{"id":6064,"date":"2014-03-02T12:31:49","date_gmt":"2014-03-02T11:31:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=6064"},"modified":"2019-03-29T10:40:57","modified_gmt":"2019-03-29T09:40:57","slug":"produktmarketing-warum-nicht-alles-supergeil-ist-und-starbucks-mehr-fans-als-spiegel-online-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2014\/03\/produktmarketing-warum-nicht-alles-supergeil-ist-und-starbucks-mehr-fans-als-spiegel-online-hat\/","title":{"rendered":"Produktmarketing: Warum nicht alles supergeil ist und Starbucks mehr Fans als Spiegel Online hat"},"content":{"rendered":"<p>2014 ist anders, ein wenig zumindest. Der hei\u00dfe Schei\u00df des Jahres ist Content-Marketing und hier speziell: Storytelling. Storytelling und der Tipp: &#8222;Jedes Gespr\u00e4ch ist sinnlos, wenn die Botschaft fehlt.&#8220; Das ist alles richtig \u2013 auch richtig gut! J\u00fcngstes Beispiel ist wohl der <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=jxVcgDMBU94\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">EDEKA-Coup mit dem hippen Brummb\u00e4r Friedrich Liechtenstein<\/a>: Ein Viralfeuerwerk, auf das man in Deutschland zurecht <a href=\"http:\/\/www.horizont.net\/aktuell\/agenturen\/pages\/protected\/Weltkarriere-Edeka-Flaneur-Friedrich-Liechtenstein-erobert-Amerika_119412.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">auch mal stolz<\/a> sein kann. Doch der Betrachtungswinkel ist zu flach eingestellt und h\u00e4ngt an der Oberfl\u00e4che, denn die Frage, ob EDEKA mit der Kampagne tats\u00e4chlich auch nur einen jungen Kunden (so die erkl\u00e4rte Zielgruppe) zum Griff ins Regal mit den Eigenmarken bewegen kann, wird \u00f6ffentlich erst gar nicht gestellt. Und ein H\u00e4kchen hinter den Terminus &#8222;Erfolg&#8220; gibt es erst, wenn der Azubi tats\u00e4chlich den Umweg in Kauf nimmt und am Aldi vorbeil\u00e4uft, um im Super-Supermarkt EDEKA endlich sein Portemonnaie zu rocken. Bislang hei\u00dft der absolute Gewinner des Friedrich Liechtenstein-Videos &#8222;Friedrich Liechtenstein&#8220; und der Sp\u00e4tsommer wird zeigen, ob es tats\u00e4chlich ausreicht, Produkte mit dem Adjektiv &#8222;super&#8220; auszustatten und es dabei zu belassen. Dann n\u00e4mlich wird Amazon mit frischen Lebensmittel <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/amazon-will-handel-mit-lebensmitteln-aufmischen-a-954572.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">den station\u00e4ren Handel angreifen<\/a>.<\/p>\n<p>Social Media sind Werkzeuge. Das Mindset aber bestimmt das Produkt, manchmal der Preis. Social Medians sind Community-Architekten, Vertrauensagenten, die an der Produktnadel h\u00e4ngen. Denn wenn das Zentrum instabil, also untauglich, ist, f\u00fchrt jede noch so ausgefeilte Markenstrategie ins Leere. Und gerade wir Deutschen sind Meister darin, alles zu hinterfragen, zu justieren und zu optimieren \u2013 nur nicht das Produkt.<\/p>\n<h4>Was ist ein gutes Produkt?<\/h4>\n<p>Die Antwort auf die Frage &#8222;Was zum Teufel macht eigentlich ein gutes Produkt aus?!&#8220; ist dreifach zu beantworten, wobei alle drei Faktoren unterschiedlich gewichtet sein k\u00f6nnen, jedoch nie auch nur ein Element fehlen darf. Und so wird etwas zu einem guten Produkt,<\/p>\n<ol>\n<li>weil es ein Problem l\u00f6st.<\/li>\n<li>weil es funktioniert.<\/li>\n<li>weil es ein Erlebnis ist.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wenn ein Produkt trotz ausgefeiltem Kommunikationsplan nicht z\u00fcndet, liegt es oft daran, dass es entweder Probleme l\u00f6st, die niemand hat, es unzuverl\u00e4ssig ist oder dem Kunden nicht das Gef\u00fchl gibt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Als w\u00e4re das alles nicht schwierig genug, m\u00fcssen diese drei Fragen das Produkt immer wieder in den Pr\u00fcfstand rufen. <a href=\"http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/content\/_p=1004199,mlid=1336\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Variety seeking<\/a>, Sie verstehen&#8230; Verdeutlichen wir das Zusammenspiel zwischen Produkt und Kommunikation an einem Beispiel.