Wissenschaft

Gestohlene Design-Ideen: Doku bietet Einblicke in den Apple-Braintank

Posted in Netzkunst, Netznews, Wissenschaft on November 7th, 2009 by André – 2 Comments

screen-capture-9Der Begriff des Genies kennt heute zwei Bedeutungen – eine alltägliche und eine etymologisch korrekte. Wenn wir heute von ‘Genie’ sprechen, meinen wir meistens, dass ein Mensch überdurchschnittlich begabt und von überragender Intelligenz gekennzeichnet sei. Tatsächlich ist diese Semantik aber viel tiefer verwurzelt und reicht zurück bis in das 18. Jahrhundert, in die Zeit der Romantik, als Kant erklärte: “Darin ist jedermann einig, daß das Genie dem Nachahmungsgeiste gänzlich entgegen zu setzen sei.”

Ein Genie ist also in der Lage, einen Gedanken zu fassen, der zuvor ungedacht war. Er schafft aus dem Nichts etwas Neues (creatio ex nihilo) – eine Vorstellung, der wir heute nur noch in der Theologie begegnen. Alle Übrigen, seien es Künstler oder Wissenschaftler, bewegen sich in einem intertextuellen Kontext und führen praktisch nur das weiter, was andere bereits begonnen haben. “Romeo und Julia” ist ein Remake von Ovids “Pyramus und Thisbe“, ohne die Maxwellschen Gleichungen hätte es die Relativitätstheorie nicht gegeben. So gesehen, ist der Genie-Begriff reichlich utopischer Natur.

Ich schicke diese kleine Definition nur voraus, um den Ausrufen zu begegnen, die einige angesichts von Produkten einer bestimmten Firma aus Cupertino, Kalifornien, immer wieder vom Stapel lassen: “Genial!” Das Apple-Design ist in der Tat schön, inspirierend, manchmal umwerfend – doch es ist in keinem Fall originär.

Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass Apples Senior Vice President of Industrial Design, Jonathan Ive, maßgeblich an der Entwicklung des iPod, des iPhone, iMac und der MacBooks beteiligt war. Das gilt sowohl für das Äußere, wie auch für die Gestaltung des Graphical User Interface. Ebenso bekannt dürfte sein, dass Ive seine Ideen aus einem riesigen Fundus schöpft, den Dieter Rams in den Sechzigern anhäufte. Er war bis 1995 Chefdesigner bei Braun. read more »

Octopus-Spezial: Der Versuch einer Seeungeheuer-Rehabilitierung

Posted in Fun, Netzkunst, Wissenschaft on Juli 12th, 2009 by André – 2 Comments

Bild: http://www.patchowl.de/BOMs.html

Yeah, Kraken! Es ist Zeit, dass endlich einmal jemand aufsteht, um Seeungeheuer zu rehabilitieren. Die Diffamierungskampagne gegen den Octopus (Octopus vulgaris) geht schon viel zu lange. Mittlerweile ist er von der Kryptozoologie in die Enzyklopädien geschwommen; wir wissen, was er so macht, wenn er einige Kilometer unter der Meeresoberfläche schmatzend am Grund kauert. Deshalb besteht der Kickoff zur Image-Rettung der Octopoden auch aus einem Donnerschlag des Wissens. Nämlich den

Zehn Eigenschaften, die den Octopus cool machen:

  1. Der Krake (umgangssprachlich mit grammatikalisch weiblichen Geschlecht) hat seinen Namen aus dem Skandinavischen. Er bedeutet soviel wie “entwurzelter Baum”.
  2. Er ist mit acht Armen – nicht “Tentakeln” – ausgestattet
    (einer davon dient den Männchen der Fortpflanzung).
  3. Er hat blaues Blut.
  4. Er kann eine Spannweite von bis zu zehn Metern erreichen.
  5. Er zählt zu den schlauesten Meerestieren. Seine Intelligenz reicht an die von Ratten heran.
  6. Er besitzt drei Herzen.
  7. Er denkt mit neun Gehirnen (eines für jeden Arm und das Haupthirn).
  8. Er ist zum sekundenschnellen Farbwechsel fähig.
  9. Er hat einen evolutionsbiologischen logischen Augenaufbau: die Netzhaut ist vorne.
  10. Er kann giftig sein.

Octopoden haben nur ein Problem: Sie sind potthässlich. Kopffüßler hatten in der Welt noch nie einen einfachen Stand, während des Mittelalters wurden sie als Salzwassermonster lanciert, die mit gigantischen Armen Schiffe zerbrechen und Matrosen zum Grund des Meeres reißen. Der Octopus ist daran aber unschuldig, das waren die furchtbaren Tiefseekalmare, die zwar um Längen größer – aber auch dümmer sind. read more »