Das Schweigen der Deutschen Telekom

2. Mai 2013  |  Social Media, Unternehmen  |  8 Comments

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Schade. Echt schade. Da war man mal wer, jemand, zu dem die anderen aufsahen, der um Rat gebeten wurde und selbst in der Community ein gewisses Ansehen angesichts der augenscheinlichen Innovationsfreude genoss – und jetzt ist alles im Arsch. Ich will mich an dieser Stelle gar nicht mehr mit dem Gegenstand “Telekom vs. Netzneutralität” auseinandersetzen. Das haben andere getan und tun es noch, denn es ist wichtig, die Protestflamme am Lodern zu halten. Viel lieber möchte ich mich der Kommunikation des Konzerns widmen, der seit der Bekanntgabe der Drosselpläne am 22. April 2013 in der schwarzen Versenkung verschwunden ist. Die Deutsche Telekom schweigt. Weiterlesen

Die Flatrate-Optionen der Deutschen Telekom (2016)

23. April 2013  |  Netznews, Unternehmen  |  12 Comments

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Die Deutsche Telekom macht’s vor: so geht das Häppchennetz von morgen. Der Abschied von der Flat (die schon bislang nie eine Flatrate war, sondern immer ein „bis zu“-Angebot) bedeutet über kurz oder lang auch den Abschied vom Internet, so wie wir es kennen. Pauschal war einmal, aus dem All-you-can-eat wird das À la carte, bei dem Nutzer künftig selbst entscheiden müssen, welche Dienste sie beanspruchen wollen und wie viel sie bereit sind, dafür zu zahlen. Das gab es schon einmal; 1996, als es bei T-Online noch zehn Pfennig kostete, eine E-Mail zu versenden. Weiterlesen

Alles, was Sie über die neue Facebook-Miniaturkampagne der Deutschen Bahn wissen müssen

8. August 2012  |  Social Media, Unternehmen  |  7 Comments

Es klang vielversprechend, als die Einladung der Deutschen Bahn AG kam. Angeboten wurde ein Treffen in illustrer Hamburger Runde, bei dem der Status Quo der bisherigen Social Media-Aktivitäten der Deutschen Bahn (mehr darüber) und des Deutsche Bahn Konzerns besprochen werden sollte. Außerdem wurde eine Überraschung angekündigt: eine neue Kampagne mit dem Namen “Die Welt der DB”, bei der es um die “Entdigitalisierung” der Unternehmens-Fanpage und das “echte Leben” gehen sollte.

Der Hintergrund ist schnell erklärt: Die Deutsche Bahn hat als Unternehmen ein Problem. Für viele Kunden und potentielle Arbeitnehmer ist der Konzern ein intransparenter Klotz. Wenn die Bahn in den Medien erscheint, dann eben mit den Themen “Preiserhöhung”, “Verspätung” und “Klimaanlagen” – dass der Laden seinen eigenen Strom für den Betrieb des Tagesgeschäfts produziert und die eine oder andere weitere Innovation vom Stapel lässt, kippt da häufig in den Hintergrund. Und es interessiert auch wirklich keinen Otto-Normal-Bahnreisenden. Wie kann man also die Bahn für Interessierte öffnen?

Die Lösung des Konzerns hat viele Anwesende am Tisch irritiert: eine Bahn-Miniaturwelt! Ab dem 15. August werden Nutzer einen Monat lang angehalten, Ideen für eine winzige DB-Landschaft einzureichen, die im Berliner Loxx (ein Miniaturland) realisiert werden soll. Unter dem Motto “Unterhaltung, Kommunikation, Kreativität” sollen alle Interessierte Vorschläge abgeben, wie Bauprojekte, Szenen oder DB-Details in Klitzeklein abgebildet werden können. Das Unternehmen filmt die Arbeiten, strahlt Making-Of-Videos aus und postet regelmäßig Bilder über den Fortschritt. Weiterlesen

Social Media 2012: Wie die USA den Europäern mit Anlauf in den Arsch treten

12. Juli 2012  |  Social Media, Unternehmen  |  41 Comments

“Europa ist ganz gut in Mobile. Alles andere können wir besser.”
- Scott Galloway (NYU Business School, Founder of L2 ThinkTank)

Die Headline ist natürlich ebenso bildlich wie übertrieben. In Wahrheit gibt es keinen wütenden Anlauf, sondern einen seichten, angedeuteten Sprint, bei dem niemand wirklich aus der Puste kommt. Doch am Ende steht die Tatsache, dass die gute, alte Welt nun einmal das ist, was sie ist: eine alte Welt.

