Posts Tagged ‘Deutschland’

Social Media 2012: Wie die USA den Europäern mit Anlauf in den Arsch treten

12. Juli 2012  |  Social Media, Unternehmen  |  41 Comments

“Europa ist ganz gut in Mobile. Alles andere können wir besser.”
- Scott Galloway (NYU Business School, Founder of L2 ThinkTank)

Die Headline ist natürlich ebenso bildlich wie übertrieben. In Wahrheit gibt es keinen wütenden Anlauf, sondern einen seichten, angedeuteten Sprint, bei dem niemand wirklich aus der Puste kommt. Doch am Ende steht die Tatsache, dass die gute, alte Welt nun einmal das ist, was sie ist: eine alte Welt.

Auf der diesjährigen SMICS Conference (hier das Fotoalbum) haben die Amerikaner gezeigt, was wir bislang erst in der Glaskugel bestaunen durften – nämlich die Realität. Die Digitalisierung der Gesellschaft ist in den meisten US-Köpfen soweit vollzogen und abgeschlossen, was nun folgt, sind Visionen von Möglichkeiten, Träumereien oder Spinnereien, von denen einige wahr werden oder eben nicht. Zumindest steigt der Aktivitätsindex in den Staaten mit jedem Tag, der vergeht. Derweil sind die Europäer – und speziell die Deutschen – nicht untätig, sondern treten ebenso aktiv auf der Stelle, schauen verschämt über den großen Teich, um Inspirationen einzusammeln, sich zu empören oder gleich ganze Strategien zu kopieren. SMICS hat gezeigt, dass die digitale Denke in Deutschland ein trauriger Abklatsch des American Dreams ist, ein heruntergekochtes Derivat, viel zu kraftlos, viel zu spät. Die USA betrachten dieses Schauspiel wiederum mit aufrichtigem Desinteresse. Was steht schon zu befürchten, wenn der Wettbewerb an Narkolepsie leidet? Aber werden wir konkreter… Weiterlesen

Auf der Suche nach dem deutschen Silicon Valley (oder auch nicht)

1. Dezember 2011  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  7 Comments

Ich will keine innovative deutsche Stadt, ich will ein innovationsfreudiges Land. Und ich bin ein ziemlich gebranntes Kind, was Berlin angeht. Als eine Zeitung mich kürzlich bat, ein Tremolo auf den Norden zu halten, kramte ich in meiner Erinnerungskiste:

Berlin, das ich aufgrund einer Fernbeziehung häufig besuchen musste, tat das Übrige, als ich eines abends vor dem schäbigen Hauptgebäude des Schönefelder Flughafens stand und ein Taxi suchte: „Entschuldigen Sie, sind Sie frei?“ fragte ich höflich einen der Fahrer, die abseits der Wagen gemeinsam rauchten und lachten. „Ne, ick bin verheiratet. Kann dich jetzte abba trotzdem mitnehm’n.“

Das ist Berlin. Distinguierte Ignoranz (Hamburg) ist qualitativ etwas anderes als rohe Rotzigkeit (Berlin); doch emotionale Befindlichkeiten sollen hier keine Rolle spielen. Aber unter uns: Ich mag das Selbstbild der Berliner nicht sonderlich, wobei es ja kaum noch Berliner gibt, sondern vielmehr Zugereiste, Hängengebliebene und jede Menge Studenten, daher handelt es sich eher um einen Lokalpatriotismus im Vorbeigehen. Es scheint, dass heutzutage jeder als Berliner gilt, der “im Prenzlauer Berg” und nicht “auf dem Prenzlauer Berg” sagen kann, während er sich über die S-Bahn aufregt und den schlechten Handy-Empfang beklagt. Schon in diesem Moment wächst offenbar schlagartig das Hauptstädtische in einem heran und rechtfertigt die beiden Optionen “die da” und “wir”. Denn andere Alternativen spielen in der Branche keine Rolle mehr.

Ich komme auf das Thema, weil mich mit steigender Frequenz Pressemitteilung erreichen, in denen ehemals verzweifelte PRler die krampfhafte Berlin-Synonymsuche (gern genommen wurden bislang: “Hauptstadt”, “Weltstadt”, “Hauptregierungssitz” oder das völlig verdrehte “Spree-Athen” – in diesen Tagen kein Kompliment) abkürzen und daraus ein “Silicon Valley Europas” machen. Das Deutschlandradio hat noch mehr Begriffe im Programm und zitiert: “Die neue Internet-Hauptstadt”, “Neue Heimat der Internet-Generation” und “Europe’s hottest startup capital”. Weiterlesen

Street View-Start in Deutschland: Google zeigt erste zensierte Häuser

2. November 2010  |  Netznews  |  4 Comments

In der Nacht zum Dienstag hat Google mit dem Roll-Out der Street View-Funktion in Maps begonnen – in kleinen, winzig kleinen Häppchen, um den besorgten deutschen Bürger nicht mit der nackten Realität unserer Straßen zu überfordern. Die Suchmaschine tauft den ersten Gehversuch bei den Teutonen “Kleine Deutschlandreise” und hat sich zunächst einmal darauf beschränkt, möglichst unverbindliche Allgemeinplätze zu Schau zu stellen: mehr Landschaft und Sehenswürdigkeiten, weniger Gesichter von Menschen. Vom Start weg dabei sind ein paar Einblicke in Berlin, der Theaterplatz in Dresden, die Hamburger Köhlbrandbrücke, der Königsplatz in München, das Stuttgarter Schloss Schloss Solitude, ein paar Fußballstadien und die Allgäu-Perle Oberstaufen. Warum – bitte schön Oberstaufen? Google selbst hat die Antwort:

Oberstaufen im Allgäu ist auf eigenen Wunsch als erste deutsche Gemeinde bei Street View zu sehen. Im August 2010 hatte die dortige Tourismusgesellschaft Google mit einer selbst gebackenen Torte und einem Video eingeladen, Bilder einiger seiner Straßen und Plätze möglichst frühzeitig bei Street View aufzunehmen.

Hier, auf der Bürgermeister-Hertlein-Straße, lässt sich auch wunderbar nachvollziehen, wie Google die von besorgten Bürgern beantragte Zensur ihrer Häuser umsetzt: Weiterlesen