Posts Tagged ‘Google Plus’

Miese Apps sozialer Netzwerke

6. August 2012  |  Social Media  |  3 Comments

Narf! Facebook-App? Gelöscht. Twitter-App? Gelöscht. Die mobile Nutzung vieler moderner Dienste gleicht heute der Installation von Windows 98: “Bitte Diskette 7 von 34 einlegen und Enter drücken.” Die Facebook-App für iOS ist labiler als ein Hypochonder in einer vollen U-Bahn zur winterlichen Grippezeit. Die Anwendung stürzt ab, lädt nicht, hängt und auch in Version 4.1.1 ist noch immer die Sharing-Funktion deaktiviert. Twitter? Seit der Übernahme von Tweetie ging es bergab; von Auflage zu Auflage verschwanden immer mehr Tweets, es rappelt in der Synchronisierungskiste – so schnell kann man den Homebutton gar nicht drücken. Google Plus? Bislang Klassenbester, was aber keinesfalls die Versetzung garantiert: Die G+-App ist seit dem Facelift ein Pinterest-Klon, bei dessen Newsstream die Bilder und nicht die Diskussion im Mittelpunkt stehen. Ein Wunder, dass beim King des Design-Streamlinings ein solches, unübersichtliches Paket geschnürt wurde. Weiterlesen

Internet vs. Privacy: Last Train to Mashville? (Prokrastinationspolitik)

2. Oktober 2011  |  Social Media  |  Kommentare deaktiviert

Ein paar Tage nachdem Thilo Weichert mit seinem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) die große Facebook-Offensive angekündigt hatte, traf ich mich mit einem Freund und schäumte: “Was Weichert vor hat, ist der Wahnsinn! Der Mann muss da weg!” Mein Freund entgegnete, dass es doch eigentlich eine tolle Sache sei: “Warum? Endlich wird es Prozesse geben, die für Rechtsklarheit sorgen.” – Ja, klar. Da ist etwas dran. Sicher. Das macht Sinn. Es gibt einen Streit, zwei Parteien treffen sich beim Richter und es kommt zum Prozess. Irgendwann wird ein Urteil verlesen und die Sache ist erledigt. Macht Sinn. Jedoch…

Ich weiß nicht, wann es anfing. Ich schätze mit Schröder. Heute gehört sie in Berlin zumindest zum Alltagsgeschäft: die abwesende Realpolitik, die zugunsten einer freizeitfreundlichen Reaktionspolitik abgelöst wurde. Gerade bei deutschen Gesetzgebern gehört es zum Millenium-Chic, bei Problemen abzuwarten, bis sie zur Krise herangereift sind. Dann werden grob formulierte Paragrafenkataloge aus der Hüfte geschossen – oft mit schönem Gruß an Karlsruhe: die da unten kümmern sich dann um die Vorlage, ehe die Verfassungsschützer Berlin bitten, in einer angemessenen Frist von mehreren Jahren das Gesetz doch bitte hier und da anzupassen. Zurück in der Hauptstadt werden drittklassige Flickenteppichmeister aus den Ausschüssen gezerrt, um die Vorschläge zu übernehmen. Voilà.

Die Justiz handelt auf Grundlage vorhandener Gesetze. Und in Sachen Datenschutz stammen diese aus Jahren, in denen Elton John noch in den Charts war. Wie orientierungslos deutsche Richter in Sachen Social Web sind, zeigte sich ja erst kürzlich, als ein Unternehmen Klage gegen einen Konkurrenten einlegte. Es ging um die Verwendung des Like-Buttons von Facebook. Die Juristen beäugten kurz den Sachverhalt und verkündeten, dass der Button wettbewerbsrechtlich nicht zu beanstanden sei. “Datenschutz? Privacy?” Man drückte sich um diese Fragen herum: “Sorry, dafür sind wir nicht zuständig. Keine Ahnung. Da soll sich jemand anderes drum kümmern.” Weiterlesen

Ergebnisse der kleinen Umfrage: Der Stand von Social Media 2011

18. September 2011  |  Social Media  |  1 Comment

Da sich das Thema “Social Media hat die Boom-Zeit hinter sich” hartnäckig hält, habe ich an diesem Wochenende eine kleine Umfrage zur dieser These gemacht. Insgesamt haben 80 Teilnehmer ihre Stimmen abgegeben – nicht gerade repräsentativ, aber vielleicht dennoch aufschlussreich, da einige erfahrene SM-Hasen darunter waren. Jedenfalls danke ich jedem einzelnen.

Den vorliegenden Ergebnissen nach zu urteilen, hat sich im Vergleich zu 2010 nicht viel verändert. Es hält sich die Waage; an manchen Stellen hat sich das Engagement sogar verstärkt, zum Beispiel dank Google Plus. Die Nutzung von Location Based Services und der Business-Netzwerke scheint zu stagnieren, was unter anderem daran liegen könnte, dass die großen Drei (Facebook, Twitter und Google Plus) heute ähnliche Services integriert anbieten.

