Posts Tagged ‘Facebook’

Miese Apps sozialer Netzwerke

6. August 2012  |  Social Media  |  3 Comments

Narf! Facebook-App? Gelöscht. Twitter-App? Gelöscht. Die mobile Nutzung vieler moderner Dienste gleicht heute der Installation von Windows 98: “Bitte Diskette 7 von 34 einlegen und Enter drücken.” Die Facebook-App für iOS ist labiler als ein Hypochonder in einer vollen U-Bahn zur winterlichen Grippezeit. Die Anwendung stürzt ab, lädt nicht, hängt und auch in Version 4.1.1 ist noch immer die Sharing-Funktion deaktiviert. Twitter? Seit der Übernahme von Tweetie ging es bergab; von Auflage zu Auflage verschwanden immer mehr Tweets, es rappelt in der Synchronisierungskiste – so schnell kann man den Homebutton gar nicht drücken. Google Plus? Bislang Klassenbester, was aber keinesfalls die Versetzung garantiert: Die G+-App ist seit dem Facelift ein Pinterest-Klon, bei dessen Newsstream die Bilder und nicht die Diskussion im Mittelpunkt stehen. Ein Wunder, dass beim King des Design-Streamlinings ein solches, unübersichtliches Paket geschnürt wurde. Weiterlesen

Facebooks Tabu-Zonen zwischen Penissen und Amokläufern: Was wir willkürlich nennen, nennen sie amerikanisch

27. Juli 2012  |  Social Media  |  1 Comment

Man stelle sich vor: ein Penis! Ein Penis! Das “ZeitMagazin” hatte vergangene Tage den zaghaften Versuch unternommen, die männliche Nacktheit (es ging nicht einmal um die männliche Sexualität) gesellschaftlich zu entmystifizieren. Die Brust der Frau ist im Werbe- und Medienalltag allgegenwärtig, letzten Endes gibt es offenbar nichts, was sich nicht mithilfe lasziver Damenposen vermarkten lässt – es reicht ein Blick auf die jüngsten Rügen des Deutschen Werberats. Peniscontent spielt da eher eine untergeordnete Rolle. Doch um derlei Gender-Überlegungen soll es hierbei auch gar nicht gehen…

Um den Worten Taten folgen zu lassen, hatte das “ZeitMagazin” beschlossen, einfach mal einen Schwanz auf die zweite Titelseite zu drucken. Wie es weiter ging, verrät die Pressemitteilung:

Wie jede Woche üblich veröffentlichte die Redaktion am Mittwochnachmittag beide Titelseiten vorab hintereinander auf der ZEITmagazin-Facebookseite. Der Eintrag mit der zweiten Titelseite war am Abend gelöscht. Auf Anfrage des ZEITmagazins lässt Facebook auf seine Community Standards verweisen.

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Auf ein (wirklich) Neues: Die Deutsche Bahn auf Facebook

7. Dezember 2011  |  Social Media, Unternehmen  |  1 Comment

Nachdem die Deutsche Bahn im Juni ihren Account bei Twitter eröffnete, wird nun die nächste, konsequente Stufe gezündet: Facebook (Hintergründe). Als die Meldung vergangene Woche schon die Runde machte, schüttelten sich einige vor Misstrauen. Deutsche Bahn? Facebook? Da war doch was. Ja, da war etwas, genau genommen war es im Oktober 2010, als sich das Unternehmen – eingehüllt in harscher Kritik wegen rollender Klimakatastrophen und Stuttgart21 – beim Netzwerk anmeldete, um das “Chefticket” unter die Leute zu bringen. Ogilvy hatte seinerzeit den Lead für den Konzern übernommen und prächtig gezeigt, wie man es nicht macht. Auf Kommunikation war bei der Deutschen Bahn verblüffenderweise niemand vorbereitet, ging es doch damals einzig und alleine darum, moderne Distributionswege für Schnäppchenangebote auszuloten. Der tobende Unmut von Kunden und Medien wurde wacker ertragen, irgendwann wurde das Projekt dann sang- und klanglos eingestellt – was wahrscheinlich auch besser war. Und nun soll die Seite wieder aufleben.

