Posts Tagged ‘Werbung’

Jubelperser 2.0: Wenn Unternehmen auf frisierte Meinungen setzen

10. Oktober 2010  |  Netznews  |  4 Comments

Mai 2009: Die Deutsche Bahn räumt ein, eine Agentur mit dem Auftrag engagiert zu haben, den seinerzeit geplanten Börsengang der Öffentlichkeit schmackhaft zu machen. Dazu wurden massenhaft verdeckte Blog- und Foren-Kommentare gestreut.

Februar 2010: Das Business-Netzwerk Xing fährt die Kampagne “Es hat Xing gemacht!”. Dazu wurden private Nutzer gebeten, ihre persönliche “Xing-Momente” in Wort und Bild einzureichen, damit diese veröffentlicht werden können. Kurze Zeit später wird klar, dass das Unternehmen eigene Mitarbeiter für diesen Job eingespannt hat.

Oktober 2010: Die “WeDepp”-Affäre erreicht seinen Höhepunkt, nachdem Helmut Hoffer von Ankershoffen, Chef des WeTab-Herstellers, dabei auffliegt, wie er und seine Frau gefälschte Produktrezensionen bei Amazon verfassen: jubelnd und unter fremden Namen. Ankershofen räumt daraufhin seinen Posten bei Neofonie, obwohl er “eigenmächtig” gehandelt habe.

Oktober 2010: Weltbild launcht den Billig-E-Reader Aluratek Libre (99 Euro). Auf der hauseigenen Produktseite werden Kommentare zum Lesegerät geduldet – allerdings nur positive. Negative Bewertungen werden nicht freigeschaltet, Nonsense-Lob findet hingegen binnen Sekunden den Weg auf die Seite. Woher die positiven Kommentare stammen, ist unklar.

Oktober 2010: Die Deutsche Telekom steht im Verdacht, massenweise fingierte Nutzerbewertungen für die Shopping-Plattform “Einkaufswelt” bei einer Agentur eingekauft zu haben. Der Konzern verteidigt sich mit der Begründung, dass ein “übereifriger Dienstleister” am Werk gewesen sei, der “deutlich über das Ziel hinausgeschossen” sei. Weiterlesen

Neue Werbung für Windows Phone 7 geleakt: Alles andere ist fürs Klo!

27. September 2010  |  Netznews  |  2 Comments

Es ist zu herrlich. Wenn es einen Universal-Translator für Werbebotschaften gäbe, würden wir im Streit zwischen Apple und Microsoft nur “Wäwäwäwä!” und “Wäwäwäwäwäwä!” vernehmen. Anyway: Die brandaktuellen TV-Clips für Windows Phone 7 sind geleakt!

Die Handys mit dem neuen Betriebssystem sollen erst Ende des kommenden Monats auf den Markt kommen, für den 11. Oktober hat Microsoft eine Pressekonferenz in London anberaumt, auf der der endgültige Termin wohl kommuniziert werden dürfte. Deutschland wird nach meinem Kenntnisstand aber vom Start weg mit dabei sein. Dementsprechend beschäftigt sind nun auch die Werbeabteilungen in Redmond. Doch schon jetzt scheint es in der Marketing-Strategie eine feste Richtung zu geben. Und diese lautet: Wir sind besser als die anderen!

Im Kampf gegen Apple ist diese Anti- statt Pro-Propaganda nichts Neues, dennoch überrascht es, dass Microsoft gerade im Handy-Geschäft weiterhin daran festhält und diese auch noch gegenüber anderen Wettbewerbern forciert. Derzeit sieht die Lage so aus, dass das iPhone in den USA auf 23,8 Prozent Marktanteil kommt, beim größten Wettbewerber RIM (BlackBerry) sind es gar 39,3 Prozent. Windows Mobile ist nach Android nur das viertbeliebtste OS (11,8 Prozent). Dennoch knüppelt Microsoft in den neuen Spots wo es nur geht auf die Konkurrenz ein. Der heilsbringende Schlachtruf lautet “Less stop and stare” und soll die Nutzerunfreundlichkeit der übrigen Betriebssysteme in den Mittelpunkt stellen. MAZ ab: Weiterlesen

Teures Echtzeitmarketing: Twitter verlangt 100.000 Dollar pro Werbetweet

27. September 2010  |  Netznews, Tech  |  1 Comment

Eigentlich ist es der Traum aller Werber, denn Millionen werden für die Beantwortung der Frage ausgegeben: “Wie schaffe ich es, aus meiner Marke einen Trend zu machen?” Konzepte werden geschrieben, Meetings abgehalten, die Marktforschung eingeschaltet, Copytexter mit Kaffee versorgt. Doch eigentlich ist die Kiste gar nicht so kompliziert: Kauft euch doch einfach den Trend!

