Heveling-Nachlese: Wo sind die eigentlichen Brandstifter im “Kampf der Zivilisationen”?

1. Februar 2012  |  Social Media  |  No Comments  |  Share

Ansgar Heveling, der analoge Troll und Anti-Web-Demagoge, den man nur im Internet kennt, sitzt auf seiner Polemik. Und dort bleibt er sitzen. Wo soll er auch hin? Heveling prophezeit den High Noon inmitten einer zerrissenen Gesellschaft: Auf der einen Seite, der konservative Biedermann, der mit Pickelhaube auf dem Kopf im rustikalen Wohnzimmer bei Pils und Maggi-Suppe sitzt und Fernsehen schaut. Auf der anderen Seite der pubertierende Stimmbruch-Nerd, der mit Pickeln im Gesicht auf dem Boden seiner Single-Wohnung lümmelt, Chips und Cola in sich hineinschüttet und Katzenbilder auf Facebook teilt. Die letztgenannte Fraktion bezeichnet er auch als eine “verlorene Generation”, die diesen Zustand selbst zu verantworten hat. Den Kriegszustand zwischen beiden Parteien benennt er in US-Word-Dropping-Methode wiederum als “Clash of Civilizations” – ohne Probleme ist diese Vokabel der Politikwissenschaft auch als “Kampf der Zivilisationen” zu übersetzen.

Ich will nicht über Heveling sprechen, dem heimlichen Dschungelcamp-König der CDU, oder über seinen Ton und seine skurrilen Absichten. Sondern über sein Anliegen: den “Clash of Civilizations” – das klingt wüst, das klingt roh, das klingt unausweichlich. Zum Glück sind die Fronten ja geklärt: Die Spaltung geht mitten durch die Gesellschaft und eines Tages werden sich die zwei Gruppen mit Fackeln und Mistgabeln in den Straßen bekriegen. So zumindest lautet die Voraussagung des Ansgar-Orakels.

Genau das ist aber schon verkehrt. Dies wird kein Zweiparteienkrieg, sondern – mindestens – ein Vierparteienkrieg. Und jede Fraktion spielt dabei ihre ganz besondere Rolle und verlagert dementsprechend die Position der Scharmützel auf dem Schlachtfeld digitaler Medien. Weiterlesen

Chronologie einer Empörung: Twitter, der freiheitsraubende Zensurmeister (10 Phasen)

27. Januar 2012  |  Journalismus, Social Media  |  2 Comments  |  Share


 

Phase 1: Der Empörungsreflex
“FU, Twitter!” – Die erste Reaktion auf die Ankündigung ist komplette Entrüstung, die eine Tweet- und Hashtag-Flut vor sich herschwemmt. Verlinkt wird immer wieder dieselbe Handvoll Artikel. Der Himmel verdüstert sich, am Horizont grollt der Shitstorm.

Phase 2: Der Grabreflex
Im Fahrwasser der blinden Wut finden sich immer einige kluge Köpfe, die der Sache auf den Grund gehen – allerdings mit vordefinierter These im Kopf: “Warum zensiert Twitter?” wird dabei ersetzt durch “Deshalb ist Twitter böse!” Antwort: Der Dienst buckelt vor den Saudis. Es geht um Kohle und Twitter kriegt den Hals nicht voll genug.

Phase 3: Der Medienreflex
Medien berichten über den Shitstorm. Zunächst geht es nur um möglichst blumige Deskriptoren der Fetzerei unter Nerds. Dann auch um die Sache an sich. Damit wird der Protest nobilitiert und erhält seine Legitimation. Diese Botschaft nehmen die Aufständischen mit. Weiterlesen

iPads in Klassenzimmern: “Time to turn the Page”

19. Januar 2012  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  1 Comment  |  Share

There is no reason to assume today that kids need to use the same tools they used in 1950. To do so is to prepare them for a world that’s already passed. – Phil Schiller

Hoffentlich habe ich niemanden vergessen, doch es dürften drei Parteien sein, die nach der heutigen Apple-Ankündigung einen geknickten Eindruck machen: Zum einen Print-on-Demand-Anbieter, zum anderen Unternehmen, die sich auf die Gestaltung von E-Books spezialisiert haben. Und dann all diejenigen der Buchbranche, die dem Innovationsdruck bislang tapfer die Stirn geboten haben.