Auf der diesjährigen SMICS Conference (hier das Fotoalbum) haben die Amerikaner gezeigt, was wir bislang erst in der Glaskugel bestaunen durften – nämlich die Realität. Die Digitalisierung der Gesellschaft ist in den meisten US-Köpfen soweit vollzogen und abgeschlossen, was nun folgt, sind Visionen von Möglichkeiten, Träumereien oder Spinnereien, von denen einige wahr werden oder eben nicht. Zumindest steigt der Aktivitätsindex in den Staaten mit jedem Tag, der vergeht. Derweil sind die Europäer – und speziell die Deutschen – nicht untätig, sondern treten ebenso aktiv auf der Stelle, schauen verschämt über den großen Teich, um Inspirationen einzusammeln, sich zu empören oder gleich ganze Strategien zu kopieren. SMICS hat gezeigt, dass die digitale Denke in Deutschland ein trauriger Abklatsch des American Dreams ist, ein heruntergekochtes Derivat, viel zu kraftlos, viel zu spät. Die USA betrachten dieses Schauspiel wiederum mit aufrichtigem Desinteresse. Was steht schon zu befürchten, wenn der Wettbewerb an Narkolepsie leidet? Aber werden wir konkreter… Weiterlesen

Google I/O: Alle Videos von Googles Entwicklerkonferenz

27. Juni 2012  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  Kommentare deaktiviert

Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 12 hat die Suchmaschine ein Füllhorn an neuen (und bekannten) Innovationen ausgeschüttet. Ebenso zahlreich sind die Videos, die Google im Minutenabstand vom Stapel ließ. Im Folgenden die Sammlung aktueller I/O-Videos von den YouTube-Kanälen The Google Channel, Google Developers, Google Nexus und Google Mobile.

 

Google I/O 2012 Keynote (die komplette Keynote)


Das Video ist mal “öffentlich”, mal “privat”. Offenbar feilt Google noch an den Feinheiten.

 

Fast & Smooth – Android 4.1, Jelly Bean


So in Jelly Bean, we put a lot of effort into making devices feel fast, fluid and smooth. This is what we call Project Butter.
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Facebook-Commerce: Deshalb floppt der Netzwerk-Shop noch

20. Februar 2012  |  Social Media, Unternehmen  |  1 Comment

Bloomberg lanciert derzeit ein hübsches Stück, das einen Abgesang auf den Facebook-Commerce beinhaltet. Wer die Zeilen liest, fühlt sich schnell an den qualvollen Tod so vieler Stores erinnert, die einstmals in Second Life eröffnet wurden: Gamestop, JC Penney, Nordstrom und Gap haben ihre Läden auf Facebook geschlossen, der Abverkauf im Netzwerk sei ein Flop. Die daraus gewonnene Lehre für (beispielsweise) Gamestop: “For us, it’s been a way we communicate with customers on deals, not a place to sell.”

Das Fazit ist schade – aber nachvollziehbar – und heizt auch die nie endende Debatte über den Social ROI wieder an. Wenn eine Unternehmensseite fünf Millionen Fans hat, wie kann es sein, dass mit dem Page-Shop nur im Promillebereich Umsätze generiert werden können? Die ausbleibende Antwort auf diese Frage wird durch die Hoffnung ersetzt, dass eben an anderer Stelle die Käufe getätigt werden. Ist Social Commerce damit eine Idee für die Tonne? Nein. Bislang wurde er aber noch nie konsequent angegangen. Im November 2011 veröffentlichte die Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) eine aufschlussreiche Studie (siehe unten) zu dem Thema. Demnach haben lediglich sechs Prozent der Mitglieder jemals ein gelungenes, direktes Verkaufsangebot bei Facebook gesehen. Rund die Hälfte erwartet keinen Shop auf Facebook und hat auch noch nie daran gedacht, dass das Netzwerk überhaupt dafür geeignet wäre. Weiterlesen

iPads in Klassenzimmern: “Time to turn the Page”

19. Januar 2012  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  1 Comment

There is no reason to assume today that kids need to use the same tools they used in 1950. To do so is to prepare them for a world that’s already passed. – Phil Schiller

Hoffentlich habe ich niemanden vergessen, doch es dürften drei Parteien sein, die nach der heutigen Apple-Ankündigung einen geknickten Eindruck machen: Zum einen Print-on-Demand-Anbieter, zum anderen Unternehmen, die sich auf die Gestaltung von E-Books spezialisiert haben. Und dann all diejenigen der Buchbranche, die dem Innovationsdruck bislang tapfer die Stirn geboten haben.

