Liebe Piraten…

17. Oktober 2011  |  Allgemeines, Netznews  |  1 Comment  |  Share

Noch einmal meinen Glückwunsch zur erfolgreichen Berlin-Wahl; und eine zweite Gratulation schiebe ich Anbetracht der jüngsten ZDF-Umfrageergebnisse gleich hinterher. Aber das war es erst einmal. Gerade mal ein Länderparlament wurde gestürmt, da beginnen auch schon erste Zersetzungserscheinungen: Was ist da los bei euch?

Eine Reaktion zum Staatstrojaner erfolgte erst heute, knapp zehn Tage nach der Bekanntmachung des Fundes durch den CCC. Es gab wichtigere Dinge zu erledigen, richtig: Die Pressemitteilung zum Welternährungstag beispielsweise, eine entzückte Nabelschau Anbetracht neuer Mitglieder und ein seminaristischer Umtrunk in der Jugendherberge von Kassel – da war und ist viel Bewegung in der Partei.

Etwa auch die NPD-Affäre, die Dank halbherziger Distanzierungen große Kreise zog. Erst mussten Personalfragen wegen zu transparentem “Geheimnisverrat” geklärt werden (“Stunkmatrose über Bord!”), so dass wenige Stunden später das erste Rentnerblog seine Einschätzungen über die Piraten unter der Überschrift “Nazis an die Front” kundtun konnte. Daraus: “Die Piratenpartei entwickelt sich immer stärker zum Sammelbecken heimatloser Rechtsradikaler. Die derzeitige Diskussion um zwei Parteimitglieder, die früher bei der NPD waren, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.” (Screenshot der Meldung) Voilà. Weiterlesen

Ländertrojaner: Microsoft wurde vom Staat vorgeführt

11. Oktober 2011  |  Tech, Unternehmen  |  17 Comments  |  Share

Die Meldungen sind ebenso zahlreich wie erschütternd: Je mehr in Sachen Staatstrojaner gebohrt wird, desto mehr schmutzige Details geraten an das Tageslicht. Fefe spricht bereits von einem “Länderdomino“, bei dem ein Bundesland nach dem anderen zugibt, den rechtlich wie moralisch höchst zweifelhaften Schnüffelcode auf fremde Rechner geschleust zu haben (zum Teil aus recht fragwürdigen Gründen). Die nationalen Medienreaktionen sind angemessen heftig, das internationale Feedback ist ebenfalls üppig und beherbergt zudem viel Häme. Nicht erst seit dem Facebook-Verbot in Schleswig-Holstein (CNN) lacht die globale Internetgemeinde über den Digital-Deppen Deutschland. Na, wenn das nicht Investitionsgelder ins Land lockt.

Bislang sind in der Trojaner-Affäre alle Parteien mehr oder minder verstört zu Wort gekommen. Der CCC brachte den Stein ins Rollen und die Sprecher der Länderbehörden sind öffentlich damit beschäftigt, irgendeinen Schuldigen zu finden. Die Virenjäger schlagen Alarm und selbst DigiTask, die Entwicklerschmiede für staatliche Spionagesoftware, durfte sich schon verteidigen und den Schwarzen Peter den Auftraggebern zuschieben. Jedoch habe ich heute eine Stimme vermisst. Weiterlesen

Danke: Das Erbe von Steve Jobs

9. Oktober 2011  |  Tech, Unternehmen  |  7 Comments  |  Share

Auf Apple.com steht noch immer Steve Jobs’ Todesanzeige. Wer sich die schwarz-weisse Portraitaufnahme des ehemaligen Apple-Chefs genauer ansieht, wird feststellen, dass das Bild mit “t_hero.png” betitelt ist. War Steve Jobs ein Held? Für viele bei Apple sicherlich. Bestimmt unterschreiben auch viele Branchenkollegen diese Nobilitierung.

Als ich noch mit den Kollegen auf Basic Thinking schrieb, nannten mich einige Nutzer “Apple-André”. Wir waren “Apple André” und “Microsoft Marek” und wir ergänzten uns wunderbar. Ich glaube, wir hatten unseren Ruf als oppositionelles Harmonieteam weg. Ich mochte und mag Apple – Hardware, Software, das Design. Als ich vom Tod von Steve Jobs erfuhr, stieg für kurze Zeit mein Puls an. Dann dachte ich aber an Foxconn und die vielen Tausend Arbeiter, die dort Geräte schrauben, wenig verdienen und aus Verzweiflung von den Dächern der Wohnsiedlungen springen. Jobs war brillant, kreativ, durchsetzungsstark und visionär. Er war aber kein Held. Vielleicht trug seine Besessenheit dazu bei, dass er keine philanthropischen Anflüge hatte, wie wir es von seinem ehemaligen Kollegen Bill Gates her kennen. Vielleicht war er auch nur ein ausgebuffter Business-Mann. Man weiß es nicht.