Der Zeitpunkt der Neuinbetriebnahme (bewusst nicht “Wiederinbetriebnahme”, dazu später mehr) ist mutig gewählt: Am 11. Dezember steht den deutschen Bahnreisenden eine “deutliche” und “unverhältnismäßige” Fahrpreiserhöhung bevor, zudem verrät schon jetzt jeder Blick aus dem Fenster, dass auch dieser Winter seine Spuren am Schienennetz hinterlassen wird. Kritik ist also so gut wie vorprogrammiert. Und? Genau. Weiterlesen

FAQ: Vom Nutzen des Facebook Social Readers – für die Unternehmen

3. Dezember 2011  |  Social Media  |  5 Comments

Q: Was habe ich davon, den Social Reader auf Facebook zu installieren?
A: Du brauchst nach dem Lesen eines Artikels nicht “Gefällt mir” zu klicken. Dies geschieht automatisch; ob er dir gefällt oder nicht.

Q: Was hat ein Medienunternehmen wie die “Washington Post” davon, den Social Reader anzubieten?
A: Zum einen kostenlosen User-Content, der beliebig und auf unbestimmte Zeit gespeichert und unentgeltlich verwendet werden kann. Das schließt auch die weltweite Weitergabe des Contents an Dritte nicht aus. Zum anderen erhält die “Washington Post” deine Daten. Dazu zählen unter anderem: personenbezogene Daten, wie E-Mail-Adressen, Vorlieben, Interessen und abonnierte Facebook-Pages sowie Informationen über befreundete Facebook-Mitglieder. Diese Daten können nach Belieben mit weiteren Informationen verknüpft werden, die aus anderen Quellen stammen. Gespeichert werden ebenso: Der Zeitpunkt der App-Installation, welche Artikel gelesen und welche Seiten besucht und welche Links geklickt wurden, außerdem die IP-Adresse, der Browser und die Referring Websites. Die “Washington Post” darf das Tracking ohne zusätzliche Erlaubnis auch jederzeit per Cookie begleiten. Die explizit angebotene “Opt-Out”-Option besteht darin, im Browser das generelle Speichern von Cookies zu deaktivieren. Auch die Cookie-Informationen können mit anderen Daten zusammengeführt werden. Weiterlesen

Facebook & Frictionless Sharing: Chrome-Extension soll die Social Reader eindämmen

26. November 2011  |  Social Media  |  Kommentare deaktiviert

Geht doch. Während sich auf Facebook das Frictionless Sharing weiter und weiter in die Timelines der Mitglieder hineingräbt, wächst auch die Gruppe der Gegner. Jetzt ist erstmals eine Google Chrome Extension aufgetaucht, die das passive Sharing eindämmen soll.

Die Datenaufzeichnung im Vorbeigehen läuft bislang so ab: Im News-Stream erscheint der Hinweis, dass ein befreundeter Nutzer gerade diesen oder jenen Artikel gelesen hat. Klickt man auf den angegebenen Link, landen wir aber nicht direkt bei der Story, sondern werden gebeten, den Social Reader des jeweiligen Mediums zu installieren. Sobald dies geschehen ist, wird auch das eigene Leseverhalten protokolliert und entsprechend veröffentlicht. Wer die App nicht installieren möchte, weil er auch künftig gelesene News-Artikel nicht gleich mit allen teilen möchte, muss auf “Abbrechen” drücken. Erst dann erscheint die eigentliche News. Bei einem so umständlichen Prozedere (das jedes Mal zu absolvieren ist), ist es mehr als wahrscheinlich, dass man irgendwann doch einmal nachgibt und die App installiert. Weiterlesen

Offizielle Facebook-Malware: Seamless Sharing bringt Blogger auf die Palme

20. November 2011  |  Social Media  |  3 Comments

Die Fraktion der Befürworter bröckelt – und zwar jetzt auch in den Staaten! US-Amerikaner sind gut darin, Innovationen in Dingen zu sehen, vor denen die Alte Welt zunächst zurückschreckt. So war es auch kein Wunder, dass unzählige Blogger und IT-Channels aus den Staaten applaudierten, als Facebook im September das “Frictionless Sharing” vorstellte – eine Funktion, die den Like-Button praktisch überflüssig macht, da Inhalte künftig rein automatisch geteilt werden sollen. In Deutschland erzitterte seinerzeit kurz das Web; das Thema Datenschutz sitzt uns allen seit Monaten in den Knochen.