Warum also dieser Eindruck der trägen Branche? Ich glaube, dass die Medien dieses Bild mitformen: Es gibt keine Feature-Reportagen mehr. Warum? Weil die Netzwerke in den vergangenen Monaten damit gesättigt wurden: Fotogalerien, Videochat, Locations und Games – das waren die Aufreißer in den Medien. Der Schwerpunkt der Berichterstattung verschiebt sich nun auf die Beobachtung des Social Webs und hier vor allem auf die Einschätzung des Wettbewerbs. Weiterlesen

Klarnamendebatte: CDU/CSU räumt feigen Nutzern, Kindern und Alkoholikern ein Anonymitätsrecht ein

6. September 2011  |  Social Media  |  5 Comments

Laut der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist jeder, der anonym (oder pseudonym) an Diskursen im Internet teilnimmt, entweder feige, minderjährig oder Mitglied einer Selbsthilfegruppe – vielleicht ein Alkoholkranker. So einfach ist das. Diese Feststellung geht aus einer Pressemitteilung hervor, die heute von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion, Günter Krings, und dem innenpolitischen Sprecher Hans-Peter Uhl verfasst wurde. Darin heißt es weiter: “Die Entscheidung über einen Zwang zur Offenlegung des Klarnamens liegt letztlich auf Seiten der Betreiber. Schließlich gibt es auch keine allgemeine Rechtspflicht für Nutzer, sich zu identifizieren. Für einen politischen Aufschrei mehrerer Abgeordneter gibt es dagegen keinen Grund.”

Die Erklärung ist als Reaktion auf den gestern veröffentlichten “Offenen Brief an Google” zu verstehen, in dem mehrere Unternehmer, Netzaktivisten und Politiker einen Stopp des strikten Klarnamengebots auf Google+ fordern.

Das Timing von Krings und Uhl ist damit perfekt und selten hat man die Politik dabei beobachten können, wie sie so schnell den Schulterschluss mit der Wirtschaft suchte und fand. Die Forderung der CDU lautet: Alle Internetznutzer sollen ruhig mittels Klarnamen zur Verantwortung gezogen werden können – nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch angesichts der ökonomischen Interessen globaler Konzerne. Weiterlesen

Über die Traffic-Enteignung der sozialen Netzwerke

24. Juli 2011  |  Social Media  |  1 Comment

Das Social Web ist noch recht jung, erst 2004 wurde Facebook Inc. von Mark Zuckerberg gegründet, das Netzwerk lernte die deutsche Sprache vor gerade einmal drei Jahren. Doch wer die Entwicklungen verfolgt hat, merkt, dass es keinen linearen Verlauf in Wachstum und Akzeptanz gibt. Ich versuche im Folgenden, die Entwicklung kurz nachzuzeichnen.

2005 bis etwa 2010 war die Zeit des zentralisierten Booms im sozialen Netz, die Nutzer stürmten facebook.com oder twitter.com, legten sich Accounts an, schauten mehrmals täglich auf den Seiten vorbei, bookmarkten ihre Lieblings-Pages, benutzten die Suchfunktionen der Plattformen, schossen Bilder von ihren Rechnern auf die Pinnwände. Facebook schob sich in Sachen Verweildauer an Google vorbei, “My Profile is my Castle”, das soziale Leben evolvierte in den Netzwerken.

Im Januar 2009 schrieb ich dann bei Basic Thinking einen Artikel mit dem Titel: “Social Media auf dem Handy – und warum das vielen ziemlich egal ist“. Darin wunderte ich mich über die niedrige Akzeptanz bei den Deutschen und den fehlenden Willen, das mobile Netz endlich Realität werden zu lassen. Deutschland brachte es in Sachen Mobile Networking seinerzeit auf den vorletzten Platz in der EU – nur Spanien zeigte eine noch schwächere Performance. Das hat sich mittlerweile geändert und damit auch eine ganze Reihe anderer Dinge. Weiterlesen

Google+: Google launcht Baukasten-Netzwerk – und kassiert Häme

28. Juni 2011  |  Netznews  |  Kommentare deaktiviert

Ich habe nur noch wenige Stunden, ehe ich den Zug steigen muss, um in Berlin einen Vortrag zu halten – und damit nur knapp bemessene Zeit. Allerdings war ich es auch, der vor einigen Wochen Googles Ambitionen in Sachen Social Web kritisierte und der Suchmaschine vorwarf, sich wie ein technokratischer Soziopath zu gebärden. Also schulde ich es Google, die jüngsten Bemühungen entsprechend zu honorieren und kurz einen Blick auf das Google+ Project zu werfen, das soeben vorgestellt wurde.

Also, wer bislang hoffte, dass Google den sperrigen Nobilitierungsbegriff “+1″ (im Sinne von “Gefällt mir”) fallen lassen würde, dürfte ein wenig enttäuscht sein. Ab heute ist alles “+” bei Google. Das “+ Project” ist ein soziales Netzwerk nach Baukastenprinzip, dem das Unternehmen nach und nach neue Funktionen beifügen möchte. Schick sieht es auf jeden Fall schon einmal aus. Hier die Module im Überblick:

Circles

Schon seit Monaten geistert die angebliche Google-Idee von “Circles” durch das Netz: Jetzt ist sie Realität geworden. Der Dienst erlaubt es, Freundeskreise (oder Feindeskreise), mit denen man verbunden ist, in einzelne soziale Inseln aufzuteilen und zu bedienen: die Uni-Kumpels kommen in diesen Circle, die Kollegen von der Arbeit in einen anderen. Als ich davon erfuhr, schoss mir sofort die Frage in den Kopf, wie viele solcher sozialen Kontaktgruppen der Durchschnittsnutzer überhaupt hat. Sind es drei? Oder fünfzehn? Auf jeden Fall eine spannende Frage. Weiterlesen