Doch abseits dieser moralischen Betrachtung hat die Welt Steve Jobs einiges zu verdanken. Ich habe im Folgenden drei Phänomene notiert, die ich mir aus der Ära Jobs hinübergerettet habe. Drei Dinge, die mich persönlich beeindruckt haben und ein wenig von dem Einfluss zeigen, die Jobs nicht nur auf unsere Generation hat, sondern auch auf die kommenden haben wird. Weiterlesen

Internet vs. Privacy: Last Train to Mashville? (Prokrastinationspolitik)

2. Oktober 2011  |  Social Media  |  No Comments  |  Share

Ein paar Tage nachdem Thilo Weichert mit seinem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) die große Facebook-Offensive angekündigt hatte, traf ich mich mit einem Freund und schäumte: “Was Weichert vor hat, ist der Wahnsinn! Der Mann muss da weg!” Mein Freund entgegnete, dass es doch eigentlich eine tolle Sache sei: “Warum? Endlich wird es Prozesse geben, die für Rechtsklarheit sorgen.” – Ja, klar. Da ist etwas dran. Sicher. Das macht Sinn. Es gibt einen Streit, zwei Parteien treffen sich beim Richter und es kommt zum Prozess. Irgendwann wird ein Urteil verlesen und die Sache ist erledigt. Macht Sinn. Jedoch…

Ich weiß nicht, wann es anfing. Ich schätze mit Schröder. Heute gehört sie in Berlin zumindest zum Alltagsgeschäft: die abwesende Realpolitik, die zugunsten einer freizeitfreundlichen Reaktionspolitik abgelöst wurde. Gerade bei deutschen Gesetzgebern gehört es zum Millenium-Chic, bei Problemen abzuwarten, bis sie zur Krise herangereift sind. Dann werden grob formulierte Paragrafenkataloge aus der Hüfte geschossen – oft mit schönem Gruß an Karlsruhe: die da unten kümmern sich dann um die Vorlage, ehe die Verfassungsschützer Berlin bitten, in einer angemessenen Frist von mehreren Jahren das Gesetz doch bitte hier und da anzupassen. Zurück in der Hauptstadt werden drittklassige Flickenteppichmeister aus den Ausschüssen gezerrt, um die Vorschläge zu übernehmen. Voilà.

Die Justiz handelt auf Grundlage vorhandener Gesetze. Und in Sachen Datenschutz stammen diese aus Jahren, in denen Elton John noch in den Charts war. Wie orientierungslos deutsche Richter in Sachen Social Web sind, zeigte sich ja erst kürzlich, als ein Unternehmen Klage gegen einen Konkurrenten einlegte. Es ging um die Verwendung des Like-Buttons von Facebook. Die Juristen beäugten kurz den Sachverhalt und verkündeten, dass der Button wettbewerbsrechtlich nicht zu beanstanden sei. “Datenschutz? Privacy?” Man drückte sich um diese Fragen herum: “Sorry, dafür sind wir nicht zuständig. Keine Ahnung. Da soll sich jemand anderes drum kümmern.” Weiterlesen

Facebook ist einfach zu teuer geworden

26. September 2011  |  Social Media  |  8 Comments  |  Share

Dieser Protest ist anders, er ist stiller. In der Vergangenheit flammten hin und wieder breite Boykott-Aufrufe gegen Facebook auf. Allesamt waren ebenso populistisch wie ineffektiv. Das Netzwerk hat immer die kritische Masse bei den Nutzerzahlen erreichen wollen, ehe der Vertrieb das Ruder über die Funktionspalette der Plattform übernehmen würde. Das ist wohl bei der geknackten Grenze von 800+ Millionen aktiven Nutzern längst geschehen. Petitionen, Kettenbriefe und Massen-Statusupdates können da nicht mehr viel reißen – zumal Facebook selbst den Ort des Protestes kontrolliert. Bei 100 Millionen Nutzern gäbe es vielleicht noch so etwas wie Ehrfurcht oder Demut vor dem Nutzer. Doch das war im August 2008. Wer kann heute schon in einem Land mit 800 Millionen Einwohnern in Bottom-Up-Manier die Staatsform ändern, wenn Social Media als Kommunikationsmittel ausfällt?