Doch nun beginnt das Roll-Out des Features im Netzwerk und man kann ein deutliches Umdenken bei den Innovationsanhängern feststellen. Sowohl Cnet als auch ReadWriteWeb teilen erstmals Prügel Richtung Facebook aus. Ein paar O-Töne:

  • “Facebook’s Open Graph scheme is totally ruining sharing.”
  • “Violation of reasonable user expectations.”
  • “It is hijacking of your navigation.”
  • “Facebook is acting like malware.”
  • “I’m afraid to click any links on Facebook these days.”
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Facebook: Ein weltweit eigenes Süppchen für Schleswig-Holstein [Update]

20. Oktober 2011  |  Social Media  |  10 Comments

Als ich aus dem “Et hätt noch imma jut jejange!”-Köln nach Hamburg zog, wurde ich ja subtil gewarnt, dass man im Norden ein wenig anders ticke, aber einen solchen Reallife-Psychokrimi, wie ihn Schleswig-Holstein derzeit präsentiert, hätte ich dann doch nicht erwartet.

Es geht nach wie vor um das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz in Kiel und seinen Vorsteher Thilo Weichert, der ebenso rigoros wie schmerzbefreit für die Abschaffung von Facebook im nördlichsten Bundesland der Republik kämpft. Da er das Netzwerk datenschutzrechtlich selbst nicht zu Packen bekommt, hat er mittlerweile die Nutzer (das sind: die Seiten- und Fanpage-Betreiber) im Haftung genommen und stößt in zuverlässiger Regelmäßigkeit Drohungen gegen sie aus. Bis zu 50.000 Euro – so der dezente Hinweis – könnte es Unternehmen ab sofort kosten, wenn sie mit einer Präsenz im Netzwerk erwischt werden. Weiterlesen

Internet vs. Privacy: Last Train to Mashville? (Prokrastinationspolitik)

2. Oktober 2011  |  Social Media  |  Kommentare deaktiviert

Ein paar Tage nachdem Thilo Weichert mit seinem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) die große Facebook-Offensive angekündigt hatte, traf ich mich mit einem Freund und schäumte: “Was Weichert vor hat, ist der Wahnsinn! Der Mann muss da weg!” Mein Freund entgegnete, dass es doch eigentlich eine tolle Sache sei: “Warum? Endlich wird es Prozesse geben, die für Rechtsklarheit sorgen.” – Ja, klar. Da ist etwas dran. Sicher. Das macht Sinn. Es gibt einen Streit, zwei Parteien treffen sich beim Richter und es kommt zum Prozess. Irgendwann wird ein Urteil verlesen und die Sache ist erledigt. Macht Sinn. Jedoch…

Ich weiß nicht, wann es anfing. Ich schätze mit Schröder. Heute gehört sie in Berlin zumindest zum Alltagsgeschäft: die abwesende Realpolitik, die zugunsten einer freizeitfreundlichen Reaktionspolitik abgelöst wurde. Gerade bei deutschen Gesetzgebern gehört es zum Millenium-Chic, bei Problemen abzuwarten, bis sie zur Krise herangereift sind. Dann werden grob formulierte Paragrafenkataloge aus der Hüfte geschossen – oft mit schönem Gruß an Karlsruhe: die da unten kümmern sich dann um die Vorlage, ehe die Verfassungsschützer Berlin bitten, in einer angemessenen Frist von mehreren Jahren das Gesetz doch bitte hier und da anzupassen. Zurück in der Hauptstadt werden drittklassige Flickenteppichmeister aus den Ausschüssen gezerrt, um die Vorschläge zu übernehmen. Voilà.

