Posts Tagged ‘Journalismus’

Seminar: Recherche 2.0 – So funktioniert der Faktencheck im (Social) Web

7. Mai 2011  |  Journalismus  |  3 Comments

Zunächst noch einmal ein ganz dickes Lob an alle Teilnehmer: ein tolles Publikum, das mit viel Engagement die Rechner anwarf, ebenso interessante wie kniffelige Fragen stellte, mit viel Herzblut Wikipedia-Autoren aufspürte und dubiosen Fake-Profilen hinterherjagte. Danke schön! ;)

Die nachfolgende Präsentation stammt aus dem Seminar “Recherche 2.0: So funktioniert der Faktencheck im (Social) Web”, das ich am 6. Mai 2011 für den Deutschen Fachjournalistenverband (Deutsches Journalistenkolleg) und die Akademie Digitale Wirtschaft Hamburg (TeleLearn-Akademie) gegeben habe. Aus der Beschreibung:

Um langfristig im journalistischen und kommunikativen Wettbewerb zu bestehen, müssen Journalisten, PR-Fachleute und Kommunikationsschaffende in der Lage sein, Informationen im Web schnell ermitteln, bewerten und validieren zu können. Das Seminar vermittelt hierfür das notwendige Know-how. Es wird erläutert, warum Google und Wikipedia nicht das Maß aller Dinge sind, welche Tools eine professionelle und effiziente Recherche sowie ein Monitoring im Web 2.0 vereinfachen.

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Al Jazeera und Co.: Stell dir vor, es ist Information War und es ist uns scheißegal

6. März 2011  |  Journalismus  |  5 Comments

Es wird nicht offen ausgesprochen (außer vielleicht von George W. Bush), doch insgeheim vertritt der Westen die Ansicht, dass man selbst durch die Aufklärung das Mittelalter überwunden habe – wohingegen der Nahe und Mittlere Osten noch darin gefangen sei. An der Theorie ist was dran, das muss selbst der liberalste Weltbürger eingestehen. Die Religion steht noch in vielen arabischen Staaten der Freiheit der Menschen entgegen. Doch die Zeit der Querdenker, der intellektuellen Individualisten, die einstmals die Kraft hatten, ein System zu stürzen, ist vorbei. Heute bestimmt der globale Menschenschwarm die grobe Richtung, die wir Zukunft nennen und so ist es unmöglich geworden, einzelne Stimmen in diesem Gewirr auszumachen. Außer vielleicht die der Medien.

Die Aufgaben der Presse lauten: berichten und analysieren. Der Journalismus soll die Aufklärung zu einer ständigen Einrichtung machen, uns unabhängig informieren und uns Schlüsse aus den Entwicklungen für unsere Leben ziehen lassen. Dies zumindest war der Urgedanke, der schon lange unter einer Decke aus Werbung, PR und politischem Kalkül verschwunden ist. Man könnte meinen, dass wir gesättigt sind von der hart erkämpften Unabhängigkeit und uns die Suche nach ein wenig Entertainment – eben: Ablenkung – wichtiger geworden ist.

Was in Nordafrika geschah und noch geschieht, ist keine lokale Revolutionsserie, die ein paar TUI-Kunden zum Storno zwingt. Sie ist eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzung, deren Ausläufer gebührend hart an unser westliches Ufer schlagen werden. Wie berichtet, geht dies vielen heimischen Medien galant am Arsch vorbei: Regimestürze gibt es ja offenbar alle paar Monate – “Germany’s next Topmodel” kommt nur einmal pro Jahr. Hier muss man klare Prioritäten setzen. Weiterlesen

NewsTrust: Das Social News Network, dem die Leser vertrauen

25. September 2010  |  Journalismus, Netznews  |  2 Comments

Wir haben in den vergangenen Tagen viel über die Kanäle der News-Verbreitung im Netz gesprochen. Die soziale Kompetente spielt in diesem Rahmen eine große Rolle; wir teilen, was uns gefällt – und das muss nun einmal nicht immer wichtig sein. Die ausschlaggebenden Faktoren, die bei einem hohen Ranking von Artikeln und Blog-Posts oft eine Rolle spielen, lauten “LOL”, “ROFL”, “WTF” und “OMG”. Über die Qualität des Contents sagt das erst einmal überhaupt nichts aus.

