Das Leistungsschutzrecht im Allgemeinen und die teutonische Seifenblase im Besonderen

29. August 2012  |  Journalismus, Netznews, Tech  |  3 Comments

Da haben sie also den Beschluss zum Beschluss beschlossen. “Sie”, das sind zum einen der ultrakonservative schwarze Block der Jammerlappen und zum anderen die liberale Chaostruppe, von der man einen solch wirtschaftsfeindlichen Vorschlag zunächst nicht erwartet hätte. Doch die politische Kurzsichtigkeit des Leistungsschutzrechts reicht eben nur bis zum 15. September 2013 – dem Termin der nächsten Bundestagswahl – und wer Hoteliers mit Lobbygeschenken beglückt, kneift auch mal ein Auge zu, wenn es darum geht, die deutsche Presselandschaft wohlwollend zu stimmen.

Während deutsche Journalisten das Vorhaben mit immer demselben Passus wie beiläufig beschreiben (man spricht von dem “umstrittenen Gesetz”, das “auf den Weg” gebracht wurde), reiben sich ausländische Beobachter wieder einmal die Augen über den teutonischen Alleingang. Deutschland, das ist der innovationsfeindliche EU-Riese, irgendwo zwischen den Alpen und einem Meer, dessen Namen man nicht kennt. Deutschland ist das Land, für das Google speziell Milchglasscheiben (Google StreetView) herstellen musste. Für das Google Analytics extra angepasst wurde. Das Land, das tatsächlich das Betreiben einer Fanpage unter Strafe stellt. Das Land, in dem die Nutzer bis heute bei YouTube nur “Das tut uns leid…” zu sehen bekommen. Die Deutschen bauen tolle Autos – aber, Mann: die verfluchen bis heute noch den Tag, an dem der erste Rechner an das Netz angeschlossen wurde. Weiterlesen

Google I/O: Alle Videos von Googles Entwicklerkonferenz

27. Juni 2012  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  Kommentare deaktiviert

Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 12 hat die Suchmaschine ein Füllhorn an neuen (und bekannten) Innovationen ausgeschüttet. Ebenso zahlreich sind die Videos, die Google im Minutenabstand vom Stapel ließ. Im Folgenden die Sammlung aktueller I/O-Videos von den YouTube-Kanälen The Google Channel, Google Developers, Google Nexus und Google Mobile.

 

Google I/O 2012 Keynote (die komplette Keynote)


Das Video ist mal “öffentlich”, mal “privat”. Offenbar feilt Google noch an den Feinheiten.

 

Fast & Smooth – Android 4.1, Jelly Bean


So in Jelly Bean, we put a lot of effort into making devices feel fast, fluid and smooth. This is what we call Project Butter.
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iPads in Klassenzimmern: “Time to turn the Page”

19. Januar 2012  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  1 Comment

There is no reason to assume today that kids need to use the same tools they used in 1950. To do so is to prepare them for a world that’s already passed. – Phil Schiller

Hoffentlich habe ich niemanden vergessen, doch es dürften drei Parteien sein, die nach der heutigen Apple-Ankündigung einen geknickten Eindruck machen: Zum einen Print-on-Demand-Anbieter, zum anderen Unternehmen, die sich auf die Gestaltung von E-Books spezialisiert haben. Und dann all diejenigen der Buchbranche, die dem Innovationsdruck bislang tapfer die Stirn geboten haben.

Holz ist ein wissenschaftlicher Baustoff aus einer verklärten Vergangenheit – um nichts Geringeres als diese Botschaft ging es heute, als Phil Schiller die drei Education-Produkte iBooks2, iBooks Author und die iTunes U-App vorstellte. Steve Jobs war der Bildungssektor nach eigenem Bekunden immer eine Herzensangelegenheit (wer die Biographie gelesen hat, erinnert sich an die bewegenden Worte der letzten Tage) und auch Apple hatte das dritte Standbein – neben “Consumer” und “Professionals” – nie richtig aus den Augen verloren. Nicht zuletzt beginnt Kundenbindung heutzutage immer früher: einmal Apple, immer Apple. Weiterlesen

Auf der Suche nach dem deutschen Silicon Valley (oder auch nicht)