Holz ist ein wissenschaftlicher Baustoff aus einer verklärten Vergangenheit – um nichts Geringeres als diese Botschaft ging es heute, als Phil Schiller die drei Education-Produkte iBooks2, iBooks Author und die iTunes U-App vorstellte. Steve Jobs war der Bildungssektor nach eigenem Bekunden immer eine Herzensangelegenheit (wer die Biographie gelesen hat, erinnert sich an die bewegenden Worte der letzten Tage) und auch Apple hatte das dritte Standbein – neben “Consumer” und “Professionals” – nie richtig aus den Augen verloren. Nicht zuletzt beginnt Kundenbindung heutzutage immer früher: einmal Apple, immer Apple. Weiterlesen

Wulff ist abgewählt

16. Januar 2012  |  Journalismus  |  1 Comment  |  Share

Hat es der geneigte Leser mitbekommen? Nein. Tja, so kann es kommen – und doch ist unser Staatsoberhaupt tatsächlich abgewählt worden, gestürzt, in Ungnade gefallen. Selbst, wenn Reuters noch vor wenigen Stunden titelte, dass in der “Wulff-Affäre” die “Ermittlungen weiter offen seien” – in den Medien ist der Korruptionsverdacht im Schloss Bellevue mittlerweile Geschichte. Bei Bild.de ist er komplett von der Bildfläche verschwunden, der Tagesschau ist er egal, Spiegel Online begnügt sich mit einem letzten Satire-Abklatschen.

Zwei Themen haben stattdessen die Titelseiten erobert: Standard & Poor’s Entscheidung, Frankreich, Österreich und anderen EU-Staaten die Dekoration vom Revers zu reißen, um anschließend den gesamten Euro-Rettungsfond abzuwatschen. Und das Schiffsunglück an der Toskanischen Küste. Die Causa Wulff ist gegessen, gibt es doch nun ganz neue Spielfelder der Betätigung, in deren Rahmen man sich etwa fragen kann, was Rating-Agenturen heutzutage überhaupt leisten und ob wir uns das gefallen lassen müssen. Oder das Rätselraten um den unfähigsten Kapitän der Welt, der leichtfertig das Leben hunderter Touristen riskiert hat. Nebenbei gefragt: Hat der Boom-Sektor der Kreuzfahrten die ganze Zeit auf Kosten der Sicherheit gewirtschaftet? Weiterlesen

SOPA und die Selbstzensur: Kein Wunder, dass die US-Medien schweigen

7. Januar 2012  |  Netznews  |  9 Comments  |  Share

Die US-Foren sind voll davon, ebenso die Netzwerke – der Ton wird von Tag zu Tag rauer. Aber nur im Internet. Ende Oktober 2011 wurde der Gesetzentwurf zum Stop Online Piracy Act (SOPA) eingereicht, derzeit debattiert darüber noch der Justizausschuss im Repräsentantenhaus (PDF des Antrags). Die bislang besprochenen Maßnahmen sollen Rechteinhaber dazu befähigen, Websites, auf denen urheberrechtlich geschützten Material ohne Erlaubnis gefunden werden, direkt lahmzulegen. Eine richterliche Erlaubnis soll dazu nicht erforderlich sein. In der Praxis kann das so aussehen: Wird ein unrechtmäßig kopiertes Video bei YouTube entdeckt, können Service-Provider (auch außerhalb der USA) angehalten werden, den Zugang zur Plattform zu sperren. Der exegetische Spielraum der Gesetzvorlage ist monströs – heißt: jeder kann fast nach Belieben frei interpretieren und assoziieren. Die juristischen Folgen für Verweigerer sind hingegen ziemlich eindeutig. Es geht um schwere Straftatbestände.

Obwohl SOPA in den Staaten noch nicht Gesetz ist, üben die Amerikaner bereits seit Wochen Druck auf Europa aus – die westlichen Industrieländer sollen alle an einem Strang ziehen. Weiterlesen

Mitmachweb olé: Was machen wir heute platt?

