{"id":3373,"date":"2011-04-20T18:25:43","date_gmt":"2011-04-20T17:25:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=3373"},"modified":"2011-04-20T18:25:43","modified_gmt":"2011-04-20T17:25:43","slug":"ios-bewegungsprofile-apple-privatisiert-die-vorratsdatenspeicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2011\/04\/ios-bewegungsprofile-apple-privatisiert-die-vorratsdatenspeicherung\/","title":{"rendered":"iOS-Bewegungsprofile: Apple privatisiert die Vorratsdatenspeicherung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/screen-capture-14.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/screen-capture-14-300x298.png\" alt=\"\" title=\"Anfang Dezember bin ich von K\u00f6ln nach Hamburg gezogen\" width=\"300\" height=\"298\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3374\" \/><\/a>Vor einigen Wochen hatte Zeit Online, das aufr\u00fcttelnde St\u00fcck &#8222;<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/datenschutz\/malte-spitz-vorratsdaten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Das verr\u00e4terische Handy<\/a>&#8220; gebracht. Mittels der von der Telekom (auf juristischem Gehei\u00df hin) minuti\u00f6s protokollierten Vorratsdaten war es gelungen, das Leben des Gr\u00fcnenpolitikers Malte Spitz nachzuzeichnen: Wo steckte Malte zwischen den Jahren 2009 und 2010, wohin reiste er, wen rief er an und wie oft versendete er SMS?<\/p>\n<p>Die Visualisierung des Bewegungsprofils war so detailliert, so unheimlich ausf\u00fchrlich, dass es den Lesern kalt den R\u00fccken herunterlief. Auch die New York Times <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2011\/03\/26\/business\/media\/26privacy.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">emp\u00f6rte<\/a> sich und betonte dem US-Publikum gegen\u00fcber:<\/p>\n<blockquote><p>Mr. Spitz has provided a rare glimpse \u2014 an unprecedented one, privacy experts say \u2014 of what is being collected as we walk around with our phones. Unlike many online services and Web sites that must send \u201ccookies\u201d to a user\u2019s computer to try to link its traffic to a specific person, cellphone companies simply have to sit back and hit \u201crecord.\u201d <\/p><\/blockquote>\n<p>Die Protokollierung folgt hierzulande wie auch in den USA den gesetzlichen Geboten, man denkt und hofft: &#8222;Okay, solange ich kein Selbstmordattentat plane, Konvertit werde oder Frau Merkel ein b\u00f6ses Gedicht schreibe, bleibt das schon alles unter Verschluss.&#8220; Wie viel an dieser Annahme dran ist, kann keiner von uns sagen. Ausnahmslos alle Regungen im digitalen Leben werden getrackt \u2013 wann oder wo ein Staatsanwalt Einsicht in die Daten fordert, bleibt im Dunkeln verborgen. <!--more--><\/p>\n<p>Apple jedoch hat dem Ganzen nun die Krone aufgesetzt. Was Cupertino seit dem Sommer des vergangenen Jahres treibt, seit dem Release von iOS 4, ist nicht nur unheimlich, es ist eine gigantische Schweinerei: Apple hat die gesetzlichen Vorratsdatenspeicherung zu bislang unbekannten Zwecken privatisiert.<\/p>\n<p>Die beiden Entwickler Alasdair Allan und Pete Warden haben in Apples mobilem Betriebssystem gest\u00f6bert und sind dabei auf <a href=\"http:\/\/radar.oreilly.com\/2011\/04\/apple-location-tracking.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">eine Datei mit dem Namen consolidated.db entdeckt<\/a>. Hier trackt Apple s\u00e4mtliche Koordinaten von UMTS-iGer\u00e4ten (iPhone oder iPad) samt Zeitstempel. Damit diese Daten auch ja nicht verloren gehen, werden sie beim normalen Synchronisieren sogar mit auf den Rechner \u00fcbertragen. Nach bisherigen Erkenntnissen, werden &#8222;Zehntausende&#8220; Standorte gespeichert, was rund f\u00fcr die jeweils vergangenen zw\u00f6lf Monate ausreichend ist.<\/p>\n<p><object width=\"580\" height=\"356\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube-nocookie.com\/v\/GynEFV4hsA0?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0&amp;hd=1\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><\/object><\/p>\n<p>Wer es nicht glaubt, kann es selbst ausprobieren. Allan und Wardan haben ein <a href=\"http:\/\/petewarden.github.com\/iPhoneTracker\/#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tool ins Netz gestellt<\/a>, das die lokal gespeicherten Daten des Backups ausliest und auf Open Street Map visualisiert. Auf dem Teaserbild (oben) ist mein Bewegungsprofil zu erkennen: ich zeige es hier nur grob, tats\u00e4chlich l\u00e4sst sich die Bewegung aber auf einzelne Stra\u00dfen zur\u00fcckverfolgen. Die Exaktheit ist frappierend (ich bin im Dezember 2010 von K\u00f6ln nach Hamburg gezogen) \u2013 wenn auch nicht perfekt. Wie es aussieht, loggt iOS gefundene WLAN-Accesspoints und die Standorte der Mobilfunk-Sendemasten, also die Information, in welcher Funkzelle sich der Nutzer zu welcher Zeit befand.<\/p>\n<p>Was man dagegen unternehmen kann? Reichlich wenig. Da das Auslese-Tool aber offen kommuniziert wurde, ist es ratsam, die Synch-Backups in iTunes zu verschl\u00fcsseln \u2013 dann steht die Software (und nur diese) erst einmal vor verschlossenen T\u00fcren; etwa, wenn die angefressene Freundin in Erfahrung bringen m\u00f6chte, wo der liebe Martin tags\u00fcber so abh\u00e4ngt. iOS trackt dessen ungeachtet jedoch weiter munter mit und die Daten befinden sich auch nach wie vor unverschl\u00fcsselt auf den Ger\u00e4ten.<\/p>\n<p>Apple hat bis zum jetzigen Zeitpunkt kein Statement zum All-Included-Spionagepaket abgegeben \u2013 ich rechne damit, dass Cupertino sich in B\u00e4lde mit einem Dreizeiler \u00e4u\u00dfern wird. Pete Wardan hat selbst f\u00fcnf Jahre lang f\u00fcr Apple gearbeitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen hatte Zeit Online, das aufr\u00fcttelnde St\u00fcck &#8222;Das verr\u00e4terische Handy&#8220; gebracht. 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