Seit Februar 2010 bietet Twitter Paid Trends an, eine Art bezahlte Mogelpackung, die sich unter die Buzz-Topics des Tages mischen. Die heißesten Keywords werden prominent auf der Twitter-Startseite und in jedem Nutzerprofil integriert, ein Klick bringt den User dann mitten in die Diskussion. Ein neuer Kinofilm läuft bald an und soll kräftig beworben werden? Kein Problem: Man setzt es einfach auf die Top-10-Liste der meistbesprochenen Themen und ist bereits im Mundpropaganda-Karussell fest etabliert.

Paid Trends tauchten in der Vergangenheit allerdings eher vereinzelt auf, was auch daran liegen kann, das Twitter das Angebot nicht an die große Glocke gehängt hat. Tatsächlich wird die Werbeform auf den offiziellen Infoseiten für Unternehmen nicht mit einer Silbe erwähnt. Umso neugieriger darf man auf einen aktuellen Artikel des “Wall Street Journal” sein, der ein wenig die Hintergründe zum Produkt aufdeckt. Im Mittelpunkt des Berichts stehen sowohl die Paid Trends als auch die bezahlten Suchergebnisse, die immer dann an oberster Stelle in der Ergebnisliste auftauchen, wenn zuvor ein bestimmtes Keyword gebucht wurde (AdWords in Echtzeit, sozusagen). Weiterlesen

HP arbeitet an AdSense für ausgedruckte Seiten

27. September 2010  |  Netznews, Wissenschaft  |  Kommentare deaktiviert

Kontextbasierte Werbeanzeigen in Ausdrucken? Das klingt zunächst abwegig, doch wenn man länger darüber nachdenkt, kommt man nicht das Eingeständnis herum: “Es war klar, dass das irgendwann kommen musste!” Der Traum vom papierlosen Büro ist irgendwann in den vergangenen Jahren zerplatzt, trotz (oder besser: wegen) der leichten Verfügbarkeit von Druckern und Kopieren wird heute mehr denn je an Papier verbraucht. Und obwohl Unternehmen wie HP, die neben der Hardware auch die teure Tinte zur Verfügung stellen, an jeder Druckorgie mitverdienen, arbeiten sie daran, den Papierverbrauch zu minimieren.

Laut TechnologyReview arbeitet HP derzeit an einem System, das Websites relevanten Content entreißt, um ihn ordentlich aufbereitet den Druckern zur Verfügung zu stellen: Navigationsleisten, Werbebanner – alles, was nicht zum eigentlichen Inhalt zählt, fliegt dabei raus. Dazu wird die jeweilige Seitenstruktur analysiert und vorgefundene Elemente automatisch jeweils als belangvoll oder belanglos klassifiziert.

Ein ähnliches System kommt heute bereits bei Apples Safari zum Einsatz (siehe Teaserbild oben), der Browser-Reader “entfernt störende Werbung und andere visuelle Ablenkungen aus Online-Artikeln, damit du nur das siehst, was du wirklich sehen willst” (zu finden unter “Darstellung” ➤ “Reader öffnen”). Weiterlesen

Apple lässt iPad-Clip löschen: Wie eine Fliege zerdrückt (Update)

20. September 2010  |  Netznews  |  2 Comments

Kurz nach dem Marktstart des iPad zuckten einige Fanboys zusammen, als plötzlich ein Video auftauchte, in dem ein paar US-Kids sich einen Spaß daraus machten, das brandneue Gerät mit einem Baseballschläger zu malträtieren. Später bekam das Grausen einen neuen Namen, als BlendTec-Gründer Tom Dickson das Apple-Tablet in seinen Mixer warf und Millionen von Zuschauern beim Anblick herumfliegender Platinen-Spähne die Haare zu Berge standen. Teure Technik zu zerstören – das sorgt für gesunde Aufmerksamkeit und zeugt von einer gewissen C’est la vie-Attitüde. Hey, es ist nur ein Gadget.