18. Dezember 2011  |  Netznews, Social Media  |  2 Comments  |  Share

Hoy, da toben ja einige Diskussionen! Christian Wulff und das Weihnachtsdrama bestimmen die Schlagzeilen – hat er beschissen, hat er nicht? Man weiß es nicht. Eigentlich ist es auch egal, denn Wulff praktiziert sein Amt seit dem ersten Tag mit vornehmer Zurückhaltung, die entweder auf politisches Kalkül, Arbeitsmüdigkeit oder zu viel Ablenkung zurückzuführen ist. Seit seiner Wahl zum Bundespräsidenten hat er jedenfalls nicht viel gemacht, außer die Blumen in Schloss Bellevue zu gießen. Und heute muss man ja schon froh sein, wenn die Politiker nicht sonstigen Blödsinn anstellen.

Über den Inhalt der Aufregung will ich mich hier nicht auslassen, ein Blick in die Wulff-Kritiksparte bei Wikipedia erübrigt eigentlich jedes weitere Wort. Spannend ist aber wieder einmal die Richtung, aus der der Gegenwind kommt: aus dem Internet. “Ist Christian Wulff noch im Amt?” ist bereits scharf gestellt, die Timelines blubbern sich heiß, die Journalisten graben im Netz nach Quellen zum Skandal und in ein paar Stunden gibt es erste Rücktrittspetitionen und Anti-Wulff-Pages bei Facebook. “Wulff nähert sich der Lage, in der Guttenberg war”, stellt bereits die Welt fest. Solche Titel turnen an und es wäre nicht allzu verwunderlich, wenn Anonymous bald die Drohkeule gegen Wulff, Merkel oder – irgendwen – schwingt.

Meckern, motzen, mosern – das klappt im Web mit phantastischer Wirkung. Guttenplag hat gezeigt, dass ein Mob, der einen kühlen Kopf behält, durchaus in der Lage ist, mit chirurgischer Präzision die gerechtfertigte Demontage von Politikern voranzutreiben. Das ist gut und gesund, das ist die Transparenz, die wir Bürger und Wähler uns immer gewünscht haben. Mehr davon! Denn gegen einen gesellschaftlichen Selbstreinigungsreflex ist überhaupt nichts einzuwenden. Zumindest nicht pauschal. Aber dennoch… da gibt es ein Problem. Weiterlesen

“Bild” macht es vor: Zeitungskrise? Werde selbst dein bester Werbekunde!

16. Dezember 2011  |  Journalismus  |  3 Comments  |  Share

Seit heute gibt es das Bild-Mini-Handy. Ein schrottiges 10-Euro-Teil, das wohl das RX-80 Pico von Simvalley sein könnte: “Kleiner als eine Kreditkarte und reduziert auf die zwei Hauptfunktionen Telefonie und SMS, ist das BILD Mini-Handy das optimale Gerät für alle, die sich ein einfaches Gerät ohne eine Vielzahl von Zusatzfunktionen wünschen oder ein praktisches Zweithandy suchen”, verrät die Pressemitteilung. “Bild” wird das Handy bei “10.000 ausgewählten BILD-Händlern” zum Verkauf anbieten, zudem vertickt es Axel-Springer im Bild-Shop (wo es zur Stunde allerdings bereits vergriffen ist).

Es ist nichts Neues, dass “Bild” Produkte an den Mann bringt; die “Volksaktionen” sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Vermarktungsstrategie. Im vergangenen Jahr lief die 100. Kampagne: Müller Milchreis wurde seinerzeit konsequenterweise in “Volksmilchreis” umbenannt und dann als bundesrepublikanischer Standard in Sachen süßer Klebenahrung breit beworben. Das Motto? “Abverkauf ist buchbar!” (Info-PDF).

Im Herbst 2007 wurde Bild Mobil in Kooperation mit Vodafone aus dem Boden gestampft, ein Erfolg, will man meinen. Innerhalb der ersten zwei Wochen gingen 100.000 SIMs über den Ladentisch. Und jetzt folgt das Handy, ein reiner Werbeträger, der neue Abnehmer für den Billig-Tarif gewinnen soll. Weiterlesen

