“Print wirkt” – jetzt zum Glück doch nicht

17. Mai 2013  |  Journalismus, Netznews  |  1 Comment

horselessNa, Gottseidank. Als ich die Nachricht las, habe ich mich erst einmal erleichtert hingesetzt – was wäre das für ein Theater geworden: “Trotziges Rauschen im Blätterwald!” – “Deutsche Verleger setzen sich für Waldrodungen ein!” – “Nächster Halt: Vergangenheit!” Und was sollen erst die Nachbarn denken? Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) würgt die millionenschwere “Print wirkt”-Kampagne ab. Und das ist auch gut so. Noch einmal: Gottseidank.

Auf der Seite zur bisherigen Kampagne haben die Verleger allerlei Nonsens-Argumente (PDF) zusammengetragen, weshalb das gedruckte Wort hipper denn je sei: “Wer schreibt, der bleibt”, steht da. Oder: “Print bringt Klicks”. Print wirke nachhaltig, fördere das Vertrauen, locke die Generation Facebook und sei eine “Kapitalanlage mit Rendite”. Soviel Selbstverleugnung muss man erst einmal zusammentragen, ohne selbst in ablenkendes Gelächter ausbrechen zu müssen.

Nein, Print wirkt nicht. Es wirkt jedenfalls nicht mehr. Print ist ein Medium, das in einer globalisierten Welt völlig veraltet ist, wenn es publiziert wird, zudem fördert es die elitenorientierte One-Way-Kommunikation. Papier ist es ein teurer Rohstoff, der zunächst zur Umweltzerstörung und später zur Umweltverschmutzung beiträgt. Es lässt sich nicht einmal gescheit archivieren, es stinkt, staubt, vergilbt und zerfällt. Lässt man Papier in seiner Funktion als brennbares Material mal außen vor, besitzt es null Nachhaltigkeit. Doch der wichtigste Grund dagegen wäre wohl: Es interessiert niemanden mehr. Tageszeitungen und Fachzeitschriften verlieren seit Jahren verlässlich an Auflagen – ebenso an Journalisten, die Opfer konservativen Missmanagements und fehlender Geschäftstüchtigkeit geworden sind. Der demographische Wandel ist der einzige Grund, weshalb bedrucktes Papier heute noch Anhänger findet, doch selbst eine stark alternde Gesellschaft wie Deutschland wird es nicht verhindern können, dass irgendwann die letzte Seite geblättert wurde. Weiterlesen

Das Schweigen der Deutschen Telekom

2. Mai 2013  |  Social Media, Unternehmen  |  8 Comments

telekom-schweigen

Schade. Echt schade. Da war man mal wer, jemand, zu dem die anderen aufsahen, der um Rat gebeten wurde und selbst in der Community ein gewisses Ansehen angesichts der augenscheinlichen Innovationsfreude genoss – und jetzt ist alles im Arsch. Ich will mich an dieser Stelle gar nicht mehr mit dem Gegenstand “Telekom vs. Netzneutralität” auseinandersetzen. Das haben andere getan und tun es noch, denn es ist wichtig, die Protestflamme am Lodern zu halten. Viel lieber möchte ich mich der Kommunikation des Konzerns widmen, der seit der Bekanntgabe der Drosselpläne am 22. April 2013 in der schwarzen Versenkung verschwunden ist. Die Deutsche Telekom schweigt. Weiterlesen

Die Flatrate-Optionen der Deutschen Telekom (2016)

23. April 2013  |  Netznews, Unternehmen  |  12 Comments

drosse

Die Deutsche Telekom macht’s vor: so geht das Häppchennetz von morgen. Der Abschied von der Flat (die schon bislang nie eine Flatrate war, sondern immer ein „bis zu“-Angebot) bedeutet über kurz oder lang auch den Abschied vom Internet, so wie wir es kennen. Pauschal war einmal, aus dem All-you-can-eat wird das À la carte, bei dem Nutzer künftig selbst entscheiden müssen, welche Dienste sie beanspruchen wollen und wie viel sie bereit sind, dafür zu zahlen. Das gab es schon einmal; 1996, als es bei T-Online noch zehn Pfennig kostete, eine E-Mail zu versenden. Weiterlesen

