Posts Tagged ‘Google’

Web 3.0: Das Social Web als Brückentechnologie

5. November 2011  |  Social Media, Tech, Wissenschaft  |  9 Comments  |  Share


Irgendwann explodierte das Internet. Nicht über Nacht, aber dennoch plötzlich. Im Jahr 2000 betrug der globale Netz-Traffic 75 Petabyte im Monat; nach knapp zehn Jahren wurde die Grenze von 15.000 Petabyte geknackt. Im Jahr 2009 wurden 247 Milliarden E-Mails versendet – pro Tag.

Schon früh blieben redaktionell begleitete Seitenverzeichnisse (wie Yahoo!) auf der Strecke, noch zur Jahrtausendwende schrieb ich als Student für einige Verlage, die mit wackeren Durchhalteparolen an den “Gelben Seiten” für das Internet festhalten wollten (teilweise mit abgedruckten Screenshots). Wenige Monate nach dem Dotcom-Desaster ging einer nach dem anderen Bankrott. Das Internet entwickelte sich rasend schnell zu einem gigantischen Zettelkatalog, dessen Schubladen sich schon lange nicht mehr mit Leitern erreichen lassen. Wir haben ein System erschaffen, in dem sich Daten wesentlich schneller kreieren als gescheit ablegen lassen. Google übernahm das Ruder und versuchte mit ausgeklügelten Algorithmen der Datenflut Herr zu werden: doch Linkfarms und andere SEO-Ablenkungen, anachronistische Ergebnisse und andere Irrelevanzen füllten schnell den Index. Wer heute nach “http” googelt, erhält “ungefähr 25.270.000.000 Ergebnisse”. Jeder Tweet, jedes Twitpic, jedes öffentliche Status-Update auf Google Plus und Facebook fügt eine neue Seite hinzu. Immer mehr Maschinen lernen und kommunizieren über das Netz (“Internet der Dinge”) und hinterlassen breite Datenspuren.

Gibt es Orientierung? Kaum. Die Suchmaschinen, die heute zu den Global Players gehören, sind plump und dumm, da sie allesamt lediglich Keyword-Ableichungen im Datenchaos vornehmen. Wie das Universum dehnt sich auch das Internet von Sekunde zu Sekunde weiter aus – von einer Nadelsuche im endlichen Heuhaufen zu sprechen, wäre also vermessen. Weiterlesen

Netzgeblubber deluxe: “Facebook zensiert Google+-Invites. Vielleicht. Kann sein. Egal.”

17. August 2011  |  Journalismus, Social Media  |  5 Comments  |  Share

Die Recherchemechanik eines Tech-Journalisten ist recht simpel – einfacher, als bei den Kollegen aus anderen Ressorts: Man verlässt nicht das Haus, jagt keinen Tornados hinterher oder wartet unzählige Stunden in irgendwelchen Hotellobbys. Nein, in der IT-Berichterstattung versendet man stattdessen einfach eine E-Mail, postet eine IM-Nachricht oder greift zum Hörer. So einfach ist das.

Nichts von dem ist im heutigen Fall der grausamen Facebook-Zensur geschehen, in der Mark Zuckerberg persönlich einen Zauberbann gegen Google+ aussprach und damit alle Invite-Links zu Googles neuem Netzwerk in den Orkus der Verdammnis schickte. Zumindest hat hierzulande niemand auch nur den müden Versuch unternommen, einmal für die Nutzer für ein wenig Klarheit zu sorgen. Warum auch? Die Story verkauft sich gut; ehrlich gesagt waren bislang alle Feld-Berichte, die von den Kriegsschauplätzen zwischen den beiden Netzwerken stammten, Traffic- und vor allem Engagement-Garanten.

