{"id":4075,"date":"2011-10-09T16:22:22","date_gmt":"2011-10-09T14:22:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=4075"},"modified":"2011-10-09T16:22:22","modified_gmt":"2011-10-09T14:22:22","slug":"danke-das-erbe-von-steve-jobs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2011\/10\/danke-das-erbe-von-steve-jobs\/","title":{"rendered":"Danke: Das Erbe von Steve Jobs"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/t_hero.png\" alt=\"\" title=\"t_hero\" width=\"280\" height=\"255\" class=\"alignleft size-full wp-image-4076\" \/>Auf Apple.com steht noch immer Steve Jobs&#8216; Todesanzeige. Wer sich die schwarz-weisse Portraitaufnahme des ehemaligen Apple-Chefs genauer ansieht, wird feststellen, dass das Bild mit &#8222;t_hero.png&#8220; betitelt ist. War Steve Jobs ein Held? F\u00fcr viele bei Apple sicherlich. Bestimmt unterschreiben auch viele Branchenkollegen diese Nobilitierung. <\/p>\n<p>Als ich noch mit den Kollegen auf Basic Thinking schrieb, nannten mich einige Nutzer &#8222;Apple-Andr\u00e9&#8220;. Wir waren &#8222;Apple Andr\u00e9&#8220; und &#8222;<a href=\"https:\/\/plus.google.com\/105553424889261851294\/about\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Microsoft Marek<\/a>&#8220; und wir erg\u00e4nzten uns wunderbar. Ich glaube, wir hatten unseren Ruf als oppositionelles Harmonieteam weg. Ich mochte und mag Apple \u2013 Hardware, Software, das Design. Als ich vom Tod von Steve Jobs erfuhr, stieg f\u00fcr kurze Zeit mein Puls an. Dann dachte ich aber an Foxconn und die vielen Tausend Arbeiter, die dort Ger\u00e4te schrauben, wenig verdienen und aus <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/mobil\/2011-10\/apple-foxconn-arbeitsbedingungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Verzweiflung<\/a> von den D\u00e4chern der Wohnsiedlungen springen. Jobs war brillant, kreativ, durchsetzungsstark und vision\u00e4r. Er war aber kein Held. Vielleicht trug seine Besessenheit dazu bei, dass er keine philanthropischen Anfl\u00fcge hatte, wie wir es von seinem ehemaligen Kollegen Bill Gates her kennen. Vielleicht war er auch nur ein ausgebuffter Business-Mann. Man wei\u00df es nicht. <\/p>\n<p>Doch abseits dieser moralischen Betrachtung  hat die Welt Steve Jobs einiges zu verdanken. Ich habe im Folgenden drei Ph\u00e4nomene notiert, die ich mir aus der \u00c4ra Jobs hin\u00fcbergerettet habe. Drei Dinge, die mich pers\u00f6nlich beeindruckt haben und ein wenig von dem Einfluss zeigen, die Jobs nicht nur auf unsere Generation hat, sondern auch auf die kommenden haben wird. <!--more--><\/p>\n<h2>&#8222;Nein&#8220; sagen<\/h2>\n<p>&#8222;Man muss auch einmal nein sagen k\u00f6nnen&#8220;, war Steve Jobs&#8216; Mantra. 1997 kehrte er zu Apple zur\u00fcck, ein Jahr sp\u00e4ter hatte er dem Produktportfolio einen radikalen Kahlschlag verpasst. Das Unternehmen hatte bis dahin unz\u00e4hlige Rechnertypen inklusive Varianten auf den Markt geworfen \u2013 ein Ger\u00e4tewirrwarr, das weder Jobs noch (bei explizitem Nachfragen) seine Kollegen verstanden. 1998 sagte er auf der MacWorld (<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LWuR88AIKLg#t=6m8\" target=\"_blanK\" rel=\"noopener noreferrer\">sehenswertes Video dazu<\/a>): &#8222;Wie sollen wir das den Kunden erkl\u00e4ren, wir nicht einmal wir wissen, welche Produkte wir unseren Freunden empfehlen sollen?&#8220; Jobs beschloss, k\u00fcnftig die Strategie auf vier Produkte auszulegen: Je ein mobiles und station\u00e4res Ger\u00e4t f\u00fcr den Endverbraucher- und Profimarkt. Die Entwicklerteams k\u00f6nnen auf diese Weise ihre Kr\u00e4fte gezielt b\u00fcndeln, zudem kann die Frequenz des Produkzyklus&#8216; erh\u00f6ht werden (damals ging man noch von neun Monaten aus).