1. Dezember 2011  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  7 Comments

Ich will keine innovative deutsche Stadt, ich will ein innovationsfreudiges Land. Und ich bin ein ziemlich gebranntes Kind, was Berlin angeht. Als eine Zeitung mich kürzlich bat, ein Tremolo auf den Norden zu halten, kramte ich in meiner Erinnerungskiste:

Berlin, das ich aufgrund einer Fernbeziehung häufig besuchen musste, tat das Übrige, als ich eines abends vor dem schäbigen Hauptgebäude des Schönefelder Flughafens stand und ein Taxi suchte: „Entschuldigen Sie, sind Sie frei?“ fragte ich höflich einen der Fahrer, die abseits der Wagen gemeinsam rauchten und lachten. „Ne, ick bin verheiratet. Kann dich jetzte abba trotzdem mitnehm’n.“

Das ist Berlin. Distinguierte Ignoranz (Hamburg) ist qualitativ etwas anderes als rohe Rotzigkeit (Berlin); doch emotionale Befindlichkeiten sollen hier keine Rolle spielen. Aber unter uns: Ich mag das Selbstbild der Berliner nicht sonderlich, wobei es ja kaum noch Berliner gibt, sondern vielmehr Zugereiste, Hängengebliebene und jede Menge Studenten, daher handelt es sich eher um einen Lokalpatriotismus im Vorbeigehen. Es scheint, dass heutzutage jeder als Berliner gilt, der “im Prenzlauer Berg” und nicht “auf dem Prenzlauer Berg” sagen kann, während er sich über die S-Bahn aufregt und den schlechten Handy-Empfang beklagt. Schon in diesem Moment wächst offenbar schlagartig das Hauptstädtische in einem heran und rechtfertigt die beiden Optionen “die da” und “wir”. Denn andere Alternativen spielen in der Branche keine Rolle mehr.

Ich komme auf das Thema, weil mich mit steigender Frequenz Pressemitteilung erreichen, in denen ehemals verzweifelte PRler die krampfhafte Berlin-Synonymsuche (gern genommen wurden bislang: “Hauptstadt”, “Weltstadt”, “Hauptregierungssitz” oder das völlig verdrehte “Spree-Athen” – in diesen Tagen kein Kompliment) abkürzen und daraus ein “Silicon Valley Europas” machen. Das Deutschlandradio hat noch mehr Begriffe im Programm und zitiert: “Die neue Internet-Hauptstadt”, “Neue Heimat der Internet-Generation” und “Europe’s hottest startup capital”. Weiterlesen

Social Media und Tech heute: So, jetzt erst einmal ein Päuschen?

23. November 2011  |  Social Media, Tech  |  1 Comment

Empfinde nur ich es so oder dreht sich die Erde wirklich langsamer? Aus den hektischen Fluktuationen der Tech-Welt ist in den vergangenen Monaten ein seichtes Wabern geworden; mittlerweile ebenso unauffällig wie uninspirierend. Es scheint, als seien alle Nischen gedeckt, der Markt an allen Enden und Ecken gesättigt: Mark Zuckerberg, Larry Page, Tim Cook genehmigen sich zuprostend den Digestif – Jeff Bezos arbeitet noch im Rauchersalon, kommt aber gleich nach. Die Karten sind verteilt, die Schäfchen sind im Trockenen – was kann jetzt noch schief gehen?

Ich vergleiche diese Phase mit der Zeit von 2008 bis 2010, als noch Rock’n'Roll im Innovationsmarkt herrschte und es noch Chancen und überraschende Wendungen gab oder zumindest geben konnte. Kommt das iPad (oder das “Apple Slate”, wie wir damals noch dachten), kommt es nicht? Wird es Navigation für Android-Smartphones geben und was sagen die Kartenanbieter dazu? Was macht Hitler im App Store? Woran arbeitet Facebook gerade (und woran StudiVZ nicht) und wird es endlich eine Blogger-Gewerkschaft geben?