Die feixende Ignoranz der Medien in dieser Sache hatte mich heute schon einmal kurz aufgebracht, da der Tross der Deppen sich aber weiter durch die Landschaft der Etablierten bohrt, muss ich eben die Scheinwerfer etwas breiter aufstellen. Weiterlesen

Nein, Google+ ist keine gute Blog-Plattform: Blogs sind gute Blog-Plattformen

10. Juli 2011  |  Social Media  |  17 Comments  |  Share

Ich versuche nur, die Diskussion ein wenig abzukürzen. Welche Diskussion? Nun eben jene, die in ein paar Tagen oder Wochen aufkommen wird, wahrscheinlich zunächst in den USA, dann als deutsche Zweitverwertung: “Ist Google+ die bessere Blog-Plattform?” Bislang ist diese Frage bei fast jedem neuen 2.0-Dienst aufgetaucht, ob bei Twitter, Facebook oder Quora – immer wieder wird die irre Theorie in den Raum geworfen.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Blogs seit zwei, drei Jahren aus dem Social Web gedrängt werden. Facebook und Twitter haben längst übernommen, sowohl was die Produktion als auch die Distribution angeht. Die meisten Links, die auf diesen Diensten hin- und hergeschossen werden, verweisen auf kommerzielle News-Seiten. Erst an zweiter Stelle kommen Marken-Angebote und dann der User Generated Content. Im vergangenen Oktober schrieb ich einen Blog-Post, der sich mit dem nahenden Ende von Social Media auseinandersetzte. Die Idee zum Titel stammte nicht von mir, sondern von einigen Kritikern, die angesichts schwindender Ambitionen bei Privat-Anwendern (die immer mehr konsumieren und immer weniger produzieren), hysterische Stimmung verbreiteten: YouTube-Clips anschauen? Yeah! Flicker-Alben durchblättern? Yeah! Status-Updates kommentieren? Gefällt mir! Eigene Inhalte erstellen? Och, nö…

Die Entwicklung ließe sich damit rechtfertigen, dass die Art des Contents sich eben gewandelt hat. Offenbar sind im privaten Rahmen heute lange Texte out, ebenso selbst gedrehte Dokumentationen oder bereichernde Bilderstrecken. Die Produktionstätigkeiten der überwältigenden Mehrheit der derzeitigen Netzbürger bestehen aus “Thumbs up!”, “RT” und “+1″. Gerade der Start von Google+ hat dies gezeigt. Noch hat das Netzwerk nicht seinen festen Platz im Social Web gefunden, viele sind orientierungslos und scheuen sich davor, schon jetzt ihre Prioritäten festzulegen. So werden alle Kanäle gleichzeitig bedient und die neuen Mitglieder von Google+ werden Zeugen von ebenso redundantem wie selbstreferentiellem Link-Geschubse: Ich finde keine News, dieselbe News findet mich – und das gleich hundertfach. Weiterlesen

Google+, Facebook und Twitter: Es kann nur einen geben

4. Juli 2011  |  Social Media  |  No Comments  |  Share

Wir können nicht in die Zukunft sehen, aber immerhin die ersten Zeichen deuten. Und in diesen Tagen passiert viel hinter den Kulissen des Social Web. Google+ nimmt ganz langsam Fahrt im Netz auf, wie erste Beobachter berichten, könnten wir die Marke von einer halben Million Mitglieder bereits in der fragilen Invite-Beta-Phase geknackt haben. Das sind Peanuts verglichen mit den 700+ Millionen Facebook-Nutzern – doch es ist ein klares Statement.

Stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Facebook ist aufgescheucht und übt sich derzeit in Zurückhaltung. Für Mittwoch ist die Präsentation einer “großartigen” App geplant: wie es aussieht, wird Skype in die Plattform integriert, was eine Wahnsinnssache gewesen wäre, wenn Google dieses Feature mit “Hangouts” nicht bereits frei Haus liefern würde. Zuckerberg ist spät dran, man hat sich auf dem Weg verzettelt. Bereits 2009 (!) berichteten wir, dass ein VoIP-Netzwerk für Facebook in den Startlöchern stehe. Wir sollten noch zwei Jahre länger darauf warten müssen.

