war bei der Deutschen Bahn verblüffenderweise niemand vorbereitet, ging es doch damals einzig und alleine darum, moderne Distributionswege für Schnäppchenangebote auszuloten. Der tobende Unmut von Kunden und Medien wurde wacker ertragen, irgendwann wurde das Projekt dann sang- und klanglos eingestellt – was wahrscheinlich auch besser war. Und nun soll die Seite wieder aufleben.

Der Zeitpunkt der Neuinbetriebnahme (bewusst nicht “Wiederinbetriebnahme”, dazu später mehr) ist mutig gewählt: Am 11. Dezember steht den deutschen Bahnreisenden eine “deutliche” und “unverhältnismäßige” Fahrpreiserhöhung bevor, zudem verrät schon jetzt jeder Blick aus dem Fenster, dass auch dieser Winter seine Spuren am Schienennetz hinterlassen wird. Kritik ist also so gut wie vorprogrammiert. Und? Genau. Weiterlesen

FAQ: Vom Nutzen des Facebook Social Readers – für die Unternehmen

3. Dezember 2011  |  Social Media  |  5 Comments

Q: Was habe ich davon, den Social Reader auf Facebook zu installieren?
A: Du brauchst nach dem Lesen eines Artikels nicht “Gefällt mir” zu klicken. Dies geschieht automatisch; ob er dir gefällt oder nicht.

Q: Was hat ein Medienunternehmen wie die “Washington Post” davon, den Social Reader anzubieten?
A: Zum einen kostenlosen User-Content, der beliebig und auf unbestimmte Zeit gespeichert und unentgeltlich verwendet werden kann. Das schließt auch die weltweite Weitergabe des Contents an Dritte nicht aus. Zum anderen erhält die “Washington Post” deine Daten. Dazu zählen unter anderem: personenbezogene Daten, wie E-Mail-Adressen, Vorlieben, Interessen und abonnierte Facebook-Pages sowie Informationen über befreundete Facebook-Mitglieder. Diese Daten können nach Belieben mit weiteren Informationen verknüpft werden, die aus anderen Quellen stammen. Gespeichert werden ebenso: Der Zeitpunkt der App-Installation, welche Artikel gelesen und welche Seiten besucht und welche Links geklickt wurden, außerdem die IP-Adresse, der Browser und die Referring Websites. Die “Washington Post” darf das Tracking ohne zusätzliche Erlaubnis auch jederzeit per Cookie begleiten. Die explizit angebotene “Opt-Out”-Option besteht darin, im Browser das generelle Speichern von Cookies zu deaktivieren. Auch die Cookie-Informationen können mit anderen Daten zusammengeführt werden. Weiterlesen

Bloggen für den guten Zweck

29. November 2011  |  Social Media  |  4 Comments

Banner: DRK-Spendenaufruf zu WeihnachtenAuch im Jahr 2011 wird es einen Heiligabend geben – und damit für den einen oder anderen auch ordentlich Geschenke. Ich erzähle nichts Neues, wenn ich sage, dass nicht jeder auf der Welt einen reich gedeckten Gabentisch zu erwarten hat.

Die Deutschen verfügen über eine eingefahrene Spendenmentalität und sind auch heute noch immer dann am aktivsten, wenn sie Zeuge eines nationalen Unglücks irgendwo auf der Welt werden, das mit großer Medienresonanz bedacht wurde. Im Jahr 2008 war zudem jeder Spender älter als 60 Jahre. Doch langsam holen die Jungen auf. Laut dem Deutschen Spendenrat gaben Deutsche im vergangenen Jahr rund 2,3 Milliarden Eu­ro für wohltätige Zwecke aus (ein wenig mehr, als sich die Deutschen das Haustier Katze kosten lassen) und die Anzahl der Neuspender nimmt kontinuierlich zu.

Dabei wird oft vergessen: Es ist nicht zwangsläufig immer ein Scheck, eine Überweisung oder ein Dauerauftrag fällig, um einen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten. Ich möchte im Folgenden speziell für Blogger drei Modelle vorstellen, wie sich schon mit wenigen Handgriffen eine Menge bewegen lässt. Und es tut nicht einmal weh. Versprochen. Weiterlesen

Facebook & Frictionless Sharing: Chrome-Extension soll die Social Reader eindämmen

26. November 2011  |  Social Media  |  Kommentare deaktiviert

Geht doch. Während sich auf Facebook das Frictionless Sharing weiter und weiter in die Timelines der Mitglieder hineingräbt, wächst auch die Gruppe der Gegner. Jetzt ist erstmals eine Google Chrome Extension aufgetaucht, die das passive Sharing eindämmen soll.