Holz ist ein wissenschaftlicher Baustoff aus einer verklärten Vergangenheit – um nichts Geringeres als diese Botschaft ging es heute, als Phil Schiller die drei Education-Produkte iBooks2, iBooks Author und die iTunes U-App vorstellte. Steve Jobs war der Bildungssektor nach eigenem Bekunden immer eine Herzensangelegenheit (wer die Biographie gelesen hat, erinnert sich an die bewegenden Worte der letzten Tage) und auch Apple hatte das dritte Standbein – neben “Consumer” und “Professionals” – nie richtig aus den Augen verloren. Nicht zuletzt beginnt Kundenbindung heutzutage immer früher: einmal Apple, immer Apple. Weiterlesen

Auf ein (wirklich) Neues: Die Deutsche Bahn auf Facebook

7. Dezember 2011  |  Social Media, Unternehmen  |  1 Comment

Nachdem die Deutsche Bahn im Juni ihren Account bei Twitter eröffnete, wird nun die nächste, konsequente Stufe gezündet: Facebook (Hintergründe). Als die Meldung vergangene Woche schon die Runde machte, schüttelten sich einige vor Misstrauen. Deutsche Bahn? Facebook? Da war doch was. Ja, da war etwas, genau genommen war es im Oktober 2010, als sich das Unternehmen – eingehüllt in harscher Kritik wegen rollender Klimakatastrophen und Stuttgart21 – beim Netzwerk anmeldete, um das “Chefticket” unter die Leute zu bringen. Ogilvy hatte seinerzeit den Lead für den Konzern übernommen und prächtig gezeigt, wie man es nicht macht. Auf Kommunikation war bei der Deutschen Bahn verblüffenderweise niemand vorbereitet, ging es doch damals einzig und alleine darum, moderne Distributionswege für Schnäppchenangebote auszuloten. Der tobende Unmut von Kunden und Medien wurde wacker ertragen, irgendwann wurde das Projekt dann sang- und klanglos eingestellt – was wahrscheinlich auch besser war. Und nun soll die Seite wieder aufleben.

Der Zeitpunkt der Neuinbetriebnahme (bewusst nicht “Wiederinbetriebnahme”, dazu später mehr) ist mutig gewählt: Am 11. Dezember steht den deutschen Bahnreisenden eine “deutliche” und “unverhältnismäßige” Fahrpreiserhöhung bevor, zudem verrät schon jetzt jeder Blick aus dem Fenster, dass auch dieser Winter seine Spuren am Schienennetz hinterlassen wird. Kritik ist also so gut wie vorprogrammiert. Und? Genau. Weiterlesen

Auf der Suche nach dem deutschen Silicon Valley (oder auch nicht)

1. Dezember 2011  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  7 Comments

Ich will keine innovative deutsche Stadt, ich will ein innovationsfreudiges Land. Und ich bin ein ziemlich gebranntes Kind, was Berlin angeht. Als eine Zeitung mich kürzlich bat, ein Tremolo auf den Norden zu halten, kramte ich in meiner Erinnerungskiste:

Berlin, das ich aufgrund einer Fernbeziehung häufig besuchen musste, tat das Übrige, als ich eines abends vor dem schäbigen Hauptgebäude des Schönefelder Flughafens stand und ein Taxi suchte: „Entschuldigen Sie, sind Sie frei?“ fragte ich höflich einen der Fahrer, die abseits der Wagen gemeinsam rauchten und lachten. „Ne, ick bin verheiratet. Kann dich jetzte abba trotzdem mitnehm’n.“

Das ist Berlin. Distinguierte Ignoranz (Hamburg) ist qualitativ etwas anderes als rohe Rotzigkeit (Berlin); doch emotionale Befindlichkeiten sollen hier keine Rolle spielen. Aber unter uns: Ich mag das Selbstbild der Berliner nicht sonderlich, wobei es ja kaum noch Berliner gibt, sondern vielmehr Zugereiste, Hängengebliebene und jede Menge Studenten, daher handelt es sich eher um einen Lokalpatriotismus im Vorbeigehen. Es scheint, dass heutzutage jeder als Berliner gilt, der “im Prenzlauer Berg” und nicht “auf dem Prenzlauer Berg” sagen kann, während er sich über die S-Bahn aufregt und den schlechten Handy-Empfang beklagt. Schon in diesem Moment wächst offenbar schlagartig das Hauptstädtische in einem heran und rechtfertigt die beiden Optionen “die da” und “wir”. Denn andere Alternativen spielen in der Branche keine Rolle mehr.

