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Google Instant: Neue Echtzeitsuche macht Enter-Taste überflüssig

By 8. September 2010 12 Comments

Die Aufregung hielt sich in Grenzen, war jedoch spürbar. Es ist etwas anderes, wenn Hardware-Schmieden lang erwartete Gerätschaften vom Band rollen lassen, doch ein neuer Dienst, der unsere alltägliche Suche vereinfachen soll – da wurden viele hellhörig. Google hatte in den vergangenen zwei Tagen bereits zarte Hinweise auf der Startseite gegeben: zwei Doodles, die sich je nach Mausbewegung oder Eingabe wandelten. Ein netter Vorbote.

Am Mittwochabend hat Google endlich die Katze aus dem Sack gelassen. Das Ergebnis lautet Google Instant (deutsche Infoseite) und es soll den selbst auferlegten Anspruch, dass Suche „spaßig, schnell und interaktiv“ sein soll, in die Realität umsetzen. So zumindest formulierte es Marissa Mayer, Vice President Search Product, auf der abendlichen Pressekonferenz. Nun, was also ist Google Instant?

Um es auf einen Satz herunterzubrechen: Mit dem neuen Feature schafft Google die Enter-Taste ab. Bereits bei der Eingabe werden nicht nur fünf Keyword-Vorschläge im Suchformular angezeigt. Nein, gleichzeitig passt sich komplett der Inhalt der Google-Seite an, so dass sich angezeigten Links in Echtzeit ändern. Mit der Tab-Taste kann der Nutzer dann von Suchvorschlag zu Suchvorschlag springen. Wer es lieber auf die herkömmliche Art mag, kann jedoch weiterhin alternativ die Return-Taste oder aber den Such-Button drücken und bekommt dann die Ergebnisse in gewohnter Form angezeigt.

Warum Google die Instant-Suche einführt hat? Für Meyer gibt es eigentlich nur einen ausschlaggebenden Grund: Geschwindigkeit. Google zeigt sich stolz, dass das Unternehmen seine Hausaufgaben gemacht habe: Die Server, welche die Suchanfragen abwickeln, wurden aufgemotzt, man arbeitet mit Netzwerkbetreibern an schnelleren Datenleitung (und misch selbst mit) und ein eigener Browser wurde gelauncht, um das Seiten-Rendering zu beschleunigen. Das einzig schwache Glied im Prozess der Suche ist und bleibt bis heute – so moniert Google – der Nutzer. Zum einen braucht er zuviel Zeit bei der Eingabe, zum anderen beim Sondieren der Ergebnisse. Google Instant soll den gesamten Ablauf nun um „zwei bis fünf Sekunden“ beschleunigen. Wenn man bedenkt, dass heutzutage pro Woche rund eine Milliarde Menschen bei Google vorbeischauen – ein happiger Brocken Zeit, der da global tatsächlich eingespart werden könnte.

Um Google Instant zu realisieren, musste die Suchmaschine in semantische Forschung investieren. Wie es der Zufall will, hat das Unternehmen gerade heute Google Scribe in den Labs vorgestellt, ein Tool, das bei der Erstellung von Fließtexten helfen soll, indem das jeweils nächste Wort vom System erraten und vorgeschlagen wird (übrigens eine tolle Sache für Wort-Kunststücke). Von den frühen „Meinten Sie vielleicht…?“-Hinweisen bis zum Echtzeit-Vorschlag ist es ein weiter Weg, wie am heutigen Tag wohl auch die kritischsten Sprachforscher einräumen müssen.

Nutzer, SEO und SEM – was ändert sich?

Das in der Demonstration vorgeführte Autocomplete machte einen reibungslosen Eindruck, Google Instant ist komplett in die bisherige Suche integriert. Dasselbe gilt für die sich wechselnden Ergebnisseiten. Hauptsächlich verdankt das Feature seine Performance dem AJAX-Unterbau, der bereits bei anderen Diensten (wie bei der ursprünglichen Autocomplete-Funktion oder bei Google Maps) zum Einsatz kommt und nun erstmals auch in der Realitime-Suche Verwendung findet. Als besonders praktisch könnte sich diese Eigenschaft im mobilen Bereich erweisen, wo man sich aus verständlichen Gründen vor exzessivem Tippen und Scrollen scheut. Laut Google soll die Instant-Suche für Handys bereits im Herbst in den Live-Betrieb gehen. Die Desktop-Variante wird in den Vereinigten Staaten heute live gehen, deutsche User müssen sich erwartungsgemäß noch „ein paar Wochen“ gedulden. Übrigens: Unterstützt werden zum Start nur die Browser Chrome, Firefox, Safari und IE 8 – Opera-Nutzer schauen vorerst in die Röhre.

Gut, damit sind die Nutzer zufrieden gestellt. Doch wie sieht es mit jenen aus, die Google-Ergebnisseiten als Werbeflächen nutzen? Google muss gewusst haben, dass AdWords-Kunden mit heftigen Bauchschmerzen bei der Präsentation reagieren würden, weshalb vorsorglich eine Info-Seite online geschaltet wurde, die jene Geschäftspartner allerdings nonchalant vor vollendete Tatsachen stellt:

Bei Suchen mit Google Instant werden
Anzeigenimpressionen in folgenden Fällen gezählt:

  • Der Nutzer beginnt mit der Eingabe einer Suchanfrage bei Google und klickt auf eine beliebige Stelle der Seite (Suchergebnis, Anzeige, Vorschlag der Rechtschreibprüfung, ähnliche Suchanfrage).
  • Der Nutzer entscheidet sich für eine bestimmte Suchanfrage, indem er auf die Schaltfläche Suche klickt, die Eingabetaste drückt oder eine der automatisch vervollständigten Suchanfragen auswählt.
  • Der Nutzer beendet die Eingabe und die Ergebnisse werden mindestens 3 Sekunden lang angezeigt.
  • Wir empfehlen Ihnen, die Leistung Ihrer Anzeigen wie gewöhnlich zu überwachen. Mit Google Instant kann sich die Gesamtzahl Ihrer Impressionen erhöhen oder verringern. Google Instant erhöht jedoch möglicherweise die Qualität der Klicks, da die Nutzer dabei unterstützt werden, in ihren Suchanfragen Begriffe zu verwenden, mit denen sie schneller die gesuchten Antworten finden. Dadurch könnte sich die Gesamtleistung der Kampagne verbessern.

Die SEO-Leute dürften nach einem kurzen Adrealinstoß hingegen erleichtert aufgeatmet haben: Das Ranking wird durch Google Instant nicht angefasst, verspricht Google zumindest. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass sich schon in Kürze das Suchverhalten der Nutzer radikal verändern wird. Man darf gespannt sein, welche Strategie der Optimierung künftig gefahren wird, denn SEO wird sich auf jeden Fall radikalisieren: Eine Echtzeitsuche schließt per defintionem die zweite Suchergebnisseite auf Google aus. Mehr darüber lässt sich bei Björn Sievers nachlesen.

About André Vatter

Leidenschaftlicher Social Median und Blogger aus Hamburg. Mehr erfahren.

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