
Vergessen wir “Exklusiv”-Meldungen, von nun an gibt es nur noch das “Exposing” von “Leaks”! Julian Assange hat in der jüngsten Vergangenheit nicht nur US-Militärs und den Botschaftern gehörig vor das Schienbein getreten, er hat vor allen Dingen und an erster Stelle den internationalen Journalismus verändert. Dabei lag angesichts knapper Verlagskassen die Einbeziehung der Leser doch all die Zeit so nahe! Nun boomt es also, das kollektive Denunziantentum, der Bürgerjournalismus und der Hyperlokalismus. Das aufwändige und kostspielige Investigativgewühle wird von willigen (da oft enttäuschten) Lesern erledigt, die neue Aufgabe des Redakteurs ist nun die Proklamation des “Hop oder Top!”-Prädikats – die Verifizierung der Quellen folgt dann in einem der späteren Schritte. Doch dazu später mehr.
Die Einschläge kommen also immer näher, immer mehr professionelle Journalisten oder Blogger üben sich am Bombenbasteln, die dann auf einem öffentlichen Schlachtfeld abgeworfen oder gezündet werden. Ein Funkenregen wird gewünscht, ein bombastisches Feuerwerk am Medienhimmel, das die Wirtschaft, die Politik oder den Typen von nebenan mit einem Donnerschlag bis ins Mark erschüttern soll!
Soweit die Vorstellung. Tatsächlich gibt es kaum eine andere journalistische Fertigkeit, die (vor allem in Deutschland) so stümperhaft angegangen wird, wie das ordentliche Zünden einer Bombe. Ich kann mit aller Bescheidenheit sagen, dass ich selbst die eine oder andere Höllenmaschine am Schreibtisch zusammengezimmert habe und damit ebenso den einen oder anderen “Puff!” erzeugen konnte. Deshalb setzte ich es mir zum Ziel, ein wenig Schwung in die Leaking-Bewegung zu bringen. Deshalb hier nun der ultimative Leitfaden für all die Assanges und Möchtegern-Assanges dieser Welt. Wer dieser Bombenbauanleitung folgt, kann nur alles richtig machen. Weiterlesen

Was haben wir alle gelacht; damals, als Karl-Theodor von und zu Guttenberg plötzlich einen weiteren Vornamen untergeschoben bekam. Die Aufregung war groß, Guttenberg rückte gerade als neuer Bundeswirtschaftsminister an die Front und im Eifer des Gefechts fielen reihenweise Redaktionen auf den Wikipedia-Scherz herein. Recherchieren? Ich habe doch Google! Und so erschien Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg auf den Titelseiten – der “Wilhelm” war das Kuckucksei!
Ein solcher Vorfall ist amüsant bis belustigend, immerhin ist kein wirklicher Schaden entstanden; ein paar Ziegelsteine sind aus den Elfenbeintürmen der deutschen Leitmedien herausgefallen, nichts, was nicht mit ein paar lupenreinen Exklusiv-Stories wieder auszubügeln wäre. Doch wie folgenschwer derlei Copy&Paste-Journalismus wirklich sein kann, hat nun im Zuge der Wikileaks.org-Schließung ein kleiner DNS-Hoster aus Toronto erleben müssen. Weiterlesen
Assange hatte die Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen, sie als “haltlos” bezeichnet und von einer Schmutzkampagne geredet. Der Wikileaks-Gründer war vor einigen Monaten in das Visier des Pentagons geraten, nachdem seine Plattform die geheimen US-Dokumente zum Afghanistan-Krieg veröffentlicht hatte. Erst Ende August wurden der Haftbefehl wegen des Verdachts der Vergewaltigung aufgehoben – die genaue Begründung dafür bleiben die Richter bis heute schuldig. Es ist ein einziges Gemauschel…
Umso beeindruckender ist es, dass es Julian Assange in die Nominiertenliste des “Time Magazine” für den diesjährigen Wettbewerb für “Die Person das Jahres” geschafft hat (Barack Obama gewann den Titel im Jahr 2008). Seit Mittwoch können Nutzer abstimmen, wer ihr Favorit im Rennen ist. Es muss jedoch erwähnt werden, dass jedes Votum rein symbolisch ist, da die Redaktion das letzte Wort bei der Auswahl hat. Hier ein Auszug aus der Begründung für die Nominierung:
In founding WikiLeaks.org, Julian Assange gave himself the freedom to publish virtually anything he wants, whether it’s the true nature of Iraqi prisoner abuse, the double role Pakistan plays in Afghanistan or the personal e-mails of Sarah Palin. (…) But in the process, governments he has targeted (like the U.S.’s) claim he has put the lives of informants and soldiers in jeopardy. Warranted or not, Assange is convinced that the governments and intelligence agencies he is unmasking are watching his every move, and as a result, he finds himself in virtual exile in Europe.














