
Wisst ihr noch? Damals? Als die Blogs abstürzten, Facebook wankte und Twitter kurz davor war, in die absolute Bedeutungslosigkeit abzudriften? Wisst ihr noch, wie Tech-Gott Robert Scoble die Revolution der internationalen Blogosphäre ausrief, in der alle Posts durch Q&As abgelöst werden? Und wie Quora, das unglaubliche Frage-und-Antwort-Portal, in den Mittelpunkt des Interesses von gleichermaßen Nutzern und Medien rückte? TechCrunch korrigierte sogar Scoble und machte aus Quora die “bessere Wikipedia“.
Ich weiß nicht, wie es meinen geneigten Lesern ergeht, aber ich habe das Gefühl, dass all dem gigantischen Mumpitz-Buzz zum Trotz… Quora heute tot ist. Es ist schwer, an verlässliche Angaben zu kommen, was die Nutzerzahlen und Interaktionshäufigkeiten angeht. Die jüngste Statistik stammt aus dem Februar und zeigt einen Rückgang von knapp 60.000 Unique Visitors auf 283.500 im Vergleich zum Vormonat. Der Januar stellte den Höhepunkt des globalen Hypes dar. Laut Alexa gingen in den vergangenen drei Monaten die Pageviews pro User um 16 Prozent in den Keller und Google Trends sagt uns, dass das Suchvolumen auf Vor-Hype-Niveau zurückgefallen ist. Vom Betreiber selbst ist seit dem Launch im Juni 2010 zumindest offiziell nichts mehr zu hören: Die jüngste Pressemitteilung datiert auf den 28. März 2010. Weiterlesen

Ich bin gerade über ein nettes kleines Tool gestolpert, das meiner doch recht eindeutigen Meinung zum Social Bookmarking einige Zweifel hinzugefügt hat: LikeJournal. Eigentlich ist die Seite kaum der Rede wert, sie bietet derzeit nur einen mäßigen Funktionsumfang und das auch noch in einem minder-poppigen Design. Doch sie kann etwas, was viele andere Dienste dieser Art nicht können.
LikeJournal trackt unsere Likes auf Facebook. Die mit “Gefällt mir” markierten Seiten werden chronologisch nach ihrem Hinzufügen untereinander aufgelistet, was sogar auch im Nachhinein funktioniert. Nach meiner ersten Anmeldung über Facebook Connect wurden mir zumindest meine 420 jüngsten Likes präsentiert. Darüber hinaus gibt es die zusätzliche Möglichkeit, die Like-Listen aller Facebook-Freunde einzusehen, die ebenfalls LikeJournal nutzen. Das ist schon eine recht spannende und vor allem nützliche Angelegenheit. Weiterlesen
Der Mittwoch war ein schwarzer Tag für die VZ-Netzwerke – obwohl man es wohl auch schon selbst geahnt hatte. Das neue IVW-Ranking wurde veröffentlicht und wieder einmal zeigte sich ein Einbruch bei den Benutzerzahlen; nicht ins Bodenlose, aber immerhin doch schon wieder um knapp 18 Prozent – und das in nur einem Monat. Im Jahresrückblick wirkt die Entwicklung gleich noch dramatischer: Waren es im Mai 2010 noch über 466 Millionen gezählte Visits, so ist VZ nun bei 274,5 Millionen angekommen. Das ist mehr als bitter.
Die Gründe des Absturzes sind offenkundig: Nicht nur VZ verliert jeden Tag wertvolle Mitglieder, auch andere deutsche Netzwerke folgen dem Abwärtstrend, sei es Wer-kennt-wen (minus 14 Prozent) oder Gutefrage.net (minus 15 Prozent). Der Name des Profiteurs ist wohlbekannt, Facebook saugt rasant das Engagement der Deutschen in sich auf, fast jeder zweite Bundesbürger ist bereits Mitglied: die Wachstumskurve scheint unaufhaltsam.