Niemand hätte vor einem Monat vermutet, dass es tatsächliche eine reelle Chance geben könnte, dass Facebook in die Defensive geraten könnte. Nun aber ist es soweit. Wie Zuckerberg freimütig gegenüber Robert Scoble zugibt, habe er sich bereits um einen Google+-Account bemüht. Mit Google+ sind die Karten nicht neu gemischt worden: es sind neue hinzugekommen. Schon bald wird es reiches Biotop an Plattform-Features und Mobile-Apps geben; sobald der Suchriese die API freigibt, können Entwickler und Nutzer die Plattform so gestalten, wie es ihnen gefällt. Einiges wird uns von Facebook bekannt, anderes wird uns recht unbekannt vorkommen. Damit wird sich die Rivalität zwischen Zuckerbergs 2.0-Imperium und Googles Netzwerk langsam aber sicher zuspitzen. Beide Plattformen wildern bei der exakt selben Klientel: weder die eine noch die andere besetzt eine besondere Nische (etwa Musik, Film, Karriere usw.), was zwangsläufig zu einem Showdown führen muss. Beide Netzwerke können nicht parallel nebeneinander bestehen. Auch StudiVZ galt seinerzeit in Deutschland als unumstößlich etabliert – bis Facebook auftauchte und praktisch von einem zum anderen Moment die Dominanzverhältnisse kippten. Weiterlesen

So entstand Google+

1. Juli 2011  |  Clip, Fun, Social Media  |  2 Comments  |  Share

Ich habe mal ein Video aus der Geschichte gemacht. ;)

Google+: Die Speisekarte der Wünsche (oder: was noch fehlt)

1. Juli 2011  |  Social Media  |  11 Comments  |  Share

Google+ geht noch immer ab wie Schmitz’ Katze und ich gönne es den Jungs auch. Noch gibt es keinen Sieger im Rennen, aber ich empfehle jedem interessierten, sich diese Seite einmal zu bookmarken und immer mal wieder einen Blick drauf zu werfen. Die Konkurrenz wirkt mittlerweile jedenfalls nervös. Wir werden sehen…

Ich habe mich jetzt ein paar Stunden auf der Plattform herumgetrieben, dieses und jenes ausprobiert und einigen Nutzern zugehört. Ja, man könnte soweit zufrieden sein, doch hin und wieder durchbrechen schon einmal Ungeduldsmomente das Einsplussen: “Ach, wäre doch…”, “Gäbe es doch…”, “Wieso kann ich nicht…” – diese Sorte Einwurf. Wir wissen, dass die Google-Entwickler gerade mit viel Kaffee neben sich Tweaks an der Plattform vornehmen und die Strategen im Hintergrund neue Pläne entwerfen. Dennoch wollte ich es mir nicht nehmen lassen, den Entwicklungen schon mal ein wenig vorauszugreifen und ein paar Denkanstöße zu geben. Im Folgenden eine Liste von Dingen, die ich vermisse oder bei denen es soliden Platz für Verbesserungen gibt. MAZ ab: Weiterlesen

Der Early Adopter und seine Panik vor dem virtuellen Identitätsverlust

30. Juni 2011  |  Social Media  |  27 Comments  |  Share

Ich war eben drei Mal duschen, was für ein Tag! Der Run auf Google+ förderte heute schlimme Szenen zutage (…aus guten Gründen entfernt…). Was für ein Rempeln, ein Drängen, ein Quetschen! – alle wollten hinein in Googles neues soziale Netz. Ich glaube, ich habe heute fünfzig Invites an wildfremde Menschen verteilen müssen, auf eBay werden Einladungen gerade für bis zu 75 US-Dollar (!) vertickt. Jeder will dabei sein, ganz vorne, im Herzen des sozialen Googleversums. Und man kann es ja auch verstehen: Der Suchmaschine ist wirklich ein potenzreiches Paket gelungen, noch immer ein wenig fragmentiert und vor allem von allen anderen etablierten Diensten isoliert – aber gelungen.