Mainstream ist offenbar das Gebot der Stunde, der Geek von damals ist mittlerweile im Nerd-Chic bei Starbucks angekommen. Es ist uns eigentlich egal, was aus StudiVZ geworden ist, die Navigation ist heute im Handy integriert. Und die Blogger? – Naja, die Kiste ist auch gegessen, seitdem Trackbacks ausgestorben sind (die Essenz der Blogosphäre und des Zusammenhalts) und etablierte Medien nun locker-flockig beschriebene Seitenkanäle betreiben. Schon im Juli regte sich Gawker-Autor Adrian Chen darüber auf, dass Stories mangels echter Nachrichten in Tech-Magazinen und -Blogs erst künstlich aufgebläht und dann platt gewalzt werden: “Make it stop! This is the most boring shit ever.” Social Media-Guru Brian Solis verkündete einen Monat später das Aus von Social Media 1.0 und erinnerte daran, dass die aufkeimende Müdigkeit bei Wirtschaft und Nutzern zwangsläufig zum Normalzustand werden musste; und nun die kostbaren Verbindungen mittels Mehrwerten gepflegt werden müssten. Weiterlesen

Web 3.0: Das Social Web als Brückentechnologie

5. November 2011  |  Social Media, Tech, Wissenschaft  |  9 Comments


Irgendwann explodierte das Internet. Nicht über Nacht, aber dennoch plötzlich. Im Jahr 2000 betrug der globale Netz-Traffic 75 Petabyte im Monat; nach knapp zehn Jahren wurde die Grenze von 15.000 Petabyte geknackt. Im Jahr 2009 wurden 247 Milliarden E-Mails versendet – pro Tag.

Schon früh blieben redaktionell begleitete Seitenverzeichnisse (wie Yahoo!) auf der Strecke, noch zur Jahrtausendwende schrieb ich als Student für einige Verlage, die mit wackeren Durchhalteparolen an den “Gelben Seiten” für das Internet festhalten wollten (teilweise mit abgedruckten Screenshots). Wenige Monate nach dem Dotcom-Desaster ging einer nach dem anderen Bankrott. Das Internet entwickelte sich rasend schnell zu einem gigantischen Zettelkatalog, dessen Schubladen sich schon lange nicht mehr mit Leitern erreichen lassen. Wir haben ein System erschaffen, in dem sich Daten wesentlich schneller kreieren als gescheit ablegen lassen. Google übernahm das Ruder und versuchte mit ausgeklügelten Algorithmen der Datenflut Herr zu werden: doch Linkfarms und andere SEO-Ablenkungen, anachronistische Ergebnisse und andere Irrelevanzen füllten schnell den Index. Wer heute nach “http” googelt, erhält “ungefähr 25.270.000.000 Ergebnisse”. Jeder Tweet, jedes Twitpic, jedes öffentliche Status-Update auf Google Plus und Facebook fügt eine neue Seite hinzu. Immer mehr Maschinen lernen und kommunizieren über das Netz (“Internet der Dinge”) und hinterlassen breite Datenspuren.

Gibt es Orientierung? Kaum. Die Suchmaschinen, die heute zu den Global Players gehören, sind plump und dumm, da sie allesamt lediglich Keyword-Ableichungen im Datenchaos vornehmen. Wie das Universum dehnt sich auch das Internet von Sekunde zu Sekunde weiter aus – von einer Nadelsuche im endlichen Heuhaufen zu sprechen, wäre also vermessen. Weiterlesen

Ländertrojaner: Microsoft wurde vom Staat vorgeführt

11. Oktober 2011  |  Tech, Unternehmen  |  17 Comments

Die Meldungen sind ebenso zahlreich wie erschütternd: Je mehr in Sachen Staatstrojaner gebohrt wird, desto mehr schmutzige Details geraten an das Tageslicht. Fefe spricht bereits von einem “Länderdomino“, bei dem ein Bundesland nach dem anderen zugibt, den rechtlich wie moralisch höchst zweifelhaften Schnüffelcode auf fremde Rechner geschleust zu haben (zum Teil aus recht fragwürdigen Gründen). Die nationalen Medienreaktionen sind angemessen heftig, das internationale Feedback ist ebenfalls üppig und beherbergt zudem viel Häme. Nicht erst seit dem Facebook-Verbot in Schleswig-Holstein (CNN) lacht die globale Internetgemeinde über den Digital-Deppen Deutschland. Na, wenn das nicht Investitionsgelder ins Land lockt.