Auf ein (wirklich) Neues: Die Deutsche Bahn auf Facebook

7. Dezember 2011  |  Social Media, Unternehmen  |  1 Comment  |  Share

Nachdem die Deutsche Bahn im Juni ihren Account bei Twitter eröffnete, wird nun die nächste, konsequente Stufe gezündet: Facebook (Hintergründe). Als die Meldung vergangene Woche schon die Runde machte, schüttelten sich einige vor Misstrauen. Deutsche Bahn? Facebook? Da war doch was. Ja, da war etwas, genau genommen war es im Oktober 2010, als sich das Unternehmen – eingehüllt in harscher Kritik wegen rollender Klimakatastrophen und Stuttgart21 – beim Netzwerk anmeldete, um das “Chefticket” unter die Leute zu bringen. Ogilvy hatte seinerzeit den Lead für den Konzern übernommen und prächtig gezeigt, wie man es nicht macht. Auf Kommunikation war bei der Deutschen Bahn verblüffenderweise niemand vorbereitet, ging es doch damals einzig und alleine darum, moderne Distributionswege für Schnäppchenangebote auszuloten. Der tobende Unmut von Kunden und Medien wurde wacker ertragen, irgendwann wurde das Projekt dann sang- und klanglos eingestellt – was wahrscheinlich auch besser war. Und nun soll die Seite wieder aufleben.

Der Zeitpunkt der Neuinbetriebnahme (bewusst nicht “Wiederinbetriebnahme”, dazu später mehr) ist mutig gewählt: Am 11. Dezember steht den deutschen Bahnreisenden eine “deutliche” und “unverhältnismäßige” Fahrpreiserhöhung bevor, zudem verrät schon jetzt jeder Blick aus dem Fenster, dass auch dieser Winter seine Spuren am Schienennetz hinterlassen wird. Kritik ist also so gut wie vorprogrammiert. Und? Genau. Weiterlesen

FAQ: Vom Nutzen des Facebook Social Readers – für die Unternehmen

3. Dezember 2011  |  Social Media  |  5 Comments  |  Share

Q: Was habe ich davon, den Social Reader auf Facebook zu installieren?
A: Du brauchst nach dem Lesen eines Artikels nicht “Gefällt mir” zu klicken. Dies geschieht automatisch; ob er dir gefällt oder nicht.

Q: Was hat ein Medienunternehmen wie die “Washington Post” davon, den Social Reader anzubieten?
A: Zum einen kostenlosen User-Content, der beliebig und auf unbestimmte Zeit gespeichert und unentgeltlich verwendet werden kann. Das schließt auch die weltweite Weitergabe des Contents an Dritte nicht aus. Zum anderen erhält die “Washington Post” deine Daten. Dazu zählen unter anderem: personenbezogene Daten, wie E-Mail-Adressen, Vorlieben, Interessen und abonnierte Facebook-Pages sowie Informationen über befreundete Facebook-Mitglieder. Diese Daten können nach Belieben mit weiteren Informationen verknüpft werden, die aus anderen Quellen stammen. Gespeichert werden ebenso: Der Zeitpunkt der App-Installation, welche Artikel gelesen und welche Seiten besucht und welche Links geklickt wurden, außerdem die IP-Adresse, der Browser und die Referring Websites. Die “Washington Post” darf das Tracking ohne zusätzliche Erlaubnis auch jederzeit per Cookie begleiten. Die explizit angebotene “Opt-Out”-Option besteht darin, im Browser das generelle Speichern von Cookies zu deaktivieren. Auch die Cookie-Informationen können mit anderen Daten zusammengeführt werden. Weiterlesen

Auf der Suche nach dem deutschen Silicon Valley (oder auch nicht)

1. Dezember 2011  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  7 Comments  |  Share

Ich will keine innovative deutsche Stadt, ich will ein innovationsfreudiges Land. Und ich bin ein ziemlich gebranntes Kind, was Berlin angeht. Als eine Zeitung mich kürzlich bat, ein Tremolo auf den Norden zu halten, kramte ich in meiner Erinnerungskiste:

Berlin, das ich aufgrund einer Fernbeziehung häufig besuchen musste, tat das Übrige, als ich eines abends vor dem schäbigen Hauptgebäude des Schönefelder Flughafens stand und ein Taxi suchte: „Entschuldigen Sie, sind Sie frei?“ fragte ich höflich einen der Fahrer, die abseits der Wagen gemeinsam rauchten und lachten. „Ne, ick bin verheiratet. Kann dich jetzte abba trotzdem mitnehm’n.“

