
Wow, die Zeichen vergingen wie im Fluge und hier sind wir! Ich habe soeben meinen 10.000. Tweet versendet und dachte es sei an der Zeit, einfach mal eine kleines Fazit zu ziehen – Privacy-Strip zur Ergötzung der Massen inklusive.
Warum? Zum einen aus Spaß, zum anderen aus proaktiver Nostalgiedenke (ist ja schön, wenn man die Zahlen in ein paar Jahren wieder vor Augen hat) und außerdem aus Neugier, wie viel zum Teil irrelevante Transparenz sich mittels Twitter-Analysetools heute herstellen lässt. Die verwendeten web- und clientbasierten Tools stehen jeweils in Klammern hinter den Daten. Wie lange sie noch nutzbar sein werden? Das weiß nur Twitter.
Gesamtanzahl der Tweets:
10.000
Follower:
2.378
Following:
219
Follower Fake-Accounts:
2 % (Statuspeople)
Following Demographie:
Ca. 6-7 Frauen, 95 Männer, 120 Institutionen (freundliche Kixka-Zählung)
Twitter Follower-Friend Ratio:
10,86 (Taschenrechner oder TFFRatio) Weiterlesen
Narf! Facebook-App? Gelöscht. Twitter-App? Gelöscht. Die mobile Nutzung vieler moderner Dienste gleicht heute der Installation von Windows 98: “Bitte Diskette 7 von 34 einlegen und Enter drücken.” Die Facebook-App für iOS ist labiler als ein Hypochonder in einer vollen U-Bahn zur winterlichen Grippezeit. Die Anwendung stürzt ab, lädt nicht, hängt und auch in Version 4.1.1 ist noch immer die Sharing-Funktion deaktiviert. Twitter? Seit der Übernahme von Tweetie ging es bergab; von Auflage zu Auflage verschwanden immer mehr Tweets, es rappelt in der Synchronisierungskiste – so schnell kann man den Homebutton gar nicht drücken. Google Plus? Bislang Klassenbester, was aber keinesfalls die Versetzung garantiert: Die G+-App ist seit dem Facelift ein Pinterest-Klon, bei dessen Newsstream die Bilder und nicht die Diskussion im Mittelpunkt stehen. Ein Wunder, dass beim King des Design-Streamlinings ein solches, unübersichtliches Paket geschnürt wurde. Weiterlesen

Phase 1: Der Empörungsreflex
“FU, Twitter!” – Die erste Reaktion auf die Ankündigung ist komplette Entrüstung, die eine Tweet- und Hashtag-Flut vor sich herschwemmt. Verlinkt wird immer wieder dieselbe Handvoll Artikel. Der Himmel verdüstert sich, am Horizont grollt der Shitstorm.
Phase 2: Der Grabreflex
Im Fahrwasser der blinden Wut finden sich immer einige kluge Köpfe, die der Sache auf den Grund gehen – allerdings mit vordefinierter These im Kopf: “Warum zensiert Twitter?” wird dabei ersetzt durch “Deshalb ist Twitter böse!” Antwort: Der Dienst buckelt vor den Saudis. Es geht um Kohle und Twitter kriegt den Hals nicht voll genug.
Phase 3: Der Medienreflex
Medien berichten über den Shitstorm. Zunächst geht es nur um möglichst blumige Deskriptoren der Fetzerei unter Nerds. Dann auch um die Sache an sich. Damit wird der Protest nobilitiert und erhält seine Legitimation. Diese Botschaft nehmen die Aufständischen mit. Weiterlesen

Nachdem die Deutsche Bahn im Juni ihren Account bei Twitter eröffnete, wird nun die nächste, konsequente Stufe gezündet: Facebook (Hintergründe). Als die Meldung vergangene Woche schon die Runde machte, schüttelten sich einige vor Misstrauen. Deutsche Bahn? Facebook? Da war doch was. Ja, da war etwas, genau genommen war es im Oktober 2010, als sich das Unternehmen – eingehüllt in harscher Kritik wegen rollender Klimakatastrophen und Stuttgart21 – beim Netzwerk anmeldete, um das “Chefticket” unter die Leute zu bringen. Ogilvy hatte seinerzeit den Lead für den Konzern übernommen und prächtig gezeigt, wie man es nicht macht. Auf Kommunikation war bei der Deutschen Bahn verblüffenderweise niemand vorbereitet, ging es doch damals einzig und alleine darum, moderne Distributionswege für Schnäppchenangebote auszuloten. Der tobende Unmut von Kunden und Medien wurde wacker ertragen, irgendwann wurde das Projekt dann sang- und klanglos eingestellt – was wahrscheinlich auch besser war. Und nun soll die Seite wieder aufleben.
