Posts Tagged ‘Social Web’

Web 3.0: Das Social Web als Brückentechnologie

5. November 2011  |  Social Media, Tech, Wissenschaft  |  9 Comments


Irgendwann explodierte das Internet. Nicht über Nacht, aber dennoch plötzlich. Im Jahr 2000 betrug der globale Netz-Traffic 75 Petabyte im Monat; nach knapp zehn Jahren wurde die Grenze von 15.000 Petabyte geknackt. Im Jahr 2009 wurden 247 Milliarden E-Mails versendet – pro Tag.

Schon früh blieben redaktionell begleitete Seitenverzeichnisse (wie Yahoo!) auf der Strecke, noch zur Jahrtausendwende schrieb ich als Student für einige Verlage, die mit wackeren Durchhalteparolen an den “Gelben Seiten” für das Internet festhalten wollten (teilweise mit abgedruckten Screenshots). Wenige Monate nach dem Dotcom-Desaster ging einer nach dem anderen Bankrott. Das Internet entwickelte sich rasend schnell zu einem gigantischen Zettelkatalog, dessen Schubladen sich schon lange nicht mehr mit Leitern erreichen lassen. Wir haben ein System erschaffen, in dem sich Daten wesentlich schneller kreieren als gescheit ablegen lassen. Google übernahm das Ruder und versuchte mit ausgeklügelten Algorithmen der Datenflut Herr zu werden: doch Linkfarms und andere SEO-Ablenkungen, anachronistische Ergebnisse und andere Irrelevanzen füllten schnell den Index. Wer heute nach “http” googelt, erhält “ungefähr 25.270.000.000 Ergebnisse”. Jeder Tweet, jedes Twitpic, jedes öffentliche Status-Update auf Google Plus und Facebook fügt eine neue Seite hinzu. Immer mehr Maschinen lernen und kommunizieren über das Netz (“Internet der Dinge”) und hinterlassen breite Datenspuren.

Gibt es Orientierung? Kaum. Die Suchmaschinen, die heute zu den Global Players gehören, sind plump und dumm, da sie allesamt lediglich Keyword-Ableichungen im Datenchaos vornehmen. Wie das Universum dehnt sich auch das Internet von Sekunde zu Sekunde weiter aus – von einer Nadelsuche im endlichen Heuhaufen zu sprechen, wäre also vermessen. Weiterlesen

Nein, Google+ ist keine gute Blog-Plattform: Blogs sind gute Blog-Plattformen

10. Juli 2011  |  Social Media  |  17 Comments

Ich versuche nur, die Diskussion ein wenig abzukürzen. Welche Diskussion? Nun eben jene, die in ein paar Tagen oder Wochen aufkommen wird, wahrscheinlich zunächst in den USA, dann als deutsche Zweitverwertung: “Ist Google+ die bessere Blog-Plattform?” Bislang ist diese Frage bei fast jedem neuen 2.0-Dienst aufgetaucht, ob bei Twitter, Facebook oder Quora – immer wieder wird die irre Theorie in den Raum geworfen.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Blogs seit zwei, drei Jahren aus dem Social Web gedrängt werden. Facebook und Twitter haben längst übernommen, sowohl was die Produktion als auch die Distribution angeht. Die meisten Links, die auf diesen Diensten hin- und hergeschossen werden, verweisen auf kommerzielle News-Seiten. Erst an zweiter Stelle kommen Marken-Angebote und dann der User Generated Content. Im vergangenen Oktober schrieb ich einen Blog-Post, der sich mit dem nahenden Ende von Social Media auseinandersetzte. Die Idee zum Titel stammte nicht von mir, sondern von einigen Kritikern, die angesichts schwindender Ambitionen bei Privat-Anwendern (die immer mehr konsumieren und immer weniger produzieren), hysterische Stimmung verbreiteten: YouTube-Clips anschauen? Yeah! Flicker-Alben durchblättern? Yeah! Status-Updates kommentieren? Gefällt mir! Eigene Inhalte erstellen? Och, nö…