Bislang sind in der Trojaner-Affäre alle Parteien mehr oder minder verstört zu Wort gekommen. Der CCC brachte den Stein ins Rollen und die Sprecher der Länderbehörden sind öffentlich damit beschäftigt, irgendeinen Schuldigen zu finden. Die Virenjäger schlagen Alarm und selbst DigiTask, die Entwicklerschmiede für staatliche Spionagesoftware, durfte sich schon verteidigen und den Schwarzen Peter den Auftraggebern zuschieben. Jedoch habe ich heute eine Stimme vermisst. Weiterlesen

Danke: Das Erbe von Steve Jobs

9. Oktober 2011  |  Tech, Unternehmen  |  8 Comments

Auf Apple.com steht noch immer Steve Jobs’ Todesanzeige. Wer sich die schwarz-weisse Portraitaufnahme des ehemaligen Apple-Chefs genauer ansieht, wird feststellen, dass das Bild mit “t_hero.png” betitelt ist. War Steve Jobs ein Held? Für viele bei Apple sicherlich. Bestimmt unterschreiben auch viele Branchenkollegen diese Nobilitierung.

Als ich noch mit den Kollegen auf Basic Thinking schrieb, nannten mich einige Nutzer “Apple-André”. Wir waren “Apple André” und “Microsoft Marek” und wir ergänzten uns wunderbar. Ich glaube, wir hatten unseren Ruf als oppositionelles Harmonieteam weg. Ich mochte und mag Apple – Hardware, Software, das Design. Als ich vom Tod von Steve Jobs erfuhr, stieg für kurze Zeit mein Puls an. Dann dachte ich aber an Foxconn und die vielen Tausend Arbeiter, die dort Geräte schrauben, wenig verdienen und aus Verzweiflung von den Dächern der Wohnsiedlungen springen. Jobs war brillant, kreativ, durchsetzungsstark und visionär. Er war aber kein Held. Vielleicht trug seine Besessenheit dazu bei, dass er keine philanthropischen Anflüge hatte, wie wir es von seinem ehemaligen Kollegen Bill Gates her kennen. Vielleicht war er auch nur ein ausgebuffter Business-Mann. Man weiß es nicht.

Doch abseits dieser moralischen Betrachtung hat die Welt Steve Jobs einiges zu verdanken. Ich habe im Folgenden drei Phänomene notiert, die ich mir aus der Ära Jobs hinübergerettet habe. Drei Dinge, die mich persönlich beeindruckt haben und ein wenig von dem Einfluss zeigen, die Jobs nicht nur auf unsere Generation hat, sondern auch auf die kommenden haben wird. Weiterlesen

Erklärvideomaschine Qwiki steigt ins News-Geschäft ein

20. August 2011  |  Journalismus, Tech  |  2 Comments

Vor ungefähr einem Monat hatte die visuelle Erklärmaschine Qwiki damit begonnen, Job-Ausschreibungen für “News-Ninjas” im Netz zu streuen. Gesucht wurden und werden Freelancer mit Textsicherheit und einem Gespür für Story-Telling. Das Job-Angebot überraschte, bisher hatte sich Qwiki darauf beschränkt, statische Informationen von Wikipedia – flankiert mit Elementen von Google Maps und der Google Bildersuche – zu aggregieren und in Clip-Form aufzubereiten.

Was mich jedoch wirklich überrascht, ist die Geschwindigkeit, mit der Qwiki die neue News-Funktion nun in die Plattform integriert hat. Seit Ende der Woche liefert Qwiki tagesaktuelle Berichterstattung. Die Clips sind nur wenige Minuten lang und werden tatsächlich redaktionell zusammengestellt. Die visuellen Eindrücke speisen sich aus den bisherigen Kanälen, hinzugekommen sind allerdings auch stummgeschaltete Clips von Content-Lieferanten wie BBC oder Euronews. Die Berichterstattung umfasst die Ressorts International, US, Business, Technology und Entertainment. Weiterlesen

Apple vs. Samsung: Faules Beweisbild in der Einstweiligen Verfügung?