Was macht man also, mit einer einstmals pulsierenden VZ-Community, die nun aufs Abstellgleis geschoben wird? Gute Frage. Die VZ-Netzwerke sind heute eine redundante Klamotte, ein Facebook in Rot, wobei die Klonerei ursprünglich volle Absicht war: man wusste es halt selbst nicht besser. VZ stand immer im Windschatten der Amerikaner, die vor ein, zwei Jahren aber noch wenig gefährlich schienen. Immerhin war es ein US-Produkt und niemand konnte wissen, wie oder ob überhaupt ein solcher Dienst in Europa Abnehmer findet. Als StudiVZ noch voll im Saft stand, konnte Holtzbrinck leidenschaftlich von der arroganten Netzkeule Gebrauch machen. Wer erinnert sich nicht an die Serienabmahnungen, die deutschen Kleinseitenbetreibern geschickt wurde, weil sie das verbotene Kürzel “VZ” im Domainnamen nutzten? Vom regelrechten “VZ-Krieg” war seinerzeit die Rede. Weiterlesen

Vergessen wir für einen Moment mal den Twitter-Wurm und wenden uns aus aktuellem Anlass dem derzeit grassierenden Facebook-Spam zu: der ist nämlich nicht nur nerviger, sondern mittelfristig auch um einiges gefährlicher. Einige haben bereits davor gewarnt, doch offenbar ist die Sucht nach poppig-bizarren YouTube-Clips größer als alles andere. Ich werde jetzt täglich Zeuge solcher zugeschnappter Fallen.
Worum geht es? Facebook hat kürzlich beschlossen, den “Gefällt mir”-Button, der im Netz überall zu finden ist, ordentlich aufzubohren. Ein Klick darauf produziert nun nicht länger eine übersehbare Fußnote unter “Neueste Aktivitäten”, sondern vielmehr ein vollständiges Status-Update inklusive Teaser-Bildchen. Ich vertrete die These, dass dieser Entschluss folgenreich sein wird, immerhin kann nun auch der Dümmste per Mausklick aufgestöberte Links mit seinen Freunden teilen. Genau diese Vereinfachung war auch die Absicht von Facebook: der flotte Aufbau eines Echtzeit-Linkindex, der immer mehr Nutzer im Netzwerk verweilen lässt. Weiterlesen
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4,5 Milliarden US-Dollar – nicht schlecht. Die neue Bewertung von Twitter, die indirekt durch den Einstieg von JPMorgan Chase vorgenommen wurde, war schon eine kleine Überraschung. Vielleicht rückt es aber auch die Dimensionen zurecht, immerhin nimmt Facebook für sich in Anspruch, insgesamt 60 Milliarden Dollar schwer zu sein.
Doch was heißt das überhaupt: etwas “wert” zu sein? Welchen Maßstab legt man an, um Zahlen wie diese bei einem sozialen Netzwerk zu ermitteln? Antwort: es geht um die potenzielle Reichweite. Facebook verfügt heute weltweit über rund 600 Millionen Mitglieder, Twitter kommt auf 200 Millionen registrierte Konten – wie viele von ihnen aktiv betrieben werden, lässt das Unternehmen jedoch offen. Beeindruckende Zahlen, doch setzen wir beide einmal am Beispiel USA ins Verhältnis: Laut eMarketer erreicht Facebook heute fast 60 Prozent aller Amerikaner, die über einen Internetanschluss verfügen. Und Twitter? Hier sind es gerade einmal 11 Prozent. Das ist eigentlich eine verschwindend geringe Masse an Nutzern, für die eigens Social Media-Kampagnen gebastelt werden. Weiterlesen
Es ist eine auf den ersten Blick winzig-kleine Feature-Korrektur, Mashable frühstückt sie schnell ab und schießt den Post als Doublicate Content rüber zur “USA Today“. Ich glaube, die Ausmaße sind noch nicht ganz abzusehen.
