{"id":251,"date":"2009-05-21T21:28:06","date_gmt":"2009-05-21T19:28:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=251"},"modified":"2009-05-21T21:28:06","modified_gmt":"2009-05-21T19:28:06","slug":"warum-micropayment-derzeit-nicht-zur-rettung-der-verlage-taugt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2009\/05\/warum-micropayment-derzeit-nicht-zur-rettung-der-verlage-taugt\/","title":{"rendered":"Warum Micropayment (derzeit) nicht zur Rettung der Verlage taugt"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Kolbr\u00fcck:<\/strong> &#8222;Warum geben die Zeitungen und Verlage ihren Leser nicht direkt einen Kindle, das ist doch endlich dann billiger.&#8220;<br \/>\n<strong>Lobo:<\/strong> &#8222;Eine gute Frage, die ich gerne an die Verlage weiterleiten wollen w\u00fcrde&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Beim Durchschauen der <a href=\"http:\/\/next.sevenload.com\/watch?v=NJeumig\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Videocasts<\/a> der Hamburger next09 bin ich \u00fcber ein <a href=\"http:\/\/next.sevenload.com\/watch?v=NJeumig\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">interessantes Interview<\/a> mit Sascha Lobo gestolpert, Fragesteller ist Horizontler Kolbr\u00fcck. Neben Twittern geht es darin um die Frage, ob Micropayment zur Rettung des deutschen Verlagswesens taugen k\u00f6nnte (ab 6:18 min). Lobo bejaht dies mit vorsichtigem Optimismus, verweist aber gleichzeitig auch auf die Notwendigkeit zum Experimentieren: eine besondere Rolle k\u00e4me dabei sicherlich der Hardware zu. Als Beispiele werden der iPod (Online-Verkauf von Musik) und das iPhone (der App Store) genannt. Vorbild k\u00f6nnte aber auch der Amazon Kindle sein, der seinen Besitzern die M\u00f6glichkeit bietet, E-Books und Feeds  zu kaufen beziehungsweise kostenpflichtig zu abonnieren.<\/p>\n<p><center><script type=\"text\/javascript\" src=\"http:\/\/next.sevenload.com\/api\/embed?v=NJeumig\"><\/script><\/center><br \/>\n<br \/>\nHier m\u00f6chte ich gerne einen Schnitt machen &#8211; und vielleicht ein paar Antworten liefern. Bleiben wir zun\u00e4chst bei Apple und dem iPhone. Erst k\u00fcrzlich konnte Cupertino stolz verk\u00fcnden, dass <a href=\"http:\/\/www.apple.com\/de\/pr\/library\/2009\/04\/24onebillion.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die erste Milliarde<\/a> bei den App-Downloads geknackt wurde &#8211; offensichtlich ein erfolgreiches Produkt. 35.000 Miniprogramme sind derzeit f\u00fcr das iPhone und den iPod touch verf\u00fcgbar. Laut einer <a href=\"http:\/\/radar.oreilly.com\/2009\/04\/itunes-app-store-billionth-download.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Statistik von O&#8217;Reilly<\/a> liegt der durchschnittliche Preis einer Bezahl-App gro\u00dfz\u00fcgig errechnet bei etwa 2,65 Dollar. Die Analysten von Lightspeed haben daraufhin ihre Mathehausaufgaben gemacht und <a href=\"http:\/\/lsvp.wordpress.com\/2009\/05\/13\/apple-has-made-no-more-than-20-45m-in-revenue-from-the-app-store\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">folgende Rechnung<\/a> aufgestellt. <!--more--><\/p>\n<p>Laut Brancheninformationen (&#8222;industry participants&#8220;) liegt das Verh\u00e4ltnis zwischen kostenpflichtigen und kostenlosen Programmen derzeitig in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung zwischen 1:15 und 1:40. Es ist also davon auszugehen, dass 26 bis 60 Millionen Apps verkauft wurden. Multiplizieren wir diese Zahlen mit dem errechneten Preis von 2,65 Dollar pro Download landen wir bei einem Umsatz zwischen 70 und 160 Millionen Dollar. Apple reicht allerdings 70 Prozent davon direkt an die Entwickler weiter, bleibt unter dem Strich ein Ergebnis von 20 bis 45 Millionen Dollar. Zum Vergleich: &#8222;Im zur\u00fcckliegenden Quartal erzielte Apple einen Umsatz von 8,16 Milliarden Dollar sowie einen Netto-Gewinn von 1,21 Milliarden Dollar&#8220;, wie uns die <a href=\"http:\/\/www.apple.com\/de\/pr\/library\/2009\/04\/22q209.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">j\u00fcngsten Quartalszahlen<\/a> verraten. Im Folgenden ein Diagramm, in dem ich den Apple-Gesamtgewinn aus den Quartalen 4\/2008, 1\/2009 und 2\/2009 (insgesamt 4,6 Milliarden Dollar) den Einnahmen des App Stores in den vergangenen neun Monaten (also seit seinem Bestehen) gegen\u00fcbergestellt habe:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/screen-capture-29-500x200.jpg\" alt=\"screen-capture-29\" title=\"screen-capture-29\" width=\"500\" height=\"200\" class=\"aligncenter size-large wp-image-257\" \/><\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt lie\u00dfe sich sagen, dass der App Store lediglich Peanuts abwirft. Und auch, wenn sich die Abverk\u00e4ufe beschleunigen (die Marke von 500.000 Downloads wurde in sechs Monaten geknackt, bis zur vollen Milliarde brauchte es nur drei weitere Monate), so l\u00e4sst sich doch festhalten, dass der Programmverkauf im Hause Apple auch k\u00fcnftig nur ein Nischenzubrot darstellt. <a href=\"http:\/\/www.appsundco.de\/40.html?