Doch dieser Aufstand ist eben anders. Er geht von einflussreichen Alleingängern aus: “Goodbye Facebook“, schreibt Olaf Kolbrück. “Der Facebook Exodus“, heißt es bei Patrick Breitenbach. “Nix wie raus hier“, warnt Netzpolitik. Dies ist ein überlegter Protest. Facebook plant das allumfassende Lebensarchiv der registrierten Nutzer, von der Krippe bis zum Grab. Damit die Mitglieder nicht selbst Protokoll über ihr Leben führen müssen, hält das automatisierte “passive Teilen” Einzug:

Facebook’s passive sharing will change how we live our lives. More and more, the things we do in real life will end up as Facebook posts. And while we may be consoled by the fact that most of this stuff is being posted just to our friends, it only takes one friend to share that information with his or her friends to start a viral chain.

Dieser Einwurf von Mashable vergisst bei bereits vorhandener Dringlichkeit sogar einen wichtigen Faktor: Unsere Daten mögen vordergründig hinter Privacy-Walls vor unliebsamen Mitmenschen versteckt sein. Jedoch zu keinem Zeitpunkt vor Facebook Inc. Und es gibt keine Schweigepflicht für Wirtschaftsunternehmen. Weiterlesen

Ergebnisse der kleinen Umfrage: Der Stand von Social Media 2011

18. September 2011  |  Social Media  |  1 Comment  |  Share

Da sich das Thema “Social Media hat die Boom-Zeit hinter sich” hartnäckig hält, habe ich an diesem Wochenende eine kleine Umfrage zur dieser These gemacht. Insgesamt haben 80 Teilnehmer ihre Stimmen abgegeben – nicht gerade repräsentativ, aber vielleicht dennoch aufschlussreich, da einige erfahrene SM-Hasen darunter waren. Jedenfalls danke ich jedem einzelnen.

Den vorliegenden Ergebnissen nach zu urteilen, hat sich im Vergleich zu 2010 nicht viel verändert. Es hält sich die Waage; an manchen Stellen hat sich das Engagement sogar verstärkt, zum Beispiel dank Google Plus. Die Nutzung von Location Based Services und der Business-Netzwerke scheint zu stagnieren, was unter anderem daran liegen könnte, dass die großen Drei (Facebook, Twitter und Google Plus) heute ähnliche Services integriert anbieten.

Warum also dieser Eindruck der trägen Branche? Ich glaube, dass die Medien dieses Bild mitformen: Es gibt keine Feature-Reportagen mehr. Warum? Weil die Netzwerke in den vergangenen Monaten damit gesättigt wurden: Fotogalerien, Videochat, Locations und Games – das waren die Aufreißer in den Medien. Der Schwerpunkt der Berichterstattung verschiebt sich nun auf die Beobachtung des Social Webs und hier vor allem auf die Einschätzung des Wettbewerbs. Weiterlesen

50 Dinge, die man im Social Web erlebt haben muss, ehe man den Stecker zieht

15. September 2011  |  Social Media  |  14 Comments  |  Share

Vielleicht haben es so manche Nutzer schon mitbekommen, doch es grassiert ein wenig die Social Müdigkeit: Ich habe den Eindruck, dass in den letzten Tagen die Zahl der Burnout-Kandidaten, Aussteiger und Ausschleicher zunimmt. Und das ist mehr als verständlich, denn das Karussell der Branche dreht sich immer schneller. Der menschliche Geist war niemals für Dinge wie Echtzeit und Always-On gewappnet – und wird es auch nie sein. Evolutionsbiologisch betrachtet, haben wir gerade erst das Fell abgestreift und die Höhle verlassen. Natürlich gab es auch früher das soziale Gefüge, doch schon bei wilden Stämmen war irgendwann Dialogschluss und sie bauten kleine Puppen aus Stroh und starrten ins Feuer: Das Äquivalent zum Fernsehen, das wiederum das Äquivalent zum “Lasst mich bitte alle in Ruhe” ist. UMTS hat die Rückzugsmöglichkeiten schon arg beschnitten.