Facebook hat beschlossen, den “Share-Button” abzuschaffen, der im Herbst 2009 flott implementiert wurde, nachdem netzweit plötzlich überall “Tweet this!”-Schaltflächen auftauchten. Parallel zu Google entwickelte sich daraufhin ein sozialer Linkindex: schneller als die Suchmaschine und vor allem relevanter, da Nutzer fernab des SEO-Spams bedeutsame Seiten von ihren Fans oder Followern vertrauensvoll angeraten bekommen. Keine Maschine kann den Wert menschlicher Empfehlungen ersetzen – zumindest bis heute nicht.
Doch der Share-Button war schwerfällig, wer ihn drückte, bekam ein Popup präsentiert, durfte ein gecrawltes Bild der aktuellen Seite auswählen und den Link-Tipp mit einer persönlichen Notiz versehen. Dann folgte ein Klick auf den Button (“Im Profil posten”) und erst dann erschien der Eintrag auf der Pinnwand. Facebook hat dieses Verfahren nun restlos beschleunigt: “Gefällt mir” drücken – das war es. Dieser Klick produziert nun nicht länger lediglich eine Fußnote unter “Neueste Aktivität”, sondern formuliert ein komplettes Status-Update. Weiterlesen
“RSS ist tot!” – diese These ist nicht neu, sondern geistert bereits seit Mitte 2009 durch das Internet. Seinerzeit hatte Steve Gillmor von TechCrunch feierlich erklärt, dass es an der Zeit sei, “RSS in Ruhe zu lassen” und gänzlich auf Twitter umzusatteln: “RSS bringt es einfach nicht mehr”, so sein Fazit. Die Proklamation brachte eine globale Diskussion um den Wert von RSS und Social Media als Gegenspieler in Gang; das Publikum spaltete sich schnell in zwei Lager, die sich auf das Heftigste angriffen. Dabei ist eine eigene Meinung zum Thema eigentlich eher nebensächlich. Das Internet entwickelt sich in eine ganz eigene Richtung, ob wir wollen – oder nicht. Da hilft es auch nicht, wenn gerade wieder einmal eine weitere Hysteriewelle der Pro-RSS-Bewegung an allen Ufern aufschlägt.
Tatsache ist, dass RSS im vergangenen Jahr weiter an Bedeutung verloren hat. Die US-Suchmaschine Ask.com hatte sich dazu entschlossen, den hauseigenen (und recht populären) RSS-Reader Bloglines für alle Nutzer einzustampfen. Als Begründung wurde angeführt, dass RSS unter der wachsenden Dominanz von Twitter, Facebook und Co. langsam zerdrückt würde. Der Dienst tauge nur noch als Informations-Backbone, als Infrastruktur im Hintergrund, über die nun immer häufiger Social Media-Kanäle bedient würden. Die Endanwender selbst würden verstärkt nach Echtzeitinformationen rufen – ob RSS als Vehikel bis zum Tweet oder zum Status-Update benutzt wurde, sei den meisten dabei völlig egal.
An diesem Argument ist etwas dran. RSS scheint ein Relikt des On-Demand-Gedankens. Mit seinem Entstehen im Jahr 2000 wurde eine neue Form der Informationsdistribution geboren: Nachrichten wurden nicht länger zeitintensiv gesucht – sie wurden gepusht. Nutzer bekamen die einstmals manuell recherchierten Informationen nun direkt in ihre Reader geliefert, entweder nach Thema oder Medium sortiert; man bekam das vorgesetzt, wonach man verlangte. Ein Klick auf die Überschrift öffnete den kompletten Artikel. Weiterlesen
Android wurde bereits im vergangenen Herbst abgedeckt, nun ist also das iPhone dran. Google hat am Mittwochabend “Google Places” im App Store veröffentlicht, in den deutschen App-Charts schoss die Anwendung binnen weniger Stunden auf Platz fünf. Und, ja: Die App ist englischsprachig – und, ja: sie hält nichts vom metrischen System und navigiert uns folglich in “Meilen” zum nächsten Ort. Aber darum soll es nicht gehen…
Google Places kommt in Kombination mit “Hotpot”, einem integrierten Empfehlungssystem, das dem Nutzer Vorschläge auf Grundlage seiner bisher abgegebenen Bewertungen macht. Anders ausgedrückt: Wer oft nach “Pizza” googelt, wird auch mit hoch gerankten Pizzerien an anderer Stelle bedient. Gleichzeitig enthält Hotpot eine Schnittstelle, die es erlaubt, auf die Empfehlungen befreundeter Google-Nutzer zurückzugreifen. Als Datengrundlage verwendet Google Places die bisher gesammelten Orte der Desktop-Variante: über 50 Millionen Locations sind hier bis heute aufgelaufen.
