{"id":7659,"date":"2019-10-29T13:22:42","date_gmt":"2019-10-29T12:22:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/?p=7659"},"modified":"2019-10-30T14:10:47","modified_gmt":"2019-10-30T13:10:47","slug":"fck-afd-aber-auch-wtf-mitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avatter.de\/wordpress\/2019\/10\/fck-afd-aber-auch-wtf-mitte\/","title":{"rendered":"FCK AfD! <br> Aber auch: WTF Mitte!"},"content":{"rendered":"<p>Seit der Wahl in Th\u00fcringen sind einige Tage vergangen. Ich halte die Emp\u00f6rung und den gesellschaftlichen Kampf gegen Rechts f\u00fcr v\u00f6llig gerechtfertigt und unterst\u00fctzenswert. Ebenso die harte Ausgrenzung der AfD. Was aber wirklich fehlt, ist die Diskussion, wie es so weit kommen konnte. Was treibt die W\u00e4hler an die R\u00e4nder?<\/p>\n<p>Und die Ursache sehe ich vor allem in der Politik der kleinteiligen Mutlosigkeit des vergangenen Jahrzehnts. Egal, in welchen Sektor und welche Verwaltunsgebene wir schauen, wir finden \u00fcberall nur schwache Kompromisse vor, die parteitaktisch um den kleinsten gemeinsamen Nenner kreisen und sich immer weiter von der Realit\u00e4t entfernen. St\u00e4ndig wird versucht, die letzten verblieben Justierschrauben eines Systems zu bedienen, das sich schon lange \u00fcberlebt hat. Wir peitschen jetzt mal ein paar Entwicklungen in einem sicherlich \u00fcberspitzen Schnelldurchlauf durch\u2026<\/p>\n<h1>Digitales und Klima<\/h1>\n<p>Etwa in der Digitalisierung. In vielen anderen L\u00e4ndern schafft sie massive Wettbewerbsvorteile, doch in Deutschland hat sie noch <a href=\"https:\/\/de.reuters.com\/article\/deutschland-digitalisierung-bitkom-idDEKBN1X70DI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">nicht einmal ansatzweise<\/a> Einzug gehalten: Die Wirtschaft z\u00f6gert, die Verwaltung <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2019\/innenministerium-will-dauerbaustelle-digitale-verwaltung-angehen\/\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">verzweifelt<\/a> an der <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Microsoft-Europaeische-Staats-Cloud-Gaia-X-wird-nicht-erfolgreich-sein-4570976.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">eigenen Inkompetenz<\/a> und der B\u00fcrger bekommt davon noch nicht einmal etwas mit, weil er entweder im Funkloch sitzt oder der <a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/kupferrepublik-deutschland-steht-1176219\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nachkriegsklingeldraht<\/a> zuhause wieder streikt. Die Gesellschaft braucht ein schnelles Netz mit fl\u00e4chendeckendem Ausbau, modernisierte, digitale Prozesse in Wirtschaft und Verwaltung und eine personell und technisch gut ausgestatte P\u00e4dagogik, die k\u00fcnftige Generationen fit f\u00fcr den unumkehrbaren Wandel macht. Wir bekommen seit einem Jahrzehnt leere Versprechen und seit Anfang der Legislaturperiode auch noch das <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/article213638425\/Flugtaxi-statt-Breitband-Dorothee-Baers-digitale-Vision.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Luftschloss der Lufttaxis<\/a> verkauft, die bestimmt irgendwann eine Rolle spielen werden. Aber in Zeiten, in denen wir noch immer Briefmarken mit Speichel benetzen m\u00fcssen, um mit dem Amt zu kommunizieren, sind sie nicht das dringlichste Problem.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Beh\u00f6rde m\u00f6chte eine ausgedruckte, postalisch zugesandte Startseite meines Blogs als Beleg, dass die Webseite existiere.