Kürzlich machte ein neuer Clip die Runde, der schnell zum Viral wurde. Die New Yorker Zeitung “Newsday” hatte einen 30-sekündigen Werbespot ins Netz gestellt, der auf die neue iPad-App hinweisen sollte. Schauen wir mal hinein:
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AdBlocker-Streit: Es gibt keine Alternative zur Werbung

10. September 2010  |  Journalismus, Netznews  |  6 Comments

Alle Jahre wieder ist es soweit: Dann wird ein großes Fass aufgemacht, um das sich alle versammeln und immer wieder “Rhabarber” schreien, dazu gibt es einen Haufen geschwollener Stirnäderchen und wenn gerade keiner hinsieht, auch mal den einen oder anderen Fußtritt. Es geht um Werbeblocker im Netz. Ich habe eine ziemlich eindeutige Meinung zu dem Thema, allerdings vertrete ich diese nicht annähernd so borniert, wie die beiden säbelwetzenden Parteien, die sich nun Phrasen wie “Dieb!” oder “Dummkopf!” gegenseitig an den Kopf werfen.

T3n hat am gestrigen Donnerstag dieses Mal das Fass spendiert: “Wie viel Geld verlieren Webmaster durch Adblocker? Hier neue Zahlen & Fakten“. In den aufgearbeiteten Statistiken lernen wir, dass rund 12,65 Prozent der Deutschen die Werbung auf Websites durch den Browser blocken lassen (Firefox-Nutzer sind hier mit über 22 Prozent übrigens die Spitzenblocker). Deutschland hat es Dank dieser Quote auf den Olymp der Werbeverweigerer geschafft, in den Vereinigten Staaten sind es gerade einmal 2,4 Prozent.

Die Empörung der Verleger können nur die wenigsten Rezipienten der Studie nachvollziehen: “Verlieren die Website-Betreiber wirklich Geld durch Adblocker? Verlieren sie es nicht eher durch ungeeignete Werbung? Sollte man es dann nicht auch so nennen, wie es ist?”, analysiert Leander Wattig völlig korrekt, während bei Wirres.net die Alternatividee des Flattr-Modells neu lanciert wird. Weiterlesen

RSS-Teaser bei Basic Thinking: Länge ist nicht alles / Interviews

4. März 2010  |  avatter, Netznews  |  10 Comments

Darum geht es.


Nach dem Kauf ist Basic Thinking ein Jahr lang nicht vermarktet worden, wir Redakteure wurden also ein Jahr lang praktisch vom Betreiber für Nüsse bezahlt. Es gab und gibt Experimente mit Affiliate, jedoch ist der Schwerpunkt des Blogs so gelegt, dass es praktisch nichts zu verlinken gibt: Neue Funktion bei Facebook? Die Zeitungskrise? Ein Steve Ballmer-Statement? Ein iPhone-Gerücht? Ich weiß nicht, wie es andere machen, aber ich biege die Posts nicht so, dass es passt und ich entsprechende Keywords unterbekomme, ich halte ein solches Vorgehen schlicht für Verarsche des Lesers. Deshalb hat es so etwas bis heute nicht bei uns gegeben und wird es auch nicht. Eine Querfinanzierung können und wollen wir nicht, wir wollen unabhängig sein. Wir haben auch nicht Agenturen im Rücken, wie es meinetwegen die anderen aus den Blogcharts haben, um ihr Tagewerk zu vergüten. Vorne als Blogger brillieren und hinten rum als Berater die neue SPD-Kamapgne organisieren oder Ähnliches. Wir machen keine Werbung für die Muttergesellschaft oder ihre Produkte.

Bleiben also zwei Wege: Paid Content und Werbung. Paid Content? Anyone? Ich bin großer Anhänger von Bezahlinhalten, jedoch weiß ich, dass es wahrscheinlich nur die Hardcore-Fans mitmachen würden. Das wäre zu wenig für eine 2,5-3-Mann-Redaktion, die manchmal von 8-24 Uhr vor dem Rechner sitzt. Dennoch wird die Option für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Weiterlesen