{"id":3814,"date":"2011-07-24T14:26:38","date_gmt":"2011-07-24T13:26:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=3814"},"modified":"2011-07-24T14:26:38","modified_gmt":"2011-07-24T13:26:38","slug":"uber-die-traffic-enteignung-der-sozialen-netzwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2011\/07\/uber-die-traffic-enteignung-der-sozialen-netzwerke\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Traffic-Enteignung der sozialen Netzwerke"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3815\" title=\"umleitung\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/umleitung.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/umleitung.jpg 600w, https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/umleitung-300x134.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Das Social Web ist noch recht jung, erst 2004 wurde Facebook Inc. von Mark Zuckerberg gegr\u00fcndet, das Netzwerk lernte die deutsche Sprache vor gerade einmal drei Jahren. Doch wer die Entwicklungen verfolgt hat, merkt, dass es keinen linearen Verlauf in Wachstum und Akzeptanz gibt. Ich versuche im Folgenden, die Entwicklung kurz nachzuzeichnen.<\/p>\n<p>2005 bis etwa 2010 war die Zeit des zentralisierten Booms im sozialen Netz, die Nutzer st\u00fcrmten facebook.com oder twitter.com, legten sich Accounts an, schauten mehrmals t\u00e4glich auf den Seiten vorbei, bookmarkten ihre Lieblings-Pages, benutzten die Suchfunktionen der Plattformen, schossen Bilder von ihren Rechnern auf die Pinnw\u00e4nde. Facebook schob sich in Sachen Verweildauer an Google vorbei, &#8222;My Profile is my Castle&#8220;, das soziale Leben evolvierte in den Netzwerken.<\/p>\n<p>Im Januar 2009 schrieb ich dann bei Basic Thinking einen Artikel mit dem Titel: &#8222;<a href=\"http:\/\/www.basicthinking.de\/blog\/2009\/01\/29\/social-media-auf-dem-handy-und-warum-vielen-das-ziemlich-egal-ist\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Social Media auf dem Handy \u2013 und warum das vielen ziemlich egal ist<\/a>&#8222;. Darin wunderte ich mich \u00fcber die niedrige Akzeptanz bei den Deutschen und den fehlenden Willen, das mobile Netz endlich Realit\u00e4t werden zu lassen. Deutschland brachte es in Sachen Mobile Networking seinerzeit auf den vorletzten Platz in der EU \u2013 nur Spanien zeigte eine noch schw\u00e4chere Performance. Das hat sich mittlerweile ge\u00e4ndert und damit auch eine ganze Reihe anderer Dinge. <!--more--><\/p>\n<p>Die Mobilisierung der Netzwerke f\u00fchrte zu der Nutzerdevise: &#8222;Befreit die Netzwerke aus ihren Silos!&#8220; Als Google Plus vor wenigen Wochen das Licht der Welt erblickte, wurden global zun\u00e4chst zwei Fragen gestellt, die eine war rhetorischer und die andere praktischer Natur:<\/p>\n<p>1. &#8222;Wie geil ist das denn, bitte?&#8220;<br \/>\n2. &#8222;Wie kann ich Google Plus auf dem Handy oder per Client nutzen?&#8220;<\/p>\n<p>Dieser Trend hatte sich bereits besonders fr\u00fch bei Twitter abgezeichnet. Der Nutzer-Workflow war mit dem 140-Zeichen-Limit von Anfang an auf mobile Bed\u00fcrfnisse zugeschnitten, schnell florierte ein gesundes \u00d6kosystem an Clients und Apps, die auf jedem erdenklichen Smartphone-Betriebssystem laufen konnten. Die Inhalte wurden beweglicher, sie vaporisierten von der Plattform und landeten auf unseren Displays in Formen und Gestalten, die Drittentwickler vorgaben. Twitter wuchs, doch zeitgleich mit dieser Entwicklung wuchs ebenso die Entmachtung des Unternehmen, das dahinter stand.<\/p>\n<p>Auch Google Plus bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. Fast min\u00fctlich gibt es in amerikanischen und deutschen Blogs Meldungen \u00fcber neue Extensions, Browser-Erweiterungen, die uns dabei helfen, den Stream zu modifizieren, zu analysieren und beweglich zu machen. Und das alles noch weit vor dem Zeitpunkt, an dem Google eine \u00f6ffentliche API f\u00fcr das Netzwerk zur Verf\u00fcgung stellen wird. H\u00e4tte Google nicht zeitnah mit dem Launch des Netzwerks mobile Apps f\u00fcr Android und iOS ver\u00f6ffentlicht, so h\u00e4tte es binnen weniger Tage gleich dutzendfach Alternativen durch private Programmierer gegeben. Doch der Anspruch, alle Inhalte in jeder Form verf\u00fcgbar haben zu k\u00f6nnen, w\u00e4chst nicht nur mit der UMTS-Penetration, sondern auch mit der Zahl an vorhandenen Netzwerken: Nutzer verlangen eine Konsolidierung der Ansichten, so wollen nicht unz\u00e4hlige News-Feeds, sondern einen Social Stream, der ihren Pool an Newsquellen und Freunden abbildet.