{"id":5772,"date":"2013-12-06T11:00:53","date_gmt":"2013-12-06T10:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=5772"},"modified":"2019-03-29T10:56:30","modified_gmt":"2019-03-29T09:56:30","slug":"google-bilanz-kein-mensch-braucht-ein-weiteres-general-interest-network-gin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2013\/12\/google-bilanz-kein-mensch-braucht-ein-weiteres-general-interest-network-gin\/","title":{"rendered":"Google+ Bilanz: Kein Mensch braucht ein weiteres General Interest Network (GIN)"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe diese und vergangene Woche mehrere Bewerbungsgespr\u00e4che mit angehenden und etablierten Community Managern gef\u00fchrt &#8211; es waren wohl so um die zehn. Irgendwann kam es bei jeder Unterhaltung auch zum Thema Google Plus und damit zum unwillk\u00fcrlichem Kichern oder Schulterzucken. Die Unisono-Meinung lautete: &#8222;Google Plus kann nichts &#8211; aber es geht ja auch wohl irgendwie nicht ohne.&#8220; Kaum Penetration, kaum Engagement, kaum Spa\u00df und neben dem einfachen Posting und vereinzelten Hangouts keine individualisierbare Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden. Im weiteren Verlauf der Gespr\u00e4che wurde die Meinung deutlich, dass Google Plus als General Interest Network versagt hat. Ich konnte nur nicken.<\/p>\n<p>Google Plus wurde 2011 als zun\u00e4chst viel beachteter Wettbewerber von Facebook aus dem Boden gestampft, doch von Etablierung in der Privat- und Gesch\u00e4ftswelt kann bis heute keine Rede sein. Ich hatte dem Netzwerk seinerzeit so gute Chancen einger\u00e4umt, dass ich eine baldige <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/internet\/2011-08\/twitter-transparenz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Netzwerk-Konsolidierung<\/a> vermutete, doch der Siegeszug verz\u00f6gert sich bis heute; es bleibt bei einem eindrucksvollen Schlurfen. Was ist passiert? Oder besser: was ist nicht passiert? <!--more--><\/p>\n<h3>Die Entwicklung der General Interest Netzwerke also known as &#8222;Facebook&#8220;<\/h3>\n<p>Gehen wir zun\u00e4chst einen Schritt zur Seite: F\u00fcr viele Junge steht Facebook bereits f\u00fcr <a href=\"http:\/\/mashable.com\/2013\/08\/11\/teens-facebook\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">das alte Netz<\/a> \u2013 sowohl was die Struktur, als auch das Publikum angeht. Facebook ist das ZDF des Social Web. Das Durchschnittsalter der Facebook-Mitglieder liegt heute bei <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/digital\/computer\/facebook-user-werden-immer-aelter-soziale-netzwerke-vergreisen-nur-twitter-nutzer-werden-juenger_aid_946009.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">38,7 Jahren<\/a>, Tendenz steigend. Dem Trieb der Individualisierung und Abgrenzung folgend, probt die Jugend also seit ein, zwei Jahren die Flucht vor dem Schunkelpublikum und wendet sich den neuen Startup-Netzwerken und -Apps zu: mit Erfolg. Zu erfolgreich will man meinen, denn sobald ein Service z\u00fcndet, wird er direkt von den gro\u00dfen Netzwerken wieder einkassiert (Facebook kauft Instagram, Yahoo schluckt Tumblr und so weiter). Snapchat und WhatsApp sind die derzeit <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/it\/milliardenofferte-facebook-scheitert-mit-snapchat-uebernahme-a-933530.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hei\u00dfesten<\/a> <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/apps\/geruecht-google-bietet-angeblich-eine-milliarde-dollar-fuer-whatsapp-a-893168.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Anw\u00e4rter<\/a> f\u00fcr \u00dcbernahmen \u2013 Schulklassen organisieren sich online nicht l\u00e4nger in Facebook-Gruppen, sondern \u00fcber Whatsapp-R\u00e4ume. Solange Facebook durch Zuk\u00e4ufe die Abwanderung relevanter Zielgruppen aufhalten und damit die Integration ebenso relevanter Dienste vorantreiben kann, funktioniert die Idee des General Interest Networks, das Interessens- und Altersgruppen seine Nischen bietet. Wie gesagt, zumindest f\u00fcr Facebook.<\/p>\n<p>Doch anders als Facebook orientiert sich Google Plus bei der Strategie nicht an den Bed\u00fcrfnissen der Nutzer, sondern am Prinzip der besten Verschwurbelung der eigenen Dienste. Larry Page hatte G+ von Anfang zur Sonne des Googleversums erkoren, um die sich dereinst alle Google-Dienste scharen. Die Algorithmusw\u00fcste der Suche sollte durch soziale Faktoren bereichert werden, jedoch ohne sich in Abh\u00e4ngigkeit dritter Netzwerke zu begeben. Um Alleinstellungsmerkmale hatte man sich zun\u00e4chst einmal gar nicht bem\u00fcht. Einen <a href=\"http:\/\/blogs.faz.net\/netzwirtschaft-blog\/2012\/09\/18\/google-manager-gundotra-wir-haben-von-anderen-sozialen-netzwerken-gelernt-3285\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">m\u00fcden Versuch<\/a> hatte Vic Gundotra, Senior Vice President Engineering, noch einmal zumindest auf dem Papier versucht: &#8222;Wir haben daher (<i>bei Google Plus<\/i>) gro\u00dfen Wert auf Datenschutz gelegt und gestalten unser Netzwerk werbefrei.