Das Leistungsschutzrecht im Allgemeinen und die teutonische Seifenblase im Besonderen

29. August 2012  |  Journalismus, Netznews, Tech  |  3 Comments

Da haben sie also den Beschluss zum Beschluss beschlossen. “Sie”, das sind zum einen der ultrakonservative schwarze Block der Jammerlappen und zum anderen die liberale Chaostruppe, von der man einen solch wirtschaftsfeindlichen Vorschlag zunächst nicht erwartet hätte. Doch die politische Kurzsichtigkeit des Leistungsschutzrechts reicht eben nur bis zum 15. September 2013 – dem Termin der nächsten Bundestagswahl – und wer Hoteliers mit Lobbygeschenken beglückt, kneift auch mal ein Auge zu, wenn es darum geht, die deutsche Presselandschaft wohlwollend zu stimmen.

Während deutsche Journalisten das Vorhaben mit immer demselben Passus wie beiläufig beschreiben (man spricht von dem “umstrittenen Gesetz”, das “auf den Weg” gebracht wurde), reiben sich ausländische Beobachter wieder einmal die Augen über den teutonischen Alleingang. Deutschland, das ist der innovationsfeindliche EU-Riese, irgendwo zwischen den Alpen und einem Meer, dessen Namen man nicht kennt. Deutschland ist das Land, für das Google speziell Milchglasscheiben (Google StreetView) herstellen musste. Für das Google Analytics extra angepasst wurde. Das Land, das tatsächlich das Betreiben einer Fanpage unter Strafe stellt. Das Land, in dem die Nutzer bis heute bei YouTube nur “Das tut uns leid…” zu sehen bekommen. Die Deutschen bauen tolle Autos – aber, Mann: die verfluchen bis heute noch den Tag, an dem der erste Rechner an das Netz angeschlossen wurde. Weiterlesen

Was 10.000 Tweets verraten

17. August 2012  |  avatter, Social Media  |  7 Comments

Wow, die Zeichen vergingen wie im Fluge und hier sind wir! Ich habe soeben meinen 10.000. Tweet versendet und dachte es sei an der Zeit, einfach mal eine kleines Fazit zu ziehen – Privacy-Strip zur Ergötzung der Massen inklusive.

Warum? Zum einen aus Spaß, zum anderen aus proaktiver Nostalgiedenke (ist ja schön, wenn man die Zahlen in ein paar Jahren wieder vor Augen hat) und außerdem aus Neugier, wie viel zum Teil irrelevante Transparenz sich mittels Twitter-Analysetools heute herstellen lässt. Die verwendeten web- und clientbasierten Tools stehen jeweils in Klammern hinter den Daten. Wie lange sie noch nutzbar sein werden? Das weiß nur Twitter.

Gesamtanzahl der Tweets:
10.000

Follower:
2.378

Following:
219

Follower Fake-Accounts:
2 % (Statuspeople)

Following Demographie:
Ca. 6-7 Frauen, 95 Männer, 120 Institutionen (freundliche Kixka-Zählung)

Twitter Follower-Friend Ratio:
10,86 (Taschenrechner oder TFFRatio) Weiterlesen

Alles, was Sie über die neue Facebook-Miniaturkampagne der Deutschen Bahn wissen müssen

8. August 2012  |  Social Media, Unternehmen  |  7 Comments

Es klang vielversprechend, als die Einladung der Deutschen Bahn AG kam. Angeboten wurde ein Treffen in illustrer Hamburger Runde, bei dem der Status Quo der bisherigen Social Media-Aktivitäten der Deutschen Bahn (mehr darüber) und des Deutsche Bahn Konzerns besprochen werden sollte. Außerdem wurde eine Überraschung angekündigt: eine neue Kampagne mit dem Namen “Die Welt der DB”, bei der es um die “Entdigitalisierung” der Unternehmens-Fanpage und das “echte Leben” gehen sollte.

