{"id":6345,"date":"2014-06-11T11:29:11","date_gmt":"2014-06-11T10:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=6345"},"modified":"2019-03-28T20:57:36","modified_gmt":"2019-03-28T19:57:36","slug":"ueber-das-lauter-werdende-mimimi-der-wirtschaft-1-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2014\/06\/ueber-das-lauter-werdende-mimimi-der-wirtschaft-1-0\/","title":{"rendered":"\u00dcber das lauter werdende Mimimi der Wirtschaft 1.0"},"content":{"rendered":"<p>2014 ist scheint das Jahr des endg\u00fcltigen Erwachens f\u00fcr viele alte Branchen zu werden. Es regt sich etwas, wenn auch erst einmal nur Widerstand. Traditionelle Gesch\u00e4ftsmodelle werden \u00fcberrannt, die Hotelies motzen, die Taxifahrer demonstrieren \u2013 vom station\u00e4ren Einzelhandel ganz zu schweigen. Da hatte man m\u00fchselig und jahrelang das Internet und seine Entwicklungen ignoriert und dann kommt es doch um die Ecke und bei\u00dft einem in den Hintern!<\/p>\n<p>Bibliotheken, Videotheken im Besonderen und die Medien im Allgemeinen bekamen es als erste zu sp\u00fcren. Schon vor Jahren hatte das Netz begonnen, mit lautem Schmatzen ihre Marktanteile zu verspeisen und dennoch hatte es verdammt lange gedauert, bis es ein Umdenken gab. Aus dem <i>Feind Internet<\/i> wurde ein <i>Freund Internet<\/i>; vielleicht nicht gerade der beste Kumpel, aber immerhin kann man es heute einige Zeit im selben Raum aushalten. Medienanbieter haben angesichts der Ausweglosigkeit die Funktionsweisen des Netzes adaptiert und sind derzeit dabei, das Beste daraus zu machen. Gut so.<\/p>\n<h3><b>Der Real-Life-Roundhouse-Kick ins Gesicht<\/b><\/h3>\n<p>Doof nur, dass das Netz noch lange nicht satt ist. Unternehmen der einstigen Offline-Welt bekommen gerade den Real-Life-Roundhouse-Kick ins Gesicht \u2013 direkt aus dem Internet, live und in Farbe und vor allem immer mobiler. Die Hotelverb\u00e4nde <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/aktuell\/hotelbuchungsportale-versus-hotels-kampf-um-den-bestpreis-a-968510.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">st\u00f6hnen unter dem Konkurrenzdruck<\/a> aus dem Netz, da immer mehr Nutzer ihre Zimmer online bei Vergleichsportalen bestellen. Die Folge? Hotels sind nicht nur gezwungen, fette Provisionen zu zahlen, sondern m\u00fcssen gleichzeitig auch den Preiskampf \u00fcberstehen. Achja, und dann wollen die Kunden auch noch gescheite Unterk\u00fcnfte!<\/p>\n<p>Diese Krise des Hotelgewerbes ist ebenso beispielhaft wie hausgemacht und in erster Linie dem Wahn der totalen Markenkontrolle geschuldet. Als die ersten Nutzer durchblicken lie\u00dfen, dass zum Beispiel Bewertungen f\u00fcr Unterk\u00fcnfte doch eine tolle Sache seien, machten die Hoteliers umgehend dicht. Auf den Websites durften Nutzer Preise checken und Zimmer buchen \u2013 und wenn sie Gl\u00fcck hatten, sich noch Bilder der Anlagen anschauen, die irgendein Praktikant vor Jahren schoss; damals, als gerade die Fassade neu get\u00fcncht worden war. Feedback geben oder gar \u00f6ffentliche Reviews? Um Gottes Willen! Entweder trauten sie nicht der Ehrlichkeit der Nutzer oder aber der Tauglichkeit der eigenen Produkte, jedenfalls verloren die Hotels dieses Match an Trip Advisor, HolidayCheck und Co.: Unternehmen, die es vor wenigen Jahren noch \u00fcberhaupt nicht gab, doch den <a href=\"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2013\/12\/social-media-2014-auf-dich-liebe-transparenz\/\">Kundenwunsch nach Transparenz<\/a> nicht nur respektierten, sondern f\u00f6rderten. Und das Gesch\u00e4ft floriert. Wer ist so doof und bucht heutzutage direkt auf einer Hotelseite, wo jeglicher Vergleich fehlt? Viele Unternehmen der Branche erlauben bis heute keine Rezensionen, stattdessen werden wir Zeuge trotziger Reaktionen: Mosern, Meckern und der (gegl\u00fcckte) Ruf nach Mehrwertsteuersenkungen als Subventionsmittel, um die n\u00e4chsten Jahre irgendwie durchzukommen.