&#8220; Doch jedem, der Google auch nur vom Namen her kennt, d\u00fcrfte diese Behauptung als schaler Witz erscheinen.<\/p>\n<h3>Nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Gem\u00fcse<\/h3>\n<p>Dennoch: unt\u00e4tig ist man nicht geblieben. Google hat seit dem Launch des Netzwerks allerlei kosmetische Korrekturen vorgenommen, wozu regelm\u00e4\u00dfige Cover-Anpassungen, automagische Bild- und Videobearbeitung oder Emojis in Hangouts z\u00e4hlen. Doch die Mechanik ist stets dieselbe geblieben, die Frage nach &#8222;Okay, und was mach ich jetzt da?&#8220; bleibt bis heute unbeantwortet. Google Plus im Jahr 2013 ist ein Sammelbecken von Crosspostings anderer Portale, Ani-GIF-H\u00f6lle, Google-Newsroom, Android-Stadion und hin und wieder eine Landingpage f\u00fcr Tweet-Links \u2013 weil hier mehr Zeichen zur Verf\u00fcgung stehen. Anstatt der Plattform eine Identit\u00e4t zu geben und die Sonne mit magnetischer Schwerkraft auszustatten, werden Nutzer <a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/netzfilmblog\/2013\/11\/14\/neue-youtube-kommentare-google-plus-reaktionen-kritik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zwangsumgesiedelt<\/a>, was ebenso konsequent die Anmeldezahlen wie auch den Publikumsfrust nach oben treibt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/LTq8TrA3hb4?rel=0\" height=\"450\" width=\"800\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p>W\u00e4hrend das aus dem Pingpong-Spiel zwischen Nutzern und Netzwerk erwachsene Facebook Abwechslung und Interaktion in vielen Bereichen bietet, erscheint Google Plus als strenger Vater, der seinem Kind Hausarrest erteilt und einen Ball in die Mitte des Kinderzimmers gelegt hat. Nun wundert er sich, dass der Sohn heulend im Bett liegt und kein Klassenkamerad zum Spielen kommt.<\/p>\n<p>Wenige Monate vor dem Launch des Netzwerks, im Sommer 2011, bezeichnete ich Google als <a href=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2011\/05\/warum-google-wahrscheinlich-nie-im-social-web-ankommen-wird\/\">technokratischer Soziopath<\/a>, der nicht in der Lage ist, zwischen Mensch und Maschine zu unterscheiden. Und dieser Meinung bleibe ich bis heute treu. Man muss ja auch nicht in allem der Beste sein und in Sachen Suche und Bewegtbild macht Google heute niemand etwas vor. Doch der kontrollbasierte Ansatz f\u00fchrt bei den Nutzern langfristig zur G+-Blindness: Custom URLs, deren pers\u00f6nliche Individualisierung darin besteht, zwischen Gro\u00df- und Kleinschreibung zu unterscheiden, der G+-Zwang f\u00fcr YouTube-Nutzer, das noch immer hermetisch abgeriegelte System, das jeden Dienst mit Google-Stempel, aber keinen anderen, hineinl\u00e4sst.<\/p>\n<h3>Was \u00fcbrig bleibt&#8230;<\/h3>\n<p>Aber verhalten wir uns konstruktiv! Daher folgen an dieser Stelle Tipps f\u00fcr drei Parteien:<\/p>\n<p><strong>Liebe Nutzer,<br \/>\n<\/strong><br \/>\ntja. Ihr m\u00fcsst am Besten wissen, wie ihr euch verhaltet. Da Google selbst nicht in die P\u00f6tte kommt, w\u00fcrde ich vorschlagen, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen und euch eure Nische zu suchen: entweder in anderen Netzwerken oder auf Google Plus selbst \u2013 ja, auch das ist bedingt m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Liebe Unternehmen,<br \/>\n<\/strong><br \/>\nes geht wohl nicht ohne, was? Doch die drei schwachen Gr\u00fcnde \u2013 SEO (vielleicht hat sich Matt Cutts ja doch <a href=\"http:\/\/searchenginewatch.com\/article\/2290337\/Matt-Cutts-Google-1s-Dont-Lead-to-Higher-Ranking\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ungenau<\/a> ausgedr\u00fcckt), YouTube und die Hoffnung \u2013 rechtfertigen durchaus eine Verringerung der Posting-Frequenz. Intensiviert eure Anstrengungen dort, wo sie auf fruchtbaren Boden sto\u00dfen und das ist meist der Ort, wo sich die Zielgruppe tats\u00e4chlich aufh\u00e4lt. Also: &#8222;Durchhalten!&#8220;, lautet die Devise. Auch, wenn das Nutzer-Engagement humpelt, so kann es sich doch vielleicht eines Tages auszahlen, die Pr\u00e4senzen nicht komplett vom Netzwerk abgezogen zu haben.<\/p>\n<p><strong>Liebes Google,<br \/>\n<\/strong><br \/>\nbitte weniger Feature-Workshops, daf\u00fcr mehr Strategie-Gipfel! Langsam wird es Zeit, die Schwerpunkte zu setzen, denn der Versuch, alle Nutzer gleicherma\u00dfen zu bedienen, ist gescheitert. Baut Nischen, erweckt G+ mit einer florierenden Fotoplattform zu neuem Leben oder haltet euch an die Games oder gebt dritten Entwicklern mehr Instrumente an die Hand. \u00d6ffnet euch anderen Plattformen, denn niemand l\u00e4sst sich freiwillig einsperren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Foto: <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/cyclonebill\/4621166646\/sizes\/l\/in\/photostream\/\">Flickr<\/a> &#8211; cyclonebill (CC BY-SA 2.0)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe diese und vergangene Woche mehrere Bewerbungsgespr\u00e4che mit angehenden und etablierten Community Managern gef\u00fchrt &#8211; es waren wohl so um die zehn. 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