{"id":3974,"date":"2011-09-11T18:24:16","date_gmt":"2011-09-11T17:24:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=3974"},"modified":"2011-09-11T18:24:16","modified_gmt":"2011-09-11T17:24:16","slug":"tatort-facebook-uber-den-fanpage-giftschrank-und-die-berliner-waschlappen-inkl-4-tipps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2011\/09\/tatort-facebook-uber-den-fanpage-giftschrank-und-die-berliner-waschlappen-inkl-4-tipps\/","title":{"rendered":"Tatort Facebook: \u00dcber den Fanpage-Giftschrank und die Berliner Waschlappen (inkl. 4 Tipps)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-11_1913.png\" alt=\"\" title=\"2011-09-11_1913\" width=\"580\" height=\"281\" class=\"alignleft size-full wp-image-3977\" srcset=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-11_1913.png 580w, https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-11_1913-300x145.png 300w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/p>\n<p>So schnell kann es gehen: Vom beruhigenden &#8222;<a href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/domesticNews\/idDEBEE7860HO20110907\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Honig-Urteil<\/a>&#8220; zur bundesweiten <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/vorab\/0,1518,785526,00.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Facebook-Schelte<\/a> brauchte Bundesagrar- und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nur wenige Stunden \u2013 ein wahrer Tausendsassa der politischen Landschaft! Aigner ruft sowohl die Bundesregierung als auch Abgeordnete dazu auf, ihre Pr\u00e4senzen auf Facebook zu l\u00f6schen und alle Spuren zu verwischen: Man solle &#8222;mit gutem Beispiel vorangehen&#8220;.<\/p>\n<p>Um Aigner war es nach ihrem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,687255,00.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Brief an Mark Zuckerberg<\/a> (&#8222;Sehr geehrter Herr Zuckerberg&#8220;) in den vergangenen Monaten eher ruhig geworden. Ja, sie hatte ihr Facebook-Profil medienwirksam getilgt \u2013 aber bitte: danach war die Sache erst einmal gegessen. Der Grund, weshalb die Ministerin nun noch einmal nachl\u00e4dt, ist die Tatsache, dass ihr Parteikollege und unser Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vergangene Woche zur gemeinsamen <a href=\"http:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2011\/09\/facebook.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kuschelstunde<\/a> mit Facebooks Chef-Lobbyisten Richard Allen geladen hatte. Es gab K\u00fcsschen links, K\u00fcsschen rechts und einen warmen H\u00e4ndedruck, der letztendlich Aigners Wut heraufbeschworen hatte. Datenschutz, Verbraucherschutz, Cyber-Crime und politischer Netzaktivismus \u2013 das Internet hat in der deutschen Politik bis heute noch keinen festen Ressortplatz gefunden, weshalb das Geschacher um die popul\u00e4ren Themen jedes Mal von vorne losgeht. &#8222;Jetzt bin ich dran!&#8220;, dachte sich da Aigner und dr\u00fcckte auf den &#8222;Senden&#8220;-Button, der daf\u00fcr sorgte, dass alle Ministerien ihre dringende Warnung vor Facebook bekamen. <!--more--><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie es den geneigten Lesern geht, aber mit dieser Aktion ist mir nun v\u00f6llig die netzpolitische Orientierung in puncto Facebook abhanden gekommen: Einige fordern Verbote, die anderen wollen lieber Sanktionen gegen Fanpage-Betreiber, wieder andere setzen auf Selbstkontrolle und den \u00fcbrigen Teilnehmern der Debatte ist es v\u00f6llig egal, was da passiert. Von Bayern bis Schleswig-Holstein spannt sich ein rhetorisches Ping-Pong-Spiel aus dem kein Deutscher mehr schlau wird \u2013 das jedoch ausl\u00e4ndischen Zuschauern ein hohes Unterhaltungsniveau bietet. Abstimmungen gibt es nicht zwischen Beh\u00f6rden auf L\u00e4nderebene, nicht innerhalb der Koalition und offenbar nun nicht einmal mehr zwischen Parteikollegen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte nun zum xten Mal kurz und knapp auf die Bedeutung von Social Media eingehen, ehe ich der Politik vier simple Tipps gebe, wie man nun die Karre aus dem Dreck ziehen kann: Social Media ist kein Trend, sondern eine laufende Entwicklung, die es nicht erst gibt, seitdem Facebook in deutscher Sprache verf\u00fcgbar ist (2008). Es ist kein Spielzeug, das man ein- und ausschalten kann, sondern ein bereits seit Jahren fest etabliertes Instrument der Demokratie. Wissenschaft (Kollaboration und Diskussion), Wirtschaft (neue Vertriebswege in der globalen Gesellschaft) und Politik (Mitbestimmung und B\u00fcrgern\u00e4he) kommen ohne Netzwerke wie Facebook nicht mehr aus. Daher:<\/p>\n<p>[list type=&#8220;bignumlist&#8220;]<\/p>\n<ol>\n<li>Anstatt populistische Ma\u00dfnahmen zu ergreifen und die Stammtische Deutschlands mit polemischen Pressemitteilungen f\u00fcr kurzfristigen Stimmenfang zu versorgen, setzt euch auf eure Hintern, greift zum Telefon und fangt endlich an, kooperativ vorzugehen. Jeder, der meint, Facebook w\u00fcrde sich daran st\u00f6ren, wenn ein, zwei Bundesl\u00e4nder aufschreien oder wenn eine cholerische Ministerin kurz vor Mittag einem Journalisten &#8222;Du! Du! Du!