Die Justiz handelt auf Grundlage vorhandener Gesetze. Und in Sachen Datenschutz stammen diese aus Jahren, in denen Elton John noch in den Charts war. Wie orientierungslos deutsche Richter in Sachen Social Web sind, zeigte sich ja erst kürzlich, als ein Unternehmen Klage gegen einen Konkurrenten einlegte. Es ging um die Verwendung des Like-Buttons von Facebook. Die Juristen beäugten kurz den Sachverhalt und verkündeten, dass der Button wettbewerbsrechtlich nicht zu beanstanden sei. “Datenschutz? Privacy?” Man drückte sich um diese Fragen herum: “Sorry, dafür sind wir nicht zuständig. Keine Ahnung. Da soll sich jemand anderes drum kümmern.” Weiterlesen

Facebook ist einfach zu teuer geworden

26. September 2011  |  Social Media  |  8 Comments

Dieser Protest ist anders, er ist stiller. In der Vergangenheit flammten hin und wieder breite Boykott-Aufrufe gegen Facebook auf. Allesamt waren ebenso populistisch wie ineffektiv. Das Netzwerk hat immer die kritische Masse bei den Nutzerzahlen erreichen wollen, ehe der Vertrieb das Ruder über die Funktionspalette der Plattform übernehmen würde. Das ist wohl bei der geknackten Grenze von 800+ Millionen aktiven Nutzern längst geschehen. Petitionen, Kettenbriefe und Massen-Statusupdates können da nicht mehr viel reißen – zumal Facebook selbst den Ort des Protestes kontrolliert. Bei 100 Millionen Nutzern gäbe es vielleicht noch so etwas wie Ehrfurcht oder Demut vor dem Nutzer. Doch das war im August 2008. Wer kann heute schon in einem Land mit 800 Millionen Einwohnern in Bottom-Up-Manier die Staatsform ändern, wenn Social Media als Kommunikationsmittel ausfällt?

Doch dieser Aufstand ist eben anders. Er geht von einflussreichen Alleingängern aus: “Goodbye Facebook“, schreibt Olaf Kolbrück. “Der Facebook Exodus“, heißt es bei Patrick Breitenbach. “Nix wie raus hier“, warnt Netzpolitik. Dies ist ein überlegter Protest. Facebook plant das allumfassende Lebensarchiv der registrierten Nutzer, von der Krippe bis zum Grab. Damit die Mitglieder nicht selbst Protokoll über ihr Leben führen müssen, hält das automatisierte “passive Teilen” Einzug:

Facebook’s passive sharing will change how we live our lives. More and more, the things we do in real life will end up as Facebook posts. And while we may be consoled by the fact that most of this stuff is being posted just to our friends, it only takes one friend to share that information with his or her friends to start a viral chain.

Dieser Einwurf von Mashable vergisst bei bereits vorhandener Dringlichkeit sogar einen wichtigen Faktor: Unsere Daten mögen vordergründig hinter Privacy-Walls vor unliebsamen Mitmenschen versteckt sein. Jedoch zu keinem Zeitpunkt vor Facebook Inc. Und es gibt keine Schweigepflicht für Wirtschaftsunternehmen. Weiterlesen

Ergebnisse der kleinen Umfrage: Der Stand von Social Media 2011

18. September 2011  |  Social Media  |  1 Comment

Da sich das Thema “Social Media hat die Boom-Zeit hinter sich” hartnäckig hält, habe ich an diesem Wochenende eine kleine Umfrage zur dieser These gemacht. Insgesamt haben 80 Teilnehmer ihre Stimmen abgegeben – nicht gerade repräsentativ, aber vielleicht dennoch aufschlussreich, da einige erfahrene SM-Hasen darunter waren. Jedenfalls danke ich jedem einzelnen.

Den vorliegenden Ergebnissen nach zu urteilen, hat sich im Vergleich zu 2010 nicht viel verändert. Es hält sich die Waage; an manchen Stellen hat sich das Engagement sogar verstärkt, zum Beispiel dank Google Plus. Die Nutzung von Location Based Services und der Business-Netzwerke scheint zu stagnieren, was unter anderem daran liegen könnte, dass die großen Drei (Facebook, Twitter und Google Plus) heute ähnliche Services integriert anbieten.