&#038;cHash=ec2757cb83&#038;tx_ttnews[backPid]=1&#038;tx_ttnews[tt_news]=329\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Appsundco.de meint dazu<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Doch das macht nichts \u2013 denn vermutlich will Apple mit dem App Store allein \u00fcberhaupt kein Geld verdienen. Vielmehr handelt es sich dabei um eines der wichtigsten Argumente f\u00fcr das iPhone. Der App Store kann also auch als Marketing-Ma\u00dfnahme gesehen werden, mit dem das iPhone so fest im Markt verankert werden soll, wie es heute der iPod ist (f\u00fcr den der iTunes Store eine \u00e4hnliche Funktion erf\u00fcllt wie der App Store f\u00fcr das iPhone).<\/p><\/blockquote>\n<p>Dem ist zun\u00e4chst nicht hinzuzuf\u00fcgen. Nun aber zur Ausgangsfrage zur\u00fcck und damit zur Rolle, die der Kindle k\u00fcnftig in der Verlagslandschaft spielen k\u00f6nnte. Im Grunde nutzt Amazon mit seinem Reader dasselbe Vertriebsmodell wie Apple; verkauft werden E-Books sowie Feeds von Zeitungen und Blogs, die kostenpflichtig abonniert werden k\u00f6nnen. Im letzteren Fall tritt Amazon allerdings selbstbewusster auf und r\u00e4umt seinen Autoren lediglich 30 Prozent der Einnahmen ein &#8211; wobei der Buchh\u00e4ndler zudem selbst festlegt, zu welcher monatlichen Pauschale der Feed abonniert werden kann (mehr zur Thema &#8222;Kindle Publishing&#8220; habe ich <a href=\"http:\/\/www.basicthinking.de\/blog\/2009\/05\/14\/amazon-legt-sich-eine-armee-von-bezahlten-bloggern-zu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">bei Basic Thinking<\/a> geschrieben). <\/p>\n<p>Die Annahme liegt auf der Hand, dass Amazon den Kindle als Content-Kanal nutzen k\u00f6nnte, um auf elektronischem Wege mehr &#8211; und zeitgem\u00e4\u00dfer &#8211; Literatur unter das Volk zu bringen. Dann stellt sich tats\u00e4chlich die berechtigte Frage, warum der Preis des Ger\u00e4ts nicht durch Vorsubventionen so niedrig gehalten wird, dass er sich im Gr\u00f6\u00dfenrahmen einer Jubil\u00e4umsausgabe zu Ehren Judith Hermanns (die ist n\u00e4mlich wirklich billig, also ihr Werk &#8211; nicht die Ausgabe) bewegt? Antwort: Weil Amazon Paid Content-L\u00f6sungen als Umsatzmotor ebenso kritisch einstuft wie Apple. Ein interessantes Detail unterst\u00fctzt diese These: iSuppli hat den Kindle 2 einmal aufgeschraubt und die Hardware-Kosten ermittelt. Das Ergebnis: der Kindle-Nachfolger <a href=\"http:\/\/www.zdnet.de\/news\/wirtschaft_investition_hardware_isuppli_amazons_kindle_2_kostet_in_der_herstellung_185_dollar_story-39001021-41003275-1.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kostet 185 Dollar in der Herstellung<\/a> (ohne Marketing und Vertrieb). Was verlangt Amazon im Handel f\u00fcr den Kindle 2? <a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/Kindle-Amazons-Wireless-Reading-Generation\/dp\/B00154JDAI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">359 Dollar<\/a>. Der neue Kindle ist derzeit das am <a href=\"http:\/\/www.golem.de\/0902\/65462.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">h\u00e4ufigsten verkaufte<\/a> elektronische Ger\u00e4t im Katalog. W\u00fcrde ein Unternehmen, das darauf spekuliert, k\u00fcnftig durch Verk\u00e4ufe elektronischer B\u00fccher den Vertrieb im Verlagswesen zu revolutionieren, eine solch hohe Marge beim POS aufschlagen? Ich denke nicht. Genau wie Apple versteht sich Amazon in dieser Hinsicht eher als Hardware- und weniger als Content-Verk\u00e4ufer.<\/p>\n<p>Was in der Euphorie rund um Paid Content und das Micropayment oft \u00fcbersehen wird, ist, dass es in den angesprochenen Szenarien derzeit noch als Kostendeckungsma\u00dfnahme eines Marketingselbstl\u00e4ufers gebraucht wird. Im Mittelpunkt steht das Ger\u00e4t, optionaler und kostenpflichtiger Content h\u00fcbscht das Produkt auf. Es ist davon auszugehen &#8211; und es w\u00e4re zu w\u00fcnschen &#8211; dass diese Rechnung eines Tages umkippt und der Zugang zu florierenden Paid Content-Angeboten durch g\u00fcnstige Hardware erleichtert wird. Doch noch nimmt die Branche konservativ Augenma\u00df. Von einem kostenlosen Kindle d\u00fcrften wir also noch einige Zeit entfernt sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kolbr\u00fcck: &#8222;Warum geben die Zeitungen und Verlage ihren Leser nicht direkt einen Kindle, das ist doch endlich dann billiger.&#8220; Lobo: &#8222;Eine gute Frage, die ich&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,14],"tags":[87,418,480],"sgb\/featured_image_src":null,"sgb\/author_data":{"display_name":"Andr\u00e9 Vatter","avatar":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/838789e2550a09a9cfda02ae6d536d97?s=96&d=mm&r=g","author_link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/author\/admin\/"},"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/251"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=251"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/251\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}