Warum das alles? Google drängt – wie fast alle anderen – in den Location-Markt. Foursquare und Gowalla haben es bisher nicht über das Prädikat “Nette Spielerei – aber mit viel Potential” hinausgeschafft, Facebook poltert mit großen Schritten hinterher – spätestens mit der Freischaltung von Facebook Deals in Deutschland ist der Hype auch hierzulande nicht mehr aufzuhalten: Nutzer und Unternehmen versprechen sich gleichermaßen lukrative Optionen. Google war bislang in dieser Hinsicht lose im Desktop-Internet gefangen, die angestrebte Groupon-Übernahme hätte die Entwicklung beschleunigt. Doch das globale Coupon-Portal kommt auch so ganz gut über die Runden: Google hatte den gescheiterten Übernahmeversuch im Nachhinein mit einem desinteressierten “Pöh!” kommentiert. Immerhin habe man die meisten der Features, die sich bei Groupon finden lassen, ja bereits in die eigenen Dienste integriert, so Googles neue Location-Beauftragte und (schon immer gewesene) Powerfrau Marissa Mayer kürzlich in einem Video-Interview. Also macht man auf eigene Faust weiter. Weiterlesen

Das war ein Donnerwetter, ich möchte nicht wissen, wie viele IT-CEOs sich am Montagabend erst einmal eine tröstende Flasche Wein aufmachten. Eine von den alten Gaumenkitzlern, eine die im häuslichen Weinkeller ganz unten lag – vergessen, verstaubt, beinahe schon sirupartig. Facebook hat es getan. Zuckerberg hat sich an eine der ersten Institutionen des WWW herangewagt und proklamierte am Montagabend die nächste Stufe der Evolution. Längst überfällig, möchte man meinen. Doch wo einige der Innovation fortbleiben, dürfen andere die Hebel bedienen, so ist das eben im Geschäft. AOL hat bereits einen Tag zuvor kalte Füße bekommen, Yahoo! – mit seinen gerade einmal 270 Millionen verwalteten E-Mail-Konten – dürfte sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls den Trauerflor an Revers gesteckt haben. Facebook hat die Power von 550 Millionen Mitgliedern in den Ring geworfen, das wird einige Umwälzungen geben, von denen selbst Google Notiz nehmen wird. Ich habe mir die vorläufige Feature-Liste von “Facebook-Mail” angesehen und möchte dies als Anlass nehmen, einmal meinen Senf dazu zu geben. Weiterlesen
Das nennt man Timing. Nur wenige Stunden, bevor Facebook den wohl größten globalen Mail-Dienst aus dem Hut zaubern will, schießt AOL dazwischen. Der noch immer kriselnde Content-Anbieter hat am Sonntagabend eilig eine Pressemitteilung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass man die Revolution im Mail-Geschäft für sich selbst beansprucht.