Der Hintergrund ist schnell erklärt: Die Deutsche Bahn hat als Unternehmen ein Problem. Für viele Kunden und potentielle Arbeitnehmer ist der Konzern ein intransparenter Klotz. Wenn die Bahn in den Medien erscheint, dann eben mit den Themen “Preiserhöhung”, “Verspätung” und “Klimaanlagen” – dass der Laden seinen eigenen Strom für den Betrieb des Tagesgeschäfts produziert und die eine oder andere weitere Innovation vom Stapel lässt, kippt da häufig in den Hintergrund. Und es interessiert auch wirklich keinen Otto-Normal-Bahnreisenden. Wie kann man also die Bahn für Interessierte öffnen?

Die Lösung des Konzerns hat viele Anwesende am Tisch irritiert: eine Bahn-Miniaturwelt! Ab dem 15. August werden Nutzer einen Monat lang angehalten, Ideen für eine winzige DB-Landschaft einzureichen, die im Berliner Loxx (ein Miniaturland) realisiert werden soll. Unter dem Motto “Unterhaltung, Kommunikation, Kreativität” sollen alle Interessierte Vorschläge abgeben, wie Bauprojekte, Szenen oder DB-Details in Klitzeklein abgebildet werden können. Das Unternehmen filmt die Arbeiten, strahlt Making-Of-Videos aus und postet regelmäßig Bilder über den Fortschritt. Weiterlesen

Miese Apps sozialer Netzwerke

6. August 2012  |  Social Media  |  3 Comments

Narf! Facebook-App? Gelöscht. Twitter-App? Gelöscht. Die mobile Nutzung vieler moderner Dienste gleicht heute der Installation von Windows 98: “Bitte Diskette 7 von 34 einlegen und Enter drücken.” Die Facebook-App für iOS ist labiler als ein Hypochonder in einer vollen U-Bahn zur winterlichen Grippezeit. Die Anwendung stürzt ab, lädt nicht, hängt und auch in Version 4.1.1 ist noch immer die Sharing-Funktion deaktiviert. Twitter? Seit der Übernahme von Tweetie ging es bergab; von Auflage zu Auflage verschwanden immer mehr Tweets, es rappelt in der Synchronisierungskiste – so schnell kann man den Homebutton gar nicht drücken. Google Plus? Bislang Klassenbester, was aber keinesfalls die Versetzung garantiert: Die G+-App ist seit dem Facelift ein Pinterest-Klon, bei dessen Newsstream die Bilder und nicht die Diskussion im Mittelpunkt stehen. Ein Wunder, dass beim King des Design-Streamlinings ein solches, unübersichtliches Paket geschnürt wurde. Weiterlesen

Nutzer in Isolationshaft: Über die Silodenke von Medien und Unternehmen

29. Juli 2012  |  Journalismus, Netznews, Social Media  |  1 Comment




“Lasst, die ihr andere eintreten lasst, alle Hoffnung fahren!”
– frei nach Dante Alighieri


 

Breaking News: Ein Foto von Christian Wulff, Karl-Theodor zu Guttenberg und Ronald Schill beim Pokerspielen ist auf Facebook zu bestaunen!

Auch reingefallen? Deutsche Online-Medien sind Meister darin, die eigenen Leser an der Nase herumzuführen. Das Taggen der internen Rubriken stellt nach jahrelanger Verweigerung der Quellennennung (-und verlinkung) bereits eine Progression dar. Fast die Hälfte aller Zeitungen und Magazine im Netz steht heute auf dieser Stufe und schämt sich nicht. Es gibt drei Gründe für die Selbstreferenzialität:

1.) Simples Unwissen (wie ich leidvoll in Gesprächen erfuhr)
2.) Clevere SEO-Maßnahme (interne Verlinkungen sind immer gut)
3.) Panische Angst vor dem Trafficverlust (“Meins, meins, alles meins!”)

Der dritte Punkt scheint mir derzeit am interessantesten – die Furcht, den Nutzer aus den eigenen Fängen zu verlieren. Gerade bei Textcontent mutet diese Einstellung ziemlich schwachsinnig an: Als Leser weiß ich es doch zu verstehen und schätzen, wenn ein Medium auf Quellen (extern) verlinkt, mich inmitten eines Berichts oder Analyse direkt zu den Orten des Geschehens verweist. Ich weiß, dass ich nicht bevormundet werde und genau das ist ein Grund für mich, um immer wieder zurückzukehren. Weiterlesen

Facebooks Tabu-Zonen zwischen Penissen und Amokläufern: Was wir willkürlich nennen, nennen sie amerikanisch

