Kommen wir – nach den bezahlten Werbe-Tweets und den Paid Content-Lösungen – zum nächsten Kapitel: Background-Sponsoring. Zum Profil eines jeden Twitter-Mitglieds gehört sein Name, die Tweets – und der Hintergrund der jeweiligen Seite. Oft wird dem Wallpaper nicht allzu viel Beachtung geschenkt, Twitter räumten den Nutzern über ☛ Settings ☛ Design eine rudimentäre Gestaltungsmöglichkeit ein: Eine Auswahl von zwölf Themes wird für die optische Individualisierung des Profils bereitgestellt, wobei nicht wenige mit dem Standard vorlieb nehmen und ihre Tweets auf einem jadefarbenen Himmel mit kontrastarmen Wolken posten. Kurzum: hier wird Potential verspielt.
In Deutschland waren es die Betreiber der Kölner Onlinemarketing-Messe dmexco, die erstmals die unterbewertete Werbefläche in Angriff nahmen. Dazu ein Auszug aus der Pressemitteilung vom Anfang Mai:
Getwittert wird bei der dmexco bereits seit November 2008. Im April nutzte die Kongressmesse den Micro-Blogging-Dienst für zwei bisher einzigartige Werbeaktionen. So wurde der Anmeldeschluss für Aussteller auf dem Twitteraccount des Mediendienstes turi2 beworben. Außerdem fanden sich innerhalb von zwei Tagen 15 Digital Professionals als Affiliate-Partner, die im April ihr Twitter-Hintergrundbild mit einem Banner oder dem offiziellen dmexco-Foto versehen hatten.
Branding (s. Abbildung) lautet das Stichwort. Dmexco zahlte jedem dieser 15 Twitterer für den Monat je 100 Euro – kein Vermögen, aber immerhin ein schönes Zubrot. Ich bin während dieser Zeit über drei Profile gestolpert, die mit dmexco-Tantiemen versorgt wurden, so dass sich sagen lässt, dass tatsächlich in erster Linie Multiplikatoren mit einer hohen Themenaffinität und Follower-Zahl einkassiert wurden. Weiterlesen
Als turi2 im April in Deutschland den Anfang machte, war die Empörung groß: 250 Euro für einen Ad-Tweet, hieß das Angebot an die Advertiser. Rund 3.000 Follower hatte der Branchendienst zu diesem Zeitpunkt gesammelt. Bertelsmann biss als erstes an und ließ turi2 eine euphemistische Kurzinterpretation der Bilanzzahlen 2008 über den Äther schicken. Weitere, ähnliche Aktionen folgten. Das Ergebnis?
Der Link zu Bertelsmann bei der Bilanz-PK wurde binnen weniger Stunden über 190 mal geklickt, die ausgeschriebene Professur der Folkwang Hochschule und das Berlin-Scheckheft über 150 mal.
Zieht man in Betracht, dass die durchschnittliche Lebenserwartung eines Tweets bei etwa fünfzehn Minuten liegt (eine bereits weniger konservative Annahme), kann also getrost davon ausgegangen werden, dass es sich bei den genannten Zahlen um eine abschließende Klick-Bilanz handelt: 1,30 Euro pro Klick – ein teures Vergnügen. Dabei war Bertelsmann als erster großer Twitter-Werber bereits Profiteur eines gesteigerten Medieninteresses. Außerdem: Ob sich Peter Turi – abgesehen von den 250 Euro – mit der Schaltung der Anzeige einen Gefallen getan hat, ist fragwürdig angesichts des kleinen Image-Erdbebens, das dadurch in der Twitter- und Blogosphäre ausgelöst wurde. Überraschenderweise blieben die Follower-Zahlen annähernd stabil. Heute sind Twitter-Anzeigen (110 Zeichen + Link) ein fester Bestandteil im Werbeangebot des Dienstes.
Doch man muss keine etablierte Mediengröße im Netz sein, um als Publisher auf Twitter bezahlte Werbung unter das Volk zu bringen. Bereits im Oktober 2008 hatte Mashable das Berliner Vermarkter-Startup “” target=”_blank”>Magpie” vorgestellt, passenderweise ist dies auch der englische Name der Elster. Das Angebot für Twitterer besteht darin, ohne eigenes Zutun Werbe-Tweets im Strom der Postings auftauchen zu lassen; entweder nach jedem Tweet, nach jedem fünften, hunderten usw. Die Frequenz der Auslieferung kann der Twitter-Nutzer selbst bestimmen. Weiterlesen














