{"id":2672,"date":"2011-01-20T21:57:24","date_gmt":"2011-01-20T20:57:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=2672"},"modified":"2011-01-20T21:57:24","modified_gmt":"2011-01-20T20:57:24","slug":"technikfeindlichkeit-jede-prothesen-kommunikation-hat-ihre-mitwisser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2011\/01\/technikfeindlichkeit-jede-prothesen-kommunikation-hat-ihre-mitwisser\/","title":{"rendered":"Technikfeindlichkeit: Jede Prothesen-Kommunikation hat ihre Mitwisser"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2675\" title=\"Frankreich, Nachrichtenhelferinnen\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Bundesarchiv_Bild_101I-615-2486-14A_Frankreich_Nachrichtenhelferinnen.jpg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Bundesarchiv_Bild_101I-615-2486-14A_Frankreich_Nachrichtenhelferinnen.jpg 580w, https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Bundesarchiv_Bild_101I-615-2486-14A_Frankreich_Nachrichtenhelferinnen-300x179.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/p>\n<p>Ich komme gerade von der Uni Hamburg zur\u00fcck, wo <a href=\"http:\/\/www.google.com\/corporate\/execs.html#mattos\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nelson Mattos<\/a> von Google einen <a href=\"http:\/\/twitpic.com\/3rrqyi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vortrag<\/a> zum Thema &#8222;The Future of the Web: Challenges &amp; Opportunities&#8220; gehalten hat. Ich m\u00f6chte vorausschicken, dass es ein sehr angenehmer Abend war. Ebenfalls vorausschicken m\u00f6chte ich, dass ich folgendes Fazit nicht am Unternehmen Google oder eines seiner Produkte festmache. Sondern eher an der daran reflektierten Stimmung im Publikum.<\/p>\n<p>Mattos zeigte sich anfangs verlegen, vor zwei Jahren habe er bereits einmal an der Hamburger Uni referiert, damals sei die Stimmung recht kritikfreudig gewesen. &#8222;Ich hoffe, Sie bewerfen mich nicht mit Eiern und Tomaten&#8220;, sagte er vorsorglich. Doch das Plenum blieb ruhig, immerhin hatte man hier einen Weltkonzern im Haus und vielleicht kann man von dem auch noch etwas lernen. Mattos plauderte ein wenig \u00fcber die Geschichte des Internets, \u00fcber das exponentielle Wachstum, den Dienste-Boom und die Gesamtentwicklung, die einer eigenen Evolution unterliegt: Seiten und Anwendungen, die popul\u00e4r sind (wie Facebook), werden weiterentwickelt und gepusht. Andere, die unpopul\u00e4r sind (sagen wir Google Wave), verschwinden nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung. Betrachtet man das alles aus dem sozialen Kontext, lassen sich tiefgreifende gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen nicht leugnen.<\/p>\n<p>Er brachte das sch\u00f6ne <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1252036834289\/Gefaehrlich-Maedchen-riefen-Hilfe-ueber-Facebook\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beispiel der beiden zehn- und zw\u00f6lf\u00e4hrigen M\u00e4dchen<\/a>, die sich im Jahr 2009 in einem Kanal verlaufen hatten \u2013 und anstatt die Polizei mit dem Handy anzurufen, lieber ein hilfesuchendes Statusupdate bei Facebook ver\u00f6ffentlichten. Das Publikum lachte, doch Mattos blieb ernst: &#8222;In zwanzig bis drei\u00dfig Jahren, werden dies die Menschen sein, die auf der Welt das Sagen haben. Das kann man nicht ausblenden.&#8220; Da hat er unzweifelhaft Recht. <!--more--><\/p>\n<p><b>Augen und Ohren in n-facher Potenz<\/b><\/p>\n<p>Ob Google, Microsoft oder Apple, ob Twitter, Facebook oder Foursquare: das Spiel birgt Vor- und Nachteile. Wir erleben gerade eine z\u00f6gerliche Experimentierphase der Machbarkeit und lernen, wie man wovon profitieren kann (beispielsweise im Gesundheits- oder Bildungssektor). Auf der anderen Seite gr\u00e4bt sich das Internet immer weiter in unser Privatleben hinein, was bei vielen eine gro\u00dfe Angst hervorruft. Dabei vergessen wir oft: Jede Prothesenkommunikation hat ihre Mitwisser. Wer nicht selbst der \u00dcberbringer einer Nachricht ist, schaltet zwangsl\u00e4ufig einen Dritten als Boten ein. Das fing mit der Post an und ging weiter mit dem Telegrafen. Das <a href=\"http:\/\/www.emma.de\/ressorts\/artikel\/bildung-beruf\/fraeulein-vom-amt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fr\u00e4ulein vom Amt<\/a> war \u00fcber bilaterale Gespr\u00e4che bestens im Bilde, mit der Erfindung des Selbstw\u00e4hldienstes wussten die Telefonanbieter \u00fcber unsere Verbindungen Bescheid. Die Emp\u00f6rung hielt sich in der ganzen Geschichte in Grenzen, da man zum einen den Nutzen pauschal \u00fcber die Kehrseiten stellte und sich diese \u2013 bei n\u00e4herer Betrachtung \u2013 auch gar nicht als so schlimm erwiesen. Und heute haben wir das Internet, nein: sogar das Web 2.0! Heute bedienen wir uns fremder Dienste, die Augen und Ohren in n-facher Potenz haben, verglichen mit all dem bisher Dagewesenen \u2013 das stimmt. Allerdings hat sich am System &#8222;Lauschangriff&#8220; nichts ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Warum stellen wir uns also jetzt so quer? Mattos pl\u00e4dierte unternehmenspolitisch augenscheinlich daf\u00fcr, die Wahrung unserer Privatsph\u00e4re den Algorithmen, der Selbstregulierung zu lassen. Dem gegen\u00fcber stehen Frau Aigner und all die anderen Netz-Apostel, die immer wieder der Versuchung erliegen, den Gesetzestext parallel zum Wachstum des Internets zu vergr\u00f6\u00dfern. Und diese Idee findet subjektiv betrachtet immer mehr Anh\u00e4nger.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/google.png\" alt=\"\" title=\"google\" width=\"580\" height=\"504\" class=\"alignleft size-full wp-image-2681\" srcset=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/google.png 580w, https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/google-300x261.png 300w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/p>\n<p>In der abschlie\u00dfenden Frage-und-Antwort-Runde zum Vortrag (der sich \u2013 ich will es noch einmal erw\u00e4hnen \u2013 um die Zukunft des Internets drehte) wurden rund zehn Fragen gestellt. Alle besch\u00e4ftigten sich mit dem Thema StreetView, mit dem Datenschutz und Privacy-Bedenken: &#8222;Wie k\u00f6nnen wir sicher sein, dass Google die Daten auch wirklich l\u00f6scht, wenn wir dies beantragen?&#8220;, war eine der Fragen. &#8222;Der Datenschutz stellt einen Antrag und kann dann auf unsere Festplatten schauen&#8220;, war die Antwort. Wurde der Fragesteller damit bes\u00e4nftigt? Ich glaube kaum.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen den beiden M\u00e4dchen verbieten, Facebook als Notrufs\u00e4ule des 21. Jahrhunderts zu nutzen, sicher \u2013 das k\u00f6nnen wir mit einem allumfassenden Paragrafen. Die Frage ist, ob unser analoges Siemens Gigaset mit Pay-per-Call aber tats\u00e4chlich das Medium sein soll, mit dem unsere Nachkommen im Jahr 2030 ihre Kommunikation abwickeln. Wollen wir uns darauf verst\u00e4ndigen, Innovation hier und jetzt und ein f\u00fcr alle Mal einzustellen?<\/p>\n<p>Datenschutz ist eine wichtige Angelegenheit. Aber anstatt mit der Rechtskeule ein ausuferndes Lex Internet jeden Tag gr\u00f6\u00dfer und detaillierter zu schmieden, sollten wir lieber auf Aufkl\u00e4rung setzen. Kinder sollten heutzutage nicht nur wissen, dass alle geteilten Inhalte oft \u00f6ffentlich und meist von sehr langer Dauer sichtbar sind. Sie sollten zus\u00e4tzlich wissen, wer ihre Inhalte verwaltet und welche Interessen der Anbieter verfolgt. Der evolution\u00e4re Prozess des Internets trifft eben auch auf den Online-Datenschutz zu: Denn wir <strong>haben die Wahl<\/strong>, ob wir diesen oder jenen Dienst nutzen. Wir k\u00f6nnen bestimmen, wo wir unsere Spuren hinterlassen und wo nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Bild: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Telefonist\">Wikipedia<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich komme gerade von der Uni Hamburg zur\u00fcck, wo Nelson Mattos von Google einen Vortrag zum Thema &#8222;The Future of the Web: Challenges &amp; Opportunities&#8220;&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,15],"tags":[184,304,369,581,698],"sgb\/featured_image_src":null,"sgb\/author_data":{"display_name":"Andr\u00e9 Vatter","avatar":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/838789e2550a09a9cfda02ae6d536d97?s=96&d=mm&r=g","author_link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/author\/admin\/"},"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2672"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2672"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2672\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2672"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2672"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2672"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}