<\/p>\n<p>Jobs hatte Zeit seines Lebens die Konsolidierung im Blick, die Konzentration auf das Wichtigste. Diese Einstellung ging weit \u00fcber die blo\u00dfe Unternehmensstrategie hinaus, sondern f\u00e4rbte auch auf Design der Hardware und die Gestaltung des GUIs ab. Alles, was st\u00f6rendes Beiwerk ist und vom Wesentlichen ablenkt, muss verschwinden. Dieser radikale Minimalismusansatz kostete dem Apple-Chef viele Freundschaften \u2013 sowohl im Unternehmen, bei den Entwicklern und auch bei den Kunden. Doch am Ende ging die Strategie auf und sollte heute jedem Unternehmer als Denkansto\u00df dienen. <\/p>\n<p>Nur, wer in der Lage ist, auch einmal (oder mehrmals) &#8222;nein&#8220; zu sagen, kann sich Perfektionismus leisten. Jobs hat dies 1997 sehr explizit auf der damaligen WWDC erl\u00e4utert. Im diesem Beispiel ging es um <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/OpenDoc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">OpenDoc<\/a>, das im selben Jahr abges\u00e4gt wurde:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"580\" height=\"423\" src=\"http:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/H8eP99neOVs?rel=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<h2>F\u00fcr Content zahlen<\/h2>\n<p>Als Mitte August bekannt wurde, dass Steve Jobs endg\u00fcltig den CEO-Posten bei Apple aufgeben w\u00fcrde, rollte die Pressemaschinerie an: Im Zuge der Berichterstattung gab es eine Meldung, die schnell unterging, mich aber in ihrer Argumentation nachhaltig beeindruckte. Sie erschien bei Paid Content und trug den Titel &#8222;<a href=\"http:\/\/paidcontent.co.uk\/article\/419-steve-jobs-greatest-legacy-persuading-the-world-to-pay-for-content\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Steve Jobs\u2019 Greatest Legacy: Persuading The World To Pay For Content<\/a>&#8222;. Die Headline verr\u00e4t den Inhalt: Apple hat daf\u00fcr gesorgt, dass Kunden f\u00fcr digitale Inhalte erstmals zahlen. Nachdem die Internetnutzer der Neunziger unter kr\u00e4ftiger Mithilfe der Verlage das &#8222;Gratisweb&#8220; etablierten und es sich als solche auch in die K\u00f6pfe der Nachfolgegenerationen festgesetzt hatte, gab es nur noch einen anderen Weg: es musste ein neues Internet her. Jobs erfand dieses Internet mit dem iPhone, das einen v\u00f6llig neuen Zugang zu digitalen Inhalten bot. Mobil, immer parat und kostenpflichtig: so lernten Nutzer weltweit dieses Internet kennen. Man zahlte f\u00fcr Musik, f\u00fcr Filme und auch f\u00fcr Apps \u2013 es war und ist auch noch heute selbstverst\u00e4ndlich, dass der Konsum von mobilem Content Geld kostet:<\/p>\n<blockquote><p>Jobs pried open many content companies\u2019 thinking, because his focus was always on getting something great to the customer with as few obstacles as possible. In that sense, he was like a corporate embodiment of the internet; except he thought people should pay for what they got. He always, always insisted you should pay for value, and that extended to content too. The App and Music Store remains one of the biggest generators of purely digital revenue in the world, and certainly the most diverse.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr viele Verlage ist das mobile Web heute der Rettungsanker in der Monetarisierungsdebatte. Dieser Kanal ist noch neu f\u00fcr die Kunden, unvorbelastet und damit tauglich, auch Geld abzuwerfen. Der App Store, iBooks und die digitalen Zeitungsabos \u2013 ohne Steve Jobs h\u00e4tten sich diese Content-\u00d6kosysteme niemals so schnell etabliert und durchgesetzt.<\/p>\n<blockquote><p>So if you\u2019re wondering how Jobs\u2019s departure affects the media world, consider that it\u2019s the loss of one of the biggest boosters of paid-for content the business ever had. Who\u2019s going to replace that?