Ich gönne jedem und jeder seine oder ihre Auszeit. Dennoch habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was man vielleicht im Social Web einmal erlebt haben muss, ehe man dann tatsächlich und endgültig den Stecker zieht. Das Ergebnis gibt es im Folgenden. Weiterlesen

Tatort Facebook: Über den Fanpage-Giftschrank und die Berliner Waschlappen (inkl. 4 Tipps)

11. September 2011  |  Social Media  |  1 Comment  |  Share

So schnell kann es gehen: Vom beruhigenden “Honig-Urteil” zur bundesweiten Facebook-Schelte brauchte Bundesagrar- und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nur wenige Stunden – ein wahrer Tausendsassa der politischen Landschaft! Aigner ruft sowohl die Bundesregierung als auch Abgeordnete dazu auf, ihre Präsenzen auf Facebook zu löschen und alle Spuren zu verwischen: Man solle “mit gutem Beispiel vorangehen”.

Um Aigner war es nach ihrem Brief an Mark Zuckerberg (“Sehr geehrter Herr Zuckerberg”) in den vergangenen Monaten eher ruhig geworden. Ja, sie hatte ihr Facebook-Profil medienwirksam getilgt – aber bitte: danach war die Sache erst einmal gegessen. Der Grund, weshalb die Ministerin nun noch einmal nachlädt, ist die Tatsache, dass ihr Parteikollege und unser Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vergangene Woche zur gemeinsamen Kuschelstunde mit Facebooks Chef-Lobbyisten Richard Allen geladen hatte. Es gab Küsschen links, Küsschen rechts und einen warmen Händedruck, der letztendlich Aigners Wut heraufbeschworen hatte. Datenschutz, Verbraucherschutz, Cyber-Crime und politischer Netzaktivismus – das Internet hat in der deutschen Politik bis heute noch keinen festen Ressortplatz gefunden, weshalb das Geschacher um die populären Themen jedes Mal von vorne losgeht. “Jetzt bin ich dran!”, dachte sich da Aigner und drückte auf den “Senden”-Button, der dafür sorgte, dass alle Ministerien ihre dringende Warnung vor Facebook bekamen. Weiterlesen

Klarnamendebatte: CDU/CSU räumt feigen Nutzern, Kindern und Alkoholikern ein Anonymitätsrecht ein

6. September 2011  |  Social Media  |  5 Comments  |  Share

Laut der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist jeder, der anonym (oder pseudonym) an Diskursen im Internet teilnimmt, entweder feige, minderjährig oder Mitglied einer Selbsthilfegruppe – vielleicht ein Alkoholkranker. So einfach ist das. Diese Feststellung geht aus einer Pressemitteilung hervor, die heute von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion, Günter Krings, und dem innenpolitischen Sprecher Hans-Peter Uhl verfasst wurde. Darin heißt es weiter: “Die Entscheidung über einen Zwang zur Offenlegung des Klarnamens liegt letztlich auf Seiten der Betreiber. Schließlich gibt es auch keine allgemeine Rechtspflicht für Nutzer, sich zu identifizieren. Für einen politischen Aufschrei mehrerer Abgeordneter gibt es dagegen keinen Grund.”

Die Erklärung ist als Reaktion auf den gestern veröffentlichten “Offenen Brief an Google” zu verstehen, in dem mehrere Unternehmer, Netzaktivisten und Politiker einen Stopp des strikten Klarnamengebots auf Google+ fordern.

Das Timing von Krings und Uhl ist damit perfekt und selten hat man die Politik dabei beobachten können, wie sie so schnell den Schulterschluss mit der Wirtschaft suchte und fand. Die Forderung der CDU lautet: Alle Internetznutzer sollen ruhig mittels Klarnamen zur Verantwortung gezogen werden können – nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch angesichts der ökonomischen Interessen globaler Konzerne. Weiterlesen

ULD an Webseitenbetreiber: “Zurück ins Web-Mittelalter!”

23. August 2011  |  Social Media, Unternehmen  |  9 Comments  |  Share

Ganz Deutschland taumelt im Facebook-Fieber! Ganz Deutschland? Nein, ein kleines, naturverbundenes Volk im Norden der Republik bietet der Euphorie die Stirn und kämpft im beherzten Widerstand.

Man könnte darüber lachen, wenn die Lage nicht so ernst wäre. Doch die populistische Facebook-Verbotaktion, die vom Schleswig-Holsteinischen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) initiiert wurde, gewinnt in Deutschland an Fahrt. Aus Kreisen der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung höre ich empörte Worte: “Schon dass niemand im Vorfeld informiert wurde, zeigt, dass da keine guten Absichten dahinter stecken.” Thilo Weicherts Vorstoß wird klar als politisch motiviert aufgefasst. Im Bundesland wurde kürzlich der Startschuss zum Wahlkampf gegeben.