Warum also dieser Eindruck der trägen Branche? Ich glaube, dass die Medien dieses Bild mitformen: Es gibt keine Feature-Reportagen mehr. Warum? Weil die Netzwerke in den vergangenen Monaten damit gesättigt wurden: Fotogalerien, Videochat, Locations und Games – das waren die Aufreißer in den Medien. Der Schwerpunkt der Berichterstattung verschiebt sich nun auf die Beobachtung des Social Webs und hier vor allem auf die Einschätzung des Wettbewerbs. Weiterlesen

Tatort Facebook: Über den Fanpage-Giftschrank und die Berliner Waschlappen (inkl. 4 Tipps)

11. September 2011  |  Social Media  |  1 Comment

So schnell kann es gehen: Vom beruhigenden “Honig-Urteil” zur bundesweiten Facebook-Schelte brauchte Bundesagrar- und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nur wenige Stunden – ein wahrer Tausendsassa der politischen Landschaft! Aigner ruft sowohl die Bundesregierung als auch Abgeordnete dazu auf, ihre Präsenzen auf Facebook zu löschen und alle Spuren zu verwischen: Man solle “mit gutem Beispiel vorangehen”.

Um Aigner war es nach ihrem Brief an Mark Zuckerberg (“Sehr geehrter Herr Zuckerberg”) in den vergangenen Monaten eher ruhig geworden. Ja, sie hatte ihr Facebook-Profil medienwirksam getilgt – aber bitte: danach war die Sache erst einmal gegessen. Der Grund, weshalb die Ministerin nun noch einmal nachlädt, ist die Tatsache, dass ihr Parteikollege und unser Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vergangene Woche zur gemeinsamen Kuschelstunde mit Facebooks Chef-Lobbyisten Richard Allen geladen hatte. Es gab Küsschen links, Küsschen rechts und einen warmen Händedruck, der letztendlich Aigners Wut heraufbeschworen hatte. Datenschutz, Verbraucherschutz, Cyber-Crime und politischer Netzaktivismus – das Internet hat in der deutschen Politik bis heute noch keinen festen Ressortplatz gefunden, weshalb das Geschacher um die populären Themen jedes Mal von vorne losgeht. “Jetzt bin ich dran!”, dachte sich da Aigner und drückte auf den “Senden”-Button, der dafür sorgte, dass alle Ministerien ihre dringende Warnung vor Facebook bekamen. Weiterlesen

Netzgeblubber deluxe: “Facebook zensiert Google+-Invites. Vielleicht. Kann sein. Egal.”

17. August 2011  |  Journalismus, Social Media  |  5 Comments

Die Recherchemechanik eines Tech-Journalisten ist recht simpel – einfacher, als bei den Kollegen aus anderen Ressorts: Man verlässt nicht das Haus, jagt keinen Tornados hinterher oder wartet unzählige Stunden in irgendwelchen Hotellobbys. Nein, in der IT-Berichterstattung versendet man stattdessen einfach eine E-Mail, postet eine IM-Nachricht oder greift zum Hörer. So einfach ist das.

Nichts von dem ist im heutigen Fall der grausamen Facebook-Zensur geschehen, in der Mark Zuckerberg persönlich einen Zauberbann gegen Google+ aussprach und damit alle Invite-Links zu Googles neuem Netzwerk in den Orkus der Verdammnis schickte. Zumindest hat hierzulande niemand auch nur den müden Versuch unternommen, einmal für die Nutzer für ein wenig Klarheit zu sorgen. Warum auch? Die Story verkauft sich gut; ehrlich gesagt waren bislang alle Feld-Berichte, die von den Kriegsschauplätzen zwischen den beiden Netzwerken stammten, Traffic- und vor allem Engagement-Garanten.

Die feixende Ignoranz der Medien in dieser Sache hatte mich heute schon einmal kurz aufgebracht, da der Tross der Deppen sich aber weiter durch die Landschaft der Etablierten bohrt, muss ich eben die Scheinwerfer etwas breiter aufstellen. Weiterlesen

Wenn Twitter geht, verschwindet auch die Echtzeit-Gesellschaft

7. August 2011  |  Social Media  |  7 Comments

Ich bin der Meinung, dass es in der Geschichte des Internets zwar viele Innovationssprünge geben hat – aber nur ganz wenige davon die digitale Evolution tatsächlich und nachhaltig vorangetrieben haben. Eine dieser bedeuteten Innovationen ist Twitter. Die Idee zum Kurznachrichtendienst war so einfach wie genial: 140 Zeichen – das muss reichen. Doch anders als jeder andere Dienst des (Social) Web hat Twitter damit eine völlig neue Dimension in das globale Spiel eingeführt; nämlich Transparenz.