&#8220; in den Artikel diktiert, hat nicht die Welt verstanden, in der wir leben. Das ULD hat nicht einmal die Nachbarn aus dem Landtag \u00fcber das Vorgehen informiert, Aigner spricht mit Friedrich per Pressemitteilung \u2013 was f\u00fcr eine Lachnummer! Die Kooperation muss \u00fcber L\u00e4ndergrenzen und die deutsche Staatsgrenze hinweggehen. Setzt den Schei\u00df in Br\u00fcssel auf die Tagesordnung, wenn es euch so wichtig ist: Wir bezahlen daf\u00fcr schlie\u00dflich Steuergelder.<\/li>\n<li>Das Problem des Datenschutzes ist nicht Facebook, sondern das Gesetz. Ich bin das Datenschutzgesetz und das Telemediengesetz jetzt mehrmals durchgegangen: Da steht nichts von sozialen Netzwerken, von Fanpages und &#8222;Likes&#8220;. \u00dcberhaupt: Was sind &#8222;Telemedien&#8220;? Etwa die &#8222;neuartigen Rundfunkempfangsger\u00e4te&#8220; der GEZ? Die vorliegende Gesetzeslage ist v\u00f6llig veraltet. Anstatt sie jedoch den bestehenden Realit\u00e4ten anzupassen, geschehen Interpretationen auf Grundlage von schwammigen Paragrafen aus dem D\u00e4mmer grauer Vorzeit. Die Folgen sind <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/0,1518,490006,00.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prozess-Lotterien<\/a> verbunden mit Investitionsunsicherheiten und einem dicken Hals bei allen Nutzern. Bringt endlich ein europ\u00e4isches Datenschutzgesetz, das auch ohne erfahrene Nostradamus-Exegeten auskommt.<\/li>\n<li>Wenn es eine gescheite Stra\u00dfenverkehrsordnung gibt, braucht man auch noch Verkehrsteilnehmer, die sich damit auskennen. Anstatt die Medien vollzujammern und Eltern und Kindern mit &#8222;Feuer, Feuer, Ungeheuer!&#8220; eine Heidenangst vor den neuen Medien einzujagen, sorgt lieber daf\u00fcr, dass es m\u00fcndige Netizens gibt \u2013 und das f\u00e4ngt in der Schule an: Medienkompetenz, ist das Stichwort. Kinder m\u00fcssen nicht nur lernen, wie man Dinge bedient, sondern auch, wie es um die Zusammenh\u00e4nge dahinter bestellt ist. Die Tatsache, dass da drau\u00dfen eine Menge pubertierender Teenager ihre Suffabende auf Facebook dokumentieren, ist schlicht und ergreifend auf einen Mangel an Bildung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Ein Mangel an spezieller Bildung. Der Medienkonsum steigt pro Kopf und Tag, aber unsere Lehrpl\u00e4ne machen immer noch den Eindruck, als seien sie in der Vorwendenzeit zusammengeschustert worden (im <a href=\"http:\/\/www.kultusministerium.hessen.de\/irj\/HKM_Internet?cid=5df05f498ea6a7b1f8b10a875c9983ca\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Grundschullehrplan<\/a> von Hessen kommt zum Beispiel nicht einmal das Wort &#8222;Internet&#8220; vor).<\/li>\n<li>Jetzt wo ein gescheites Gesetz steht, das sowohl Anbieter als auch die Nutzer verstehen, geht es darum, die Einhaltung zu kontrollieren. Das ULD hat sich aus &#8222;<a href=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2011\/08\/uld-an-webseitenbetreiber-zuruck-ins-web-mittelalter\/\">Ressourcengr\u00fcnden<\/a>&#8220; bei der Analyse erst einmal nur Facebook vorgenommen: &#8222;Die anderen Netzwerke folgen ja noch.&#8220; Bis es soweit ist, scheuchen sie uns von Plattform zu Plattform. Wer A sagt, muss auch B sagen k\u00f6nnen, was soviel bedeutet, dass die Betreiber zumindest das Gef\u00fchl haben m\u00fcssen, dass die Konformit\u00e4t ihres Angebots regelm\u00e4\u00dfig von staatlicher Stelle \u00fcberpr\u00fcft wird. In Hamburg l\u00e4uft ein Dutzend Kontrolleure an der Elbe herum, um illegale Angler ausfindig zu machen. Dass Facebook seinerzeit einmal den gesamten Content der Nutzer f\u00fcr sich selbst beanspruchen wollte, hat keinen Schutzmann gejuckt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>[\/list]<\/p>\n<p>Wer mit den Big Playern spielen will, muss auch &#8222;big&#8220; denken und alle Konsequenzen mittragen. Davon ist Deutschland noch Jahre entfernt. Dass bislang jeder einzelne Vorsto\u00df der Berliner Jammerlappen-Runde reines, vordergr\u00fcndiges und auf den eigenen Vorteil bedachtes Ministerget\u00f6se ist, beweist auch eine Tatsache ziemlich eindeutig. Wenn Facebook in Deutschland wirklich illegal operieren w\u00fcrde, g\u00e4be es ja einen ziemlich klaren Ausweg: sperrt facebook.com. Aber zu soviel Engagement reicht die Profilneurose dann wohl doch nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So schnell kann es gehen: Vom beruhigenden &#8222;Honig-Urteil&#8220; zur bundesweiten Facebook-Schelte brauchte Bundesagrar- und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nur wenige Stunden \u2013 ein wahrer Tausendsassa&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[66,172,184,242,282,751],"sgb\/featured_image_src":null,"sgb\/author_data":{"display_name":"Andr\u00e9 Vatter","avatar":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/838789e2550a09a9cfda02ae6d536d97?s=96&d=mm&r=g","author_link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/author\/admin\/"},"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3974"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3974"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3974\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}