Die Datenaufzeichnung im Vorbeigehen läuft bislang so ab: Im News-Stream erscheint der Hinweis, dass ein befreundeter Nutzer gerade diesen oder jenen Artikel gelesen hat. Klickt man auf den angegebenen Link, landen wir aber nicht direkt bei der Story, sondern werden gebeten, den Social Reader des jeweiligen Mediums zu installieren. Sobald dies geschehen ist, wird auch das eigene Leseverhalten protokolliert und entsprechend veröffentlicht. Wer die App nicht installieren möchte, weil er auch künftig gelesene News-Artikel nicht gleich mit allen teilen möchte, muss auf “Abbrechen” drücken. Erst dann erscheint die eigentliche News. Bei einem so umständlichen Prozedere (das jedes Mal zu absolvieren ist), ist es mehr als wahrscheinlich, dass man irgendwann doch einmal nachgibt und die App installiert. Weiterlesen

Social Media und Tech heute: So, jetzt erst einmal ein Päuschen?

23. November 2011  |  Social Media, Tech  |  1 Comment

Empfinde nur ich es so oder dreht sich die Erde wirklich langsamer? Aus den hektischen Fluktuationen der Tech-Welt ist in den vergangenen Monaten ein seichtes Wabern geworden; mittlerweile ebenso unauffällig wie uninspirierend. Es scheint, als seien alle Nischen gedeckt, der Markt an allen Enden und Ecken gesättigt: Mark Zuckerberg, Larry Page, Tim Cook genehmigen sich zuprostend den Digestif – Jeff Bezos arbeitet noch im Rauchersalon, kommt aber gleich nach. Die Karten sind verteilt, die Schäfchen sind im Trockenen – was kann jetzt noch schief gehen?

Ich vergleiche diese Phase mit der Zeit von 2008 bis 2010, als noch Rock’n'Roll im Innovationsmarkt herrschte und es noch Chancen und überraschende Wendungen gab oder zumindest geben konnte. Kommt das iPad (oder das “Apple Slate”, wie wir damals noch dachten), kommt es nicht? Wird es Navigation für Android-Smartphones geben und was sagen die Kartenanbieter dazu? Was macht Hitler im App Store? Woran arbeitet Facebook gerade (und woran StudiVZ nicht) und wird es endlich eine Blogger-Gewerkschaft geben?

Mainstream ist offenbar das Gebot der Stunde, der Geek von damals ist mittlerweile im Nerd-Chic bei Starbucks angekommen. Es ist uns eigentlich egal, was aus StudiVZ geworden ist, die Navigation ist heute im Handy integriert. Und die Blogger? – Naja, die Kiste ist auch gegessen, seitdem Trackbacks ausgestorben sind (die Essenz der Blogosphäre und des Zusammenhalts) und etablierte Medien nun locker-flockig beschriebene Seitenkanäle betreiben. Schon im Juli regte sich Gawker-Autor Adrian Chen darüber auf, dass Stories mangels echter Nachrichten in Tech-Magazinen und -Blogs erst künstlich aufgebläht und dann platt gewalzt werden: “Make it stop! This is the most boring shit ever.” Social Media-Guru Brian Solis verkündete einen Monat später das Aus von Social Media 1.0 und erinnerte daran, dass die aufkeimende Müdigkeit bei Wirtschaft und Nutzern zwangsläufig zum Normalzustand werden musste; und nun die kostbaren Verbindungen mittels Mehrwerten gepflegt werden müssten. Weiterlesen

Offizielle Facebook-Malware: Seamless Sharing bringt Blogger auf die Palme

20. November 2011  |  Social Media  |  3 Comments

Die Fraktion der Befürworter bröckelt – und zwar jetzt auch in den Staaten! US-Amerikaner sind gut darin, Innovationen in Dingen zu sehen, vor denen die Alte Welt zunächst zurückschreckt. So war es auch kein Wunder, dass unzählige Blogger und IT-Channels aus den Staaten applaudierten, als Facebook im September das “Frictionless Sharing” vorstellte – eine Funktion, die den Like-Button praktisch überflüssig macht, da Inhalte künftig rein automatisch geteilt werden sollen. In Deutschland erzitterte seinerzeit kurz das Web; das Thema Datenschutz sitzt uns allen seit Monaten in den Knochen.

Doch nun beginnt das Roll-Out des Features im Netzwerk und man kann ein deutliches Umdenken bei den Innovationsanhängern feststellen. Sowohl Cnet als auch ReadWriteWeb teilen erstmals Prügel Richtung Facebook aus. Ein paar O-Töne:

  • “Facebook’s Open Graph scheme is totally ruining sharing.”
  • “Violation of reasonable user expectations.”
  • “It is hijacking of your navigation.”
  • “Facebook is acting like malware.”
  • “I’m afraid to click any links on Facebook these days.”
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