Ich habe mich gefragt, woher dieser Run rührt, dieses “Erster!”-Geschrei. Neugierde? Das ist möglich. Auch Profilierungssucht wäre ein möglicher Grund. Dann ging ich eine rauchen, schüttelte den Kopf und dachte an einen Dialog wie diesen hier: Weiterlesen

Google+: Google launcht Baukasten-Netzwerk – und kassiert Häme

28. Juni 2011  |  Netznews  |  No Comments  |  Share

Ich habe nur noch wenige Stunden, ehe ich den Zug steigen muss, um in Berlin einen Vortrag zu halten – und damit nur knapp bemessene Zeit. Allerdings war ich es auch, der vor einigen Wochen Googles Ambitionen in Sachen Social Web kritisierte und der Suchmaschine vorwarf, sich wie ein technokratischer Soziopath zu gebärden. Also schulde ich es Google, die jüngsten Bemühungen entsprechend zu honorieren und kurz einen Blick auf das Google+ Project zu werfen, das soeben vorgestellt wurde.

Also, wer bislang hoffte, dass Google den sperrigen Nobilitierungsbegriff “+1″ (im Sinne von “Gefällt mir”) fallen lassen würde, dürfte ein wenig enttäuscht sein. Ab heute ist alles “+” bei Google. Das “+ Project” ist ein soziales Netzwerk nach Baukastenprinzip, dem das Unternehmen nach und nach neue Funktionen beifügen möchte. Schick sieht es auf jeden Fall schon einmal aus. Hier die Module im Überblick:

Circles

Schon seit Monaten geistert die angebliche Google-Idee von “Circles” durch das Netz: Jetzt ist sie Realität geworden. Der Dienst erlaubt es, Freundeskreise (oder Feindeskreise), mit denen man verbunden ist, in einzelne soziale Inseln aufzuteilen und zu bedienen: die Uni-Kumpels kommen in diesen Circle, die Kollegen von der Arbeit in einen anderen. Als ich davon erfuhr, schoss mir sofort die Frage in den Kopf, wie viele solcher sozialen Kontaktgruppen der Durchschnittsnutzer überhaupt hat. Sind es drei? Oder fünfzehn? Auf jeden Fall eine spannende Frage. Weiterlesen

Mashup-Schleuder YouTube setzt ab sofort auf Creative Commons

2. Juni 2011  |  Social Media, Tech  |  No Comments  |  Share

Die einen rufen “Dreister Content-Raub!”, die anderen entgegnen: “Was ist euer Problem, es sind Mashups?!” Das Web 2.0 wurde möglich, weil zum einen die Technologie einfacher und zum anderen erschwinglicher wurde. Damit einhergehend fielen die Hürden des allgemeinen Kopiervorgangs: Beinahe jeder Inhalt ist nur einen Klick entfernt, ein weiterer genügt, um ihm meinen eigenen Stempel aufzudrücken.

YouTube ist heute wohl die größte Mashup-Schleuder im Netz. Die großen Lizenzstreitereien mit Filmverleihern und Musiklabels wurden bis dato hinter den Kulissen geführt, Google reagiert eigentlich nur, wenn das Big Business an die Tür klopft. Der gemeine Clip-Zapper schaut in die Röhre – oder eben nicht selten in Embed-Kästen, in denen sein eigenes Video läuft, dekoriert mit den Namen fremder “Autoren”. Damit will YouTube nun endlich Schluss machen. Weiterlesen

So geht’s: Googles +1-Button für WordPress (und andere Websites)

1. Juni 2011  |  How-To, Social Media  |  1 Comment  |  Share

Die Woche der Innovationen schreitet voran; und dieses Mal war Google am Hebel! Wie die Suchmaschine soeben mitteilte, beginnt heute das weltweite Rollout des lang erwarteten +1-Buttons – Googles Antwort auf Facebooks “Gefällt mir”-Schaltflächen, die seit Monaten überall im Netz zu finden sind. Website-Betreiber haben ab sofort die Möglichkeit, den Button in ihre Angebote zu integrieren, darüber hinaus wird der Knopf auch im Suchindex, auf Blogger-Blogs, im Android Market und auch bei YouTube zu finden sein. Weiterlesen

Warum Google wahrscheinlich nie im Social Web ankommen wird

17. Mai 2011  |  Social Media, Unternehmen  |  8 Comments  |  Share

Google Lively? Tot. Dodgeball? Tot. Jaiku? Tot. Zingku? Tot. Google Shared Stuff? Tot. Orkut? Tot. Google Wave? Tot. Google Buzz? In stadio ultimo befindlich. Die Facebook-Killer-App Google Me? Lasst lieber die Finger davon…

