Posts Tagged ‘AOL’

Klicktrieb: Wie AOL systematisch den Journalismus und die Blogs entwertet

9. Februar 2011  |  Journalismus, Social Media, Tech  |  1 Comment  |  Share

Tim Armstrong ist knallharter Ökonom – und man muss es ihm nachsehen: er hat einen ebenso knallharten Job. Den Shift von einer ehemaligen CD-Schleuder namens AOL zum globalen Medienunternehmen hinzubiegen, wäre eine Meisterleistung. Doch noch hat er es nicht geschafft und viele Beobachter zweifeln daran, dass seine starrköpfig eingeschlagene Richtung irgendwo anders landet, als in einer Schublade mit der Aufschrift “Epic Fail – bye, now move on!”

Die Ware, mit welcher der AOL-Chef handelt, ist Content, genauer gesagt: Discount-Content. Auf Basic Thinking nannte ich die Urheber der Texte einmal eine “robotisierte Armee von Content-Affen“, denn genau das sind sie auch. Erfahrene Redakteure, die im Zuge der Printkrise auf der Strecke blieben, abgehalfterte Werbetexter und autodidaktisch veranlagte Journalismus-Tagelöhner werden hundertfach und direkt von der Straße rekrutiert, hinter eine Maschine geklemmt und zur Produktion aufgefordert. Ein semantischer Crawler rast durch Twitter, Facebook und Co. und nimmt dabei in Echtzeit die Stimmung auf. Die gesammelten Daten werden dann durch einen Algorithmus aufbereitet und gleich darauf an die Schreiber als Themenvorgabe weitergeleitet: die Relevanz der Geschichten diktiert das Netz. So kann es eben auch schon einmal vorkommen, dass Justin Bieber mehr Aufmerksamkeit geschenkt bekommt, als die Revolution in Ägypten.

Es ist ein reichlich schmutziges Geschäft, die Redakteure werden nicht nach Aufwand, sondern nach erreichten Klickzahlen bezahlt. Wer aufgibt, wird schnell durch die nachrückende Generation arbeitsloser Journalisten ersetzt. So funktionierte seit einigen Monaten das werbefinanzierte Modell von AOL. Weiterlesen

Project Phoenix: Die neue AOL-Mailbox ist gestartet / Invites zu vergeben

13. Dezember 2010  |  Netznews, Social Media  |  13 Comments  |  Share

Früher als erwartet hat AOL seinen neuen Maildienst Project Phoenix (Hintergrund) in einer geschlossenen Beta gestartet. Ich hatte mich kurz nach der Ankündigung vor rund einem Monat auf die Invite-Liste setzen lassen und mit einer Antwort nicht vor Ablauf des Jahres gerechnet – um so schöner, dass es jetzt geklappt hat.

Schauen wir uns kurz den neuen Dienst an. Wie zu erwarten war, hat AOL das Rad nicht neu erfunden: Die neue Mailbox sieht aufgeräumter und damit übersichtlich aus – empfangene Mails lassen sich im Web-Client in drei unterschiedlichen Ansichten darstellen. Nett ist das neue Quick Reply-Feature, um empfangene Schreiben mit Textschnellschüssen zu beantworten, was der Kommunikation per Mail einen flotten Chat-Charakter verleiht. Alternativ wechselt die Ansicht auf Knopfdruck in den bekannten Compose-Modus. Ebenfalls neu ist eine integrierte Funktion, die Mails automatisch nach Multimediainhalten scannt: mitgeschickte Bilder, Karten und Dateianhänge werden abstrahiert und am rechten Seitenrad neben der Mail in einer kleinen Galerie angezeigt. Weiterlesen

Neuer Mail-Dienst “Project Phoenix”: AOL tritt Facebook vor das Schienbein

14. November 2010  |  Netznews  |  1 Comment  |  Share

Das nennt man Timing. Nur wenige Stunden, bevor Facebook den wohl größten globalen Mail-Dienst aus dem Hut zaubern will, schießt AOL dazwischen. Der noch immer kriselnde Content-Anbieter hat am Sonntagabend eilig eine Pressemitteilung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass man die Revolution im Mail-Geschäft für sich selbst beansprucht.

Warum elektronische Post für AOL so eine große Rolle spielt? Nun, nach eigenen Angaben sind die Mailboxen der Nutzer für rund 45 Prozent (!) aller Page Views im AOL-Netzwerk verantwortlich. Vergleicht man dies mit der Arbeit, die hinter der gigantischen Content-Mühle steckt, wird schnell klar, wo sich auf lange Sicht mehr Geld sparen lässt. AOL hat dem Mail-Relaunch den Namen “Project Phoenix” gegeben – mit dem bestehenden Postsystem soll es allerdings wenig zu tun haben: “Phoenix wurde von Anfang an neu entwickelt und aufgebaut und zwar als eine innovative und intuitive Lösung für Mail, so wie sie heute zum Kommunikationsverhalten der Nutzer passt”, heißt es da. Etwas großspuriger klingt es aus dem Mund von Brad Garlinghouse, der für die App-Gruppe im Konzern verantwortlich ist:

AOL war das Unternehmen, das jedem den Online-Zugang ermöglicht hat. Nun machen wir es einfacher und unterhaltsamer, dort auch zu bleiben.

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