Der Zeitpunkt der Neuinbetriebnahme (bewusst nicht “Wiederinbetriebnahme”, dazu später mehr) ist mutig gewählt: Am 11. Dezember steht den deutschen Bahnreisenden eine “deutliche” und “unverhältnismäßige” Fahrpreiserhöhung bevor, zudem verrät schon jetzt jeder Blick aus dem Fenster, dass auch dieser Winter seine Spuren am Schienennetz hinterlassen wird. Kritik ist also so gut wie vorprogrammiert. Und? Genau. Weiterlesen
Da sich das Thema “Social Media hat die Boom-Zeit hinter sich” hartnäckig hält, habe ich an diesem Wochenende eine kleine Umfrage zur dieser These gemacht. Insgesamt haben 80 Teilnehmer ihre Stimmen abgegeben – nicht gerade repräsentativ, aber vielleicht dennoch aufschlussreich, da einige erfahrene SM-Hasen darunter waren. Jedenfalls danke ich jedem einzelnen.
Den vorliegenden Ergebnissen nach zu urteilen, hat sich im Vergleich zu 2010 nicht viel verändert. Es hält sich die Waage; an manchen Stellen hat sich das Engagement sogar verstärkt, zum Beispiel dank Google Plus. Die Nutzung von Location Based Services und der Business-Netzwerke scheint zu stagnieren, was unter anderem daran liegen könnte, dass die großen Drei (Facebook, Twitter und Google Plus) heute ähnliche Services integriert anbieten.
Warum also dieser Eindruck der trägen Branche? Ich glaube, dass die Medien dieses Bild mitformen: Es gibt keine Feature-Reportagen mehr. Warum? Weil die Netzwerke in den vergangenen Monaten damit gesättigt wurden: Fotogalerien, Videochat, Locations und Games – das waren die Aufreißer in den Medien. Der Schwerpunkt der Berichterstattung verschiebt sich nun auf die Beobachtung des Social Webs und hier vor allem auf die Einschätzung des Wettbewerbs. Weiterlesen

Ich bin der Meinung, dass es in der Geschichte des Internets zwar viele Innovationssprünge geben hat – aber nur ganz wenige davon die digitale Evolution tatsächlich und nachhaltig vorangetrieben haben. Eine dieser bedeuteten Innovationen ist Twitter. Die Idee zum Kurznachrichtendienst war so einfach wie genial: 140 Zeichen – das muss reichen. Doch anders als jeder andere Dienst des (Social) Web hat Twitter damit eine völlig neue Dimension in das globale Spiel eingeführt; nämlich Transparenz.
Twitter war vom ersten Tag an eine öffentliche Plattform, die sich eher als sichtbare Mikroblogosphäre denn als abgekapseltes Social Network verstand. Das erlaubte uns schon nach wenigen Jahren, die Welt in ihrer Ganzheit zu erfassen. Die Entwicklung führte zur Verschlagwortung der globalen Gefühlswelt. Heute werden weltweit 65 Millionen Tweets pro Tag publiziert: Keine Umfrage, keine Statistik und keine Analyse leistet soviel für die Transparenz auf der Erde, wie Twitter es tut (und das zudem kostenlos und in Echtzeit). Wir wissen, wo es brennt, wo man protestiert, wo man liebt, wo man wählt und wo man sich unterhält. Diese Verfügbarkeit der Information hat Fakten geschaffen und zwar von der Zensursula-Debatte bis zum Tahir-Platz in Kairo. Wenn Kameras das Land verlassen mussten, waren dort immer noch die Twitterer, welche die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Brennpunkte der Welt lenkten. Weiterlesen

Das Social Web ist noch recht jung, erst 2004 wurde Facebook Inc. von Mark Zuckerberg gegründet, das Netzwerk lernte die deutsche Sprache vor gerade einmal drei Jahren. Doch wer die Entwicklungen verfolgt hat, merkt, dass es keinen linearen Verlauf in Wachstum und Akzeptanz gibt. Ich versuche im Folgenden, die Entwicklung kurz nachzuzeichnen.