Ich komme auf das Thema, weil mich mit steigender Frequenz Pressemitteilung erreichen, in denen ehemals verzweifelte PRler die krampfhafte Berlin-Synonymsuche (gern genommen wurden bislang: “Hauptstadt”, “Weltstadt”, “Hauptregierungssitz” oder das völlig verdrehte “Spree-Athen” – in diesen Tagen kein Kompliment) abkürzen und daraus ein “Silicon Valley Europas” machen. Das Deutschlandradio hat noch mehr Begriffe im Programm und zitiert: “Die neue Internet-Hauptstadt”, “Neue Heimat der Internet-Generation” und “Europe’s hottest startup capital”. Weiterlesen

Ländertrojaner: Microsoft wurde vom Staat vorgeführt

11. Oktober 2011  |  Tech, Unternehmen  |  17 Comments

Die Meldungen sind ebenso zahlreich wie erschütternd: Je mehr in Sachen Staatstrojaner gebohrt wird, desto mehr schmutzige Details geraten an das Tageslicht. Fefe spricht bereits von einem “Länderdomino“, bei dem ein Bundesland nach dem anderen zugibt, den rechtlich wie moralisch höchst zweifelhaften Schnüffelcode auf fremde Rechner geschleust zu haben (zum Teil aus recht fragwürdigen Gründen). Die nationalen Medienreaktionen sind angemessen heftig, das internationale Feedback ist ebenfalls üppig und beherbergt zudem viel Häme. Nicht erst seit dem Facebook-Verbot in Schleswig-Holstein (CNN) lacht die globale Internetgemeinde über den Digital-Deppen Deutschland. Na, wenn das nicht Investitionsgelder ins Land lockt.

Bislang sind in der Trojaner-Affäre alle Parteien mehr oder minder verstört zu Wort gekommen. Der CCC brachte den Stein ins Rollen und die Sprecher der Länderbehörden sind öffentlich damit beschäftigt, irgendeinen Schuldigen zu finden. Die Virenjäger schlagen Alarm und selbst DigiTask, die Entwicklerschmiede für staatliche Spionagesoftware, durfte sich schon verteidigen und den Schwarzen Peter den Auftraggebern zuschieben. Jedoch habe ich heute eine Stimme vermisst. Weiterlesen

Danke: Das Erbe von Steve Jobs

9. Oktober 2011  |  Tech, Unternehmen  |  8 Comments

Auf Apple.com steht noch immer Steve Jobs’ Todesanzeige. Wer sich die schwarz-weisse Portraitaufnahme des ehemaligen Apple-Chefs genauer ansieht, wird feststellen, dass das Bild mit “t_hero.png” betitelt ist. War Steve Jobs ein Held? Für viele bei Apple sicherlich. Bestimmt unterschreiben auch viele Branchenkollegen diese Nobilitierung.

Als ich noch mit den Kollegen auf Basic Thinking schrieb, nannten mich einige Nutzer “Apple-André”. Wir waren “Apple André” und “Microsoft Marek” und wir ergänzten uns wunderbar. Ich glaube, wir hatten unseren Ruf als oppositionelles Harmonieteam weg. Ich mochte und mag Apple – Hardware, Software, das Design. Als ich vom Tod von Steve Jobs erfuhr, stieg für kurze Zeit mein Puls an. Dann dachte ich aber an Foxconn und die vielen Tausend Arbeiter, die dort Geräte schrauben, wenig verdienen und aus Verzweiflung von den Dächern der Wohnsiedlungen springen. Jobs war brillant, kreativ, durchsetzungsstark und visionär. Er war aber kein Held. Vielleicht trug seine Besessenheit dazu bei, dass er keine philanthropischen Anflüge hatte, wie wir es von seinem ehemaligen Kollegen Bill Gates her kennen. Vielleicht war er auch nur ein ausgebuffter Business-Mann. Man weiß es nicht.