Seien wir ehrlich, Google ist ein geniales Unternehmen: Ein Universum mit klaren Spielregeln, ein Imperium, dessen Bürger man gerne ist. In Mountain View sitzen die größten Ninjas der Mathematik, geniale Kreativingenieure und bis heute ungeschlagene Algorithmus-Meister – doch von der menschlichen Seele hat man bei Google keine Ahnung. Seit rund einem halben Jahrzehnt versucht die Suchmaschine, den Sprung in das soziale Geflecht ihrer Nutzer zu schaffen: bis heute vergeblich. All die oben angeführten Dienste sind Fehlschläge, da hilft es auch nicht weiter, dass Ex-Boss Eric Schmidt den löblichen Einwand der ständigen Beta hervorbringt: “Wir feiern unsere Misserfolge.” Man probiere eben Dinge aus – und weiter: “Dies ist ein Unternehmen, in dem es völlig okay ist, schwere Aufgaben ambitioniert anzugehen – auch, wenn sie nicht erfolgreich sind. Auf diese Weise lernen wir.”

Nun, das eben ist das Problem: Google lernt nicht. Trial and Error ist ein mehr als akzeptables Verfahren – zumal in einem so komplexen Markt wie dem heutigen, in dem fast täglich neue Variablen den Strategen in die Schachzüge grätschen. Doch wie viele Fehlschläge braucht es, bis auch der mächtigste Mega-Konzern merkt, dass es an dieser Stelle nicht weiter geht? Googles wackeliger Gang ins Social Web ist mit Leichen gepflastert. Weiterlesen

Radikal sozial: Bing demokratisiert mit Facebook das Ranking

15. Mai 2011  |  Social Media, Tech  |  2 Comments  |  Share

Die Story ist ziemlich frisch, wenn ich es recht überblicke, ist in erster Linie AdAge an die Exklusiv-Informationen herangekommen. Demnach wird Microsoft am kommenden Dienstag die Suchmaschine Bing in ein soziales Recommendation-Karussell verwandeln – ein radikales Make-Over, das Facebook-Nutzern heimelige Gefühle und unseren Datenschützern schlaflose Nächte geben dürfte.

Microsoft hatte schon im vergangenen Oktober “Bing Social” angekündigt, seitdem ist allerdings auf der Oberfläche noch ziemlich wenig passiert. Am Dienstag ist es also soweit: Eingeloggten Facebook-Nutzern werden in den Suchergebnissen die Tipps ihrer Freunde angezeigt. Wer nach einem netten “Café” sucht, bekommt so in erster Linie Locations vorgeschlagen, die von Bekannten zuvor mit “Gefällt mir” geadelt wurden. Das soziale Ranking bezieht sich nicht nur auf Orte, sondern auch auf Nachrichten, Rezepte, Filme, Musik – eigentlich auf das halbe Internet. Sollte der Fall eintreffen, dass keiner der Facebook-Freunde zu einem bestimmten Suchbegriff ein “Like” abgegeben hat, zieht Bing die kollektive Facebook-Community zu Rate. Weiterlesen

Die “New York Times”-Paywall gilt nicht für Twitter- und Facebook-Nutzer

17. März 2011  |  Journalismus, Netznews, Social Media  |  2 Comments  |  Share
Die

Not all visits to NYTimes.com will count toward the 20-article limit. In an effort to avoid deterring as many as possible of the Web site’s more than 30 million monthly readers, The Times will allow access to people who arrive at its Web site through search engines like Google and social networking sites like Facebook and Twitter. There will, however, be a five-article limit a day for people who visit the site from Google.

(Quelle: New York Times)

Das war’s dann wohl, Google. Die “New York Times” hat heute ihr neues Paid Content-Modell erklärt. Ab sofort dürfen Nutzer standardmäßig nur noch zwanzig Artikel im Monat kostenfrei aufrufen – danach werden Gebühren fällig. Derzeit kostet der Sprung über die Paywall rund 15 US-Dollar im Monat.