2005 bis etwa 2010 war die Zeit des zentralisierten Booms im sozialen Netz, die Nutzer stürmten facebook.com oder twitter.com, legten sich Accounts an, schauten mehrmals täglich auf den Seiten vorbei, bookmarkten ihre Lieblings-Pages, benutzten die Suchfunktionen der Plattformen, schossen Bilder von ihren Rechnern auf die Pinnwände. Facebook schob sich in Sachen Verweildauer an Google vorbei, “My Profile is my Castle”, das soziale Leben evolvierte in den Netzwerken.
Im Januar 2009 schrieb ich dann bei Basic Thinking einen Artikel mit dem Titel: “Social Media auf dem Handy – und warum das vielen ziemlich egal ist“. Darin wunderte ich mich über die niedrige Akzeptanz bei den Deutschen und den fehlenden Willen, das mobile Netz endlich Realität werden zu lassen. Deutschland brachte es in Sachen Mobile Networking seinerzeit auf den vorletzten Platz in der EU – nur Spanien zeigte eine noch schwächere Performance. Das hat sich mittlerweile geändert und damit auch eine ganze Reihe anderer Dinge. Weiterlesen
Ich versuche nur, die Diskussion ein wenig abzukürzen. Welche Diskussion? Nun eben jene, die in ein paar Tagen oder Wochen aufkommen wird, wahrscheinlich zunächst in den USA, dann als deutsche Zweitverwertung: “Ist Google+ die bessere Blog-Plattform?” Bislang ist diese Frage bei fast jedem neuen 2.0-Dienst aufgetaucht, ob bei Twitter, Facebook oder Quora – immer wieder wird die irre Theorie in den Raum geworfen.
Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Blogs seit zwei, drei Jahren aus dem Social Web gedrängt werden. Facebook und Twitter haben längst übernommen, sowohl was die Produktion als auch die Distribution angeht. Die meisten Links, die auf diesen Diensten hin- und hergeschossen werden, verweisen auf kommerzielle News-Seiten. Erst an zweiter Stelle kommen Marken-Angebote und dann der User Generated Content. Im vergangenen Oktober schrieb ich einen Blog-Post, der sich mit dem nahenden Ende von Social Media auseinandersetzte. Die Idee zum Titel stammte nicht von mir, sondern von einigen Kritikern, die angesichts schwindender Ambitionen bei Privat-Anwendern (die immer mehr konsumieren und immer weniger produzieren), hysterische Stimmung verbreiteten: YouTube-Clips anschauen? Yeah! Flicker-Alben durchblättern? Yeah! Status-Updates kommentieren? Gefällt mir! Eigene Inhalte erstellen? Och, nö…
Die Entwicklung ließe sich damit rechtfertigen, dass die Art des Contents sich eben gewandelt hat. Offenbar sind im privaten Rahmen heute lange Texte out, ebenso selbst gedrehte Dokumentationen oder bereichernde Bilderstrecken. Die Produktionstätigkeiten der überwältigenden Mehrheit der derzeitigen Netzbürger bestehen aus “Thumbs up!”, “RT” und “+1″. Gerade der Start von Google+ hat dies gezeigt. Noch hat das Netzwerk nicht seinen festen Platz im Social Web gefunden, viele sind orientierungslos und scheuen sich davor, schon jetzt ihre Prioritäten festzulegen. So werden alle Kanäle gleichzeitig bedient und die neuen Mitglieder von Google+ werden Zeugen von ebenso redundantem wie selbstreferentiellem Link-Geschubse: Ich finde keine News, dieselbe News findet mich – und das gleich hundertfach. Weiterlesen
Wir können nicht in die Zukunft sehen, aber immerhin die ersten Zeichen deuten. Und in diesen Tagen passiert viel hinter den Kulissen des Social Web. Google+ nimmt ganz langsam Fahrt im Netz auf, wie erste Beobachter berichten, könnten wir die Marke von einer halben Million Mitglieder bereits in der fragilen Invite-Beta-Phase geknackt haben. Das sind Peanuts verglichen mit den 700+ Millionen Facebook-Nutzern – doch es ist ein klares Statement.
Stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Facebook ist aufgescheucht und übt sich derzeit in Zurückhaltung. Für Mittwoch ist die Präsentation einer “großartigen” App geplant: wie es aussieht, wird Skype in die Plattform integriert, was eine Wahnsinnssache gewesen wäre, wenn Google dieses Feature mit “Hangouts” nicht bereits frei Haus liefern würde. Zuckerberg ist spät dran, man hat sich auf dem Weg verzettelt. Bereits 2009 (!) berichteten wir, dass ein VoIP-Netzwerk für Facebook in den Startlöchern stehe. Wir sollten noch zwei Jahre länger darauf warten müssen.
Niemand hätte vor einem Monat vermutet, dass es tatsächliche eine reelle Chance geben könnte, dass Facebook in die Defensive geraten könnte. Nun aber ist es soweit. Wie Zuckerberg freimütig gegenüber Robert Scoble zugibt, habe er sich bereits um einen Google+-Account bemüht. Mit Google+ sind die Karten nicht neu gemischt worden: es sind neue hinzugekommen. Schon bald wird es reiches Biotop an Plattform-Features und Mobile-Apps geben; sobald der Suchriese die API freigibt, können Entwickler und Nutzer die Plattform so gestalten, wie es ihnen gefällt. Einiges wird uns von Facebook bekannt, anderes wird uns recht unbekannt vorkommen. Damit wird sich die Rivalität zwischen Zuckerbergs 2.0-Imperium und Googles Netzwerk langsam aber sicher zuspitzen. Beide Plattformen wildern bei der exakt selben Klientel: weder die eine noch die andere besetzt eine besondere Nische (etwa Musik, Film, Karriere usw.), was zwangsläufig zu einem Showdown führen muss. Beide Netzwerke können nicht parallel nebeneinander bestehen. Auch StudiVZ galt seinerzeit in Deutschland als unumstößlich etabliert – bis Facebook auftauchte und praktisch von einem zum anderen Moment die Dominanzverhältnisse kippten. Weiterlesen

Ich war eben drei Mal duschen, was für ein Tag! Der Run auf Google+ förderte heute schlimme Szenen zutage (…aus guten Gründen entfernt…). Was für ein Rempeln, ein Drängen, ein Quetschen! – alle wollten hinein in Googles neues soziale Netz. Ich glaube, ich habe heute fünfzig Invites an wildfremde Menschen verteilen müssen, auf eBay werden Einladungen gerade für bis zu 75 US-Dollar (!) vertickt. Jeder will dabei sein, ganz vorne, im Herzen des sozialen Googleversums. Und man kann es ja auch verstehen: Der Suchmaschine ist wirklich ein potenzreiches Paket gelungen, noch immer ein wenig fragmentiert und vor allem von allen anderen etablierten Diensten isoliert – aber gelungen.
Ich habe mich gefragt, woher dieser Run rührt, dieses “Erster!”-Geschrei. Neugierde? Das ist möglich. Auch Profilierungssucht wäre ein möglicher Grund. Dann ging ich eine rauchen, schüttelte den Kopf und dachte an einen Dialog wie diesen hier: Weiterlesen
Aha, nun positioniert sich Twitter also auch offiziell als Infoquelle für Journalisten. Wie das Unternehmen am Abend bekannt gab, wurde speziell für die berichtende Zunft ein kleines Infoportal ins Netz gestellt: Twitter for Newsrooms. Design und inhaltliche Aufmachung machen zunächst einen ambitionierten Eindruck – wer allerdings schon länger auf Twitter unterwegs ist, sollte die Hoffnung nicht zu hoch stecken, hier eine Goldgrube an Tipps vorzufinden: Die Newsroom-Seite soll in erster Linie Anfängern der Branche den Einstieg in das Echtzeitnetz erleichtern.