15. August 2011  |  Tech, Unternehmen  |  Kommentare deaktiviert

Wenn es Übernahmen, Produktentwicklungen oder Abmahnungen gibt, stöbere ich ja immer gerne in den Original-Unterlagen, sofern sie verfügbar sind. Doch auf dieses pikante Detail bin ich erst durch das niederländische Apple-Blog WebWereld (Translate-Link) aufmerksam geworden.

Es dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben, dass sich der Innovationskampf der Hard- und Software-Giganten vom heimischen Labor langsam in die internationalen Gerichtsgebäude verlegt: Apple mahnt so unter anderem Samsung und Motorola ab, da – so das Argument – die Konkurrenz-Tablets ein frecher Abklatsch des iPad 2 seien. Die Richter können entscheiden, wie sie wollen: Natürlich sind die Tablets der neuen Generation – wenn nicht vom iPad abgeguckt – so aber doch vom Apple-Rechner inspiriert. Man sollte da die Zügel aber locker lassen, gerade Apple hat sich ja nicht nur am Design-Fundus eines großen deutschen Elektrounternehmens immer wieder bedient – und tut es noch heute. Weiterlesen

Apple iCloud: Wie die Wolke den Nutzern in die Taschen greift

6. Juni 2011  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  11 Comments

Herrlich, Apple. Du hast es geschafft, auf einen Schlag wirklich jedes Unternehmen, das auch nur im Entferntesten etwas mit mobile Computing zu tun hat, eine Nackenklatsche zu verpassen. High Five!

Apple hat soeben seine diesjährige Worldwide Developers Conference (WWDC) hinter sich gebracht. Und obwohl das iPhone 5 weiter auf sich warten lassen muss, hatte die Veranstaltung doch genug Zündstoff, um – wieder einmal – die Branche in Aufruhr zu versetzen. Größtes Kapitel der Keynote (Mitschnitt) war die Einführung der iCloud, Apples Antwort auf offenbar schwindende Ressourcen im lokalen Speicher mobiler Endgeräte. Was wir bereits jetzt festhalten können: 8 GB, 16, GB, 32 GB und 64 GB – eine größere Speichergeneration wird es im iOS-Universum auf absehbare Zeit nicht geben. Der Platz sei ausreichend, so Steve Jobs.

Ausnahmslos alles soll in die Cloud verlegt werden: Fotos, Musik, Videos, Apps, iWork-Dokumente, Bücher, Kalendereinträge – alle Formen digitaler Inhalte, die man sich vorstellen kann, werden kurz nach ihrer Erstellung vaporisiert und in die Wolke geschossen; nicht selten soll dies automatisch passieren (etwa bei gerade geknipsten Fotos). Der neue Push-Dienst, der die SMS ablösen soll und mit dem sich Bilder und Videos verschicken lassen, greift auf WLAN und UMTS zurück. Die Firmware wird Over The Air aktualisiert. Apple ruft damit auch die “Post-PC-Ära” aus, die Einrichtung “Synchronisation” ist ein Relikt der Vergangenheit: “Diese Geräte standing in Sync zu halten, macht uns wahnsinnig”, so Jobs. Und wie Recht er damit hat. Weiterlesen

Mashup-Schleuder YouTube setzt ab sofort auf Creative Commons

2. Juni 2011  |  Social Media, Tech  |  Kommentare deaktiviert

Die einen rufen “Dreister Content-Raub!”, die anderen entgegnen: “Was ist euer Problem, es sind Mashups?!” Das Web 2.0 wurde möglich, weil zum einen die Technologie einfacher und zum anderen erschwinglicher wurde. Damit einhergehend fielen die Hürden des allgemeinen Kopiervorgangs: Beinahe jeder Inhalt ist nur einen Klick entfernt, ein weiterer genügt, um ihm meinen eigenen Stempel aufzudrücken.