Das ist Berlin. Distinguierte Ignoranz (Hamburg) ist qualitativ etwas anderes als rohe Rotzigkeit (Berlin); doch emotionale Befindlichkeiten sollen hier keine Rolle spielen. Aber unter uns: Ich mag das Selbstbild der Berliner nicht sonderlich, wobei es ja kaum noch Berliner gibt, sondern vielmehr Zugereiste, Hängengebliebene und jede Menge Studenten, daher handelt es sich eher um einen Lokalpatriotismus im Vorbeigehen. Es scheint, dass heutzutage jeder als Berliner gilt, der “im Prenzlauer Berg” und nicht “auf dem Prenzlauer Berg” sagen kann, während er sich über die S-Bahn aufregt und den schlechten Handy-Empfang beklagt. Schon in diesem Moment wächst offenbar schlagartig das Hauptstädtische in einem heran und rechtfertigt die beiden Optionen “die da” und “wir”. Denn andere Alternativen spielen in der Branche keine Rolle mehr.

Ich komme auf das Thema, weil mich mit steigender Frequenz Pressemitteilung erreichen, in denen ehemals verzweifelte PRler die krampfhafte Berlin-Synonymsuche (gern genommen wurden bislang: “Hauptstadt”, “Weltstadt”, “Hauptregierungssitz” oder das völlig verdrehte “Spree-Athen” – in diesen Tagen kein Kompliment) abkürzen und daraus ein “Silicon Valley Europas” machen. Das Deutschlandradio hat noch mehr Begriffe im Programm und zitiert: “Die neue Internet-Hauptstadt”, “Neue Heimat der Internet-Generation” und “Europe’s hottest startup capital”. Weiterlesen

Bloggen für den guten Zweck

29. November 2011  |  Social Media  |  4 Comments  |  Share

Banner: DRK-Spendenaufruf zu WeihnachtenAuch im Jahr 2011 wird es einen Heiligabend geben – und damit für den einen oder anderen auch ordentlich Geschenke. Ich erzähle nichts Neues, wenn ich sage, dass nicht jeder auf der Welt einen reich gedeckten Gabentisch zu erwarten hat.

Die Deutschen verfügen über eine eingefahrene Spendenmentalität und sind auch heute noch immer dann am aktivsten, wenn sie Zeuge eines nationalen Unglücks irgendwo auf der Welt werden, das mit großer Medienresonanz bedacht wurde. Im Jahr 2008 war zudem jeder Spender älter als 60 Jahre. Doch langsam holen die Jungen auf. Laut dem Deutschen Spendenrat gaben Deutsche im vergangenen Jahr rund 2,3 Milliarden Eu­ro für wohltätige Zwecke aus (ein wenig mehr, als sich die Deutschen das Haustier Katze kosten lassen) und die Anzahl der Neuspender nimmt kontinuierlich zu.

Dabei wird oft vergessen: Es ist nicht zwangsläufig immer ein Scheck, eine Überweisung oder ein Dauerauftrag fällig, um einen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten. Ich möchte im Folgenden speziell für Blogger drei Modelle vorstellen, wie sich schon mit wenigen Handgriffen eine Menge bewegen lässt. Und es tut nicht einmal weh. Versprochen. Weiterlesen

Facebook & Frictionless Sharing: Chrome-Extension soll die Social Reader eindämmen

26. November 2011  |  Social Media  |  No Comments  |  Share

Geht doch. Während sich auf Facebook das Frictionless Sharing weiter und weiter in die Timelines der Mitglieder hineingräbt, wächst auch die Gruppe der Gegner. Jetzt ist erstmals eine Google Chrome Extension aufgetaucht, die das passive Sharing eindämmen soll.

Die Datenaufzeichnung im Vorbeigehen läuft bislang so ab: Im News-Stream erscheint der Hinweis, dass ein befreundeter Nutzer gerade diesen oder jenen Artikel gelesen hat. Klickt man auf den angegebenen Link, landen wir aber nicht direkt bei der Story, sondern werden gebeten, den Social Reader des jeweiligen Mediums zu installieren. Sobald dies geschehen ist, wird auch das eigene Leseverhalten protokolliert und entsprechend veröffentlicht. Wer die App nicht installieren möchte, weil er auch künftig gelesene News-Artikel nicht gleich mit allen teilen möchte, muss auf “Abbrechen” drücken. Erst dann erscheint die eigentliche News. Bei einem so umständlichen Prozedere (das jedes Mal zu absolvieren ist), ist es mehr als wahrscheinlich, dass man irgendwann doch einmal nachgibt und die App installiert. Weiterlesen

Social Media und Tech heute: So, jetzt erst einmal ein Päuschen?