Twitter war vom ersten Tag an eine öffentliche Plattform, die sich eher als sichtbare Mikroblogosphäre denn als abgekapseltes Social Network verstand. Das erlaubte uns schon nach wenigen Jahren, die Welt in ihrer Ganzheit zu erfassen. Die Entwicklung führte zur Verschlagwortung der globalen Gefühlswelt. Heute werden weltweit 65 Millionen Tweets pro Tag publiziert: Keine Umfrage, keine Statistik und keine Analyse leistet soviel für die Transparenz auf der Erde, wie Twitter es tut (und das zudem kostenlos und in Echtzeit). Wir wissen, wo es brennt, wo man protestiert, wo man liebt, wo man wählt und wo man sich unterhält. Diese Verfügbarkeit der Information hat Fakten geschaffen und zwar von der Zensursula-Debatte bis zum Tahir-Platz in Kairo. Wenn Kameras das Land verlassen mussten, waren dort immer noch die Twitterer, welche die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Brennpunkte der Welt lenkten. Weiterlesen

Social Targeting auf Facebook: “Bald werden die Kunden für das Marketing selbst bezahlen”

3. August 2011  |  Social Media  |  4 Comments

Die Evolution des Online-Marketings verlief bisher in recht überschaubaren Schritten. Den Anfang machte die zufällig eingeblendete Werbung, hinzu kamen kontextbasierte Formate, die schließlich vom intelligenten Targeting abgelöst wurden. Bei allen Versuchen lautete die Devise stets: Streuverlust minimieren, Relevanz erhöhen – doch bis heute scheint das Ziel nicht vollends erreicht. Wir analysieren das Klickverhalten der Nutzer und erhoffen uns dadurch, mehr über sie und ihre Persönlichkeiten zu erfahren. Über tatsächliche Vorlieben und Abneigungen sagt das erst einmal aber wenig aus.

Die neue Form des Social Media Marketings will die Orakeltätigkeit hinter sich lassen und sich direkt an den konkreten Daten der Nutzer bedienen. Denn auf Plattformen wie Facebook geben diese über fast alles bereitwillig Auskunft. Gespeichert werden im blauen Netzwerk derzeit unter anderem: der Name, das Geburtsdatum, der Beziehungsstatus und die sexuelle Orientierung, der aktuelle Wohnort, der Geburtsort, die Art der Ausbildung und der Name der (Hoch-)Schule. Vermerkt sind ebenso der Arbeitgeber, die Namen der Familienangehörigen und Freunde. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs: Wo hat sich der Nutzer zuletzt eingecheckt? Welche Seiten hat er “geliked”, welchen Brands folgt er und für welche Veranstaltungen hat er sich angemeldet? Facebook kennt seine E-Mail-Adresse und in vielen Fällen noch seine Handy-Nummer. Die IP-Adressen und bei mobilen Nutzern auch die GPS-Koordinaten und damit der exakte Aufenthaltsort werden ebenfalls notiert. Weiterlesen

Über die Traffic-Enteignung der sozialen Netzwerke

24. Juli 2011  |  Social Media  |  1 Comment

Das Social Web ist noch recht jung, erst 2004 wurde Facebook Inc. von Mark Zuckerberg gegründet, das Netzwerk lernte die deutsche Sprache vor gerade einmal drei Jahren. Doch wer die Entwicklungen verfolgt hat, merkt, dass es keinen linearen Verlauf in Wachstum und Akzeptanz gibt. Ich versuche im Folgenden, die Entwicklung kurz nachzuzeichnen.

2005 bis etwa 2010 war die Zeit des zentralisierten Booms im sozialen Netz, die Nutzer stürmten facebook.com oder twitter.com, legten sich Accounts an, schauten mehrmals täglich auf den Seiten vorbei, bookmarkten ihre Lieblings-Pages, benutzten die Suchfunktionen der Plattformen, schossen Bilder von ihren Rechnern auf die Pinnwände. Facebook schob sich in Sachen Verweildauer an Google vorbei, “My Profile is my Castle”, das soziale Leben evolvierte in den Netzwerken.