YouTube ist heute wohl die größte Mashup-Schleuder im Netz. Die großen Lizenzstreitereien mit Filmverleihern und Musiklabels wurden bis dato hinter den Kulissen geführt, Google reagiert eigentlich nur, wenn das Big Business an die Tür klopft. Der gemeine Clip-Zapper schaut in die Röhre – oder eben nicht selten in Embed-Kästen, in denen sein eigenes Video läuft, dekoriert mit den Namen fremder “Autoren”. Damit will YouTube nun endlich Schluss machen. Weiterlesen

Radikal sozial: Bing demokratisiert mit Facebook das Ranking

15. Mai 2011  |  Social Media, Tech  |  2 Comments

Die Story ist ziemlich frisch, wenn ich es recht überblicke, ist in erster Linie AdAge an die Exklusiv-Informationen herangekommen. Demnach wird Microsoft am kommenden Dienstag die Suchmaschine Bing in ein soziales Recommendation-Karussell verwandeln – ein radikales Make-Over, das Facebook-Nutzern heimelige Gefühle und unseren Datenschützern schlaflose Nächte geben dürfte.

Microsoft hatte schon im vergangenen Oktober “Bing Social” angekündigt, seitdem ist allerdings auf der Oberfläche noch ziemlich wenig passiert. Am Dienstag ist es also soweit: Eingeloggten Facebook-Nutzern werden in den Suchergebnissen die Tipps ihrer Freunde angezeigt. Wer nach einem netten “Café” sucht, bekommt so in erster Linie Locations vorgeschlagen, die von Bekannten zuvor mit “Gefällt mir” geadelt wurden. Das soziale Ranking bezieht sich nicht nur auf Orte, sondern auch auf Nachrichten, Rezepte, Filme, Musik – eigentlich auf das halbe Internet. Sollte der Fall eintreffen, dass keiner der Facebook-Freunde zu einem bestimmten Suchbegriff ein “Like” abgegeben hat, zieht Bing die kollektive Facebook-Community zu Rate. Weiterlesen

“Locationgate”: Wie sich Apple aus der Affäre heuchelt

27. April 2011  |  Netznews, Tech  |  5 Comments

Apple hat reinen Tisch gemacht. Zumindest gab sich Cupertino am Mittwoch den Anschein, für Klarheit in der Sache zu sorgen, die mittlerweile unter der landläufigen Bezeichnung “Locationgate” lanciert wird. Es habe sich um einen dummen Software-Fehler gehandelt – nein, eigentlich und genau genommen stecke der Fehler nicht im System, sondern vielmehr in den Köpfen der Kunden, die offenbar bis heute nicht kapiert hätten, wie ein iPhone funktioniert. Sie seien einfach “verwirrt”. Immerhin gesteht der Konzern beiläufig (dafür aber voller Güte) einen Fehler ein: Man habe sich nicht genug Mühe bei der “Education” – der Aufklärung – der Nutzer gegeben.

Was für eine groteske Scharade! Apple ist mit heruntergelassenen Hosen erwischt worden und erklärt uns nun, dass man sich lediglich am Knie kratzen wollte? Wie immer die Erklärungen durch die Cupertino-PR formuliert wurden: Erstens bleibt es dabei, dass Apple die groben Aufenthaltsorte der iPhone-Nutzer protokolliert. Zweitens bleibt es dabei, dass diese sensiblen Daten unverschlüsselt im Speicher des Handys geparkt wurden. Und Drittens ist weiterhin unklar, was genau mit diesen Daten passiert und in welcher Form sie anderen Parteien zur Verfügung gestellt werden. Weiterlesen

iOS-Bewegungsprofile: Apple privatisiert die Vorratsdatenspeicherung

20. April 2011  |  Tech  |  Kommentare deaktiviert

Vor einigen Wochen hatte Zeit Online, das aufrüttelnde Stück “Das verräterische Handy” gebracht. Mittels der von der Telekom (auf juristischem Geheiß hin) minutiös protokollierten Vorratsdaten war es gelungen, das Leben des Grünenpolitikers Malte Spitz nachzuzeichnen: Wo steckte Malte zwischen den Jahren 2009 und 2010, wohin reiste er, wen rief er an und wie oft versendete er SMS?

Die Visualisierung des Bewegungsprofils war so detailliert, so unheimlich ausführlich, dass es den Lesern kalt den Rücken herunterlief. Auch die New York Times empörte sich und betonte dem US-Publikum gegenüber:

Mr. Spitz has provided a rare glimpse — an unprecedented one, privacy experts say — of what is being collected as we walk around with our phones. Unlike many online services and Web sites that must send “cookies” to a user’s computer to try to link its traffic to a specific person, cellphone companies simply have to sit back and hit “record.”