Doch auch Außenstehende müssen nicht sonderlich analysebegabt sein, um zu verstehen, dass an der juristischen Spontanaktion des ULD etwas mehr als faul ist. Weder die Landesregierung noch irgendein anderes Datenschutzbüro wurde vor der Veröffentlichung der Drohung davon in Kenntnis gesetzt. Es gab keine Anhörungen von Betroffenen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Tatsächlich wurde nach eigenen Angaben (die ich selbst im Interview gehört habe) nicht einmal sonderlich der Kontakt zu Facebook Deutschland gesucht. Man habe eine Mail geschrieben und einen Anruf riskiert, beides sei ohne Reaktion geblieben: “Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es sich um eine Briefkastenfirma handeln muss.” Als ich erklärte, dass die Facebook-Dependence in Hamburg mitnichten eine Briefkastenfirma sei, man über einen ordentlichen Mitarbeiterstamm an Vertrieblern und einer eigenen PR-Abteilung verfüge, wurde geschwiegen. Im Scherz sagte ich, dass ich ja mal den Kontakt herstellen könne, ich habe da die E-Mail-Adresse der Sprecherin und fragte, ob das ULD daran interessiert sei, dass ich sie weiterleite. Zunächst wurde geschwiegen, dann hieß es: “Das wäre wunderbar.” Weiterlesen

Erklärvideomaschine Qwiki steigt ins News-Geschäft ein

20. August 2011  |  Journalismus, Tech  |  2 Comments  |  Share

Vor ungefähr einem Monat hatte die visuelle Erklärmaschine Qwiki damit begonnen, Job-Ausschreibungen für “News-Ninjas” im Netz zu streuen. Gesucht wurden und werden Freelancer mit Textsicherheit und einem Gespür für Story-Telling. Das Job-Angebot überraschte, bisher hatte sich Qwiki darauf beschränkt, statische Informationen von Wikipedia – flankiert mit Elementen von Google Maps und der Google Bildersuche – zu aggregieren und in Clip-Form aufzubereiten.

Was mich jedoch wirklich überrascht, ist die Geschwindigkeit, mit der Qwiki die neue News-Funktion nun in die Plattform integriert hat. Seit Ende der Woche liefert Qwiki tagesaktuelle Berichterstattung. Die Clips sind nur wenige Minuten lang und werden tatsächlich redaktionell zusammengestellt. Die visuellen Eindrücke speisen sich aus den bisherigen Kanälen, hinzugekommen sind allerdings auch stummgeschaltete Clips von Content-Lieferanten wie BBC oder Euronews. Die Berichterstattung umfasst die Ressorts International, US, Business, Technology und Entertainment. Weiterlesen

Netzgeblubber deluxe: “Facebook zensiert Google+-Invites. Vielleicht. Kann sein. Egal.”

17. August 2011  |  Journalismus, Social Media  |  5 Comments  |  Share

Die Recherchemechanik eines Tech-Journalisten ist recht simpel – einfacher, als bei den Kollegen aus anderen Ressorts: Man verlässt nicht das Haus, jagt keinen Tornados hinterher oder wartet unzählige Stunden in irgendwelchen Hotellobbys. Nein, in der IT-Berichterstattung versendet man stattdessen einfach eine E-Mail, postet eine IM-Nachricht oder greift zum Hörer. So einfach ist das.

Nichts von dem ist im heutigen Fall der grausamen Facebook-Zensur geschehen, in der Mark Zuckerberg persönlich einen Zauberbann gegen Google+ aussprach und damit alle Invite-Links zu Googles neuem Netzwerk in den Orkus der Verdammnis schickte. Zumindest hat hierzulande niemand auch nur den müden Versuch unternommen, einmal für die Nutzer für ein wenig Klarheit zu sorgen. Warum auch? Die Story verkauft sich gut; ehrlich gesagt waren bislang alle Feld-Berichte, die von den Kriegsschauplätzen zwischen den beiden Netzwerken stammten, Traffic- und vor allem Engagement-Garanten.