<\/p>\n<p>Ich habe keine Fragen mehr zum Thema Digitalisierung. <\/p>\n<p>Ich bin ein Fragezeichen.<\/p>\n<p>&mdash; Kerstin Neumann (@chaoshoch2) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/chaoshoch2\/status\/1167767909394989057?ref_src=twsrc%5Etfw\">August 31, 2019<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Die Klimapolitik des vergangenen Jahrzehnts war nicht existent. Es gab keine. Erst nachdem Hunderttausende Menschen laut auf die Stra\u00dfe gingen, zeigte sich Bewegung in Berlin. Das Ergebnis war das &#8222;Klimapaket&#8220;, das nicht einmal diesen Namen verdient. Informierte, Aktivisten und Wissenschaftler waren gleicherma\u00dfen <a href=\"https:\/\/www.scientists4future.org\/infomaterial\/infos-fuer-medienschaffende\/scientists-for-future-zum-klimapaket\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">entsetzt<\/a>, als die Ergebnisse pr\u00e4sentiert wurden, denn die beschlossenen Ma\u00dfnahmen reichen nicht einmal ansatzweise aus. S\u00e4mtliche durch die Regierung selbst gesteckten Ziele werden <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/klimapaket-wirkt-zu-langsam-deutschland-wird-laut-studie-klimaziel-fuer-2020-erst-2025-erreichen\/25164850.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">absehbar verfehlt<\/a> \u2014 oder wurden gleich in ihrer <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/klimapaket-der-groko-angaben-zu-co2-einspareffekt-gestrichen-a-1288874.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Transparenz einkassiert<\/a>, damit das Versagen nicht ganz so deutliche zu Tage treten wird. Es ist zum Heulen.<\/p>\n<h1>Verkehr und Wohnen<\/h1>\n<p>Springen wir zum Verkehr: Ein Bundesminister, der munter <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/millionentrick-scheuer-soll-pkw-mautkosten-verschleiert-haben,Rfbasgx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Millionen an Steuergeldern<\/a> f\u00fcr Bierzeltideen verprasst, Diesel-Subventionen und Fahrradstra\u00dfen, die gleichzeitig f\u00fcr den Autoverkehr freigegeben werden. Die Automobilindustrie <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/drei-jahre-dieselskandal-ein-technischer-jahrhundertbetrug.724.de.html?dram:article_id=428346\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">betr\u00fcgt in Flie\u00dfbandarbeit<\/a>, beschei\u00dft die Umwelt ebenso wie die Kunden \u2014 doch es gibt keine echten Konsequenzen der Politik. Daf\u00fcr einen Lobbyismus, dessen Einfluss offenbar gr\u00f6\u00dfer als derjenige der Gesellschaft ist. Oder die E-Scooter, die als hippes und sicherlich auch n\u00fctzliches Verkehrsmittel einfach in das bisherige Chaos der \u00fcberf\u00fcllten Stra\u00dfen <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/auto\/aktuell\/e-scooter-mit-gehwegverboten-und-roten-zonen-gegen-das-chaos-a-1281999.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ged\u00fcbelt wurden<\/a>, ohne zuvor auch nur einen Gedanken daran verschwendet zu haben, dass vielleicht gleichzeitig andere Verkehrsmittel eingeschr\u00e4nkt werden m\u00fcssen. Wir diskutieren \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/faktenfinder\/luftverschmutzung-137.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Standorte der Feinstaubmesser<\/a>, w\u00e4hrend allen klar ist, dass die r\u00f6hrenden St\u00e4dte \u2014 und vor allem die betroffenen Wohnstra\u00dfen \u2014 verpestete Gebiete sind, in denen der motorisierte Individualverkehr \u00fcber die Gesundheit der Anwohner gestellt wird. &#8222;Ich diesel solange ich will!