Die Protokollierung folgt hierzulande wie auch in den USA den gesetzlichen Geboten, man denkt und hofft: “Okay, solange ich kein Selbstmordattentat plane, Konvertit werde oder Frau Merkel ein böses Gedicht schreibe, bleibt das schon alles unter Verschluss.” Wie viel an dieser Annahme dran ist, kann keiner von uns sagen. Ausnahmslos alle Regungen im digitalen Leben werden getrackt – wann oder wo ein Staatsanwalt Einsicht in die Daten fordert, bleibt im Dunkeln verborgen. Weiterlesen

Das Internet-Volk der Barbaren oder: Was Beckedahl-Hasser jetzt tun sollten

15. April 2011  |  Social Media, Tech  |  4 Comments

Ich hatte die Nachricht gelesen, dann ging die Website online und ich notierte die Uhrzeit: 11.21 Uhr. Es würden vier bis fünf Sekunden bis zur Twitter-Lawine vergehen, rund eine bis zwei Stunden bis zur ersten Agenturmeldung, bis schließlich am Nachmittag die ersten Blog-Posts auftauchen würden – weniger als sonst, denn schließlich befand sich zu der Zeit der bundesrepublikanische Blog-Korpus in Berlin, nippte an Club Mate-Flaschen und lauschte gespannt in die Dunkelheit. In Zeiten kollektiver Hysterie, die schon per Definition eine gewissen Orientierungslosigkeit beinhaltet, ist vorsorgliche Sympathie das beste Rezept: Mein Gott, was wurde die Geburtsstunde der “Digitalen Gesellschaft” gefeiert!

Es vergingen keine 48 Stunden, bis alles im Arsch war. Auch das ist Bestandteil des immerwährenden Rhythmus des deutschen Internets. Den Anfang machten wie stets die “Etablierten”, die amüsiert abwartend aus der Ferne berichteten, wie sich die “Community” das nächste Grab aushob: “Jetzt guck mal einer schau!”, lautete der im gewohnt mondänen Ton vorgetragene Analysereport. “Ein neues Spielzeug für die Alphablogger und Twitterkönige (“Spiegel Online”)!” Dabei braucht es gar nicht die Hebelwirkung der Journalisten, um die ständige Selbstdemontage voranzutreiben. Das können wir – wir Blogger – nämlich viel besser erledigen.

Schon vor einiger Zeit hatte ich geschrieben, dass die einzigen drei Momente, die in der Lage sind, Bewegung in die deutsche Blogosphäre zu bringen, Neid, Furcht und Geld sind – und warum sollte es dieses Mal anders sein? Weil es um etwas Höheres geht? Weil es nun ums Ganze geht? Gar um die radikalste Zäsur im Miteinander der Offline- und Online-Welt? Ha. Haha. Weiterlesen

Newshype: Rivva-Nachfolger mit (noch?) einigen Schwächen

10. April 2011  |  Social Media, Tech  |  2 Comments

Anfang Februar wurde der zentrale Knotenpunkt der deutschen Blogosphäre dichtgemacht. Tatsächlich war Rivva als piekfeiner News-Aggregator seit 2007 der rettende Anker in der Informationsflut gewesen – nicht nur für Blogleser, sondern später auch für alle Teilnehmer im sich immer weiter ausdehnenden sozialen Netz. Einige reagierten wütend, als Frank Westphal nach wiederholten Warnschüssen verkündete, dass ihm die Puste ausginge. In meinen Augen verdient der Mann aber keine Schelte für den Ausstieg – sondern vielmehr ein Lob für seine immerhin einige Jahre währende zeit- und geldraubende Hassliebe, die Rivva erst ermöglichte und uns damit (immerhin für einige Jahre) einen zuverlässigen Navigator zur Seite stellte. Seit drei Monaten ist Deutschland Blogosphäre also führungslos, man wurschtelt sich so durch, durch die Tweets und Feeds – und nicht nur ich beklage den mangelnden Überblick. Rivva hatte uns stets auf einfachste Weise angezeigt, wo gerade der Super-Buzz stattfand: Welcher Blogpost wird jetzt in diesem Moment gehypt, retweetet, zitiert, ausgewertet, analysiert, verrissen?