\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Medien d\u00fcrfen niemals aufgeben, neue Distributionswege auszuloten. Als wir im Jahr 2000 Silvester feierten, hat niemand damit gerechnet, dass knapp sieben Jahre sp\u00e4ter das &#8222;Internet f\u00fcr die Hosentasche&#8220; Realit\u00e4t werden k\u00f6nnte. <\/p>\n<h2>Es geht um Nutzen, nicht um Technik<\/h2>\n<p>Ich frage mich, an welcher Kiste ich jetzt sitzen w\u00fcrde, wenn es keinen iMac w\u00e4re. Wahrscheinlich ein AMD Fusion A6-3500-Prozessor (2.1 GHz) auf einem ASRock 760GM-GS3 Motherboard (Mikro-ATX &#8211; Socket AM3 &#8211; AMD 760G), flankiert von einem Corsair Dominator Memory (12 GB: 3 x 4 GB &#8211; DIMM 240-PIN &#8211; DDR3), einer ASUS EAH5450 (SILENT\/DI\/1GD3LP) und einer Hitachi Travelstar (5K500.B HTS545032B9A300). In den Neunzigern liefen wir zu Atelco und kauften die Rechner im Bausatz, sp\u00e4ter schoss Aldi monatsweise Angebote in die Ladenregale, die wir wieder mit Technik vom H\u00e4ndler aufr\u00fcsteten. Die Folgen waren Kompatibilit\u00e4tsprobleme, Kosten und irgendwann &#8222;Keine Ahnung!&#8220;.  Wir waren keine Nutzer, wir waren Bastler, die Branchengazetten wie die &#8222;Chip&#8220; oder die &#8222;PC-Praxis&#8220; kauften, um auf dem Laufenden zu bleiben, was das Wettrennen der Hardware anging. Es war nervig und zeitraubend und vor allem abschreckend f\u00fcr die Noch-Nicht-Nutzer. Welche Hausfrau, welcher Senior und welches zw\u00f6lfj\u00e4hrige M\u00e4dchen h\u00e4tte schon Lust auf ein solches Chaos gehabt?<\/p>\n<p>Richtige All-in-One-Rechner tauchten erst nach dem Mac auf und sie brauchten lange, um sich durchzusetzen. An einer Kiste zu sitzen, die hinten nicht acht PCI-Slots f\u00fcr den schnellen Wechsel der internen Peripherie bot, war vielen unheimlich. Mir auch. Als ich mich an meinen ersten Mac setzte und ihn einschaltete, war ich eine Woche lang depressiv \u2013 das war beinahe k\u00f6rperlich. Es gab ein Mail-Programm und den Browser, das Internet war da. Doch ich vermisste die Updates des Virenscanners, das manuelle Entr\u00fcmpeln der Registry, die Tweak-Freeware, meine Ordnerstruktur, der ich einen numerischen Anstrich gab, um mich leichter zurechtzufinden. Ich suchte nach Autostart-Spielereien und propriet\u00e4rer Grafikkartensoftware, an der es zu schrauben galt. Ich fand nichts.  <\/p>\n<p>Der Mac zwang mich dazu, den Rechner zu nutzen. Der Rechner nutze nicht l\u00e4nger mich. Apple hat nicht die Technik, sondern den direkten Mehrwert f\u00fcr die Kunden in den Mittelpunkt ger\u00fcckt \u2013 sowohl, was die Hardware als auch die Software angeht. Damit hat Steve Jobs vielen Menschen auf der Welt Technik \u00fcberhaupt erst verf\u00fcgbar gemacht: Ein Rechner, ein Knopf, ein Browser \u2013 Sie k\u00f6nnen loslegen! Auf Keynotes wurde zu keiner Zeit mit Buzzwords der EDV herumgeworfen. Es war immer: &#8222;MacBook Air. The world&#8217;s thinnest notebook&#8220;, &#8222;One size fits all&#8220;, &#8222;It&#8217;s small. It talks. And it&#8217;s in color.&#8220;, &#8222;The iPhone you&#8217;ve been waiting for&#8220; (<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/List_of_Apple_Inc._slogans\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Liste mit Slogans<\/a>). Fertig. Es sind markige Werbespr\u00fcche, die aber auch Taten folgen lie\u00dfen. Dank Steve Jobs besch\u00e4ftigen wir uns heute mehr mit Inhalten und nicht mit der Technik \u2013 wir tun das, worum es eigentlich ging, als der PC erfunden wurde.<\/p>\n<p><em>Ohne nun in das Dramatische hinabzugleiten: F\u00fcr diese drei Erkenntnisse und Errungenschaften m\u00f6chte ich Steve Jobs danken. Bis dahin.<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Apple.com steht noch immer Steve Jobs&#8216; Todesanzeige. 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