&#8220; \u2014 &#8222;Ja? Auch, wenn du in der Hauptstra\u00dfe 438b wohnst und dein Wohnzimmer einen unverbaubaren Blick auf die Vierspurige hat?&#8220; Wir brauchen ein komplettes Umdenken in der (gerade auch urbanen) Mobilit\u00e4t des 21. Jahrhunderts. Wir bekommen einen Kuchen aus Schei\u00dfe. Aber daf\u00fcr stecken Z\u00fcndkerzen drin.<\/p>\n<p>Wo wir schon beim Wohnen sind: Es gibt bis heute kein Rezept gegen den Wohnungsmangel. Durch die Infrastrukturapokalypse auf dem Land <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/deutschland-die-extreme-landflucht-der-jungen-und-ihre-gruende-a-1292981.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zogen viele D\u00f6rfler in die Stadt<\/a>, wo es nun ein blutiges <a href=\"https:\/\/news.immowelt.de\/n\/3618-10-jahresvergleich-mieten-in-deutschen-grossstaedten-explodieren.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hauen und Stechen<\/a> um den letzten verbliebenen Wohnraum gibt. Die klammen Kommunen verscherbelten vor Jahren ihr Tafelsilber, indem sie ihre Sozialbauten zu Spottpreisen an private Immobilieninvestoren verh\u00f6kerten. Und sie nun teuer mit Steuergeldern zur\u00fcckkaufen. Der Mietendeckel ist keine L\u00f6sung, sondern eine zeitlich befristete Verschnaufpause. Und die Mietpreisbremse ist bislang ein <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/finanzen\/immobilien\/article164944217\/Darum-laesst-sich-die-Mietpreis-Explosion-nicht-aufhalten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zahnloser Tiger<\/a>. Absurd: Dieselben Leute, die Kritiker des staatlichen Eingreifens sind und vor Sozialismus warnen, sind oft dieselben, die f\u00fcr mehr Wohngeld pl\u00e4dieren: eine Finanzspritze, die den hei\u00df gelaufenen Wohnungsmarkt, der \u00fcberhaupt nicht mehr nach den Regeln von Angebot und Nachfrage funktioniert, aus den Angeln hebt und die Immobilienwirtschaft <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/avatter\/posts\/2142643375745746\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">k\u00fcnstlich subventioniert<\/a>. Besitz? Wer sich heute in den gro\u00dfen St\u00e4dten in einer abgeranzten Gegend eine 45qm-Wohnung zur Altersvorsorge kaufen m\u00f6chte, muss dasselbe Geld aufbringen, das er in vierzig Jahren an Miete zahlen m\u00fcsste, also h\u00e4ufig bis zum Tod. Beim Bau gibt es nun oben drauf das Baukindergeld, das die Immobilienpreise als <a href=\"https:\/\/www.haz.de\/Nachrichten\/Politik\/Deutschland-Welt\/Baukindergeld-fuehrt-zu-Mitnahmeeffekten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mitnahmeeffekt<\/a> wachsen l\u00e4sst.<\/p>\n<h1>Das Landleben<\/h1>\n<p>\u00dcber das Land brauchen wir gar nicht erst zu sprechen, denn dort wohnt kaum jemand mehr. Kein Arzt, keine Post, kein Netz, kein Nahverkehr. Jahrzehntelang haben Regierungen <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/swr\/player\/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTgyMDE5MjgxLTQ3NDYtNGNhZi1iNmYwLThiODdkZWJiYzk5MQ\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die D\u00f6rfer vergessen<\/a> und das Ergebnis gibt es nicht nur in der Provinz zu bestaunen, sondern es reicht bis an die Peripherie der Metropolen. <\/p>\n<p>Die Landwirtschaft st\u00f6hnt, wird beliebig quersubventioniert, leidet unter einer \u00fcberm\u00e4chtigen Globalisierung. Die Bauern <a href=\"https:\/\/landschafftverbindung.de\/was-wir-wollen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kritisieren zurecht<\/a>, dass die B\u00fcrokratie durch die