Warum elektronische Post für AOL so eine große Rolle spielt? Nun, nach eigenen Angaben sind die Mailboxen der Nutzer für rund 45 Prozent (!) aller Page Views im AOL-Netzwerk verantwortlich. Vergleicht man dies mit der Arbeit, die hinter der gigantischen Content-Mühle steckt, wird schnell klar, wo sich auf lange Sicht mehr Geld sparen lässt. AOL hat dem Mail-Relaunch den Namen “Project Phoenix” gegeben – mit dem bestehenden Postsystem soll es allerdings wenig zu tun haben: “Phoenix wurde von Anfang an neu entwickelt und aufgebaut und zwar als eine innovative und intuitive Lösung für Mail, so wie sie heute zum Kommunikationsverhalten der Nutzer passt”, heißt es da. Etwas großspuriger klingt es aus dem Mund von Brad Garlinghouse, der für die App-Gruppe im Konzern verantwortlich ist:
AOL war das Unternehmen, das jedem den Online-Zugang ermöglicht hat. Nun machen wir es einfacher und unterhaltsamer, dort auch zu bleiben.

Im Blog von Facebookmarketing ist gerade ein tolles Interview mit Subway Deutschland (ja, die Schnittchenmacher) zu lesen. Hier erfahren wir, dass die “sehr erfolgreiche Einbindung von Social Media” bereits zum “wichtigen Bestandteil unserer Kommunikationsaktivitäten” geworden ist. Ich mag die Offenheit, das Professionelle, die tatsächliche Begeisterung, die zwischen den Zeilen zu lesen ist. Es ist ein Best-Case-Szenario, es läuft rund, immerhin arbeitet man konstruktiv und aufrichtig mit den Kunden zusammen – auch, wenn es mal Kritik gibt. Wenn man es gut macht, eignet sich Facebook nicht nur hervorragend zur Vermarktung von Sandwiches, sondern auch von Tischdecken, Radkappen und Sonstigem. Doch man sollte niemals vergessen, wer hier eigentlich das Zepter in der Hand hält: die Nutzer.
Die Deutsche Bahn kam auf Facebook von den Schienen ab, Nestlé bekam für Palmöl eins über die Rübe gebraten, H&M flog auf, nachdem im vergangenen Winter nagelneue Klamotten vor den Augen der frierenden Obdachlosen zerschnitten wurden – es gibt zig Beispiele, in denen sich die Macht der Kunden im Social Web offenbart. Nicht selten müssen erst Monate vergehen, ehe Gras über die Sache gewachsen ist. Denn die barmherzige Zeit ist alles, mit dem sich betroffene Unternehmen in diesen Momenten verbünden können; es sei denn, man schafft es, endlich eine radikale Kursänderung in der Kommunikationsstrategie zu riskieren, Fehler zuzugeben und aufrichtig zuzuhören und zu reagieren.
Doch es geht noch eine Spur härter. Lust zuzuhören? Bitte sehr, lehnen Sie sich zurück und lauschen Sie der Erzählung über eine der größten Schlachten, die je auf Facebook geschlagen wurden. Weiterlesen

Ich glaube, es gibt nichts Einfacheres, als auf die Deutschen Bahn einzuprügeln und von allen Umstehenden dafür tosenden Applaus zu kassieren: Verspätete Züge, Hitzschläge in ICEs, katastrophale Informationspolitik, maroder Nahverkehr und zuletzt der Stuttgart21-Fauxpas – im deutschen Schienennetz läuft schon seit langer Zeit etwas fundamental falsch.
Doch was hilft es? Die Kunden protestieren an Infoständen in den Bahnhofsvorhallen, Journalisten zeigen in spätabendlichen Drittsender-Dokus Missstände auf und hin und wieder räumt selbst die empörte Politik hemdsärmelig ein: “Ja, naja – das könnte besser laufen, denke ich…” Doch der Berliner Konzern zeigt sich stets unbeeindruckt, jede noch so scharfe Kritik scheint an der Glasfassade des pompösen “Bahn-Towers” (26 Stockwerke) wie ein leichter Sommerregen abzuperlen. Die Deutsche Bahn ist und bleibt ein unverzichtbarer Dienstleister des täglichen Lebens und niemand weiß das besser als das Unternehmen selbst. Das Monopol macht immun.