27. Juli 2012  |  Social Media  |  1 Comment

Man stelle sich vor: ein Penis! Ein Penis! Das “ZeitMagazin” hatte vergangene Tage den zaghaften Versuch unternommen, die männliche Nacktheit (es ging nicht einmal um die männliche Sexualität) gesellschaftlich zu entmystifizieren. Die Brust der Frau ist im Werbe- und Medienalltag allgegenwärtig, letzten Endes gibt es offenbar nichts, was sich nicht mithilfe lasziver Damenposen vermarkten lässt – es reicht ein Blick auf die jüngsten Rügen des Deutschen Werberats. Peniscontent spielt da eher eine untergeordnete Rolle. Doch um derlei Gender-Überlegungen soll es hierbei auch gar nicht gehen…

Um den Worten Taten folgen zu lassen, hatte das “ZeitMagazin” beschlossen, einfach mal einen Schwanz auf die zweite Titelseite zu drucken. Wie es weiter ging, verrät die Pressemitteilung:

Wie jede Woche üblich veröffentlichte die Redaktion am Mittwochnachmittag beide Titelseiten vorab hintereinander auf der ZEITmagazin-Facebookseite. Der Eintrag mit der zweiten Titelseite war am Abend gelöscht. Auf Anfrage des ZEITmagazins lässt Facebook auf seine Community Standards verweisen.

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Social Media 2012: Wie die USA den Europäern mit Anlauf in den Arsch treten

12. Juli 2012  |  Social Media, Unternehmen  |  41 Comments

“Europa ist ganz gut in Mobile. Alles andere können wir besser.”
- Scott Galloway (NYU Business School, Founder of L2 ThinkTank)

Die Headline ist natürlich ebenso bildlich wie übertrieben. In Wahrheit gibt es keinen wütenden Anlauf, sondern einen seichten, angedeuteten Sprint, bei dem niemand wirklich aus der Puste kommt. Doch am Ende steht die Tatsache, dass die gute, alte Welt nun einmal das ist, was sie ist: eine alte Welt.

Auf der diesjährigen SMICS Conference (hier das Fotoalbum) haben die Amerikaner gezeigt, was wir bislang erst in der Glaskugel bestaunen durften – nämlich die Realität. Die Digitalisierung der Gesellschaft ist in den meisten US-Köpfen soweit vollzogen und abgeschlossen, was nun folgt, sind Visionen von Möglichkeiten, Träumereien oder Spinnereien, von denen einige wahr werden oder eben nicht. Zumindest steigt der Aktivitätsindex in den Staaten mit jedem Tag, der vergeht. Derweil sind die Europäer – und speziell die Deutschen – nicht untätig, sondern treten ebenso aktiv auf der Stelle, schauen verschämt über den großen Teich, um Inspirationen einzusammeln, sich zu empören oder gleich ganze Strategien zu kopieren. SMICS hat gezeigt, dass die digitale Denke in Deutschland ein trauriger Abklatsch des American Dreams ist, ein heruntergekochtes Derivat, viel zu kraftlos, viel zu spät. Die USA betrachten dieses Schauspiel wiederum mit aufrichtigem Desinteresse. Was steht schon zu befürchten, wenn der Wettbewerb an Narkolepsie leidet? Aber werden wir konkreter… Weiterlesen

Google I/O: Alle Videos von Googles Entwicklerkonferenz

27. Juni 2012  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  Kommentare deaktiviert

Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 12 hat die Suchmaschine ein Füllhorn an neuen (und bekannten) Innovationen ausgeschüttet. Ebenso zahlreich sind die Videos, die Google im Minutenabstand vom Stapel ließ. Im Folgenden die Sammlung aktueller I/O-Videos von den YouTube-Kanälen The Google Channel, Google Developers, Google Nexus und Google Mobile.

 

Google I/O 2012 Keynote (die komplette Keynote)


Das Video ist mal “öffentlich”, mal “privat”. Offenbar feilt Google noch an den Feinheiten.