<\/p>\n<h3><b>Revierverteidigung statt Kundenorientierung<\/b><\/h3>\n<p>Bei den Taxis ist es ganz \u00e4hnlich. Was hat sich die Branche gedacht? Dass auch im Jahr 2020 Menschen auf die Stra\u00dfen gehen und &#8222;Droschke&#8220; rufen, wenn wieder mal ein Taxifahrer abwinkend vorbeirauscht? Dass es in Zeiten des Internet der Dinge noch immer auf Quittungsbelegb\u00f6gen mit Durchschlagpapier ankommt? Dass Nutzer st\u00e4ndige Besetztzeichen beim Taxiruf akzeptieren? Offenbar schon, denn sonst g\u00e4be es derzeit nicht die <a href=\"http:\/\/www.br.de\/nachrichten\/tagesschau\/tagesschau-news-2438.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stra\u00dfenschlachten der Revierverteidigung<\/a> gegen Marktgaloppierer wie MyTaxi und Uber.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich \u00e4ndert sich die Welt und damit auch Bed\u00fcrfnis und die Anspruch der Kunden, die \u2013 aus Mangel an Alternativen \u2013 eben eigene L\u00f6sungen schaffen und manchmal sogar so erfolgreich, dass sich damit Geld machen l\u00e4sst. Ich fahre ziemlich viel Taxi und danke Gott jeden Tag, dass aus Startup-Ideen Realit\u00e4t geworden ist. &#8222;MyTaxi ist schlecht, viel zu teuer, aber was will man machen?&#8220; \u2013 &#8222;Zum Beispiel Ihren Boss fragen, warum er nicht schon vor Jahren auf die Idee gekommen ist, immerhin ist er aus der Branche.&#8220;<\/p>\n<h3><b>Keine Gnade &#8211; nur Innovationen<\/b><\/h3>\n<p>Die Entwicklungen beschleunigen sich immer weiter und derzeit ist kaum abzusehen, welche Wirtschaftszweige vom digitalen Einfluss \u00fcberhaupt unber\u00fchrt bleiben. Aber eines ist sicher: Das Internet schiebt schon heute Traditionsbranchen wie totes Ger\u00f6ll vor sich her, ziemlich respekt- und gnadenlos \u2013 aber so ist es nun einmal. Kein Unternehmen kann es sich leisten, sich auf einen etablierten Erfolg auszuruhen, alles geh\u00f6rt immer wieder auf den Pr\u00fcfstand. Um der Digitalisierung standzuhalten, m\u00fcssen sie selbst wieder zum Startup werden und ihre Dienste und Produkte neu erfinden: &#8222;Passt das noch oder kann das weg? Schei\u00df auf den Analysten, was w\u00fcrde der Kunde dazu sagen? K\u00f6nnen wir <i>noch<\/i> einen Schritt weitergehen?&#8220;<\/p>\n<p>Es klingt hart, weil es in erster Linie die einfachen Hotelangestellten oder Taxifahrer trifft, die ja nun wirklich nichts daf\u00fcr k\u00f6nnen. Aber jede Branche, die es nicht schafft, sich immer wieder selbst zu innovieren, muss mit den verdienten Folgen leben. Bis heute wurden rund 1.500 Dinosaurierarten entdeckt. Einige haben sich weiterentwickelt und sind heute noch sehr lebendig. Der Rest ist ausgestorben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2014 ist scheint das Jahr des endg\u00fcltigen Erwachens f\u00fcr viele alte Branchen zu werden. Es regt sich etwas, wenn auch erst einmal nur Widerstand. 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