<\/p>\n<h4>Nur richtiger Urlaub ist teurer<\/h4>\n<p>Was f\u00fcr Deppen geben eigentlich sechs Euro f\u00fcr einen Kaffee aus und gehen zu Starbucks? Nun, genau solche Leute, die einen Sinn f\u00fcr sich darin sehen. Dass der eigentliche Kaffee dabei eine eher periphere Rolle spielt, beweisen bis heute unz\u00e4hlige Blindtests, wie zum Beispiel auch dieser hier von Jimmy Kimmel:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/HxlGI4OzeBk?rel=0\" height=\"480\" width=\"853\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p>Also noch einmal: Warum zahlt jemand angesichts geschmacklicher Indifferenz freiwillig mehr f\u00fcr Kaffee als f\u00fcr Druckertinte? Gruppendruck? Mangel von Alternativen? Geistige Beschr\u00e4nktheit? Nein, die Antwort ist ziemlich einfach: Weil sie sich zum Preis von gerade einmal sechs Euro f\u00fcr einige Minuten in den Urlaub verabschieden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Alltag ist trist, grau und hektisch. Die Starbucks-Markenarchitekten setzen dem einen Boxenstopp des entspannten Vergessens entgegen. Die Hookline ist &#8222;Kaffee&#8220;, was aber die Leute aber mit ihrem Becher tats\u00e4chlich kaufen, ist eine Auszeit, die Starbucks mit allen Mitteln des Neuromarketings inszeniert: &#8222;Die W\u00f6rter <em>casi cielo<\/em> bedeuten: fast (wie der) Himmel&#8220;, ist in einer <a href=\"http:\/\/www.starbucks.de\/coffee\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bohnenbeschreibung<\/a> zu lesen. Andere Sorten hei\u00dfen Aged Sumatra, Papua New Guinea, Sun-Dried Ethiopia und Colombia. Dazu kommt ein perfektes Raum-Storytelling, das in einer Liga mit dem der Apple Stores oder Abercrombie &amp; Fitch spielt. Es ist ruhig, der Mitarbeiter freundlich und pers\u00f6nlich, die duftende Atmosph\u00e4re ged\u00e4mpft \u2013 genauso wie das Licht und der Ton. Flickr und Instagram quellen \u00fcber von Starbucks-Fotos. Es sind Reisepostkarten an die Daheimgebliebenen. Warum sieht man so viele Hipsters mit MacBook Airs auf den Sesseln und Sofas l\u00fcmmeln? Weil sie sagen: &#8222;Schau, ich kann es mir leisten, im Paradies zu arbeiten.&#8220; Starbucks-Kunden zahlen f\u00fcr diese Erlebniswelt; auch, wenn es die meisten nicht einmal wissen.<\/p>\n<h4>Mehr Facebook-Reichweite als Spiegel Online<\/h4>\n<p>Starbucks hat heute mehr <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/StarbucksDeutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">deutsche Fans auf Facebook<\/a> als Spiegel Online. Oder &#8222;Stern&#8220;, &#8222;Focus&#8220;, &#8222;Frankfurter Allgemeine Zeitung&#8220; und &#8222;Die Welt&#8220; zusammengerechnet. Man stelle sich vor, Medien w\u00fcrden auch mal auf die Idee kommen, in die User Experience zu investieren! Der Grund, weshalb Kunden sich freiwillig mit Unternehmen wie Starbucks vernetzen, besteht zum einen in der Hoffnung auf Coupons und zum anderen darin, das Erlebnis am heimischen oder mobilen Display zu reproduzieren. Jedes gelesene Posting ist ein St\u00fcck W\u00fcrfelzucker, das direkt ins Belohnungszentrum weitergereicht wird. Kunden lesen keine Werbung. Sie lesen das, was sie interessiert. Und manchmal ist es Werbung. Anders ausgedr\u00fcckt: <a href=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2014\/02\/kein-like-button-macht-ein-produkt-besser\/\">Kein Like-Button macht ein Produkt besser.