Das Interessante daran ist, wie die “Times” dabei mit ihren Lesern umgeht, die nicht direkt auf der News-Seite klicken, sondern von außerhalb herangelotst werden: etwa über Google oder Facebook. Was gab es in der Vergangenheit nicht für lautstarke Streitereien mit der Suchmaschine. Google solle bitteschön Kohle an die Verlage abdrücken, immerhin werde mit den News-Snippets in den Suchergebnislisten ja ordentlich Geld verdient – dies war der bisheriger Konsens der Publisher und auch das schöne deutsche Modell des Leistungsschutzrechts knüpft daran an. Bis heute ist es zu keiner Lösung in dem Konflikt gekommen, Google weigert sich noch immer vehement, Abgaben an die Verlage zu leisten. Und nun ist es vielleicht auch gar nicht mehr nötig, das Problem hat sich von alleine erledigt: Google hat den ersten Platz unter den Traffic-Lieferanten für News-Angebote heute per AGB offiziell abgegeben. Weiterlesen

Das Link-Karussell dreht sich schneller: Facebook lässt den Share-Button fallen

27. Februar 2011  |  Social Media  |  37 Comments  |  Share

Es ist eine auf den ersten Blick winzig-kleine Feature-Korrektur, Mashable frühstückt sie schnell ab und schießt den Post als Doublicate Content rüber zur “USA Today“. Ich glaube, die Ausmaße sind noch nicht ganz abzusehen.

Facebook hat beschlossen, den “Share-Button” abzuschaffen, der im Herbst 2009 flott implementiert wurde, nachdem netzweit plötzlich überall “Tweet this!”-Schaltflächen auftauchten. Parallel zu Google entwickelte sich daraufhin ein sozialer Linkindex: schneller als die Suchmaschine und vor allem relevanter, da Nutzer fernab des SEO-Spams bedeutsame Seiten von ihren Fans oder Followern vertrauensvoll angeraten bekommen. Keine Maschine kann den Wert menschlicher Empfehlungen ersetzen – zumindest bis heute nicht.

Doch der Share-Button war schwerfällig, wer ihn drückte, bekam ein Popup präsentiert, durfte ein gecrawltes Bild der aktuellen Seite auswählen und den Link-Tipp mit einer persönlichen Notiz versehen. Dann folgte ein Klick auf den Button (“Im Profil posten”) und erst dann erschien der Eintrag auf der Pinnwand. Facebook hat dieses Verfahren nun restlos beschleunigt: “Gefällt mir” drücken – das war es. Dieser Klick produziert nun nicht länger lediglich eine Fußnote unter “Neueste Aktivität”, sondern formuliert ein komplettes Status-Update. Weiterlesen

Vom Buh-Mann zum Verlagsretter: Der seltsame Fall der Google-Anbetung

17. Februar 2011  |  Journalismus, Netznews, Tech  |  1 Comment  |  Share

Wir beginnen mit den Worten des großen John F. Kennedy: “Vergib deinen Feinden, aber vergiss niemals ihre Namen.” Wäre dies die Absicht der deutschen Verlagsszene gewesen, müsste man heute eine branchenweite Demenzerkrankung diagnostizieren – oder habe ich etwas verpasst? Hierzulande wie in Übersee gehörte es stets zum guten Ton, Google zu hassen. Im Zuge der Hamburger Erklärung wurde dieses Feindbild einstmals schriftlich fixiert, später Kartellrechtsklagen vorbereitet. “Wir werden schleichend enteignet!“, polterte da ein Hubert Burda und bei jedem Treffen der Verlagsbosse kam es noch vor ein paar Tagen erst dann zum Schulterschluss, wenn in Sprechchören das Leistungsschutz-Lied angestimmt und die Google-Flagge verbrannt wurde.

Was wurde denn jetzt aus dem miesen Geschäft mit dem Diebstahl und der frechen Vermarktung fremder Inhalte? Was wurde aus der kompromisslosen Forderung nach einer Umsatzbeteiligung? Ach, so – es war gar nicht so schlimm.