Das Portal gliedert sich in die Rubriken “Report”, “Engage”, “Publish” und “Extra” und könnte so in etwa den Arbeitszyklus des internationalen Journalismus abbilden. Unter “Report” finden wir seichte Lektüre zum Thema Recherche. Man erfährt, was die Twitter-Suche ist, wie sich diese erweitern lässt und dass es einige (auch mobile) Clients gibt, die einem die Recherchearbeit erleichtern können. Eine kleine O-Ton-Sammlung von begeisterten Journalisten auf Twitter rundet das Ganze ab (“Twitter ist sehr nützlich, um mit Menschen in Kontakt zu treten”, Jake Tapper von ABC News). Weiterlesen
Ich will mir die ganze Einleitung sparen, zum Fall WWF ist schon eine Menge gesagt und geschrieben worden. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass der WDR mittlerweile einräumen musste, mit der Kritik in einigen Teilen über das Ziel hinaus geschossen zu sein:
Die in der ursprünglichen Pressemeldung vom 11.05.2011 enthaltene Aussage, wonach das ARD-Team auf Borneo (Indonesien) „kein einziges Organ-Utan Schutzprojekt des WWF“ gefunden hat, halten wir nicht aufrecht. Gleiches gilt für die Formulierung: „Der WWF nimmt Geld von den Unternehmen und verschafft ihm das Gütesiegel für nachhaltige Produktionen“, soweit dadurch der Eindruck erweckt wird, das Unternehmen würde gegen Geldzahlung ein WWF-Gütesiegel für nachhaltige Produktionen erhalten. Hierzu haben wir uns auch gegenüber WWF Deutschland zur Unterlassung verpflichtet.
Der WWF hat sich überdies verteidigt und einen detaillierten “Faktencheck” im Internet veröffentlicht, nachdem man einsehen musste, dass die bisherige Social Media-Infrastruktur dem Protest nicht standhalten konnte.
Das ist die eine, die offizielle Seite. Wollen wir doch mal schauen, ob und wie der Protest bislang gewirkt hat. Denn vom gesunden Menschenverstand aus betrachtet, müsste man ja nun davon ausgehen, dass die empörten Boykottaufrufe etwas bewirkt haben. Dazu habe ich mir mal die Zahlen der Facebook-Page und des Twitter-Accounts vorgenommen. Weiterlesen

Ich habe mich heute Mittag mit den Jungs von der Deutschen Bahn, Mirko Lange (talkabout) und einigen Bloggern getroffen, um am Vorabend der Schlacht ein paar Infos einzuholen. Mittlerweile dürfte es sich ja herumgesprochen haben, dass die Bahn am Mittwoch (8. Juni) ihre Arbeit auf Twitter (@db_bahn) aufnehmen wird. Und ich muss sagen, dass mir selten eine so gelassene Eintracht, so eine hypelose Ruhe begegnet ist, wie in dieser Social Media-Runde. Die Deutsche Bahn hat ihre Hausaufgaben gemacht, das harte Training absolviert, gegen interne und externe Widerstände gekämpft – und freut sich nun auf die bevorstehende Aufgabe. Aber der Reihe nach…
Vor einigen Wochen bekam ich die Einladung der Deutschen Bahn, an einem geheimen Twitter-Pilotprojekt teilzunehmen. “Oha!”, dachte ich da und erinnerte mich an meine Schelte, die ich vor gar nicht allzu langer Zeit selbst Richtung Konzern ausgegeben habe. Damals hatte die Bahn ein erstes Shitstorm-Debüt auf Facebook gegeben, man lockte Kunden mittels des “Cheftickets” auf die Page und war am Ende genauso schnell wieder verschwunden, wie man aufgetaucht war.
Von außen betrachtet war es eine unüberlegte, plumpe und überaus gefährliche Aktion an der Basis. Alle hatten noch ausfallende Klimaanlagen, ausgesetzte Kinder und Stuttgart21 vor Augen: Und sich dann mit einem “Kauft euch dieses Ticket, Boys ‘n’ Girls!” im Social Web anzumelden – das musste einfach ein Schuss in den Ofen werden. Weiterlesen
Das wurde aber auch Zeit: Ein Kick auf “Gefällt mir” und schon sind Nutzer Fan einer Facebook-Page. Twitter zeigte sich diesbezüglich stets behäbig bis umständlich: Website-Betreiber mussten auf statische Buttons zurückgreifen, um die Besucher zunächst auf ihre Twitter-Seiten zu locken und dort – irgendwie – zum Follow-Klick zu bewegen. Oder sie konnten per Twitter @Anywhere erst formal eine App einreichen (!), um sogenannte Hovercards einzubinden. Wenn der Nutzer darauf klickte, wurde er zunächst aufgefordert, der App die Erlaubnis einzuräumen, auf seinen Account zugreifen zu können. Erst dann war ein 1-Klick-Follow möglich. Was ein Quatsch!