 

Fast & Smooth – Android 4.1, Jelly Bean


So in Jelly Bean, we put a lot of effort into making devices feel fast, fluid and smooth. This is what we call Project Butter.
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Cheat-Sheet für Blogger-Headlines – heute mit: Soziale Netzwerke

6. März 2012  |  Fun, Social Media  |  2 Comments

“Was können Headlines bewirken?” – “Nun, das hängt davon ab, was sie aussagen.” – “Ja, dann…” – Todes-, Wiederauferstehungs- und Stagnationsmeldungen grassieren wieder einmal in den RSS-Readern und vor allem die Blogger mischen kräftig mit. Es gibt Dutzende, die den Tod von Facebook vor Jahren voraussagten, für einige klopft der Sensenmann in diesem Moment an Twitters Tür. Und ehrlich gesagt – es nervt.

Um der allgemeinen Prophetie auf die Sprünge zu helfen, anbei ein Spickzettel für künftige Blogger-Headlines. Weiterlesen

Facebook-Commerce: Deshalb floppt der Netzwerk-Shop noch

20. Februar 2012  |  Social Media, Unternehmen  |  1 Comment

Bloomberg lanciert derzeit ein hübsches Stück, das einen Abgesang auf den Facebook-Commerce beinhaltet. Wer die Zeilen liest, fühlt sich schnell an den qualvollen Tod so vieler Stores erinnert, die einstmals in Second Life eröffnet wurden: Gamestop, JC Penney, Nordstrom und Gap haben ihre Läden auf Facebook geschlossen, der Abverkauf im Netzwerk sei ein Flop. Die daraus gewonnene Lehre für (beispielsweise) Gamestop: “For us, it’s been a way we communicate with customers on deals, not a place to sell.”

Das Fazit ist schade – aber nachvollziehbar – und heizt auch die nie endende Debatte über den Social ROI wieder an. Wenn eine Unternehmensseite fünf Millionen Fans hat, wie kann es sein, dass mit dem Page-Shop nur im Promillebereich Umsätze generiert werden können? Die ausbleibende Antwort auf diese Frage wird durch die Hoffnung ersetzt, dass eben an anderer Stelle die Käufe getätigt werden. Ist Social Commerce damit eine Idee für die Tonne? Nein. Bislang wurde er aber noch nie konsequent angegangen. Im November 2011 veröffentlichte die Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) eine aufschlussreiche Studie (siehe unten) zu dem Thema. Demnach haben lediglich sechs Prozent der Mitglieder jemals ein gelungenes, direktes Verkaufsangebot bei Facebook gesehen. Rund die Hälfte erwartet keinen Shop auf Facebook und hat auch noch nie daran gedacht, dass das Netzwerk überhaupt dafür geeignet wäre. Weiterlesen

Soziale Netzwerke: Nur, weil es nichts kostet, ist es nicht umsonst

16. Februar 2012  |  Social Media  |  3 Comments

Ich glaube, wir können alle darin übereinstimmen, dass wir in einer kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung leben. Von Kindesbeinen an lernen wir dialektische Sprüche à la: “Hasse nix, bisse nix” und “Hasse nix, kriegste nix.” Wir sind an den Warentausch gegen Geld gewöhnt, wir kennen die Produkte und Preise, wägen ab, sparen, verschieben Anschaffungen, leihen und leasen. Wer Waren bezieht, ohne dafür zu bezahlen, ist in unseren Augen ein Bettler oder ein Dieb. Wer beim Schwarzfahren erwischt wird, zahlt ein Bußgeld. Wer Fundunterschlagung betreibt, kann juristische Probleme bekommen. Offenbar ist die Orientierung dieses System – wie immer man es finden mag – allgegenwärtig, da die Spielregeln bekannt sind und man sich auch meistens daran hält. Was mich aber immer wieder verwundert, ist die Tatsache, dass die Mehrheit der Menschen glaubt, dass dieses System im Internet keine Geltung findet. Aber von Anfang an…

Jüngst machte wieder die Meldung über eine neue Studie die Runde: Soziale Netzwerke seien ebenso suchtverursachend wie substanzbasierte Drogen à la Tabak und Alkohol – wenn nicht noch dramatisch ansteckender. Der Artikel lief gut und machte sich auch gut, weil die Onliner sich aufregen konnten und die Offliner sich bestätigt sahen. Ich will die Meldung gar nicht kommentieren, aber auf einen O-Ton hinweisen, den Studienleiter Wilhelm Hofmann dem “Guardian” übermittelte:

With cigarettes and alcohol there are more costs – long-term as well as monetary – and the opportunity may not always be the right one.