“Zeit für was Neues”, müssen sich da die beiden Jungs (?) Jannis und Pell (? – verzeih, der Name war leider unleserlich) gedacht haben. Die beiden waren bisher Betreiber von Netzfeuilleton, einem Blog mit der bedeutungsschweren Unterzeile “Medien, Meinung, Kultur”. Seit diesem Wochenende ist ihr zweites Projekt online, Newshype, das offiziell keinen geringeren Anspruch verfolgt, als ein legitimer Ersatz für Rivva zu werden. Ich zitiere aus der Ankündigung: Weiterlesen

Mikrokosmos Twitter: Warum Kampagnen für ein Nischenpublikum?

28. Februar 2011  |  Social Media, Tech, Unternehmen  |  6 Comments


4,5 Milliarden US-Dollar – nicht schlecht. Die neue Bewertung von Twitter, die indirekt durch den Einstieg von JPMorgan Chase vorgenommen wurde, war schon eine kleine Überraschung. Vielleicht rückt es aber auch die Dimensionen zurecht, immerhin nimmt Facebook für sich in Anspruch, insgesamt 60 Milliarden Dollar schwer zu sein.

Doch was heißt das überhaupt: etwas “wert” zu sein? Welchen Maßstab legt man an, um Zahlen wie diese bei einem sozialen Netzwerk zu ermitteln? Antwort: es geht um die potenzielle Reichweite. Facebook verfügt heute weltweit über rund 600 Millionen Mitglieder, Twitter kommt auf 200 Millionen registrierte Konten – wie viele von ihnen aktiv betrieben werden, lässt das Unternehmen jedoch offen. Beeindruckende Zahlen, doch setzen wir beide einmal am Beispiel USA ins Verhältnis: Laut eMarketer erreicht Facebook heute fast 60 Prozent aller Amerikaner, die über einen Internetanschluss verfügen. Und Twitter? Hier sind es gerade einmal 11 Prozent. Das ist eigentlich eine verschwindend geringe Masse an Nutzern, für die eigens Social Media-Kampagnen gebastelt werden. Weiterlesen

So sieht das neue Blog der Deutschen Telekom aus / Interview

24. Februar 2011  |  Social Media, Tech, Unternehmen  |  7 Comments

“Was, schon wieder?” – “Ja, schon wieder.” Ich habe mich auch zunächst gewundert, als ich erfuhr, dass die Deutsche Telekom ein weiteres Blog aus dem Hut zaubern will. Das Unternehmen ist heute mit mehreren Fachblogs am Start – bereits ein reichlich bunter Content-Strauß, der ein wenig die orientierungsstiftende Mitte vermissen lässt. Doch genau aus diesem Grund hat man sich nun dazu entschlossen, ein zentrales Corporate-Blog auf die Beine zu stellen, das alle Social Media-Aktivitäten des Konzerns bündeln soll. Die derzeitige Adresse lautet: http://blogs.telekom.com

Der Startschuss für Blog.Telekom soll am Montag pünktlich zur CeBit gegeben werden, ich habe allerdings schon einmal Gelegenheit bekommen, einen ausführlichen Blick auf die Seite zu werfen und wollte ein paar Eindrücke mitteilen.

Das Design

Zunächst fällt das stripped-down, dreispaltige Layout ins Auge, das ein völliges Kontrastprogramm zum bekannten Blog Die-neue-Telekom.com bildet. Der Vorgänger war ein Übergangsprojekt, das den Konzern-Umbau begleiten sollte, und gleichzeitig ein Flash-Monster, dessen Designanspruch hin und wieder auf Kosten der Usability und Lesbarkeit ging (mehr darüber hatte ich auf Basic Thinking geschrieben). Die-neue-Telekom.com soll im Übrigen zunächst abgelöst und dann aufgelöst werden, wobei der Content dann auf die Telekom.com-Seite wandert, sobald auch dort der Relaunch vollzogen ist. Weiterlesen