Das System funktioniert ziemlich einfach und ist uns allen aus dem Alltag (oder der historischen Kriegsführung) bestens bekannt: der Feind meines Feindes ist mein Freund. Apple hat erstmals richtig die Muskeln spielen lassen und mit seiner Marktmacht geprotzt. Satte 30 Prozent sollen die Verleger bei Abo-Modellen auf dem iPad abdrücken, zusätzlich werden nur die nötigsten Informationen über die Leser an die Auftraggeber weitergeleitet. Ein Unding! maulen da BDZV und VDZ – eine Unverschämtheit. In einem hilflosen, offenen Brief an Apple machen sie ihrer Empörung Platz und gehen sogar so weit, einen Katalog mit “Forderungen” nach Cupertino zu schicken. Eine Etage höher, bei der European Newspaper Publishers’ Association (ENPA), schlägt man in dieselbe Kerbe. Steve Jobs dürfte reagiert haben, als habe man ihn mit einem Stück Nähseide geschlagen. Weiterlesen

Technikfeindlichkeit: Jede Prothesen-Kommunikation hat ihre Mitwisser

20. Januar 2011  |  Netznews, Social Media  |  2 Comments  |  Share

Ich komme gerade von der Uni Hamburg zurück, wo Nelson Mattos von Google einen Vortrag zum Thema “The Future of the Web: Challenges & Opportunities” gehalten hat. Ich möchte vorausschicken, dass es ein sehr angenehmer Abend war. Ebenfalls vorausschicken möchte ich, dass ich folgendes Fazit nicht am Unternehmen Google oder eines seiner Produkte festmache. Sondern eher an der daran reflektierten Stimmung im Publikum.

Mattos zeigte sich anfangs verlegen, vor zwei Jahren habe er bereits einmal an der Hamburger Uni referiert, damals sei die Stimmung recht kritikfreudig gewesen. “Ich hoffe, Sie bewerfen mich nicht mit Eiern und Tomaten”, sagte er vorsorglich. Doch das Plenum blieb ruhig, immerhin hatte man hier einen Weltkonzern im Haus und vielleicht kann man von dem auch noch etwas lernen. Mattos plauderte ein wenig über die Geschichte des Internets, über das exponentielle Wachstum, den Dienste-Boom und die Gesamtentwicklung, die einer eigenen Evolution unterliegt: Seiten und Anwendungen, die populär sind (wie Facebook), werden weiterentwickelt und gepusht. Andere, die unpopulär sind (sagen wir Google Wave), verschwinden nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung. Betrachtet man das alles aus dem sozialen Kontext, lassen sich tiefgreifende gesellschaftlichen Veränderungen nicht leugnen.

Er brachte das schöne Beispiel der beiden zehn- und zwölfährigen Mädchen, die sich im Jahr 2009 in einem Kanal verlaufen hatten – und anstatt die Polizei mit dem Handy anzurufen, lieber ein hilfesuchendes Statusupdate bei Facebook veröffentlichten. Das Publikum lachte, doch Mattos blieb ernst: “In zwanzig bis dreißig Jahren, werden dies die Menschen sein, die auf der Welt das Sagen haben. Das kann man nicht ausblenden.” Da hat er unzweifelhaft Recht. Weiterlesen

Nexus S: Google-Manager übernimmt das erste Seeding auf Picasa

12. November 2010  |  Netznews  |  No Comments  |  Share

Google will es ja noch einmal wissen und bringt nach dem Flop mit dem Namen “Nexus One” ein weiteres Smartphone auf den Markt: das “Nexus S” (jetzt: Link bei Amazon) – in diese Richtung deuten zumindest die aktuellen Gerüchte. Hardware-Lieferant wird in diesem Fall nicht HTC sein, sondern Samsung. Die genaue Produktbezeichnung lautet GT-i9020, spätestens zum Weihnachsgeschäft soll das Android-Handy in den Handel kommen; die FCC hat bereits ihren Segen dazu erteilt. Beim Marktstart hat es Verzögerungen gegeben, da die zum Einsatz kommende Android-Version 2.3 keine Dualcore-Prozessoren unterstützt – Samsung musste noch einmal Hand anlegen.