Decke geht und gleichzeitig ihre Wertsch\u00e4tzung in der \u00d6ffentlichkeit sinkt. In Umfragen wird regelm\u00e4\u00dfig die Bio-Freundlichkeit der Deutschen hervorgehoben. Wenn aber der H\u00e4hnchenschenkel vom gl\u00fccklichen Huhn <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/odysso\/fleischgenuss-ohne-gewissensbisse\/-\/id=1046894\/did=21297320\/nid=1046894\/o2xuxt\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mit zw\u00f6lf Euro<\/a> an der Kasse zu Buche schl\u00e4gt, ist es mit der Euphorie schnell vorbei. Also nehmen die Bauern weiter die bew\u00e4hrten und politisch legitimierten Abk\u00fcrzungen, setzen auf Nitrat, Glyphosat und stellen das Tierwohl hinten an. Wir verlieren alle.<\/p>\n<p>Die Antwort der Politik, umgeben von Umweltsch\u00e4den, Lebensmittelskandalen und Legebatterien, f\u00e4llt denkbar knapp aus. Anstatt die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/nottoetungen-in-der-schweinemast-qual-fuer-den-profit-a-1290250.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">au\u00dfer Kontrolle geratene<\/a> Massentierhaltung endlich in den Blick zu nehmen, l\u00e4sst Frau Kl\u00f6ckner <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/tierwohllabel-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">jahrelang eruieren<\/a>, ob ein 1,50 oder doch eher 1,40 Quadratmeter gro\u00dfer K\u00e4fig zum Einpferchen eines Schweins ausreicht. Gleichzeitig erkl\u00e4rt sie ihre Vorschl\u00e4ge f\u00fcr nicht-obligatorisch und l\u00e4sst sich dann anschlie\u00dfend daf\u00fcr in der eigenen Ministeriumspresse feiern. Die tats\u00e4chliche Debatte, n\u00e4mlich wie die Ern\u00e4hrung einer wachsenden Gesellschaft im 21. Jahrhundert sauber und nachhaltig zu l\u00f6sen ist, wird erst gar nicht angeschnitten. So geht es jedenfalls nicht weiter.<\/p>\n<h1>Arbeit und Migration<\/h1>\n<p>Kommen wir zur Arbeitspolitik: Vom Mindestlohn kann man nicht leben und nicht sterben und so l\u00f6blich seine Einf\u00fchrung war, so wenig ist er eine nachhaltige Antwort auf die strukturwandelnde Kraft der Digitalisierung in der Wirtschaft. Er ist Symptombek\u00e4mpfung. Alternative Modelle, wie das bedingungslose Grundeinkommen oder die Besteuerung von Robotern, werden nicht ernsthaft diskutiert. Hartz 4, das nach s\u00e4mtlichen Erfahrungswerten der betroffenen Teile der Gesellschaft <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/70-jahre-gg-menschenwuerde-art-1-abs-1-hartz-iv-kuerzungen-verfassungsgemaess-bverfg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gegen Artikel 1 des Grundgesetzes<\/a> verst\u00f6\u00dft, sollte laut Ank\u00fcndigung abgeschafft werden. Passiert ist bis heute nichts. Es gibt nicht einmal im Ansatz neue Alternativen f\u00fcr das bislang menschenfeindlichste Projekt des vielgelobten Sozialstaats. Azubis sollen neuerdings mindestens 515 Euro im Monat bekommen, das ist gut! Doch wer f\u00fcr die Arbeit in die Stadt ziehen muss, kann damit vielleicht gerade <a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/neuer-mindestlohn-fuer-azubis-1164014\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">seine Miete<\/a> bezahlen. Das ganze Rentensystem, v\u00f6llig abgekoppelt von der Realit\u00e4t des demographischen Wandels, wird endlich angepackt! Doch was <a href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/deutschland\/rente-kommission-schliesst-hoeheres-eintrittsalter-nicht-aus-a-1211486.