Doch abseits dieser moralischen Betrachtung hat die Welt Steve Jobs einiges zu verdanken. Ich habe im Folgenden drei Phänomene notiert, die ich mir aus der Ära Jobs hinübergerettet habe. Drei Dinge, die mich persönlich beeindruckt haben und ein wenig von dem Einfluss zeigen, die Jobs nicht nur auf unsere Generation hat, sondern auch auf die kommenden haben wird. Weiterlesen

ULD an Webseitenbetreiber: “Zurück ins Web-Mittelalter!”

23. August 2011  |  Social Media, Unternehmen  |  9 Comments

Ganz Deutschland taumelt im Facebook-Fieber! Ganz Deutschland? Nein, ein kleines, naturverbundenes Volk im Norden der Republik bietet der Euphorie die Stirn und kämpft im beherzten Widerstand.

Man könnte darüber lachen, wenn die Lage nicht so ernst wäre. Doch die populistische Facebook-Verbotaktion, die vom Schleswig-Holsteinischen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) initiiert wurde, gewinnt in Deutschland an Fahrt. Aus Kreisen der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung höre ich empörte Worte: “Schon dass niemand im Vorfeld informiert wurde, zeigt, dass da keine guten Absichten dahinter stecken.” Thilo Weicherts Vorstoß wird klar als politisch motiviert aufgefasst. Im Bundesland wurde kürzlich der Startschuss zum Wahlkampf gegeben.

Doch auch Außenstehende müssen nicht sonderlich analysebegabt sein, um zu verstehen, dass an der juristischen Spontanaktion des ULD etwas mehr als faul ist. Weder die Landesregierung noch irgendein anderes Datenschutzbüro wurde vor der Veröffentlichung der Drohung davon in Kenntnis gesetzt. Es gab keine Anhörungen von Betroffenen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Tatsächlich wurde nach eigenen Angaben (die ich selbst im Interview gehört habe) nicht einmal sonderlich der Kontakt zu Facebook Deutschland gesucht. Man habe eine Mail geschrieben und einen Anruf riskiert, beides sei ohne Reaktion geblieben: “Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es sich um eine Briefkastenfirma handeln muss.” Als ich erklärte, dass die Facebook-Dependence in Hamburg mitnichten eine Briefkastenfirma sei, man über einen ordentlichen Mitarbeiterstamm an Vertrieblern und einer eigenen PR-Abteilung verfüge, wurde geschwiegen. Im Scherz sagte ich, dass ich ja mal den Kontakt herstellen könne, ich habe da die E-Mail-Adresse der Sprecherin und fragte, ob das ULD daran interessiert sei, dass ich sie weiterleite. Zunächst wurde geschwiegen, dann hieß es: “Das wäre wunderbar.” Weiterlesen

Apple vs. Samsung: Faules Beweisbild in der Einstweiligen Verfügung?

15. August 2011  |  Tech, Unternehmen  |  Kommentare deaktiviert

Wenn es Übernahmen, Produktentwicklungen oder Abmahnungen gibt, stöbere ich ja immer gerne in den Original-Unterlagen, sofern sie verfügbar sind. Doch auf dieses pikante Detail bin ich erst durch das niederländische Apple-Blog WebWereld (Translate-Link) aufmerksam geworden.

Es dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben, dass sich der Innovationskampf der Hard- und Software-Giganten vom heimischen Labor langsam in die internationalen Gerichtsgebäude verlegt: Apple mahnt so unter anderem Samsung und Motorola ab, da – so das Argument – die Konkurrenz-Tablets ein frecher Abklatsch des iPad 2 seien. Die Richter können entscheiden, wie sie wollen: Natürlich sind die Tablets der neuen Generation – wenn nicht vom iPad abgeguckt – so aber doch vom Apple-Rechner inspiriert. Man sollte da die Zügel aber locker lassen, gerade Apple hat sich ja nicht nur am Design-Fundus eines großen deutschen Elektrounternehmens immer wieder bedient – und tut es noch heute. Weiterlesen

Die Deutsche Bahn (@db_bahn): Der neue ZEN-Meister auf Twitter

7. Juni 2011  |  Social Media, Unternehmen  |  8 Comments

Ich habe mich heute Mittag mit den Jungs von der Deutschen Bahn, Mirko Lange (talkabout) und einigen Bloggern getroffen, um am Vorabend der Schlacht ein paar Infos einzuholen. Mittlerweile dürfte es sich ja herumgesprochen haben, dass die Bahn am Mittwoch (8. Juni) ihre Arbeit auf Twitter (@db_bahn) aufnehmen wird. Und ich muss sagen, dass mir selten eine so gelassene Eintracht, so eine hypelose Ruhe begegnet ist, wie in dieser Social Media-Runde. Die Deutsche Bahn hat ihre Hausaufgaben gemacht, das harte Training absolviert, gegen interne und externe Widerstände gekämpft – und freut sich nun auf die bevorstehende Aufgabe. Aber der Reihe nach…