Nun (nach gefühlten Ewigkeiten) hat Twitter reagiert und angekündigt, dass ab sofort ein Follow-Button für Websites angeboten wird. Fünfzig Big Player des US-Mediengeschäfts haben ihn bereits integriert (darunter AOL, FOX und das Wall Street Journal).
Wer den Button klickt, bekommt zunächst ein Popup präsentiert, das den verknüpften Account vorstellt und die jüngsten Tweets anzeigt – daneben prangt eine weitere “Follow”-Schaltfläche. Ein Klick hier drauf lässt den Nutzer dann zum Follower werden. Weiterlesen
Google Lively? Tot. Dodgeball? Tot. Jaiku? Tot. Zingku? Tot. Google Shared Stuff? Tot. Orkut? Tot. Google Wave? Tot. Google Buzz? In stadio ultimo befindlich. Die Facebook-Killer-App Google Me? Lasst lieber die Finger davon…
Seien wir ehrlich, Google ist ein geniales Unternehmen: Ein Universum mit klaren Spielregeln, ein Imperium, dessen Bürger man gerne ist. In Mountain View sitzen die größten Ninjas der Mathematik, geniale Kreativingenieure und bis heute ungeschlagene Algorithmus-Meister – doch von der menschlichen Seele hat man bei Google keine Ahnung. Seit rund einem halben Jahrzehnt versucht die Suchmaschine, den Sprung in das soziale Geflecht ihrer Nutzer zu schaffen: bis heute vergeblich. All die oben angeführten Dienste sind Fehlschläge, da hilft es auch nicht weiter, dass Ex-Boss Eric Schmidt den löblichen Einwand der ständigen Beta hervorbringt: “Wir feiern unsere Misserfolge.” Man probiere eben Dinge aus – und weiter: “Dies ist ein Unternehmen, in dem es völlig okay ist, schwere Aufgaben ambitioniert anzugehen – auch, wenn sie nicht erfolgreich sind. Auf diese Weise lernen wir.”
Nun, das eben ist das Problem: Google lernt nicht. Trial and Error ist ein mehr als akzeptables Verfahren – zumal in einem so komplexen Markt wie dem heutigen, in dem fast täglich neue Variablen den Strategen in die Schachzüge grätschen. Doch wie viele Fehlschläge braucht es, bis auch der mächtigste Mega-Konzern merkt, dass es an dieser Stelle nicht weiter geht? Googles wackeliger Gang ins Social Web ist mit Leichen gepflastert. Weiterlesen

Wisst ihr noch? Damals? Als die Blogs abstürzten, Facebook wankte und Twitter kurz davor war, in die absolute Bedeutungslosigkeit abzudriften? Wisst ihr noch, wie Tech-Gott Robert Scoble die Revolution der internationalen Blogosphäre ausrief, in der alle Posts durch Q&As abgelöst werden? Und wie Quora, das unglaubliche Frage-und-Antwort-Portal, in den Mittelpunkt des Interesses von gleichermaßen Nutzern und Medien rückte? TechCrunch korrigierte sogar Scoble und machte aus Quora die “bessere Wikipedia“.