23. November 2011  |  Social Media, Tech  |  1 Comment  |  Share

Empfinde nur ich es so oder dreht sich die Erde wirklich langsamer? Aus den hektischen Fluktuationen der Tech-Welt ist in den vergangenen Monaten ein seichtes Wabern geworden; mittlerweile ebenso unauffällig wie uninspirierend. Es scheint, als seien alle Nischen gedeckt, der Markt an allen Enden und Ecken gesättigt: Mark Zuckerberg, Larry Page, Tim Cook genehmigen sich zuprostend den Digestif – Jeff Bezos arbeitet noch im Rauchersalon, kommt aber gleich nach. Die Karten sind verteilt, die Schäfchen sind im Trockenen – was kann jetzt noch schief gehen?

Ich vergleiche diese Phase mit der Zeit von 2008 bis 2010, als noch Rock’n'Roll im Innovationsmarkt herrschte und es noch Chancen und überraschende Wendungen gab oder zumindest geben konnte. Kommt das iPad (oder das “Apple Slate”, wie wir damals noch dachten), kommt es nicht? Wird es Navigation für Android-Smartphones geben und was sagen die Kartenanbieter dazu? Was macht Hitler im App Store? Woran arbeitet Facebook gerade (und woran StudiVZ nicht) und wird es endlich eine Blogger-Gewerkschaft geben?

Mainstream ist offenbar das Gebot der Stunde, der Geek von damals ist mittlerweile im Nerd-Chic bei Starbucks angekommen. Es ist uns eigentlich egal, was aus StudiVZ geworden ist, die Navigation ist heute im Handy integriert. Und die Blogger? – Naja, die Kiste ist auch gegessen, seitdem Trackbacks ausgestorben sind (die Essenz der Blogosphäre und des Zusammenhalts) und etablierte Medien nun locker-flockig beschriebene Seitenkanäle betreiben. Schon im Juli regte sich Gawker-Autor Adrian Chen darüber auf, dass Stories mangels echter Nachrichten in Tech-Magazinen und -Blogs erst künstlich aufgebläht und dann platt gewalzt werden: “Make it stop! This is the most boring shit ever.” Social Media-Guru Brian Solis verkündete einen Monat später das Aus von Social Media 1.0 und erinnerte daran, dass die aufkeimende Müdigkeit bei Wirtschaft und Nutzern zwangsläufig zum Normalzustand werden musste; und nun die kostbaren Verbindungen mittels Mehrwerten gepflegt werden müssten. Weiterlesen

Offizielle Facebook-Malware: Seamless Sharing bringt Blogger auf die Palme

20. November 2011  |  Social Media  |  3 Comments  |  Share

Die Fraktion der Befürworter bröckelt – und zwar jetzt auch in den Staaten! US-Amerikaner sind gut darin, Innovationen in Dingen zu sehen, vor denen die Alte Welt zunächst zurückschreckt. So war es auch kein Wunder, dass unzählige Blogger und IT-Channels aus den Staaten applaudierten, als Facebook im September das “Frictionless Sharing” vorstellte – eine Funktion, die den Like-Button praktisch überflüssig macht, da Inhalte künftig rein automatisch geteilt werden sollen. In Deutschland erzitterte seinerzeit kurz das Web; das Thema Datenschutz sitzt uns allen seit Monaten in den Knochen.

Doch nun beginnt das Roll-Out des Features im Netzwerk und man kann ein deutliches Umdenken bei den Innovationsanhängern feststellen. Sowohl Cnet als auch ReadWriteWeb teilen erstmals Prügel Richtung Facebook aus. Ein paar O-Töne:

  • “Facebook’s Open Graph scheme is totally ruining sharing.”
  • “Violation of reasonable user expectations.”
  • “It is hijacking of your navigation.”
  • “Facebook is acting like malware.”
  • “I’m afraid to click any links on Facebook these days.”
  • Weiterlesen

Web 3.0: Das Social Web als Brückentechnologie

5. November 2011  |  Social Media, Tech, Wissenschaft  |  9 Comments  |  Share


Irgendwann explodierte das Internet. Nicht über Nacht, aber dennoch plötzlich. Im Jahr 2000 betrug der globale Netz-Traffic 75 Petabyte im Monat; nach knapp zehn Jahren wurde die Grenze von 15.000 Petabyte geknackt. Im Jahr 2009 wurden 247 Milliarden E-Mails versendet – pro Tag.