Vor einigen Wochen bekam ich die Einladung der Deutschen Bahn, an einem geheimen Twitter-Pilotprojekt teilzunehmen. “Oha!”, dachte ich da und erinnerte mich an meine Schelte, die ich vor gar nicht allzu langer Zeit selbst Richtung Konzern ausgegeben habe. Damals hatte die Bahn ein erstes Shitstorm-Debüt auf Facebook gegeben, man lockte Kunden mittels des “Cheftickets” auf die Page und war am Ende genauso schnell wieder verschwunden, wie man aufgetaucht war.

Von außen betrachtet war es eine unüberlegte, plumpe und überaus gefährliche Aktion an der Basis. Alle hatten noch ausfallende Klimaanlagen, ausgesetzte Kinder und Stuttgart21 vor Augen: Und sich dann mit einem “Kauft euch dieses Ticket, Boys ‘n’ Girls!” im Social Web anzumelden – das musste einfach ein Schuss in den Ofen werden. Weiterlesen

Apple iCloud: Wie die Wolke den Nutzern in die Taschen greift

6. Juni 2011  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  11 Comments

Herrlich, Apple. Du hast es geschafft, auf einen Schlag wirklich jedes Unternehmen, das auch nur im Entferntesten etwas mit mobile Computing zu tun hat, eine Nackenklatsche zu verpassen. High Five!

Apple hat soeben seine diesjährige Worldwide Developers Conference (WWDC) hinter sich gebracht. Und obwohl das iPhone 5 weiter auf sich warten lassen muss, hatte die Veranstaltung doch genug Zündstoff, um – wieder einmal – die Branche in Aufruhr zu versetzen. Größtes Kapitel der Keynote (Mitschnitt) war die Einführung der iCloud, Apples Antwort auf offenbar schwindende Ressourcen im lokalen Speicher mobiler Endgeräte. Was wir bereits jetzt festhalten können: 8 GB, 16, GB, 32 GB und 64 GB – eine größere Speichergeneration wird es im iOS-Universum auf absehbare Zeit nicht geben. Der Platz sei ausreichend, so Steve Jobs.

Ausnahmslos alles soll in die Cloud verlegt werden: Fotos, Musik, Videos, Apps, iWork-Dokumente, Bücher, Kalendereinträge – alle Formen digitaler Inhalte, die man sich vorstellen kann, werden kurz nach ihrer Erstellung vaporisiert und in die Wolke geschossen; nicht selten soll dies automatisch passieren (etwa bei gerade geknipsten Fotos). Der neue Push-Dienst, der die SMS ablösen soll und mit dem sich Bilder und Videos verschicken lassen, greift auf WLAN und UMTS zurück. Die Firmware wird Over The Air aktualisiert. Apple ruft damit auch die “Post-PC-Ära” aus, die Einrichtung “Synchronisation” ist ein Relikt der Vergangenheit: “Diese Geräte standing in Sync zu halten, macht uns wahnsinnig”, so Jobs. Und wie Recht er damit hat. Weiterlesen

Warum Google wahrscheinlich nie im Social Web ankommen wird

17. Mai 2011  |  Social Media, Unternehmen  |  8 Comments

Google Lively? Tot. Dodgeball? Tot. Jaiku? Tot. Zingku? Tot. Google Shared Stuff? Tot. Orkut? Tot. Google Wave? Tot. Google Buzz? In stadio ultimo befindlich. Die Facebook-Killer-App Google Me? Lasst lieber die Finger davon…

Seien wir ehrlich, Google ist ein geniales Unternehmen: Ein Universum mit klaren Spielregeln, ein Imperium, dessen Bürger man gerne ist. In Mountain View sitzen die größten Ninjas der Mathematik, geniale Kreativingenieure und bis heute ungeschlagene Algorithmus-Meister – doch von der menschlichen Seele hat man bei Google keine Ahnung. Seit rund einem halben Jahrzehnt versucht die Suchmaschine, den Sprung in das soziale Geflecht ihrer Nutzer zu schaffen: bis heute vergeblich. All die oben angeführten Dienste sind Fehlschläge, da hilft es auch nicht weiter, dass Ex-Boss Eric Schmidt den löblichen Einwand der ständigen Beta hervorbringt: “Wir feiern unsere Misserfolge.” Man probiere eben Dinge aus – und weiter: “Dies ist ein Unternehmen, in dem es völlig okay ist, schwere Aufgaben ambitioniert anzugehen – auch, wenn sie nicht erfolgreich sind. Auf diese Weise lernen wir.”

