
Man stelle sich vor: ein Penis! Ein Penis! Das “ZeitMagazin” hatte vergangene Tage den zaghaften Versuch unternommen, die männliche Nacktheit (es ging nicht einmal um die männliche Sexualität) gesellschaftlich zu entmystifizieren. Die Brust der Frau ist im Werbe- und Medienalltag allgegenwärtig, letzten Endes gibt es offenbar nichts, was sich nicht mithilfe lasziver Damenposen vermarkten lässt – es reicht ein Blick auf die jüngsten Rügen des Deutschen Werberats. Peniscontent spielt da eher eine untergeordnete Rolle. Doch um derlei Gender-Überlegungen soll es hierbei auch gar nicht gehen…
Um den Worten Taten folgen zu lassen, hatte das “ZeitMagazin” beschlossen, einfach mal einen Schwanz auf die zweite Titelseite zu drucken. Wie es weiter ging, verrät die Pressemitteilung:
Wie jede Woche üblich veröffentlichte die Redaktion am Mittwochnachmittag beide Titelseiten vorab hintereinander auf der ZEITmagazin-Facebookseite. Der Eintrag mit der zweiten Titelseite war am Abend gelöscht. Auf Anfrage des ZEITmagazins lässt Facebook auf seine Community Standards verweisen.

Phase 1: Der Empörungsreflex
“FU, Twitter!” – Die erste Reaktion auf die Ankündigung ist komplette Entrüstung, die eine Tweet- und Hashtag-Flut vor sich herschwemmt. Verlinkt wird immer wieder dieselbe Handvoll Artikel. Der Himmel verdüstert sich, am Horizont grollt der Shitstorm.
Phase 2: Der Grabreflex
Im Fahrwasser der blinden Wut finden sich immer einige kluge Köpfe, die der Sache auf den Grund gehen – allerdings mit vordefinierter These im Kopf: “Warum zensiert Twitter?” wird dabei ersetzt durch “Deshalb ist Twitter böse!” Antwort: Der Dienst buckelt vor den Saudis. Es geht um Kohle und Twitter kriegt den Hals nicht voll genug.
Phase 3: Der Medienreflex
Medien berichten über den Shitstorm. Zunächst geht es nur um möglichst blumige Deskriptoren der Fetzerei unter Nerds. Dann auch um die Sache an sich. Damit wird der Protest nobilitiert und erhält seine Legitimation. Diese Botschaft nehmen die Aufständischen mit. Weiterlesen
Die Recherchemechanik eines Tech-Journalisten ist recht simpel – einfacher, als bei den Kollegen aus anderen Ressorts: Man verlässt nicht das Haus, jagt keinen Tornados hinterher oder wartet unzählige Stunden in irgendwelchen Hotellobbys. Nein, in der IT-Berichterstattung versendet man stattdessen einfach eine E-Mail, postet eine IM-Nachricht oder greift zum Hörer. So einfach ist das.
Nichts von dem ist im heutigen Fall der grausamen Facebook-Zensur geschehen, in der Mark Zuckerberg persönlich einen Zauberbann gegen Google+ aussprach und damit alle Invite-Links zu Googles neuem Netzwerk in den Orkus der Verdammnis schickte. Zumindest hat hierzulande niemand auch nur den müden Versuch unternommen, einmal für die Nutzer für ein wenig Klarheit zu sorgen. Warum auch? Die Story verkauft sich gut; ehrlich gesagt waren bislang alle Feld-Berichte, die von den Kriegsschauplätzen zwischen den beiden Netzwerken stammten, Traffic- und vor allem Engagement-Garanten.
Die feixende Ignoranz der Medien in dieser Sache hatte mich heute schon einmal kurz aufgebracht, da der Tross der Deppen sich aber weiter durch die Landschaft der Etablierten bohrt, muss ich eben die Scheinwerfer etwas breiter aufstellen. Weiterlesen

Erst gestern wurde die neue Echtzeitsuche gelauncht (übrigens für Nutzer mit Google-Konto auch in Deutschland) – und schon regt sich erster Unmut unter den Nutzern. Tatsächlich bietet die eigentliche Neuerung kaum Fläche für empörte Angriffe. Diese zielen vielmehr in die Richtung der Aufbereitung der Auto-Suggestions: Google zensiere schlichtweg Eingaben, so der Vorwurf.
Schon in der Vergangenheit hatte die Suchmaschine große Probleme damit, die Waage zwischen Legitimität, Vorschrift und Unmoral bei den Inhalten zu halten. Vor wenigen Monaten wurde eine Statistik veröffentlicht, in der angezeigt wird, wie oft von staatlicher Seite in den Datenbestand eingegriffen wird.
Selbst auferlegte Filtermechanismen wurden eingeführt, um Kinderaugen vor Netz-Schmutz zu schützen. So gibt es seit Februar bei YouTube einen “Sicheren Modus“, den Eltern aktivieren können, um einmal eine Pause in der Daueraufsicht einlegen zu können. Einen SafeSearch-Filter gibt es ebenso im Google-Suchindex. Hier können User auswählen, ob sie bei ihren Recherchen eine strikte, moderate oder gar keine Filterung nutzen möchten. Weiterlesen
Erklärende Worte dazu habe ich auf Basic Thinking geschrieben. Unter anderem:
Die Politik hat diese Debatte längst vom Pfad der Sachlichkeit geführt, spielt mit den Ängsten und Sorgen der Bevölkerung, verlacht, diffamiert – oder noch schlimmer – kriminalisiert die Kritiker der Netzsperren. Warum sie das tun können? Weil das Wählervolk im Internet vernachlässigbar ist. Im Vergleich zur Kreuzchenmacher-Masse der Offline-Stammwählerschaft ist die “Community” – sofern es so etwas gibt – ein kleiner Kreis, in dem vielleicht noch nicht einmal jeder wahlberechtigt ist.
Quelle: Du bist Terrorist
Update, 23. Mai 2009: Die Agentur von “Du bist Deutschland” mahnt den Macher von “Du bist Terrorist” ab. Zeit.de.