Doch es gibt Abhilfe: NewsTrust ist schon einige Zeit im Internet vertreten, doch erst jetzt scheint die Lawine so richtig loszugehen (das hat unter anderem damit zu tun, dass die Seite erst kürzlich eine dicke Finanzspritze verabreicht bekommen hat). Bei NewsTrust handelt es sich um ein Social News Network, eine Bewertungsplattform, bei der private Nutzer und professionelle Journalisten ein ganz eigenes Ranking der Nachrichtenlage anstellen: News werden nach journalistischer Qualität bewertet – nicht nach Popularität. Die Fragen, die dabei im Vordergund stehen, sind unter anderem Fairness, Plausibilität, Kontext und vorhandene Thesenbeweise. Weiterlesen

Warten auf Gutenberg 2.0

13. Juli 2010  |  Journalismus  |  Kommentare deaktiviert

Jean Paul sagte einmal “Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir nicht vertrieben werden können.” Und der Spruch hängt seit Jahren als Poster an den Bürowänden der deutschen Zeitungsbosse. Mir erschließt sich nicht, woher diese Hartnäckigkeit kommt, dieses Winden, dieses bornierte Festhalten an Gewesenem, aber eines ist sicher: Wenn die deutsche Printbranche sich auf ihrer heutigen BDZV-Jahrespressekonferenz auf einen rettenden Kurs eingeschworen hat, so wird sie die eingeschlagene Richtung geradewegs in die Scheiße reiten.

Es ist nicht kurz vor zwölf. Es ist bereits später Nachmittag für Deutschlands Printmetier und dennoch reiben sich die Verleger noch immer verträumt den Schlaf aus den Augen: “Bitte, noch einmal umdrehen. Nur noch ein wenig.” Wer gehofft hatte, dass der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger am heutigen Tag einen Masterplan zur Reform der einer Jahrhundertbranche vorlegen würde, wurde bitter enttäuscht. Es bleibt beim alten Spiel: Bestandsaufnahme und Schuldzuweisung.

Offenbar haben sich die Verlage nun erleichtert darauf verständigt, dass eines Tages das Electronic Publishing den Vogel abschießen wird. In den Verlagen werde intensiv an Inhalten, Design und Vermarktungsmodellen gearbeitet, sagte Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. Die gesamte Branche bewege sich in einer “wichtigen Experimentierphase”. Es bestehe Konsens, dass die “neuen Tablets große Chancen” böten, das klassische Geschäftsmodell der Zeitung, nämlich Vertriebserlöse plus Werbeerlöse, in die “digitale Welt” zu übertragen. – In diesem ehrgeizigen Unterfangen stecken für das Jahr 2010 noch eine Menge Konjunktive. Gibt es konkrete Pläne? Gibt es Kooperationen? Ideen zur Umsetzung? Gibt es Best Case-Szenarien? Wenn Gedrucktes künftig auf dem Display gelesen wird, wie werden diese Inhalte aufbereitet? Wie lauten die Namen der Vertriebspartner? Werden auch alle an einem Strang ziehen? Wolff drückte sich um konkrete Ansagen und schickte lieber seinen IT-Kollegen Fuhrmann (Abteilung “Kommunikation + Multimedia”) auf das Podium, um die Euphorie mit Hinweisen auf die problematische Hardware-Vielfalt und das Preisdiktat der Hersteller vorsorglich zu dämpfen. Das war es. Das Buch wurde geschlossen und eine neue Runde im Wettwarten auf die rettende Reinkarnation Gutenbergs eingeläutet. Eines Tages wird er kommen, eine glänzende 2.0 vor sich hertragend, und eine ganze Branche aus der Misere herausholen. Aber nicht heute. Weiterlesen

Die Sache mit den E-Books / Interview

25. Oktober 2009  |  avatter, Journalismus, Netznews  |  1 Comment

nook

Dem deutschen Büchermarkt geht es prächtig. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurde ein Umsatzwachstum von 2,2 Prozent erzielt, allein im Sommermonat Juni konnten die Verlage hier ein Plus von 6,8 Prozent (!) verzeichnen. Ein stattliches Ergebnis mitten im Jammertal der Wirtschaftskrise, das in dieser Größenordnung nur wenigen Branchen vergönnt ist. Auf der Frankfurter Buchmesse 2009 knallten jedenfalls die Champagnerkorken, wohingegen das IT-Volk auf der CeBIT damit bemüht war, im Rahmes eines gigantischen Motivationsseminars die Mitglieder verzweifelt auf bessere Zeiten einzuschwören.