Schon früh blieben redaktionell begleitete Seitenverzeichnisse (wie Yahoo!) auf der Strecke, noch zur Jahrtausendwende schrieb ich als Student für einige Verlage, die mit wackeren Durchhalteparolen an den “Gelben Seiten” für das Internet festhalten wollten (teilweise mit abgedruckten Screenshots). Wenige Monate nach dem Dotcom-Desaster ging einer nach dem anderen Bankrott. Das Internet entwickelte sich rasend schnell zu einem gigantischen Zettelkatalog, dessen Schubladen sich schon lange nicht mehr mit Leitern erreichen lassen. Wir haben ein System erschaffen, in dem sich Daten wesentlich schneller kreieren als gescheit ablegen lassen. Google übernahm das Ruder und versuchte mit ausgeklügelten Algorithmen der Datenflut Herr zu werden: doch Linkfarms und andere SEO-Ablenkungen, anachronistische Ergebnisse und andere Irrelevanzen füllten schnell den Index. Wer heute nach “http” googelt, erhält “ungefähr 25.270.000.000 Ergebnisse”. Jeder Tweet, jedes Twitpic, jedes öffentliche Status-Update auf Google Plus und Facebook fügt eine neue Seite hinzu. Immer mehr Maschinen lernen und kommunizieren über das Netz (“Internet der Dinge”) und hinterlassen breite Datenspuren.

Gibt es Orientierung? Kaum. Die Suchmaschinen, die heute zu den Global Players gehören, sind plump und dumm, da sie allesamt lediglich Keyword-Ableichungen im Datenchaos vornehmen. Wie das Universum dehnt sich auch das Internet von Sekunde zu Sekunde weiter aus – von einer Nadelsuche im endlichen Heuhaufen zu sprechen, wäre also vermessen. Weiterlesen

Facebook: Ein weltweit eigenes Süppchen für Schleswig-Holstein [Update]

20. Oktober 2011  |  Social Media  |  10 Comments  |  Share

Als ich aus dem “Et hätt noch imma jut jejange!”-Köln nach Hamburg zog, wurde ich ja subtil gewarnt, dass man im Norden ein wenig anders ticke, aber einen solchen Reallife-Psychokrimi, wie ihn Schleswig-Holstein derzeit präsentiert, hätte ich dann doch nicht erwartet.

Es geht nach wie vor um das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz in Kiel und seinen Vorsteher Thilo Weichert, der ebenso rigoros wie schmerzbefreit für die Abschaffung von Facebook im nördlichsten Bundesland der Republik kämpft. Da er das Netzwerk datenschutzrechtlich selbst nicht zu Packen bekommt, hat er mittlerweile die Nutzer (das sind: die Seiten- und Fanpage-Betreiber) im Haftung genommen und stößt in zuverlässiger Regelmäßigkeit Drohungen gegen sie aus. Bis zu 50.000 Euro – so der dezente Hinweis – könnte es Unternehmen ab sofort kosten, wenn sie mit einer Präsenz im Netzwerk erwischt werden. Weiterlesen

Liebe Piraten…

17. Oktober 2011  |  Allgemeines, Netznews  |  No Comments  |  Share

Noch einmal meinen Glückwunsch zur erfolgreichen Berlin-Wahl; und eine zweite Gratulation schiebe ich Anbetracht der jüngsten ZDF-Umfrageergebnisse gleich hinterher. Aber das war es erst einmal. Gerade mal ein Länderparlament wurde gestürmt, da beginnen auch schon erste Zersetzungserscheinungen: Was ist da los bei euch?

Eine Reaktion zum Staatstrojaner erfolgte erst heute, knapp zehn Tage nach der Bekanntmachung des Fundes durch den CCC. Es gab wichtigere Dinge zu erledigen, richtig: Die Pressemitteilung zum Welternährungstag beispielsweise, eine entzückte Nabelschau Anbetracht neuer Mitglieder und ein seminaristischer Umtrunk in der Jugendherberge von Kassel – da war und ist viel Bewegung in der Partei.

