{"id":2291,"date":"2010-11-15T23:50:27","date_gmt":"2010-11-15T22:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=2291"},"modified":"2010-11-15T23:50:27","modified_gmt":"2010-11-15T22:50:27","slug":"facebook-mail-der-tag-an-dem-mark-zuckerberg-die-e-mail-kastrierte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2010\/11\/facebook-mail-der-tag-an-dem-mark-zuckerberg-die-e-mail-kastrierte\/","title":{"rendered":"Facebook-Mail: Der Tag, an dem Mark Zuckerberg die E-Mail kastrierte"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/screen-capture-50.png\" alt=\"\" title=\"screen-capture-50\" width=\"580\" height=\"222\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2292\" srcset=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/screen-capture-50.png 580w, https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/screen-capture-50-300x115.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/p>\n<p>Das war ein Donnerwetter, ich m\u00f6chte nicht wissen, wie viele IT-CEOs sich am Montagabend erst einmal eine tr\u00f6stende Flasche Wein aufmachten. Eine von den alten Gaumenkitzlern, eine die im h\u00e4uslichen Weinkeller ganz unten lag \u2013 vergessen, verstaubt, beinahe schon sirupartig. Facebook hat es getan. Zuckerberg hat sich an eine der ersten Institutionen des WWW herangewagt und proklamierte am Montagabend <a href=\"http:\/\/blog.facebook.com\/blog.php?post=452288242130 \" target=\"_blanK\" rel=\"noopener noreferrer\">die n\u00e4chste Stufe der Evolution<\/a>. L\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig, m\u00f6chte man meinen. Doch wo einige der Innovation fortbleiben, d\u00fcrfen andere die Hebel bedienen, so ist das eben im Gesch\u00e4ft. AOL hat bereits einen Tag zuvor <a href=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2010\/11\/neuer-mail-dienst-project-phoenix-aol-tritt-facebook-vor-das-schienenbein\/\">kalte F\u00fc\u00dfe<\/a> bekommen, Yahoo! \u2013 mit seinen gerade einmal <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/it-medien\/neuer-e-mail-dienst-facebook-startet-frontalangriff-auf-google;2693298\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">270 Millionen<\/a> verwalteten E-Mail-Konten &#8211; d\u00fcrfte sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls den Trauerflor an Revers gesteckt haben. Facebook hat die Power von 550 Millionen Mitgliedern in den Ring geworfen, das wird einige Umw\u00e4lzungen geben, von denen selbst Google Notiz nehmen wird. Ich habe mir die vorl\u00e4ufige Feature-Liste von &#8222;Facebook-Mail&#8220; angesehen und m\u00f6chte dies als Anlass nehmen, einmal meinen Senf dazu zu geben. <!--more--><\/p>\n<p><b> Die omnipotente Mailbox<\/b><\/p>\n<p>Bravo! Nat\u00fcrlich war sie l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig, eine Kommunikationszentrale, die alle Medien in sich vereint. Tats\u00e4chlich ist es im Jahr 2010 nicht l\u00e4nger nachvollziehbar, weshalb ich f\u00fcr den Mailversand einen Client wie Outlook \u00f6ffnen muss, f\u00fcr Instant Messaging wiederum ICQ oder Vergleichbares. Oder warum ich f\u00fcr Direktnachrichten den Men\u00fcpunkt im Social Network finden und f\u00fcr SMS das Handy z\u00fccken muss. Eine omnipotente Mailbox ist praktisch f\u00fcr uns (sofern die Telcos gescheite Kooperationen f\u00fcr das SMS-Gesch\u00e4ft nachliefern) \u2013 in jedem Fall aber profitabel f\u00fcr Facebook, das es damit geschafft hat, die Mitglieder dauerhaft an die Plattform zu binden. Und zwar direkt im Browser, wo die Werbewolke tickt.<\/p>\n<p><b>@facebook.com bricht die Tradition<\/b><\/p>\n<p>Es ist nur konsequent, dass wir nun alle @facebook sind. Zur Stunde wei\u00df ich noch nicht, ob das Unternehmen einen zeitnahen Rollout der <a href=\"http:\/\/kurier.at\/techno\/2049944.php\" target=\"_blanK\" rel=\"noopener noreferrer\">frisch eingekauften Domain fb.com<\/a> plant, was ein wenig fetziger wirkt \u2013 doch es \u00e4ndert nichts an der Sache. Aufregender ist die Ank\u00fcndigung, k\u00fcnftig im Mail-Verkehr auf &#8222;unn\u00f6tige&#8220; Accessoires wie Betreff, CC oder BCC verzichten zu wollen. Facebook verkauft den Nutzern dies als moderne Form des Mailings. Doch ist es das? Subjects sind das Tagging von Mails. Ohne eine solche Orientierung sind wir gezwungen, jede Mail erst zu \u00f6ffnen, ehe wir ihren Inhalt einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Schlecht f\u00fcr mich \u2013 gut f\u00fcr Facebook, das gerade wieder zwei Page Impressions (\u00d6ffnen und Schlie\u00dfen) einsacken konnte.