{"id":1382,"date":"2010-09-18T19:13:50","date_gmt":"2010-09-18T18:13:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=1382"},"modified":"2010-09-18T19:13:50","modified_gmt":"2010-09-18T18:13:50","slug":"google-street-view-der-neueste-teil-des-horror-schockers-spielt-in-ihrer-strase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2010\/09\/google-street-view-der-neueste-teil-des-horror-schockers-spielt-in-ihrer-strase\/","title":{"rendered":"Google Street View: Der neueste Teil des Horror-Schockers spielt in Ihrer Stra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/screen-capture-24.png\" alt=\"\" title=\"screen-capture-24\" width=\"580\" height=\"325\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1383\" srcset=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/screen-capture-24.png 580w, https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/screen-capture-24-300x168.png 300w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/p>\n<p>Johannes Caspar ist ein Schneek\u00f6nig. Jedenfalls freut er sich so. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hat es geschafft, das m\u00e4chtige Google in die Knie zu zwingen. Die gigantische Maschinerie der Widerspruchsverfahren ist in Gang gesetzt worden, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/0,1518,718216,00.html\" target=\"_blanK\" rel=\"noopener noreferrer\">laut Spiegel Online<\/a> haben bis heute &#8222;mehrere hunderttausend&#8220; B\u00fcrger die Unkenntlichmachung ihrer H\u00e4user bei Street View eingefordert. Google hat allen Betroffenen eine Frist gesetzt, die am 15. Oktober um Punkt 24:00 Uhr abl\u00e4uft. Einen Tag sp\u00e4ter wird das Roll-Out der Stra\u00dfenansichten beginnen, womit die Schockwellen digitaler Transparenz \u00fcber der Bundesrepublik zusammenbrechen.<\/p>\n<p>Street View in Deutschland ist eine Trag\u00f6de &#8211; egal von welcher Seite man es betrachtet. Die Diskussion hat viel mit Furcht, Opportunismus und noch viel mehr mit Dummheit zu tun. Dabei will ich Caspar nichts Unrechtes unterstellen &#8211; der <a href=\"http:\/\/www.jura.uni-hamburg.de\/personen\/caspar\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jurist<\/a> tut das, wof\u00fcr er bezahlt wird und Datenschutz ist ein hohes Gut, um das ebenso hoch gepokert wird. Caspars ist jedoch nur der Blitzableiter der Debatte, die wieder einmal von der mehrheitsuchenden Politik angesto\u00dfen wurde. Jeder Minister sucht einen Titel f\u00fcr seine Legislaturperiode und so hat sich Illse Aigner, unsere Verbraucherministerin, pauschal &#8222;Das Internet&#8220; auf die Fahnen geschrieben. Das <a href=\"http:\/\/www.bmelv.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Portal des Ministeriums<\/a> (das \u00fcbrigens Besucherdaten <a href=\"http:\/\/www.bmelv.de\/cln_173\/sid_0E730137D2D957BD9C4BEDD7A8550A90\/DE\/Servicemenue\/Impressum\/impressum_node.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">via eTracker<\/a> sammelt) gleicht einer Propaganda-Festung, einem Hysterie-Multiplikator, der sowohl nichtsahnende B\u00fcrger als auch ihre lokalen Oberh\u00e4upter in den Bann zieht. In vordergr\u00fcndig objektiven Aufkl\u00e4rungstexten zieht Aigners PR-Stab vom Leder: <!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Dabei ist &#8222;Google Street View&#8220; f\u00fcr Internet-Nutzer nur auf den ersten Blick ein kostenloser Service. Denn letztlich zahlen alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger daf\u00fcr: mit einem Verlust der Privatsph\u00e4re, der durch das millionenfache Abbilden von H\u00e4usern und G\u00e4rten entsteht.