Etwa auch die NPD-Affäre, die Dank halbherziger Distanzierungen große Kreise zog. Erst mussten Personalfragen wegen zu transparentem “Geheimnisverrat” geklärt werden (“Stunkmatrose über Bord!”), so dass wenige Stunden später das erste Rentnerblog seine Einschätzungen über die Piraten unter der Überschrift “Nazis an die Front” kundtun konnte. Daraus: “Die Piratenpartei entwickelt sich immer stärker zum Sammelbecken heimatloser Rechtsradikaler. Die derzeitige Diskussion um zwei Parteimitglieder, die früher bei der NPD waren, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.” (Screenshot der Meldung) Voilà. Weiterlesen

Ländertrojaner: Microsoft wurde vom Staat vorgeführt

11. Oktober 2011  |  Tech, Unternehmen  |  17 Comments  |  Share

Die Meldungen sind ebenso zahlreich wie erschütternd: Je mehr in Sachen Staatstrojaner gebohrt wird, desto mehr schmutzige Details geraten an das Tageslicht. Fefe spricht bereits von einem “Länderdomino“, bei dem ein Bundesland nach dem anderen zugibt, den rechtlich wie moralisch höchst zweifelhaften Schnüffelcode auf fremde Rechner geschleust zu haben (zum Teil aus recht fragwürdigen Gründen). Die nationalen Medienreaktionen sind angemessen heftig, das internationale Feedback ist ebenfalls üppig und beherbergt zudem viel Häme. Nicht erst seit dem Facebook-Verbot in Schleswig-Holstein (CNN) lacht die globale Internetgemeinde über den Digital-Deppen Deutschland. Na, wenn das nicht Investitionsgelder ins Land lockt.

Bislang sind in der Trojaner-Affäre alle Parteien mehr oder minder verstört zu Wort gekommen. Der CCC brachte den Stein ins Rollen und die Sprecher der Länderbehörden sind öffentlich damit beschäftigt, irgendeinen Schuldigen zu finden. Die Virenjäger schlagen Alarm und selbst DigiTask, die Entwicklerschmiede für staatliche Spionagesoftware, durfte sich schon verteidigen und den Schwarzen Peter den Auftraggebern zuschieben. Jedoch habe ich heute eine Stimme vermisst. Weiterlesen

Danke: Das Erbe von Steve Jobs

9. Oktober 2011  |  Tech, Unternehmen  |  7 Comments  |  Share

Auf Apple.com steht noch immer Steve Jobs’ Todesanzeige. Wer sich die schwarz-weisse Portraitaufnahme des ehemaligen Apple-Chefs genauer ansieht, wird feststellen, dass das Bild mit “t_hero.png” betitelt ist. War Steve Jobs ein Held? Für viele bei Apple sicherlich. Bestimmt unterschreiben auch viele Branchenkollegen diese Nobilitierung.

Als ich noch mit den Kollegen auf Basic Thinking schrieb, nannten mich einige Nutzer “Apple-André”. Wir waren “Apple André” und “Microsoft Marek” und wir ergänzten uns wunderbar. Ich glaube, wir hatten unseren Ruf als oppositionelles Harmonieteam weg. Ich mochte und mag Apple – Hardware, Software, das Design. Als ich vom Tod von Steve Jobs erfuhr, stieg für kurze Zeit mein Puls an. Dann dachte ich aber an Foxconn und die vielen Tausend Arbeiter, die dort Geräte schrauben, wenig verdienen und aus Verzweiflung von den Dächern der Wohnsiedlungen springen. Jobs war brillant, kreativ, durchsetzungsstark und visionär. Er war aber kein Held. Vielleicht trug seine Besessenheit dazu bei, dass er keine philanthropischen Anflüge hatte, wie wir es von seinem ehemaligen Kollegen Bill Gates her kennen. Vielleicht war er auch nur ein ausgebuffter Business-Mann. Man weiß es nicht.

Doch abseits dieser moralischen Betrachtung hat die Welt Steve Jobs einiges zu verdanken. Ich habe im Folgenden drei Phänomene notiert, die ich mir aus der Ära Jobs hinübergerettet habe. Drei Dinge, die mich persönlich beeindruckt haben und ein wenig von dem Einfluss zeigen, die Jobs nicht nur auf unsere Generation hat, sondern auch auf die kommenden haben wird. Weiterlesen