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Heveling-Nachlese: Wo sind die eigentlichen Brandstifter im “Kampf der Zivilisationen”?

1. Februar 2012  |  Social Media  |  Kommentare deaktiviert

Ansgar Heveling, der analoge Troll und Anti-Web-Demagoge, den man nur im Internet kennt, sitzt auf seiner Polemik. Und dort bleibt er sitzen. Wo soll er auch hin? Heveling prophezeit den High Noon inmitten einer zerrissenen Gesellschaft: Auf der einen Seite, der konservative Biedermann, der mit Pickelhaube auf dem Kopf im rustikalen Wohnzimmer bei Pils und Maggi-Suppe sitzt und Fernsehen schaut. Auf der anderen Seite der pubertierende Stimmbruch-Nerd, der mit Pickeln im Gesicht auf dem Boden seiner Single-Wohnung lümmelt, Chips und Cola in sich hineinschüttet und Katzenbilder auf Facebook teilt. Die letztgenannte Fraktion bezeichnet er auch als eine “verlorene Generation”, die diesen Zustand selbst zu verantworten hat. Den Kriegszustand zwischen beiden Parteien benennt er in US-Word-Dropping-Methode wiederum als “Clash of Civilizations” – ohne Probleme ist diese Vokabel der Politikwissenschaft auch als “Kampf der Zivilisationen” zu übersetzen.

Ich will nicht über Heveling sprechen, dem heimlichen Dschungelcamp-König der CDU, oder über seinen Ton und seine skurrilen Absichten. Sondern über sein Anliegen: den “Clash of Civilizations” – das klingt wüst, das klingt roh, das klingt unausweichlich. Zum Glück sind die Fronten ja geklärt: Die Spaltung geht mitten durch die Gesellschaft und eines Tages werden sich die zwei Gruppen mit Fackeln und Mistgabeln in den Straßen bekriegen. So zumindest lautet die Voraussagung des Ansgar-Orakels.

Genau das ist aber schon verkehrt. Dies wird kein Zweiparteienkrieg, sondern – mindestens – ein Vierparteienkrieg. Und jede Fraktion spielt dabei ihre ganz besondere Rolle und verlagert dementsprechend die Position der Scharmützel auf dem Schlachtfeld digitaler Medien. Weiterlesen

Chronologie einer Empörung: Twitter, der freiheitsraubende Zensurmeister (10 Phasen)

27. Januar 2012  |  Journalismus, Social Media  |  2 Comments


 

Phase 1: Der Empörungsreflex
“FU, Twitter!” – Die erste Reaktion auf die Ankündigung ist komplette Entrüstung, die eine Tweet- und Hashtag-Flut vor sich herschwemmt. Verlinkt wird immer wieder dieselbe Handvoll Artikel. Der Himmel verdüstert sich, am Horizont grollt der Shitstorm.

Phase 2: Der Grabreflex
Im Fahrwasser der blinden Wut finden sich immer einige kluge Köpfe, die der Sache auf den Grund gehen – allerdings mit vordefinierter These im Kopf: “Warum zensiert Twitter?” wird dabei ersetzt durch “Deshalb ist Twitter böse!” Antwort: Der Dienst buckelt vor den Saudis. Es geht um Kohle und Twitter kriegt den Hals nicht voll genug.

Phase 3: Der Medienreflex
Medien berichten über den Shitstorm. Zunächst geht es nur um möglichst blumige Deskriptoren der Fetzerei unter Nerds. Dann auch um die Sache an sich. Damit wird der Protest nobilitiert und erhält seine Legitimation. Diese Botschaft nehmen die Aufständischen mit. Weiterlesen

iPads in Klassenzimmern: “Time to turn the Page”

19. Januar 2012  |  Netznews, Tech, Unternehmen  |  1 Comment

There is no reason to assume today that kids need to use the same tools they used in 1950. To do so is to prepare them for a world that’s already passed. – Phil Schiller

Hoffentlich habe ich niemanden vergessen, doch es dürften drei Parteien sein, die nach der heutigen Apple-Ankündigung einen geknickten Eindruck machen: Zum einen Print-on-Demand-Anbieter, zum anderen Unternehmen, die sich auf die Gestaltung von E-Books spezialisiert haben. Und dann all diejenigen der Buchbranche, die dem Innovationsdruck bislang tapfer die Stirn geboten haben.