Im Januar 2009 schrieb ich dann bei Basic Thinking einen Artikel mit dem Titel: “Social Media auf dem Handy – und warum das vielen ziemlich egal ist“. Darin wunderte ich mich über die niedrige Akzeptanz bei den Deutschen und den fehlenden Willen, das mobile Netz endlich Realität werden zu lassen. Deutschland brachte es in Sachen Mobile Networking seinerzeit auf den vorletzten Platz in der EU – nur Spanien zeigte eine noch schwächere Performance. Das hat sich mittlerweile geändert und damit auch eine ganze Reihe anderer Dinge. Weiterlesen

Google+, Facebook und Twitter: Es kann nur einen geben

4. Juli 2011  |  Social Media  |  Kommentare deaktiviert

Wir können nicht in die Zukunft sehen, aber immerhin die ersten Zeichen deuten. Und in diesen Tagen passiert viel hinter den Kulissen des Social Web. Google+ nimmt ganz langsam Fahrt im Netz auf, wie erste Beobachter berichten, könnten wir die Marke von einer halben Million Mitglieder bereits in der fragilen Invite-Beta-Phase geknackt haben. Das sind Peanuts verglichen mit den 700+ Millionen Facebook-Nutzern – doch es ist ein klares Statement.

Stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Facebook ist aufgescheucht und übt sich derzeit in Zurückhaltung. Für Mittwoch ist die Präsentation einer “großartigen” App geplant: wie es aussieht, wird Skype in die Plattform integriert, was eine Wahnsinnssache gewesen wäre, wenn Google dieses Feature mit “Hangouts” nicht bereits frei Haus liefern würde. Zuckerberg ist spät dran, man hat sich auf dem Weg verzettelt. Bereits 2009 (!) berichteten wir, dass ein VoIP-Netzwerk für Facebook in den Startlöchern stehe. Wir sollten noch zwei Jahre länger darauf warten müssen.

Niemand hätte vor einem Monat vermutet, dass es tatsächliche eine reelle Chance geben könnte, dass Facebook in die Defensive geraten könnte. Nun aber ist es soweit. Wie Zuckerberg freimütig gegenüber Robert Scoble zugibt, habe er sich bereits um einen Google+-Account bemüht. Mit Google+ sind die Karten nicht neu gemischt worden: es sind neue hinzugekommen. Schon bald wird es reiches Biotop an Plattform-Features und Mobile-Apps geben; sobald der Suchriese die API freigibt, können Entwickler und Nutzer die Plattform so gestalten, wie es ihnen gefällt. Einiges wird uns von Facebook bekannt, anderes wird uns recht unbekannt vorkommen. Damit wird sich die Rivalität zwischen Zuckerbergs 2.0-Imperium und Googles Netzwerk langsam aber sicher zuspitzen. Beide Plattformen wildern bei der exakt selben Klientel: weder die eine noch die andere besetzt eine besondere Nische (etwa Musik, Film, Karriere usw.), was zwangsläufig zu einem Showdown führen muss. Beide Netzwerke können nicht parallel nebeneinander bestehen. Auch StudiVZ galt seinerzeit in Deutschland als unumstößlich etabliert – bis Facebook auftauchte und praktisch von einem zum anderen Moment die Dominanzverhältnisse kippten. Weiterlesen

Der Early Adopter und seine Panik vor dem virtuellen Identitätsverlust

30. Juni 2011  |  Social Media  |  27 Comments

Ich war eben drei Mal duschen, was für ein Tag! Der Run auf Google+ förderte heute schlimme Szenen zutage (…aus guten Gründen entfernt…). Was für ein Rempeln, ein Drängen, ein Quetschen! – alle wollten hinein in Googles neues soziale Netz. Ich glaube, ich habe heute fünfzig Invites an wildfremde Menschen verteilen müssen, auf eBay werden Einladungen gerade für bis zu 75 US-Dollar (!) vertickt. Jeder will dabei sein, ganz vorne, im Herzen des sozialen Googleversums. Und man kann es ja auch verstehen: Der Suchmaschine ist wirklich ein potenzreiches Paket gelungen, noch immer ein wenig fragmentiert und vor allem von allen anderen etablierten Diensten isoliert – aber gelungen.