<\/p>\n<p><b>Die Social Inbox<\/b><\/p>\n<p>&#8222;Wenn ich meine Mails abrufe, sehe ich, wie die Nachricht meiner Mutter zwischen Kontoausz\u00fcgen und Rechnungen erdr\u00fcckt wird. Das k\u00f6nnen wir ja wohl besser!&#8220; \u2013 so lautet die Exposition zur neuen &#8222;Social Inbox&#8220;. Deshalb hat sich Facebook dazu entschieden, Mails standardm\u00e4\u00dfig nur dann als relevant zu klassieren, sofern sie von meinen Freunden stammen. Allein diese Mails werden zur Inbox weitergeleitet, alles andere landet in einem improvisierten Spam-Ordner. Ja, das macht Sinn. Was ist allerdings, wenn ich tats\u00e4chlich mal einen Blick in meine Rechnungen werfen m\u00f6chte? Es k\u00f6nnte ja sein, dass ich ein Interesse daran habe, zu wissen, wer in den kommenden Tagen auf eine f\u00e4llige Zahlung wartet. Nutzer m\u00fcssen diese Art von Nachrichten erst aktiv durch einen Klick nobilitieren und ihnen so Eintritt in die Inbox gew\u00e4hren. Das ist ein Mausdr\u00fccker und regt nicht weiter auf. Doch Facebook verf\u00fcgt heute \u00fcber 550 Millionen Mitglieder. Da stellt sich schon die Frage, wer k\u00fcnftig seinen Kredit f\u00fcr den abgefeilschten Flachbildfernseher tats\u00e4chlich rechtzeitig abl\u00f6st.<\/p>\n<p><b>Der soziale Kontext und die Mail-History<\/b><\/p>\n<p>Apple hat uns diese Funktion einstmals als Highlight verkauft: Die SMS-Konversationen mit Kontakten werden jeweils chronologisch sortiert. Laut Facebook werden die meisten Mails heute entweder komplett ohne Betreff gesendet oder beginnen mit einem frivolen &#8222;Hi!&#8220; oder &#8222;Yo!&#8220;. Facebook sortiert Mails daher k\u00fcnftig nach Nutzern \u2013 nicht nach Inhalten. Macht das Sinn? Ja. Wenn Text-Messaging einem Chat gleicht, wenn zwei Nutzer sich gegenseitig mit SMS-Nachrichten bombardieren, wenn da das eine M\u00e4del auf der Couch in Idaho sitzt und das andere sich beim ersten Blind Date auf die Toilette verzogen hat, um sich schwesterlichen Rat einzuholen. Dann macht das Sinn. Die Alltagserfahrung weicht davon fundamental ab, denn hier gibt es keine oder nur selten eine nahtlose Kommunikation. Wie oft &#8222;beantworte&#8220; ich SMS, die meist Tage (wenn nicht Wochen) alt sind, deren Text da lautet: &#8222;Ich bin gleich da.&#8220; <\/p>\n<p><object width=\"580\" height=\"327\" ><param name=\"allowfullscreen\" value=\"true\" \/><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\" \/><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.facebook.com\/v\/10150330530405484\" \/><\/object><\/p>\n<p>Und das Fazit? Facebook ist der Gewinner. Ich hege keine Zweifel, dass das Vorhaben sich nach den Pl\u00e4nen entwickeln wird. Die Leute verbringen heute schon so viel Zeit auf Facebook \u2013 sobald der Sammeldienst f\u00fcr Gmail, Yahoo und Konsorten eingerichtet ist, gibt es kaum noch einen Grund, die Plattform \u00fcberhaupt zu verlassen. F\u00fcr uns bedeutet das Komfort, f\u00fcr Facebook im Gegenzug die Werbe-Dollar. Zuckerberg wird jedoch hier nicht Halt machen. Noch wurde der Frage nach aktivem Content-Targeting <a href=\"http:\/\/www.fastcompany.com\/1702799\/how-facebook-s-new-messaging-system-helps-it-win\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">vehement widersprochen<\/a>. Anders als Gmail will Facebook nicht die Mails nach Inhalten sondieren, um kontextsensitive Werbung auszuliefern. Aber&#8230; hallo? Progression ist angesagt. Ob Facebook diese Festung des Datenschutzes lange wird halten k\u00f6nnen, ist mehr als diskutierbar. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/231fda1d016a44cfb0112d468f202d6f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das war ein Donnerwetter, ich m\u00f6chte nicht wissen, wie viele IT-CEOs sich am Montagabend erst einmal eine tr\u00f6stende Flasche Wein aufmachten. 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