<\/p>\n<p>Das ist die eine Seite, die der Nutzer. Doch wechseln wir f\u00fcr einen Moment noch einmal die Perspektive zu den Unternehmen: denn hier w\u00e4chst ein praktisch nicht l\u00f6sbares Problem heran.<\/p>\n<p>Seit der Geburtsstunde von Google hat das Unternehmen kein anderes Ziel verfolgt, als Werbung zu schalten und daran zu verdienen. Jeder Dienst, den die Suchmaschine ins Netz stellt, folgt daher maximal zwei Pr\u00e4missen: Bietet er genug Mehrwert, um direkt oder sp\u00e4ter einmal Werbung schalten zu k\u00f6nnen? Oder erlaubt es dieser Service, das Nutzerverhalten besser messbar zu machen? \u2013 Was an anderer Stelle bedeutet, dass hier wiederum Werbung geschaltet wird (nur mit besserem Targeting). YouTube, Google Maps, die Bildersuche \u2013 all dies sind aus Unternehmenssicht attraktive Werbefl\u00e4chen, die den eigenen Kunden angeboten werden k\u00f6nnen, mehr nicht. Auch Google Plus wird hier keine Ausnahme bilden, es sei denn, es kommt zu einer radikalen \u00c4nderung des Gesch\u00e4ftsmodells.<\/p>\n<p>Anders als die oben genannten Dienste (YouTube, Google Maps usw.), unterliegt Google Plus aber nicht zwangsl\u00e4ufig der eigenen Kontrolle. Die Distribution wird Anbetracht der eigenen Inflexibilit\u00e4t bereits in Teilen durch Drittentwickler erledigt, was sich k\u00fcnftig (sp\u00e4testens mit der API-\u00d6ffnung) verst\u00e4rken wird. Dazu wird es \u00fcber kurz oder lang zu einer neuen Privacy-Debatte kommen: Was geh\u00f6rt Google an Google+ also eigentlich? Die Nutzer? Der Content?<\/p>\n<p>Twitter erstickt gerade an diesem Problem. Nachdem Google keine teure Finanzspritze mehr leistet, um den die Echtzeit-Tweets in den Index zu ziehen, bleiben dem Netzwerk eigentlich nur noch zwei M\u00f6glichkeiten: Die St\u00fctzdienste der Drittentwickler aufkaufen oder verbieten. Oder aber Werbung direkt im Feed zu schalten \u2013 was wiederum problematisch wird, sollten nach kurzer Zeit erste Filter-Apps auftauchen. Twitter steht bereits in der Kritik, ebenso panisch wie aggressiv den <a href=\"http:\/\/www.bloomberg.com\/news\/2011-07-01\/ftc-said-to-have-begun-antitrust-inquiry-into-twitter-s-developer-policies.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Entwicklerwettbewerb zu behindern<\/a>.<\/p>\n<p>Auch Facebook wird sich Strategien \u00fcberlegen m\u00fcssen, wie k\u00fcnftig Ums\u00e4tze generiert werden k\u00f6nnen. Noch tr\u00e4gt die geballten Kraft von 750 Millionen Mitgliedern dazu bei, dass sich darunter genug finden, die tats\u00e4chlich noch facebook.com aufrufen und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf die Werbung am rechten Monitorrand klicken. Doch dieses Modell wird nicht mehr lange Bestand haben. Dann lieber Micropayment-Angebote f\u00fcr Spiele und Apps? Man wird sehen&#8230;<\/p>\n<p>Spannend wird es ebenfalls sein, zu sehen, wie Google das Problem angehen wird. Ein Google Plus, finanziert durch die Hilfe von AdWords, d\u00fcrfte es kaum geben. Vielleicht besteht das attraktivste Moment der Plattform aber tats\u00e4chlich nicht aus der wachsenden Interaktion, der Verweildauer und den niederprasselnden Page Views. Die Nutzerdaten, die von den Mitgliedern bereitwillig preisgegeben werden \u2013 das k\u00f6nnte einzig und allein zur geltenden W\u00e4hrung werden. Und diese Daten werden an anderer Stelle Anwendung finden. Daher sollte die Frage, wie Unternehmen im Social Web ihr Geld verdienen, bei jedem Nutzer ebenso wichtig sein, wie die oben genannten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Bild: <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/fumtu\/894137500\/sizes\/l\/in\/photostream\/\">Flickr<\/a>, Fotograf: fumtu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Social Web ist noch recht jung, erst 2004 wurde Facebook Inc. von Mark Zuckerberg gegr\u00fcndet, das Netzwerk lernte die deutsche Sprache vor gerade einmal&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[15],"tags":[206,242,311,729,741,753,754],"class_list":["post-3814","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-social-media","tag-drittentwickler","tag-facebook","tag-google-plus","tag-traffic","tag-twitter","tag-umleitung","tag-umts","grid-post"],"sgb\/featured_image_src":null,"sgb\/author_data":{"display_name":"Andr\u00e9 Vatter","avatar":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/aafb82db772a99ecfcd11835453a381b8d86548a7fe65eaf1ad8e89ce5ac1782?s=96&d=mm&r=g","author_link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/author\/admin\/"},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3814"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3814\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}