Das alles sind Informationen, die unter der Hand gestreut wurden, weder Google noch der Hardware-Partner haben bislang irgendeine offizielle Stellungnahme abgegeben. Engadget konnte jedoch bereits Hands-On-Bilder aus anonymen Quellen zeigen (inklusive Google-Branding), bei BestBuy hat ein übereifriger Angestellter die passende Produktseite online gestellt und binnen Minuten wieder vom Netz genommen, nachdem er von seinem Vorgesetzten einen auf den Deckel bekommen hat. Doch es gibt noch einen anderen interessanten Hinweis auf einen bevorstehenden Marktstart. Weiterlesen

Street View-Start in Deutschland: Google zeigt erste zensierte Häuser

2. November 2010  |  Netznews  |  4 Comments  |  Share

In der Nacht zum Dienstag hat Google mit dem Roll-Out der Street View-Funktion in Maps begonnen – in kleinen, winzig kleinen Häppchen, um den besorgten deutschen Bürger nicht mit der nackten Realität unserer Straßen zu überfordern. Die Suchmaschine tauft den ersten Gehversuch bei den Teutonen “Kleine Deutschlandreise” und hat sich zunächst einmal darauf beschränkt, möglichst unverbindliche Allgemeinplätze zu Schau zu stellen: mehr Landschaft und Sehenswürdigkeiten, weniger Gesichter von Menschen. Vom Start weg dabei sind ein paar Einblicke in Berlin, der Theaterplatz in Dresden, die Hamburger Köhlbrandbrücke, der Königsplatz in München, das Stuttgarter Schloss Schloss Solitude, ein paar Fußballstadien und die Allgäu-Perle Oberstaufen. Warum – bitte schön Oberstaufen? Google selbst hat die Antwort:

Oberstaufen im Allgäu ist auf eigenen Wunsch als erste deutsche Gemeinde bei Street View zu sehen. Im August 2010 hatte die dortige Tourismusgesellschaft Google mit einer selbst gebackenen Torte und einem Video eingeladen, Bilder einiger seiner Straßen und Plätze möglichst frühzeitig bei Street View aufzunehmen.

Hier, auf der Bürgermeister-Hertlein-Straße, lässt sich auch wunderbar nachvollziehen, wie Google die von besorgten Bürgern beantragte Zensur ihrer Häuser umsetzt: Weiterlesen

Google-Jäger Twitter: Die Suchmaschine, die keine ist

26. September 2010  |  Netznews, Tech  |  2 Comments  |  Share

Holger Schmidt (FAZ) hat auf einen Artikel bei Fast Company hingewiesen. Titel: “Twitter is the worlds fastest growing search engine“. Darin wird berichtet, dass Mitgründer Biz Stone in einem Interview im Rahmen das Aspen Ideas Festival im Juli gesagt habe, Twitter würde mittlerweile 800 Millionen Suchanfragen verzeichnen – und das täglich. Auf den Monat gerechnet, kämen wir bei dieser Zahl locker auf 24 Milliarden Queries. Noch beeindruckender als diese Zahl ist allerdings das Wachstum, das Twitter bei den Suchanfragen hinlegen konnte. Erst im April hatte das Unternehmen bekannt gegeben, dass man die Grenze von 19 Milliarden Queries pro Monat habe knacken können.

24 Milliarden? Damit man ein Gefühl dafür bekommt, wie viel das eigentlich ist, habe ich die jüngsten Zahlen von ComScore herausgesucht. Sie stammen von Dezember 2009 – wer aktuellere Daten hat, möge sich deshalb bei mir melden. Hier das Ranking der globalen Suchanfragen:

  • Google (inkl. YouTube & Co.): 87,8 Milliarden pro Monat
  • Yahoo!: 9,4 Milliarden pro Monat
  • Baidu: 8,5 Milliarden pro Monat
  • Bing: 4,1 Milliarden pro Monat

Twitter wäre demnach heute die Nummer zwei bei den Suchanfragen, doch stimmt das wirklich? Nein: Die Annahme, Twitter mit den etablierten Suchmaschinen vergleichen zu können, ist reiner Mumpitz. Weiterlesen