Die Entwicklung ließe sich damit rechtfertigen, dass die Art des Contents sich eben gewandelt hat. Offenbar sind im privaten Rahmen heute lange Texte out, ebenso selbst gedrehte Dokumentationen oder bereichernde Bilderstrecken. Die Produktionstätigkeiten der überwältigenden Mehrheit der derzeitigen Netzbürger bestehen aus “Thumbs up!”, “RT” und “+1″. Gerade der Start von Google+ hat dies gezeigt. Noch hat das Netzwerk nicht seinen festen Platz im Social Web gefunden, viele sind orientierungslos und scheuen sich davor, schon jetzt ihre Prioritäten festzulegen. So werden alle Kanäle gleichzeitig bedient und die neuen Mitglieder von Google+ werden Zeugen von ebenso redundantem wie selbstreferentiellem Link-Geschubse: Ich finde keine News, dieselbe News findet mich – und das gleich hundertfach. Weiterlesen

Seminar: Recherche 2.0 – So funktioniert der Faktencheck im (Social) Web

7. Mai 2011  |  Journalismus  |  3 Comments

Zunächst noch einmal ein ganz dickes Lob an alle Teilnehmer: ein tolles Publikum, das mit viel Engagement die Rechner anwarf, ebenso interessante wie kniffelige Fragen stellte, mit viel Herzblut Wikipedia-Autoren aufspürte und dubiosen Fake-Profilen hinterherjagte. Danke schön! ;)

Die nachfolgende Präsentation stammt aus dem Seminar “Recherche 2.0: So funktioniert der Faktencheck im (Social) Web”, das ich am 6. Mai 2011 für den Deutschen Fachjournalistenverband (Deutsches Journalistenkolleg) und die Akademie Digitale Wirtschaft Hamburg (TeleLearn-Akademie) gegeben habe. Aus der Beschreibung:

Um langfristig im journalistischen und kommunikativen Wettbewerb zu bestehen, müssen Journalisten, PR-Fachleute und Kommunikationsschaffende in der Lage sein, Informationen im Web schnell ermitteln, bewerten und validieren zu können. Das Seminar vermittelt hierfür das notwendige Know-how. Es wird erläutert, warum Google und Wikipedia nicht das Maß aller Dinge sind, welche Tools eine professionelle und effiziente Recherche sowie ein Monitoring im Web 2.0 vereinfachen.

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Hype-Reminiszenzen des Social Web oder: “Wer erinnert sich noch an Quora?”

8. April 2011  |  Social Media  |  8 Comments

Wisst ihr noch? Damals? Als die Blogs abstürzten, Facebook wankte und Twitter kurz davor war, in die absolute Bedeutungslosigkeit abzudriften? Wisst ihr noch, wie Tech-Gott Robert Scoble die Revolution der internationalen Blogosphäre ausrief, in der alle Posts durch Q&As abgelöst werden? Und wie Quora, das unglaubliche Frage-und-Antwort-Portal, in den Mittelpunkt des Interesses von gleichermaßen Nutzern und Medien rückte? TechCrunch korrigierte sogar Scoble und machte aus Quora die “bessere Wikipedia“.

Ich weiß nicht, wie es meinen geneigten Lesern ergeht, aber ich habe das Gefühl, dass all dem gigantischen Mumpitz-Buzz zum Trotz… Quora heute tot ist. Es ist schwer, an verlässliche Angaben zu kommen, was die Nutzerzahlen und Interaktionshäufigkeiten angeht. Die jüngste Statistik stammt aus dem Februar und zeigt einen Rückgang von knapp 60.000 Unique Visitors auf 283.500 im Vergleich zum Vormonat. Der Januar stellte den Höhepunkt des globalen Hypes dar. Laut Alexa gingen in den vergangenen drei Monaten die Pageviews pro User um 16 Prozent in den Keller und Google Trends sagt uns, dass das Suchvolumen auf Vor-Hype-Niveau zurückgefallen ist. Vom Betreiber selbst ist seit dem Launch im Juni 2010 zumindest offiziell nichts mehr zu hören: Die jüngste Pressemitteilung datiert auf den 28. März 2010. Weiterlesen