<\/a> Das Produkt muss die tragende S\u00e4ule jeder Strategie sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6073\" alt=\"Nicola since 1972 (CC BY 2.0)\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/starbucks2.jpg\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/starbucks2.jpg 1024w, https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/starbucks2-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/starbucks2-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Machen wir also den Produktcheck:<\/p>\n<p><strong>Starbucks l\u00f6st Probleme.<\/strong><br \/>\nBeim Blick in die verzerrten Stressgesichter von B\u00fcroarbeitern und Shoppern haben unzweifelhaft alle eine Pause verdient. Jeder kann eine Auszeit gebrauchen.<\/p>\n<p><strong>Starbucks funktioniert.<\/strong><br \/>\nDer Oasenbesuch l\u00e4uft reibungslos ab. Der Kaffee ist ertr\u00e4glich und \u2013 hey! \u2013 der Typ hinter dem Tresen kennt sogar meinen Namen!<\/p>\n<p><strong>Starbucks ist ein Erlebnis.<br \/>\n<\/strong>Ohja. Und f\u00fcr sechs Euro kann ich nicht mal mit Rainbowtours nach Lloret de Mar fahren!<\/p>\n<p>Gut gemacht, kann <a href=\"http:\/\/www.hemdundhoodie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">holistisches Digital Social Marketing<\/a> erfolgreich zur beitragen, das Produkt weiter an die Bed\u00fcrfnisse anzupassen, Funktionsabl\u00e4ufe zu optimieren und den Kunden eine Best\u00e4tigung vermitteln, dass sie eine gute Entscheidung getroffen haben oder treffen werden. Hierzulande verharrt Social Media Marketing aber eben auch im Jahr 2014 noch zu lange beim letzten Punkt: verf\u00fchren, \u00fcberreden, bekehren. Das ist das h\u00e4ufigste Thema und auch der Grund, weshalb die hiesige Szene in der Selbstreflexion verhaftet ist. Das eigentliche Produkt taucht in den aktuellen Debatten kaum auf. Warum hat EDEKA kein spezifisches Produktsortiment f\u00fcr junge Leute, wenn sie diese ins Visier nehmen? Warum kann ich f\u00fcr meinen ersten Singlehaushalt nur Fritten im anderthalb Pfund-Beutel kaufen? Wieso erkl\u00e4rt ihr nicht schon am Regal, warum ich als Sechzehnj\u00e4hriger kein Bacardi kaufen darf? Wieso gibt es keine vordefinierten Azubi-Fresspakete f\u00fcr die Mittagspausen? Wieso macht ihr am Samstag schon so fr\u00fch dicht? Wieso liefert ihr nicht?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/produktdefinition2.png\" alt=\"produktdefinition\" width=\"950\" height=\"864\" class=\"alignleft size-full wp-image-6184\" srcset=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/produktdefinition2.png 950w, https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/produktdefinition2-300x273.png 300w, https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/produktdefinition2-768x698.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><\/p>\n<p>Es w\u00e4re dem Land, der Wirtschaft und den Kunden zu w\u00fcnschen, dass das Social Web k\u00fcnftig <em>der<\/em> Katalysator f\u00fcr Change Management auf Produkt- und Unternehmensebene wird. Dazu m\u00fcssen Community Manager aber n\u00e4her an das Produkt und Produktmanager n\u00e4her an die Community r\u00fccken. Also, worauf wartet ihr?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Foto 1: <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/_fabrizio_\/8125317313\/sizes\/o\/in\/photostream\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Flickr<\/a>: Fabrizio Sciami (CC BY-SA 2.0)<br \/>\nFoto 2: <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/15216811@N06\/6067028560\/sizes\/l\/in\/photostream\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Flickr<\/a>: Nicola since 1972 (CC BY 2.0)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2014 ist anders, ein wenig zumindest. Der hei\u00dfe Schei\u00df des Jahres ist Content-Marketing und hier speziell: Storytelling. 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