Ich weiß nicht, wie es meinen geneigten Lesern ergeht, aber ich habe das Gefühl, dass all dem gigantischen Mumpitz-Buzz zum Trotz… Quora heute tot ist. Es ist schwer, an verlässliche Angaben zu kommen, was die Nutzerzahlen und Interaktionshäufigkeiten angeht. Die jüngste Statistik stammt aus dem Februar und zeigt einen Rückgang von knapp 60.000 Unique Visitors auf 283.500 im Vergleich zum Vormonat. Der Januar stellte den Höhepunkt des globalen Hypes dar. Laut Alexa gingen in den vergangenen drei Monaten die Pageviews pro User um 16 Prozent in den Keller und Google Trends sagt uns, dass das Suchvolumen auf Vor-Hype-Niveau zurückgefallen ist. Vom Betreiber selbst ist seit dem Launch im Juni 2010 zumindest offiziell nichts mehr zu hören: Die jüngste Pressemitteilung datiert auf den 28. März 2010. Weiterlesen
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4,5 Milliarden US-Dollar – nicht schlecht. Die neue Bewertung von Twitter, die indirekt durch den Einstieg von JPMorgan Chase vorgenommen wurde, war schon eine kleine Überraschung. Vielleicht rückt es aber auch die Dimensionen zurecht, immerhin nimmt Facebook für sich in Anspruch, insgesamt 60 Milliarden Dollar schwer zu sein.
Doch was heißt das überhaupt: etwas “wert” zu sein? Welchen Maßstab legt man an, um Zahlen wie diese bei einem sozialen Netzwerk zu ermitteln? Antwort: es geht um die potenzielle Reichweite. Facebook verfügt heute weltweit über rund 600 Millionen Mitglieder, Twitter kommt auf 200 Millionen registrierte Konten – wie viele von ihnen aktiv betrieben werden, lässt das Unternehmen jedoch offen. Beeindruckende Zahlen, doch setzen wir beide einmal am Beispiel USA ins Verhältnis: Laut eMarketer erreicht Facebook heute fast 60 Prozent aller Amerikaner, die über einen Internetanschluss verfügen. Und Twitter? Hier sind es gerade einmal 11 Prozent. Das ist eigentlich eine verschwindend geringe Masse an Nutzern, für die eigens Social Media-Kampagnen gebastelt werden. Weiterlesen
“RSS ist tot!” – diese These ist nicht neu, sondern geistert bereits seit Mitte 2009 durch das Internet. Seinerzeit hatte Steve Gillmor von TechCrunch feierlich erklärt, dass es an der Zeit sei, “RSS in Ruhe zu lassen” und gänzlich auf Twitter umzusatteln: “RSS bringt es einfach nicht mehr”, so sein Fazit. Die Proklamation brachte eine globale Diskussion um den Wert von RSS und Social Media als Gegenspieler in Gang; das Publikum spaltete sich schnell in zwei Lager, die sich auf das Heftigste angriffen. Dabei ist eine eigene Meinung zum Thema eigentlich eher nebensächlich. Das Internet entwickelt sich in eine ganz eigene Richtung, ob wir wollen – oder nicht. Da hilft es auch nicht, wenn gerade wieder einmal eine weitere Hysteriewelle der Pro-RSS-Bewegung an allen Ufern aufschlägt.
Tatsache ist, dass RSS im vergangenen Jahr weiter an Bedeutung verloren hat. Die US-Suchmaschine Ask.com hatte sich dazu entschlossen, den hauseigenen (und recht populären) RSS-Reader Bloglines für alle Nutzer einzustampfen. Als Begründung wurde angeführt, dass RSS unter der wachsenden Dominanz von Twitter, Facebook und Co. langsam zerdrückt würde. Der Dienst tauge nur noch als Informations-Backbone, als Infrastruktur im Hintergrund, über die nun immer häufiger Social Media-Kanäle bedient würden. Die Endanwender selbst würden verstärkt nach Echtzeitinformationen rufen – ob RSS als Vehikel bis zum Tweet oder zum Status-Update benutzt wurde, sei den meisten dabei völlig egal.
An diesem Argument ist etwas dran. RSS scheint ein Relikt des On-Demand-Gedankens. Mit seinem Entstehen im Jahr 2000 wurde eine neue Form der Informationsdistribution geboren: Nachrichten wurden nicht länger zeitintensiv gesucht – sie wurden gepusht. Nutzer bekamen die einstmals manuell recherchierten Informationen nun direkt in ihre Reader geliefert, entweder nach Thema oder Medium sortiert; man bekam das vorgesetzt, wonach man verlangte. Ein Klick auf die Überschrift öffnete den kompletten Artikel. Weiterlesen