Umso erstaunlicher ist es, dass die Deutsche Bahn heute zum ersten Mal in ihrer Geschichte sich den Kunden geöffnet hat. Im Zuge der neuen Ticket-Kampagne “Der Chef kommt” (ausgetüftelt von Ogilvy) wurde eine neue Facebook-Seite aus dem Boden gestampft. Für eine begrenze Zeit soll sie als Verkaufsplattform für zuggebundene Billigtickets herhalten – ähnliche Aktionen liefen in der Vergangenheit regelmäßig über die lokalen Discountermärkte; das Angebot selbst ist also nicht ungewöhnlich. Ebenfalls wenig überraschend ist die Tatsache, dass die Bahn mittels der Einmal-Aktion zunächst nur ein Fenster zum Social Web öffnet – die Tür bleibt weiterhin verschlossen: Weiterlesen

Apple ist groß, Apple ist mächtig. Aber Apple ist auch mutterseelenallein auf dieser Welt. Cupertino hat einfach keine Freunde, Steve Jobs ist der Eric Cartman des globalen IT-Sektors. Ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis, emsige Entwickler hinter geschlossenen Türen und eine Rechtsabteilung, die beinahe täglich Abmahnungen aus der Hüfte schießt, haben sich bislang gut auf die Konzernbilanz ausgewirkt. Apple war vor wenigen Tagen als zweitwertvollstes Unternehmen der Welt vorgestellt worden – zumindest schon einmal für ein paar Stunden.
Doch was im Hardware-Geschäft eine Bereicherung ist, kann im Social Web, in dem “Freunde” nun einmal die Währung sind, katastrophal nach hinten losgehen. Die Rede ist von Ping, Apples Social Network für Musik, das fest in iTunes integriert ist. Erst Anfang September gelauncht, hatte es nach Unternehmensangaben binnen der ersten zwei Tage bereits eine Million Mitglieder für sich gewinnen können. Seitdem schweigt sich die Pressestelle allerdings über die weitere Perfomance der Plattform aus.
Am Wochenende hat Apple eine neue Version von iTunes ins Netz geworfen, Nummer 10.0.1 steht damit jedem Nutzer zum Download zur Verfügung. Mit an Bord ist eine Neuauflage von Ping, das von seinem etwas versteckten Platz herausgehoben wurde und eine große, auffällige Seitenleiste spendiert bekommen hat. Zusätzlich crawlt das Musiknetzwerk ab sofort die eigene Musikbibliothek (zumindest die Songs darin, die original über iTunes gekauft wurden), um die Follow-Empfehlungen innerhalb von Ping zu optimieren. Ein weiteres Feature wurde direkt in die Bibliothek integriert und erlaubt nun das Teilen von Songs, die ich gerade höre oder generell unglaublich gut finde. Das war im Großen und Ganzen auch schon alles, was der Nutzer von den Neuerungen oberflächlich zu sehen bekommt. Weiterlesen
Ich schätze, so läuft es in jeder Studenten-WG ab, die nur von Jungs bewohnt wird: “Ey, mach die Xbox aus – ich will schlafen!” Doch die Gewehrschüsse und Explosionsgeräusche aus dem nächtlichen Zimmer des Nachbarn wollen nicht verklingen. Der Nervfaktor spielender Menschen lässt sich mittlerweile 1:1 auf den virtuellen Raum übertragen. Wer neu bei Facebook ist, ein paar Freunde hinzugefügt hat und seine Timeline komplett öffnet, gerät unweigerlich in das Visier von Daddel-Abfallprodukten anderer: “Lisi spielt Mafia Wars. Wollen Sie mitmachen?” oder “Karl-Heinz hat gerade eine zerbrochene Radkappe im Tulpenfeld gefunden und braucht nun noch eine Zeitschaltuhr.” Erfahrene Facebook-Nutzer werden bei Appellen wie diesen hektisch mit dem Zensurstift durch die Timeline gehen und die Nonsens-Infos für immer bannen. Doch was ist mit den anderen?