Die feixende Ignoranz der Medien in dieser Sache hatte mich heute schon einmal kurz aufgebracht, da der Tross der Deppen sich aber weiter durch die Landschaft der Etablierten bohrt, muss ich eben die Scheinwerfer etwas breiter aufstellen. Weiterlesen

Apple vs. Samsung: Faules Beweisbild in der Einstweiligen Verfügung?

15. August 2011  |  Tech, Unternehmen  |  No Comments  |  Share

Wenn es Übernahmen, Produktentwicklungen oder Abmahnungen gibt, stöbere ich ja immer gerne in den Original-Unterlagen, sofern sie verfügbar sind. Doch auf dieses pikante Detail bin ich erst durch das niederländische Apple-Blog WebWereld (Translate-Link) aufmerksam geworden.

Es dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben, dass sich der Innovationskampf der Hard- und Software-Giganten vom heimischen Labor langsam in die internationalen Gerichtsgebäude verlegt: Apple mahnt so unter anderem Samsung und Motorola ab, da – so das Argument – die Konkurrenz-Tablets ein frecher Abklatsch des iPad 2 seien. Die Richter können entscheiden, wie sie wollen: Natürlich sind die Tablets der neuen Generation – wenn nicht vom iPad abgeguckt – so aber doch vom Apple-Rechner inspiriert. Man sollte da die Zügel aber locker lassen, gerade Apple hat sich ja nicht nur am Design-Fundus eines großen deutschen Elektrounternehmens immer wieder bedient – und tut es noch heute. Weiterlesen

Brian Solis im Interview: “Marken sind die neuen Medienunternehmen”

15. August 2011  |  Social Media  |  1 Comment  |  Share

Die Entwicklungen im Social Web überschlagen sich: Fan-Pages auf Facebook nehmen gigantische Ausmaße an, Twitter wird für Kunden zur wichtigsten Echtzeitnachrichtenquelle und Google bläst mit dem neuen Netzwerk Google Plus zum Angriff.

Brian Solis ist die Stimme Amerikas, wenn es um das Thema Social Media geht. Der 41-Jährige arbeitet heute als Principal bei der Altimeter Group, sein im vergangenen Jahr erschienenes Buch “Engage” avancierte binnen kürzester Zeit zur Bibel der Marketing-2.0-Szene. Auf dem Social Media Marketing & I-Commerce Summit 2011 in Monte Carlo hatte ich kürzlich Gelegenheit, mit Solis ein Interview zu führen.

Mr. Solis, was ist Ihrer Meinung nach der größte Fehler, den ein Unternehmen in Social Media machen kann?

Den größten Fehler, den Unternehmen heute machen, ist der, dass sie sich nicht die Frage stellen: Warum machen wir überhaupt Social Media? Welchen Wert können wir beitragen, was wollen die Kunden? Fehler Nummer zwei besteht darin, dass sie ihre Aktivitäten auf das Marketing beschränken – und dieses Marketing ist oft von der bisherigen Unternehmenskultur geprägt. Viele Firmen, die ich kenne, haben eine Broadcasting-Mentalität: Das sind wir, das machen wir, das verkaufen wir – ihr werdet das schon mögen. Doch in der Welt von Social Media begegnen wir einer neuen Klasse von Konsumenten: Es gibt die klassischen Online-Kunden, die ihre Suche bei Google beginnen. Dann gibt es den traditionellen Konsumenten, jemand, der den Medien, dem Fernsehen und dem Radio, den Zeitungen und Magazinen vertraut. Und dann gibt es die sozialen oder vernetzten Konsumenten, die Social Media leben – und zwar auch unterwegs per Smartphone oder Tablet. Sie sind wesentlich anspruchsvoller, ihre Bedürfnisse sind wesentlich größer, sie erwarten Personalisierung und Aufmerksamkeit. Diese Gruppe wird aber ignoriert und genauso wie alle anderen behandelt: “Hey, klick auf ‘Gefällt mir!’ und du kannst vielleicht ein iPad gewinnen!” – Unternehmen konfigurieren ihre redaktionellen Inhalte, ihre Facebook-Seiten oder YouTube-Kanäle so, dass sie praktisch zur reinen Werbung verkommen. Es sind keine Unterhaltungen, die irgendeine Form von Wert besitzen. Genau diesen Wert nicht in den sozialen Stream zu integrieren: das ist der größte Fehler, den heute viele Unternehmen machen. Weiterlesen

Wenn Twitter geht, verschwindet auch die Echtzeit-Gesellschaft

7. August 2011  |  Social Media  |  7 Comments  |  Share

Ich bin der Meinung, dass es in der Geschichte des Internets zwar viele Innovationssprünge geben hat – aber nur ganz wenige davon die digitale Evolution tatsächlich und nachhaltig vorangetrieben haben. Eine dieser bedeuteten Innovationen ist Twitter. Die Idee zum Kurznachrichtendienst war so einfach wie genial: 140 Zeichen – das muss reichen. Doch anders als jeder andere Dienst des (Social) Web hat Twitter damit eine völlig neue Dimension in das globale Spiel eingeführt; nämlich Transparenz.