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">nach 2025<\/a> in einem Land passiert, in dem die Jungen immer weniger und die Alten immer mehr werden, wei\u00df bis heute kein Mensch. Die private Altersvorsorge, so sagt man, sei der Schl\u00fcssel! Doch was in der Theorie gut klingt, k\u00f6nnen sich <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2016-05\/altersarmut-deutschland-politik-medien-armut-panik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in der Praxis<\/a> kaum noch Menschen leisten. Und selbst wenn, pfeift die Pflege in Deutschland aus dem letzten Loch.<\/p>\n<p>Ja, und wir k\u00f6nnen auch gerne \u00fcber die Migrationspolitik reden: eine wichtige Angelegenheit und eine humanit\u00e4re Pflicht, die ausnahmsweise tats\u00e4chlich einmal alternativlos war. Aber nicht in der erlebten Form. Und hier denke ich vor allem an die Anf\u00e4nge 2015, als ich den Korb mit Altkleidern im Hilfszentrum abgab und mir die ehrenamtliche Helferin sagte: &#8222;Wir wissen nicht, wer noch kommt, was noch wird. Wir wissen nur, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2015\/38\/fluechtlinge-hamburg-unterkunft-ueberforderung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dass wir fertig und alleine sind<\/a>.&#8220; Das war zur selben Zeit, als Merkel ihr selbstloses &#8222;Wir schaffen das!&#8220; in den Raum warf. Es gab nicht den Hauch einer Struktur: f\u00fcr ein Land, das einst die ausufernde B\u00fcrokratie erfand, ein Armutszeugnis. Daf\u00fcr gab es die BAMF-\u00dcberforderung und die schnell d\u00e4mmernde Einsicht eines jeden Viertkl\u00e4ssers, dass das Dublin-Verfahren ein <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2017-03\/europaeische-union-asylpolitik-fluechtlinge-griechenland-dublin-vertraege\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">unfairer Deal<\/a> ist, der selbstverst\u00e4ndlich das Zeug dazu hat, die europ\u00e4ischen Grenzl\u00e4nder demokratisch zu destabilisieren. Das alles l\u00e4sst sich \u00fcbrigens auch ganz ohne Hitlergru\u00df sauber kritisieren. Der Satz &#8222;Wir wissen nicht, wer noch kommt, was noch wird.&#8220; hat auch bald f\u00fcnf Jahre danach noch seine G\u00fcltigkeit. Eine L\u00f6sung ist nicht in Sicht. Nicht einmal eine gemeinsame Idee, geschweige denn auf europ\u00e4ischer Ebene.<\/p>\n<h1>Ein \u201eabgearbeiteter\u201c Koalitionsvertrag ist keine erfolgreiche Politik<\/h1>\n<p>Es wird herumgedoktert, es gibt Spinning, ein Spielen auf Zeit. Immer neue Kommissionen, Gipfel, R\u00e4te und Arbeitskreise. Es gibt Parteierfolge, vermeintlich schlechte Kommunikation, gro\u00dfe Auftritte, neue Vorst\u00e4nde und Generalsekret\u00e4re. Es gibt interne Konflikte, wiederkehrende Personaldebatten und emp\u00f6rte Tweets. <\/p>\n<p>Was es nicht gibt: Den Versuch, Deutschland fit f\u00fcr das 21. Jahrhundert zu machen. Ein &#8222;abgearbeiteter&#8220; Koalitionsvertrag ist keine erfolgreiche Politik und kein Grund, um eine Koalition fortzusetzen. Eine erfolgreiche Politik besteht darin, das Land endlich vorw\u00e4rts zu bringen und dabei alle mitzunehmen. Alle. In den Kritikpunkten oben ist f\u00fcr jeden etwas dabei: F\u00fcr den progressiven St\u00e4dter, f\u00fcr den abgeh\u00e4ngten Landbewohner, die Alleinerziehende, den Flie\u00dfbandarbeiter, die Rentnerin, f\u00fcr Kinder und Jugendliche. Die wenigsten von ihnen finden zufriedenstellende Antworten in der bisherigen Regierungsarbeit.