Es ist kaum vorstellbar, doch von den über 550 Millionen Mitgliedern, die heute auf Facebook unterwegs sind, sind rund 200 Millionen regelmäßige Nutzer sogenannter Micro-Games wie FarmeVille und Co. (17 Prozent von ihnen bezeichnen sich sogar als süchtig). Marc Zuckerberg ist sich seit Monaten des Problems der grassierenden Game-Statusmeldungen bewusst, konnte aber nach eigenem Bekunden bis vor kurzem keine gescheite Lösung dafür finden: “Als wir mehr Meldungen zuließen, bekamen wir Beschwerden. Und als wir sie ausgeschaltet haben, haben wir ebenfalls Beschwerden bekommen.”
Facebook hatte deshalb am Dienstag zum Tag der offenen Tür für Spieleentwickler geladen. Im Mittelpunkt stand die Frage: “Wie können die einen Nutzer in Ruhe spielen, ohne die anderen zu nerven?” Zuckerberg stellte ein neues Sortierungs-Tool vor, das die Spielgewohnheiten auf der Plattform kanalisieren und damit die Zeitleisten unbeteiligter Dritter sauber halten soll. Anders ausgedrückt: Social Gaming wird wieder ein wenig asozialer. Weiterlesen
Wer als Leser oder Journalist zwecks Mediensondierung auf dem Laufenden bleiben will, kommt an RSS nicht vorbei. Das Gesetz wurde etwa vor fünf, sechs Jahren geschrieben, als Nachrichten plötzlich “gepusht” und nicht mehr “gesucht” wurden. Der Vorteil lag auf der Hand: Meine persönliche Leselandschaft liegt in ordentlicher und übersichtlicher Chronologie vor mir. Schnell gewannen RSS-Dienste an Bedeutung, zunächst Client-basierte Lösungen (zum Beispiel im Browser), die allerdings schon nach kurzer Zeit durch Netz-basierte Angebote abgelöst wurden, da auf diese Weise die abonnierten RSS-Stream überall verfügbar waren. Der Google Reader und Bloglines, eine Tochter der Suchmaschine Ask.com, waren und sind bis heute die populärsten Anbieter dafür. Doch irgendetwas hat sich verändert…
Wie Ask.com am Freitagabend mitteilte, wird Bloglines zum ersten Oktober komplett eingestampft. Es gab im vergangenen Jahr bereits zaghafte Versuche, die RSS-Plattform abzustoßen, doch die wenig ambitionierte Käufersuche verlief ins Leere. Nun laufen Nutzer Sturm, weil die einzig gescheite Alternative zu Google plötzlich aufgelöst werden soll. Doch der Schritt ist verständlich. Weiterlesen
“Menschen sind damit einverstanden, Informationen über sich mit anderen zu teilen, und öffnen sich für immer mehr Menschen. Die sozialen Normen haben sich mit der Zeit entwickelt. Wir sehen es als unsere Rolle in dem System an, ständig Veränderungen umzusetzen und unsere Software so anzupassen, dass sie widerspiegelt, wie die sozialen Normen gegenwärtig sind”, hatte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Anfang des Jahres gesagt und stieß damit eine neue Debatte über die Themen Privatsphäre und Datenschutz im Web 2.0 an. Beides erscheine ihm als kultureller Atavismus aus grauer Vorzeit, den es nun zu überwinden gilt. Die “Internetworld” hat zu dieser Feststellung Statements von vier Leuten aus der Branche eingeholt – Basic Thinking war dabei.
Die komplette Ausgabe gibt es kostenlos als PDF (ca. 14 MB). Einen Screenshot gibt es im Folgenden. Ein etwas ausführlicheres Interview zum Thema Datenschutz und Google hat die “Rheinzeitung” mit uns gemacht. Weiterlesen