Ich habe mich gefragt, woher dieser Run rührt, dieses “Erster!”-Geschrei. Neugierde? Das ist möglich. Auch Profilierungssucht wäre ein möglicher Grund. Dann ging ich eine rauchen, schüttelte den Kopf und dachte an einen Dialog wie diesen hier: Weiterlesen

Google+: Google launcht Baukasten-Netzwerk – und kassiert Häme

28. Juni 2011  |  Netznews  |  Kommentare deaktiviert

Ich habe nur noch wenige Stunden, ehe ich den Zug steigen muss, um in Berlin einen Vortrag zu halten – und damit nur knapp bemessene Zeit. Allerdings war ich es auch, der vor einigen Wochen Googles Ambitionen in Sachen Social Web kritisierte und der Suchmaschine vorwarf, sich wie ein technokratischer Soziopath zu gebärden. Also schulde ich es Google, die jüngsten Bemühungen entsprechend zu honorieren und kurz einen Blick auf das Google+ Project zu werfen, das soeben vorgestellt wurde.

Also, wer bislang hoffte, dass Google den sperrigen Nobilitierungsbegriff “+1″ (im Sinne von “Gefällt mir”) fallen lassen würde, dürfte ein wenig enttäuscht sein. Ab heute ist alles “+” bei Google. Das “+ Project” ist ein soziales Netzwerk nach Baukastenprinzip, dem das Unternehmen nach und nach neue Funktionen beifügen möchte. Schick sieht es auf jeden Fall schon einmal aus. Hier die Module im Überblick:

Circles

Schon seit Monaten geistert die angebliche Google-Idee von “Circles” durch das Netz: Jetzt ist sie Realität geworden. Der Dienst erlaubt es, Freundeskreise (oder Feindeskreise), mit denen man verbunden ist, in einzelne soziale Inseln aufzuteilen und zu bedienen: die Uni-Kumpels kommen in diesen Circle, die Kollegen von der Arbeit in einen anderen. Als ich davon erfuhr, schoss mir sofort die Frage in den Kopf, wie viele solcher sozialen Kontaktgruppen der Durchschnittsnutzer überhaupt hat. Sind es drei? Oder fünfzehn? Auf jeden Fall eine spannende Frage. Weiterlesen

Rentables Protestgeschäft im Fall WWF: Uns “gefällt”, was wir nicht mögen.

23. Juni 2011  |  Social Media  |  4 Comments

Ich will mir die ganze Einleitung sparen, zum Fall WWF ist schon eine Menge gesagt und geschrieben worden. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass der WDR mittlerweile einräumen musste, mit der Kritik in einigen Teilen über das Ziel hinaus geschossen zu sein:

Die in der ursprünglichen Pressemeldung vom 11.05.2011 enthaltene Aussage, wonach das ARD-Team auf Borneo (Indonesien) „kein einziges Organ-Utan Schutzprojekt des WWF“ gefunden hat, halten wir nicht aufrecht. Gleiches gilt für die Formulierung: „Der WWF nimmt Geld von den Unternehmen und verschafft ihm das Gütesiegel für nachhaltige Produktionen“, soweit dadurch der Eindruck erweckt wird, das Unternehmen würde gegen Geldzahlung ein WWF-Gütesiegel für nachhaltige Produktionen erhalten. Hierzu haben wir uns auch gegenüber WWF Deutschland zur Unterlassung verpflichtet.

Der WWF hat sich überdies verteidigt und einen detaillierten “Faktencheck” im Internet veröffentlicht, nachdem man einsehen musste, dass die bisherige Social Media-Infrastruktur dem Protest nicht standhalten konnte.

Das ist die eine, die offizielle Seite. Wollen wir doch mal schauen, ob und wie der Protest bislang gewirkt hat. Denn vom gesunden Menschenverstand aus betrachtet, müsste man ja nun davon ausgehen, dass die empörten Boykottaufrufe etwas bewirkt haben. Dazu habe ich mir mal die Zahlen der Facebook-Page und des Twitter-Accounts vorgenommen. Weiterlesen