Nun, das eben ist das Problem: Google lernt nicht. Trial and Error ist ein mehr als akzeptables Verfahren – zumal in einem so komplexen Markt wie dem heutigen, in dem fast täglich neue Variablen den Strategen in die Schachzüge grätschen. Doch wie viele Fehlschläge braucht es, bis auch der mächtigste Mega-Konzern merkt, dass es an dieser Stelle nicht weiter geht? Googles wackeliger Gang ins Social Web ist mit Leichen gepflastert. Weiterlesen

Mikrokosmos Twitter: Warum Kampagnen für ein Nischenpublikum?

28. Februar 2011  |  Social Media, Tech, Unternehmen  |  6 Comments


4,5 Milliarden US-Dollar – nicht schlecht. Die neue Bewertung von Twitter, die indirekt durch den Einstieg von JPMorgan Chase vorgenommen wurde, war schon eine kleine Überraschung. Vielleicht rückt es aber auch die Dimensionen zurecht, immerhin nimmt Facebook für sich in Anspruch, insgesamt 60 Milliarden Dollar schwer zu sein.

Doch was heißt das überhaupt: etwas “wert” zu sein? Welchen Maßstab legt man an, um Zahlen wie diese bei einem sozialen Netzwerk zu ermitteln? Antwort: es geht um die potenzielle Reichweite. Facebook verfügt heute weltweit über rund 600 Millionen Mitglieder, Twitter kommt auf 200 Millionen registrierte Konten – wie viele von ihnen aktiv betrieben werden, lässt das Unternehmen jedoch offen. Beeindruckende Zahlen, doch setzen wir beide einmal am Beispiel USA ins Verhältnis: Laut eMarketer erreicht Facebook heute fast 60 Prozent aller Amerikaner, die über einen Internetanschluss verfügen. Und Twitter? Hier sind es gerade einmal 11 Prozent. Das ist eigentlich eine verschwindend geringe Masse an Nutzern, für die eigens Social Media-Kampagnen gebastelt werden. Weiterlesen

So sieht das neue Blog der Deutschen Telekom aus / Interview

24. Februar 2011  |  Social Media, Tech, Unternehmen  |  7 Comments

“Was, schon wieder?” – “Ja, schon wieder.” Ich habe mich auch zunächst gewundert, als ich erfuhr, dass die Deutsche Telekom ein weiteres Blog aus dem Hut zaubern will. Das Unternehmen ist heute mit mehreren Fachblogs am Start – bereits ein reichlich bunter Content-Strauß, der ein wenig die orientierungsstiftende Mitte vermissen lässt. Doch genau aus diesem Grund hat man sich nun dazu entschlossen, ein zentrales Corporate-Blog auf die Beine zu stellen, das alle Social Media-Aktivitäten des Konzerns bündeln soll. Die derzeitige Adresse lautet: http://blogs.telekom.com

Der Startschuss für Blog.Telekom soll am Montag pünktlich zur CeBit gegeben werden, ich habe allerdings schon einmal Gelegenheit bekommen, einen ausführlichen Blick auf die Seite zu werfen und wollte ein paar Eindrücke mitteilen.

Das Design

Zunächst fällt das stripped-down, dreispaltige Layout ins Auge, das ein völliges Kontrastprogramm zum bekannten Blog Die-neue-Telekom.com bildet. Der Vorgänger war ein Übergangsprojekt, das den Konzern-Umbau begleiten sollte, und gleichzeitig ein Flash-Monster, dessen Designanspruch hin und wieder auf Kosten der Usability und Lesbarkeit ging (mehr darüber hatte ich auf Basic Thinking geschrieben). Die-neue-Telekom.com soll im Übrigen zunächst abgelöst und dann aufgelöst werden, wobei der Content dann auf die Telekom.com-Seite wandert, sobald auch dort der Relaunch vollzogen ist. Weiterlesen