Holz ist ein wissenschaftlicher Baustoff aus einer verklärten Vergangenheit – um nichts Geringeres als diese Botschaft ging es heute, als Phil Schiller die drei Education-Produkte iBooks2, iBooks Author und die iTunes U-App vorstellte. Steve Jobs war der Bildungssektor nach eigenem Bekunden immer eine Herzensangelegenheit (wer die Biographie gelesen hat, erinnert sich an die bewegenden Worte der letzten Tage) und auch Apple hatte das dritte Standbein – neben “Consumer” und “Professionals” – nie richtig aus den Augen verloren. Nicht zuletzt beginnt Kundenbindung heutzutage immer früher: einmal Apple, immer Apple. Weiterlesen

Wulff ist abgewählt

16. Januar 2012  |  Journalismus  |  1 Comment

Hat es der geneigte Leser mitbekommen? Nein. Tja, so kann es kommen – und doch ist unser Staatsoberhaupt tatsächlich abgewählt worden, gestürzt, in Ungnade gefallen. Selbst, wenn Reuters noch vor wenigen Stunden titelte, dass in der “Wulff-Affäre” die “Ermittlungen weiter offen seien” – in den Medien ist der Korruptionsverdacht im Schloss Bellevue mittlerweile Geschichte. Bei Bild.de ist er komplett von der Bildfläche verschwunden, der Tagesschau ist er egal, Spiegel Online begnügt sich mit einem letzten Satire-Abklatschen.

Zwei Themen haben stattdessen die Titelseiten erobert: Standard & Poor’s Entscheidung, Frankreich, Österreich und anderen EU-Staaten die Dekoration vom Revers zu reißen, um anschließend den gesamten Euro-Rettungsfond abzuwatschen. Und das Schiffsunglück an der Toskanischen Küste. Die Causa Wulff ist gegessen, gibt es doch nun ganz neue Spielfelder der Betätigung, in deren Rahmen man sich etwa fragen kann, was Rating-Agenturen heutzutage überhaupt leisten und ob wir uns das gefallen lassen müssen. Oder das Rätselraten um den unfähigsten Kapitän der Welt, der leichtfertig das Leben hunderter Touristen riskiert hat. Nebenbei gefragt: Hat der Boom-Sektor der Kreuzfahrten die ganze Zeit auf Kosten der Sicherheit gewirtschaftet? Weiterlesen

SOPA und die Selbstzensur: Kein Wunder, dass die US-Medien schweigen

7. Januar 2012  |  Netznews  |  9 Comments

Die US-Foren sind voll davon, ebenso die Netzwerke – der Ton wird von Tag zu Tag rauer. Aber nur im Internet. Ende Oktober 2011 wurde der Gesetzentwurf zum Stop Online Piracy Act (SOPA) eingereicht, derzeit debattiert darüber noch der Justizausschuss im Repräsentantenhaus (PDF des Antrags). Die bislang besprochenen Maßnahmen sollen Rechteinhaber dazu befähigen, Websites, auf denen urheberrechtlich geschützten Material ohne Erlaubnis gefunden werden, direkt lahmzulegen. Eine richterliche Erlaubnis soll dazu nicht erforderlich sein. In der Praxis kann das so aussehen: Wird ein unrechtmäßig kopiertes Video bei YouTube entdeckt, können Service-Provider (auch außerhalb der USA) angehalten werden, den Zugang zur Plattform zu sperren. Der exegetische Spielraum der Gesetzvorlage ist monströs – heißt: jeder kann fast nach Belieben frei interpretieren und assoziieren. Die juristischen Folgen für Verweigerer sind hingegen ziemlich eindeutig. Es geht um schwere Straftatbestände.

Obwohl SOPA in den Staaten noch nicht Gesetz ist, üben die Amerikaner bereits seit Wochen Druck auf Europa aus – die westlichen Industrieländer sollen alle an einem Strang ziehen. Weiterlesen