Twitter war vom ersten Tag an eine öffentliche Plattform, die sich eher als sichtbare Mikroblogosphäre denn als abgekapseltes Social Network verstand. Das erlaubte uns schon nach wenigen Jahren, die Welt in ihrer Ganzheit zu erfassen. Die Entwicklung führte zur Verschlagwortung der globalen Gefühlswelt. Heute werden weltweit 65 Millionen Tweets pro Tag publiziert: Keine Umfrage, keine Statistik und keine Analyse leistet soviel für die Transparenz auf der Erde, wie Twitter es tut (und das zudem kostenlos und in Echtzeit). Wir wissen, wo es brennt, wo man protestiert, wo man liebt, wo man wählt und wo man sich unterhält. Diese Verfügbarkeit der Information hat Fakten geschaffen und zwar von der Zensursula-Debatte bis zum Tahir-Platz in Kairo. Wenn Kameras das Land verlassen mussten, waren dort immer noch die Twitterer, welche die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Brennpunkte der Welt lenkten. Weiterlesen

Social Targeting auf Facebook: “Bald werden die Kunden für das Marketing selbst bezahlen”

3. August 2011  |  Social Media  |  4 Comments  |  Share

Die Evolution des Online-Marketings verlief bisher in recht überschaubaren Schritten. Den Anfang machte die zufällig eingeblendete Werbung, hinzu kamen kontextbasierte Formate, die schließlich vom intelligenten Targeting abgelöst wurden. Bei allen Versuchen lautete die Devise stets: Streuverlust minimieren, Relevanz erhöhen – doch bis heute scheint das Ziel nicht vollends erreicht. Wir analysieren das Klickverhalten der Nutzer und erhoffen uns dadurch, mehr über sie und ihre Persönlichkeiten zu erfahren. Über tatsächliche Vorlieben und Abneigungen sagt das erst einmal aber wenig aus.

Die neue Form des Social Media Marketings will die Orakeltätigkeit hinter sich lassen und sich direkt an den konkreten Daten der Nutzer bedienen. Denn auf Plattformen wie Facebook geben diese über fast alles bereitwillig Auskunft. Gespeichert werden im blauen Netzwerk derzeit unter anderem: der Name, das Geburtsdatum, der Beziehungsstatus und die sexuelle Orientierung, der aktuelle Wohnort, der Geburtsort, die Art der Ausbildung und der Name der (Hoch-)Schule. Vermerkt sind ebenso der Arbeitgeber, die Namen der Familienangehörigen und Freunde. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs: Wo hat sich der Nutzer zuletzt eingecheckt? Welche Seiten hat er “geliked”, welchen Brands folgt er und für welche Veranstaltungen hat er sich angemeldet? Facebook kennt seine E-Mail-Adresse und in vielen Fällen noch seine Handy-Nummer. Die IP-Adressen und bei mobilen Nutzern auch die GPS-Koordinaten und damit der exakte Aufenthaltsort werden ebenfalls notiert. Weiterlesen

Über die Traffic-Enteignung der sozialen Netzwerke

24. Juli 2011  |  Social Media  |  1 Comment  |  Share

Das Social Web ist noch recht jung, erst 2004 wurde Facebook Inc. von Mark Zuckerberg gegründet, das Netzwerk lernte die deutsche Sprache vor gerade einmal drei Jahren. Doch wer die Entwicklungen verfolgt hat, merkt, dass es keinen linearen Verlauf in Wachstum und Akzeptanz gibt. Ich versuche im Folgenden, die Entwicklung kurz nachzuzeichnen.

2005 bis etwa 2010 war die Zeit des zentralisierten Booms im sozialen Netz, die Nutzer stürmten facebook.com oder twitter.com, legten sich Accounts an, schauten mehrmals täglich auf den Seiten vorbei, bookmarkten ihre Lieblings-Pages, benutzten die Suchfunktionen der Plattformen, schossen Bilder von ihren Rechnern auf die Pinnwände. Facebook schob sich in Sachen Verweildauer an Google vorbei, “My Profile is my Castle”, das soziale Leben evolvierte in den Netzwerken.