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8222;Zahlen&#8220;, &#8222;Verlust&#8220; und &#8222;Millionen&#8220; &#8211; Deutschlands Steuerzahler sind aufgeschreckt. Es wird nicht informiert, sondern pauschal appelliert, der B\u00fcrger m\u00f6ge seinen Widerspruch lieber heute als morgen einreichen. Vier <a href=\"http:\/\/www.bmelv.de\/cln_173\/sid_0E730137D2D957BD9C4BEDD7A8550A90\/SharedDocs\/Standardartikel\/Verbraucherschutz\/Internet-Telekommunikation\/GoogleStreetview.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">verschiedene Vordrucke<\/a> stehen dabei zur Auswahl, dr\u00e4ngen sich f\u00f6rmlich auf, wobei nur knapp darauf hingewiesen wird, dass Google bereits selbst ein <a href=\"https:\/\/streetview-deutschland.appspot.com\/submission\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Einspruchsformular<\/a> im Netz hat, dessen Benutzung den gesamten Ablauf wesentlich beschleunigen w\u00fcrde. Doch eine Selbstregulation, vorbei an Aigners Stempelkissen und ihren Kompetenzen, ist offenbar unerw\u00fcnscht. W\u00e4re der Ministerin an einer z\u00fcgigen Bearbeitung gelegen, w\u00fcrde man W\u00e4hler direkt zum Unternehmen schicken. <\/p>\n<p>Doch dann kl\u00e4nge der Slogan &#8222;Wir haben gewonnen!&#8220; weit weniger schmissig. Im <a href=\"http:\/\/www.bmelv.de\/cln_173\/SharedDocs\/Interviews\/2010\/2010-08-17-AI-GoogleStreetView.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Aigner-Interview<\/a> h\u00f6rt sich das dann nachher so an: &#8222;Ich habe mich in den Gespr\u00e4chen mit Google erfolgreich daf\u00fcr eingesetzt, dass die Widerspruchsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger verbessert wurden und dass Google nun auch Sammelwiderspr\u00fcche akzeptiert.&#8220; Das Bild des Antagonisten muss stabil aufrecht gehalten werden. Dabei <a href=\"http:\/\/www.google.com\/hostednews\/afp\/article\/ALeqM5il5J1LTLeZMRIeB_ED9woQB0QlYw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">r\u00e4umt selbst Caspar ein<\/a>, dass sich der Staat Dank seiner Postweg-Offensive selbst im Weg stehen k\u00f6nnte: &#8222;Es bleibt abzuwarten, ob Google den Sturm der Antr\u00e4ge auch ordnungsgem\u00e4\u00df abarbeiten kann.&#8220; Ich glaube, das nennt man Ironie. <\/p>\n<p>Doch von der Politik konnte nicht ernsthaft anderes erwartet werden. Was die Debatte letztendlich versch\u00e4rft hat, war das Interesse der Medien. In den vergangenen Monaten war ein Spagat zu beobachten: Viele Zeitungen und Magazine berichteten \u00fcber Street View. Manche ihrer Online-Pendants wollten ehrenhaft die konstruierte Hysterie offenlegen: &#8222;Schaut her, so sprechen die Berliner <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neuling#Noob.2FBoon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Noobs<\/a> \u00fcber einen Kartendienst!&#8220;, lautete der Tenor. Doch wer als Leser zuvor von dem Thema keine Ahnung hatte, f\u00fchlte sich durch die Berichte schnell in seinem Unwohlsein best\u00e4rkt. Der Print-Bereich sorgte dann f\u00fcr eine redaktionelle Verbr\u00e4mung des konservativen D\u00fcnkels. Leute, die bisher das Internet dazu nutzen, um Mails abzurufen oder sich \u00fcber das Wetter zu informierten, schauten ungl\u00e4ubig von der Zeitungsseite auf und ballten instinktiv die F\u00e4uste. Wie leicht es ist, B\u00fcrgern die pl\u00f6tzliche Emp\u00f6rung einzupflanzen, zeigt das folgende Video:  <\/p>\n<p><object width=\"580\" height=\"351\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube-nocookie.com\/v\/wyGfPRSjjtk?