Das zeigt: Papier ist nicht out, der Geruch von Druckerschwärze, schöne Lesezeichen, Taschenbücher zum Mitnehmen – all das hat die Jahrtausendwende völlig unbeschadet überstanden. Der Kreis der Offline-Leser wächst stetig weiter, eine Entwicklung, die wohl so niemand vermutet hätte. Darin ist auch das Selbstbewusstsein der Bücherverlage begründet. Ein Umsatteln auf E-Books? Kann man machen – muss man aber nicht, lautet das Motto von Belletristik und Sachbuch. In einer selbst initiierten Studie von Oktober tastete sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eher neugierig als getrieben an das Thema Electronic Publishing heran: “Wir wollten wissen, wie nachhaltig die aktuelle E-Book-Welle ist”, heißt es da. Das Fazit fiel mit der Aussage “E-Books: Umsatzzwerge mit Wachstumspotenzial” eher nüchtern aus.

Wenn von E-Books oder ihren Readern die Rede ist, wird häufig zunächst an “Harry Potter” und den Kindle gedacht, auch beim Publikum hält sich da die Begeisterung in Grenzen. Verständlicherweise. Mehr als ein Buch gleichzeitig kann niemand lesen, warum also ein elektronisches Gadget mit tausend Titeln einstecken, wenn ich doch Literatur gestochen scharf, batterieunabhängig und mit unvergleichlicher Haptik völlig komplikationslos genießen kann. Um es kurz zu machen: Ob E-Books in naher Zukunft auch im klassischen Buchverlagswesen ein Erfolg werden, ist eine eher zweitrangige Frage. Eine dringende Abhängigkeit besteht jedenfalls nicht. Weiterlesen

“Das Netz als Feind”: Ein offener Leserbrief

25. Mai 2009  |  Journalismus, Netznews  |  Kommentare deaktiviert

Den folgenden Leserbrief habe ich Adam Soboczynski zukommen lassen. Sein Artikel in der “Zeit” beschäftigte sich mit dem Verschwinden des Intellektualismus im Zeitalter des Web 2.0. Titel: “Das Netz als Feind

Sehr geehrter Herr Soboczynski,

ich schreibe Ihnen als Redakteur eines großen Blogs in Deutschland (Anmerkung für die Leser hier: nicht dieses!). Dies ist eine Reaktion auf Ihren heutigen Beitrag in der “Zeit” und da wir beide – wie ich sehe – fast derselben Generation angehören, würde ich Ihnen gerne ganz offen sagen: Sie haben völlig Recht.

Ich schätze, dass ebensolche Debatten bereits bei der Etablierung des Radios und später beim Siegeszug des Fernsehens geführt wurden. Damals entschied sich der Intellektualismus für das freiwillige Exil des Printmediums. Doch diese allerletzte Rückzugsmöglichkeit ist nun unwiderruflich in Gefahr: Nachrichten werden zu Content, genauso wie Buchseiten zu Displays verarbeitet werden. Eine unumkehrbare Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist.

Die Frage ist: Wohin also nun? Die gemütlichen Tage sind vorbei und die Menge der Leser, die frei von terminlichen Verpflichtungen die Muße haben, am Morgen eine Zeitung aufzuschlagen, wird in den kommenden Jahren diametral zu den Nutzerzahlen des Internet abnehmen. Ich frage noch einmal: Wohin also nun? Ich halte es für den falschen Weg, die Kapitulation auszurufen, zu resignieren und unter den effektvollen Buh-Rufen der digitalisieren Nation das Feld zu räumen. Weiterlesen

Obama über die Bedeutung des Journalismus im 21. Jahrhundert

10. Mai 2009  |  Allgemeines, Journalismus  |  Kommentare deaktiviert

White House Correspondents’ Dinner, 9. Mai 2009