Im Januar 2009 schrieb ich dann bei Basic Thinking einen Artikel mit dem Titel: “Social Media auf dem Handy – und warum das vielen ziemlich egal ist“. Darin wunderte ich mich über die niedrige Akzeptanz bei den Deutschen und den fehlenden Willen, das mobile Netz endlich Realität werden zu lassen. Deutschland brachte es in Sachen Mobile Networking seinerzeit auf den vorletzten Platz in der EU – nur Spanien zeigte eine noch schwächere Performance. Das hat sich mittlerweile geändert und damit auch eine ganze Reihe anderer Dinge. Weiterlesen

Nein, Google+ ist keine gute Blog-Plattform: Blogs sind gute Blog-Plattformen

10. Juli 2011  |  Social Media  |  17 Comments  |  Share

Ich versuche nur, die Diskussion ein wenig abzukürzen. Welche Diskussion? Nun eben jene, die in ein paar Tagen oder Wochen aufkommen wird, wahrscheinlich zunächst in den USA, dann als deutsche Zweitverwertung: “Ist Google+ die bessere Blog-Plattform?” Bislang ist diese Frage bei fast jedem neuen 2.0-Dienst aufgetaucht, ob bei Twitter, Facebook oder Quora – immer wieder wird die irre Theorie in den Raum geworfen.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Blogs seit zwei, drei Jahren aus dem Social Web gedrängt werden. Facebook und Twitter haben längst übernommen, sowohl was die Produktion als auch die Distribution angeht. Die meisten Links, die auf diesen Diensten hin- und hergeschossen werden, verweisen auf kommerzielle News-Seiten. Erst an zweiter Stelle kommen Marken-Angebote und dann der User Generated Content. Im vergangenen Oktober schrieb ich einen Blog-Post, der sich mit dem nahenden Ende von Social Media auseinandersetzte. Die Idee zum Titel stammte nicht von mir, sondern von einigen Kritikern, die angesichts schwindender Ambitionen bei Privat-Anwendern (die immer mehr konsumieren und immer weniger produzieren), hysterische Stimmung verbreiteten: YouTube-Clips anschauen? Yeah! Flicker-Alben durchblättern? Yeah! Status-Updates kommentieren? Gefällt mir! Eigene Inhalte erstellen? Och, nö…

Die Entwicklung ließe sich damit rechtfertigen, dass die Art des Contents sich eben gewandelt hat. Offenbar sind im privaten Rahmen heute lange Texte out, ebenso selbst gedrehte Dokumentationen oder bereichernde Bilderstrecken. Die Produktionstätigkeiten der überwältigenden Mehrheit der derzeitigen Netzbürger bestehen aus “Thumbs up!”, “RT” und “+1″. Gerade der Start von Google+ hat dies gezeigt. Noch hat das Netzwerk nicht seinen festen Platz im Social Web gefunden, viele sind orientierungslos und scheuen sich davor, schon jetzt ihre Prioritäten festzulegen. So werden alle Kanäle gleichzeitig bedient und die neuen Mitglieder von Google+ werden Zeugen von ebenso redundantem wie selbstreferentiellem Link-Geschubse: Ich finde keine News, dieselbe News findet mich – und das gleich hundertfach. Weiterlesen

So geht’s (oder auch nicht): Facebook-Kontakte über Yahoo! bei Google+ importieren

5. Juli 2011  |  Social Media  |  7 Comments  |  Share

Nachdem Facebook die Chrome-Extension a Facebook Friend Explorer abgesägt hat, ist es noch schwieriger geworden, die alten Facebook-Kontakte auf Google+ zu exportieren. Das Google-Netzwerk erlaubt jedoch den Import von Yahoo!-Daten. Was liegt also näher, als zunächst die Kontakte von Facebook zu Yahoo! zu bewegen, um sie dann in Google+ zu laden (im Menü “Circles” ► “Finden und einladen”). Yahoo! hat die Schnittstelle zu Facebook mit großem Tamtam vor rund einem Jahr aufgemacht, also sollte es ohne große Probleme möglich sein – dachte ich.

Hier der Ablauf. Ruft zunächst Yahoo! Mail auf, von da an orientiert euch an den Screenshots: Weiterlesen