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0&amp;hd=1\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><\/object> <\/p>\n<p>Google wird wie der \u00fcberf\u00fchrte Kindersch\u00e4nder portraitiert, der nach mehrj\u00e4hriger Haft ins Provinzdorf zieht, wo besorgte M\u00fctter und aufgebrachte V\u00e4ter ihn bereits mit Fackeln und Mistgabeln erwarten. Es ist der schiere Horror: &#8222;Denkt denn hier niemand an die Kleinen?!&#8220;<\/p>\n<p>Street View gibt es heute in 23 Staaten der Erde. Deutschlands Repr\u00e4sentanten zeigen sich in aller \u00d6ffentlichkeit stolz dar\u00fcber, dass hierzulande die Kn\u00fcppel, die Google zwischen die Beine geworfen werden, <a href=\"http:\/\/www.bmelv.de\/cln_173\/sid_0E730137D2D957BD9C4BEDD7A8550A90\/SharedDocs\/Standardartikel\/Verbraucherschutz\/Internet-Telekommunikation\/Aigner-Datenschutz-Google.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">besonders dick<\/a> sind: &#8222;Zumal wir, was die Widerspruchsm\u00f6glichkeiten unserer B\u00fcrger bei Google Street View betrifft, so weitreichende Zugest\u00e4ndnisse durchgesetzt haben wie kein anderes Land der Welt.&#8220; Und das, wo wir uns in Sachen Wirtschaft, Arbeitsmarktpolitik und Bildung doch so gerne bei unseren europ\u00e4ischen Nachbarn orientieren. <\/p>\n<p>Es ist keine Technikfeindlichkeit, die in diesem Land herrscht. Es ist die politische Instrumentalisierung einer beliebigen Sache: Street View war einfach zu falscher Zeit am falschen Ort. Anders ist es nicht zu erkl\u00e4ren, dass Politik und Medien so einseitig \u00fcber das Thema kommunizieren. Warum macht Google das \u00fcberhaupt? Wie kann es die Wissensgesellschaft voranbringen? Welche \u00f6konomischen Hebel bieten sich f\u00fcr Herr und Frau Jedermann? Warum k\u00f6nnten Hotels davon profitieren? Kann sich der kleine Tante-Emmaladen nun endlich virtuelle Au\u00dfenwerbung leisten, die im Real Life einfach undenkbar w\u00e4re? Ist kostspieliger Immobilienbeschiss k\u00fcnftig noch m\u00f6glich? Fragen wie diese wurden niemals gestellt &#8211; und wenn doch, so prallten sie schnell an der pauschalen Anti-Haltung ab.<\/p>\n<p>M\u00f6glich macht das der Furor Teutonicus, der regelm\u00e4\u00dfig durch das Land fegt, die ausbleibende Aufkl\u00e4rung, das marginale Technikverst\u00e4ndnis, und ebenso der mangelnde Mut, sich mit neuen Dingen zu besch\u00e4ftigen. Wer sich mit dem Thema auseinander gesetzt hat und f\u00fcr sich zu dem Schluss gekommen ist: &#8222;Nein, ich finde es nicht gut.&#8220; &#8211; prima. Es ist nichts gegen einen Widerspruch auszusetzen. Doch wer zur Herde der getriebenen Angsthasen geh\u00f6rt, sollte sich einmal fragen, wann er sich sonst noch so in seinem Leben duckt, wenn von oben die Anweisung kommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Caspar ist ein Schneek\u00f6nig. Jedenfalls freut er sich so. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hat es geschafft, das m\u00e4chtige Google in die Knie zu zwingen. Die&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,16],"tags":[184,304,356,698,799],"sgb\/featured_image_src":null,"sgb\/author_data":{"display_name":"Andr\u00e9 Vatter","avatar":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/838789e2550a09a9cfda02ae6d536d97?s=96&d=mm&r=g","author_link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/author\/admin\/"},"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1382"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1382"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1382\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1382"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1382"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1382"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}