<\/p>\n<p>Ich will keine Diskussion, in der es um einen halben oder Dreiviertel Rentenpunkt mehr geht. Ich will eine Strategie f\u00fcr den demographischen Wandel. Ich will keine Debatte \u00fcber mehr oder weniger Euro-5 oder Euro-6 in den St\u00e4dten. Ich will eine Antwort auf den weiter ausufernden Autoverkehr auf den Stra\u00dfen. Ein Tierwohllabel ist irrelevant, wenn selbst die h\u00f6chste Stufe daf\u00fcr steht, dass Genuss weiterhin nur Leid bedeutet. Vielversprechende Flugtaxi-Projekte sind mir egal, wenn ich in Europa die h\u00f6chsten Mobilfunkpreise bei dem schlechtesten Ausbau habe oder in Schulen die analoge Kreide knapp wird. Ein CO2-Tonnenpreis von zehn Euro hat keinen erzieherischen Effekt. FCKW wurde auch nicht langfristig verteuert, sondern verboten. Ich will keinen Mietendeckel, sondern eine vorausschauende Wohnpolitik und verantwortungsvolle Kommunen. Ich will eine Strategie, wie der Workflow der Integration in diesem Land ohne Reibung funktioniert.<\/p>\n<p>Ich kann ich die Wut und Frustration vieler B\u00fcrger in der Mitte verstehen, weil ich sie teile. Folgen wir der obigen Spur verbrannter Erde, muss das mittlere Spektrum heute sehr lange sondiert werden, um Parteiangebote zu finden, die \u00fcberzeugen. Doch ungel\u00f6ste Probleme setzen Zentrifugalkr\u00e4fte frei. Es fehlt die politische Heimat. Mir auch.<\/p>\n<p>Die Rechnung sieht nicht so einfach aus, dass das Versagen der Mitte automatisch der AfD die W\u00e4hler in die Arme treibt. Ein Kreuz bei Faschisten ist und bleibt unentschuldbar, selbst, wenn es im Protest geschieht. Ich kann hier auch keine Analyse f\u00fcr den AfD-W\u00e4hler durchf\u00fchren. Doch man darf vielleicht nicht zu \u00fcberrascht sein, wenn ein Arbeiter, der sich im gr\u00f6\u00dften Niedriglohnsektor Europas zusehends abgeh\u00e4ngt, unverstanden und machtlos f\u00fchlt, in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deprivation#Subjektive_Deprivation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">relativer Deprivation<\/a> nach links und rechts schaut, ob er dort jemanden findet, dem er in die Schnauze hauen kann, damit er seinem Empfinden nach nicht ganz am Ende der Nahrungskette steht. Ist er dann noch umgeben von demagogischen Marktschreiern, emotionalisierter Nazi-Propaganda im Netz und einer sich destabilisieren Medienwelt, kann sich der Magnetismus der R\u00e4nder verst\u00e4rken. Einfache Antworten auf komplexe Fragen. Die gegen wir. Das Gequatsche muss ein Ende haben: &#8222;Jawoll, bin dabei!&#8220;<\/p>\n<p>Wandel schmerzt. Doch es ist nach wie vor das beste Rezept, die Zukunft zu gestalten, anstatt ihr hinterherzulaufen. Das sollte m\u00f6glichst intelligent, manchmal pragmatisch und immer transparent geschehen. Die Gesellschaft braucht Orientierung, eine Richtung, in die es weitergeht. Es gibt auch nicht den Anspruch, die Welt vom einen auf den anderen Tag zu retten. Aber vielleicht doch angesichts des Makrobildes geeignete Ma\u00dfnahmen zu treffen, die Wohlstand, Gesundheit, Solidarit\u00e4t und das Klima sch\u00fctzen. Und zwar nachhaltig, unabh\u00e4ngig von Machtfragen, Parteitaktik und Legislaturperioden. Es ist sicherlich kompliziert. Sehr. Viele Perspektiven, die es zu ber\u00fccksichtigen gilt. Aber nicht alles ist Mist, es gibt gute Ideen und kluge K\u00f6pfe in der Mitte! Doch die m\u00fcssen geh\u00f6rt werden. Die L\u00f6sung kann nur aus gro\u00dfen W\u00fcrfen bestehen. Und aus Mut. Verdammt noch mal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Wahl in Th\u00fcringen sind einige Tage vergangen. Ich halte die Emp\u00f6rung und den gesellschaftlichen Kampf gegen Rechts f\u00fcr v\u00f6llig gerechtfertigt und unterst\u00fctzenswert. 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